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mehr¬Sinn® Geschichten. Sinnlich erfahrbare Geschichten für Menschen mit eingeschränkter Kognition und Kommunikationsfähigkeit

Das Märchen vom hässlichen Entlein (von Hans Cristian Andersen)

Hausarbeit 2015 18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Mehr ¬ Sinn® Geschichten
2.1 Was mehr ¬ Sinn® Geschichten sind
2.2 Der Grundgedanke dahinter
2.3 Entwicklung und Entstehung
2.4 Zielgruppe

3 Wie mehr ¬ Sinn® Geschichten erzählt werden
3.1 Vorbereitung
3.2 Durchführung

4 Die mehr ¬ Sinn® Geschichte „Das hässliche Entlein“ von Hans Christian Andersen
4.1 Benötigte Materialien
4.2 Regieanleitung
4.3 Regieheft

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Märchen und Geschichten sind für Kinder und Erwachsene von großer Bedeutung. Sie werden von Generation zu Generation weitererzählt und ein transgenerationaler Austausch findet statt. Dadurch bringen sie die Menschen näher zusammen, schaffen einen Dialog, transportieren Botschaften, ermöglichen ein soziales Miteinander und erhalten das kulturelle Erbe. Geschichten und Märchen vermitteln Regeln, Normen und Wertvorstellungen. Ihr Erzählen hat nicht nur kulturelle und soziale Funktionen, sie wirken auf den/der Erzähler/in und Zuhörer/in auch identitätsbildend. Gleichzeitig dienen sie der Selbstentfaltung da, sie die Phantasie anregen (Fornefeld 2013, 23). Geschichten und Märchen sind für die Entwicklung von Kindern von großer Bedeutung. Bis in das hohe Alter spielen sie eine wichtige Rolle, denn durch das gemeinsame Erzählen werden die Inhalte und Botschaften greifbar gemacht. Eine besondere Form des Geschichtenerzählens sind die mehr ¬ Sinn® Geschichten. Sie richten sich in erster Linie an Menschen, die aufgrund einer Behinderung Einschränkungen im Bereich der Kognition und Kommunikation haben (Fornefeld o.J., 6 f).

Die hier vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Thematik dieser mehr ¬ Sinn® Geschichten. Es wird auf das Konzept dieser Erzählform eingegangen und ferner die Frage gestellt, wie eine mehr ¬ Sinn® Geschichte selbst geschrieben und erzählt werden kann. Wichtige Hinweise beim Erstellen und Erzählen werden im Kapitel 3 gegeben.

Im zweiten Teil der Hausarbeit wird grundsätzlich beschrieben, was mehr ¬ Sinn® Geschichten sind und wie sie entstanden sind, welcher Grundgedanke dahinter steht und für wen sie schrieben wurden. Der mittlere Teil beschäftigt sich hauptsächlich damit, wie eine mehr ¬ Sinn® Geschichte vorbereitet und erzählt wird. Im vierten Kapitel wird eine selbst entwickelte mehr ¬ Sinn® Geschichte nebst der Verwendeten Materialien vorgestellt.

2 Mehr ¬ Sinn® Geschichten

In diesem Kapitel wird beschrieben was mehr ¬ Sinn® Geschichten sind, welches Konzept ihnen zugrunde liegt, wie sie entstanden sind und für wen sie entwickelt worden sind.

2.1 Was mehr ¬ Sinn® Geschichten sind

Mehr ¬ Sinn® Geschichten sind Märchen, Sagen, Bibelgeschichten oder frei erfundene Geschichten, die nicht nur vorgelesen und erzählt werden, sondern sinnlich wahrgemacht sind. Dem/der Zuhörer/in wird die Geschichte oder das Märchen mittels visuelle, auditive, olfaktorische, gustatorische oder taktile Reize erfahrbar gemacht. In der Regel werden bereits bestehende Märchen oder Geschichten inhaltlich zusammengefasst und didaktisch neu aufgearbeitet. Dabei wird der Inhalt in ca. zwölf Kernaussagen zusammengefasst und verschriftlicht. Diese werden dann in kurzen Sätzen vorgelesen. Für jede mehr ¬ Sinn® Geschichte wird eine hölzerne Kiste angefertigt. In dieser Erzählkiste befinden sich verschiedene Requisiten und Materialien, ein Handbuch, ein Regieheft und eine Musik-CD (www.leona-ev.de, 07.05.2015).

Alle mehr ¬ Sinn® Geschichten verändern traditionelle Märchen in der Art und Weise, dass sie auch Menschen, die eine gravierende Beeinträchtigung haben, besser erfassen und verstehen können. Sie werden nicht nur erzählt, sondern sinnlich wahrnehmbar gemacht. Die mehr ¬ Sinn® Geschichten haben den Charakter, dass sie durch ihre kreative Gestaltung und Erzählform das inhaltliche Verstehen ermöglichen (Fornefeld 2013, 9). Aufgrund der dramaturgischen Gestaltung mit Musik, den Requisiten und der stimmlichen Betonung einzelner Wörter und Passagen, werden die sinnlichen Eindrücke intensiviert. Dadurch wird der/die Zuhörer/in in besonderer Weise erreicht (Fornefeld 2013, 24). Aktuell gibt es sechs mehr ¬ Sinn® Geschichten (Rotkäppchen, Hänsel und Gretel, der Wolf und die sieben Geißlein, der orientalische Markt, die Reise zur Schatzinsel, Dschungelexpedition), die jeweils in Form einer hölzernen Erzählkiste käuflich zu erwerben sind (www.kubus-ev.de, 07.05.2015).

2.2 Der Grundgedanke dahinter

Wenn sich ein Mensch wenig bis gar nicht äußern kann, wird ihm die Fähigkeit abgesprochen dass er/sie das Erzählte auch versteht. Aufgrund dieser falschen Grundannahme werden ihnen erst keine Geschichten erzählt. Diese Annahme ist weit verbreitet. Wenn aber der Erzähler/in eine andere Darstellungsform wählt und die Geschichte in seinen inhaltlichen Kern zusammenfasst, dann ist die betroffene Person sehr wohl in der Lage den erzählten Inhalt aufzunehmen und zu verstehen, auch dann wenn keine erkennbare Reaktion ersichtlich ist. An eben diesen Grundgedanken knüpfen die mehr ¬ Sinn® Geschichten an. Beim Erzählen von mehr ¬ Sinn® Geschichten geht es nicht nur darum, vorhandene Defizite auszugleichen, sondern um eine gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe (Fornefeld 2013, 10). Die Geschichten und Märchen dienen nicht nur dem Zeitvertreib, sie schaffen eine kulturelle Identität, bringen Menschen einander näher. Dadurch sind sie wichtige Bestandteile unserer Gesellschaft. Mehr ¬ Sinn® Geschichten helfen nicht nur den Inhalt besser zu verstehen, es geht auch darum, den Menschen in seiner Ganzheit zu betrachten und dadurch seine/ihre Lebensqualität verbessern zu können. (www.kubus-ev.de, 07.05.2015).

Das Konzept ist ressourcenorientiert und besitzt eine pädagogische Ausrichtung. Durch eine spezifische Sprache und der speziellen Darstellungsform werden bei dem/der Zuhörer/in und Erzähler/in neue Bildungswege erschlossen (Fornefeld 2013, 10). Dadurch wird eine vertraute Beziehung zwischen Zuhörer/in und Erzähler/in aufgebaut. Dem/der Zuhörer/in soll mit diesen Konzept Selbst- und Welterfahrung vermittelt werden (Fornefeld 2013, 16). Das Konzept der mehr ¬ Sinn® Geschichte geht davon aus, dass jeder Mensch ein Teil der Kultur und Gesellschaft ist, in der er oder sie lebt und jede Person fähig ist, an diesem Kulturleben teilzunehmen, wenn ihnen dazu die Möglichkeiten eingeräumt werden. Grundlegend ist, dass jeder Mensch ein Recht auf kulturelle und soziale Teilhabe hat (Fornefeld 2013, 17).

2.3 Entwicklung und Entstehung

Die erste mehr ¬ Sinn® Geschichte wurde 2008 an der Universität zu Köln von Frau Prof. Dr. Barbara Fornefeld entwickelt. Sie hat den Lehrstuhl für Pädagogik und Rehabilitation bei Menschen mit geistiger und schwerer Behinderung inne (www.hf.uni-koeln.de, 16.07.2015). Im Rahmen eines Seminars mit mehreren Studierenden suchten die Teilnehmer/innen nach neuen Teilhabemöglichkeiten für Menschen, die eine gravierende Einschränkung haben (www.kubus-ev.de, 07.05.2015). In Kooperation mit dem Kubus e. V., anderen Einrichtungen der Behindertenhilfe und der Universität zu Köln wurde das Konzept der mehr ¬ Sinn® Geschichten immer weiter entwickelt. Diese spezielle Methode des Geschichtenerzählens wurde nach wissenschaftlichen Standards ausgebildet und wird derzeit in der Praxis erprobt (www.beb-ev.de, 07.05.2015).

Die hölzerne Erzählkiste und die darin enthaltenen Requisiten wurden unter der Federführung der Lebenshilfe Heinsberg e. V. in verschiedenen Behindertenwerkstätten durch Handarbeit gefertigt. Die auf der CD befindliche Musik wurde von dem Komponisten Hans Steinmeier verfasst und vom Landespolizeiorchester des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen eingespielt (Fornefeld 2013, 9 f). Im Jahr 2012 wurde die Idee der mehr ¬ Sinn® Geschichten mit dem Mit Mensch Preis des Bundesverbandes der evangelischen Behindertenhilfe (BeB) in Berlin ausgezeichnet. Der Kubus e. V. führt bezüglich der mehr ¬ Sinn® Geschichten Fortbildungsveranstaltungen durch (www.kubus-ev.de, 07.05.2015).

2.4 Zielgruppe

Mehr ¬ Sinn® Geschichten richten sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die eine schwerwiegende Behinderung haben. Aber auch Menschen die, an einer Demenz erkrankt sind, können damit erreicht werden. Ursprünglich wurden damit Personen angesprochen, die in ihrer Kommunikation, in Kognition und Wahrnehmung stark eingeschränkt sind (www.leona-ev.de, 07.05.2015). Mehr ¬ Sinn® Geschichten sprechen aber auch andere Personengruppen an.

Mittlerweile sind sie für die Anwendung in Kindergärten, Schulen, logopädischen Praxen, Wohn- und Seniorenheimen konzipiert und finden dort ihre Anwendung. Das Konzept der mehr ¬ Sinn® Geschichten bietet die Möglichkeit, eigene Geschichten und Märchen zu verfassen. Dadurch können sie an die individuellen Gegebenheiten der Menschen angepasst werden (www.kubus-ev.de, 07.05.2015).

3 Wie mehr ¬ Sinn® Geschichten erzählt werden

In diesem Kapitel wird beschrieben, was bei der Vorbereitung und des Erzählens einer mehr ¬ Sinn® Geschichte zu beachten ist. Oft sind Kleinigkeiten für den Erfolg des Geschichten Erzählens wichtig.

3.1 Vorbereitung

Bevor eine mehr ¬ Sinn® Geschichte erzählt wird, sollte sich der/die Erzähler/In gut vorbereiten. Es ist wichtig, dass die Regieanweisungen vorher durchgelesen werden und man sich den Inhalt aneignet. Weiterhin ist es notwendig, alle Requisiten auf ihre Vollständigkeit zu prüfen und zu kontrollieren. Alle Materialien sollten so zurechtgelegt werden, dass sie ohne weitere Probleme verwendet werden können. Zur Vorbereitung gehört es auch, eine angenehme und entspannte Erzählatmosphäre zu schaffen. Alle Störfaktoren für den/der Zuhörer/in und Erzähler/in sollte beseitigt werden. So ist es nicht besonders förderlich, wenn der/die Erzähler/in hungrig, mit voller Blase oder mit Zeitdruck die mehr ¬ Sinn® Geschichte beginnt. Ebenso sollte das Radio oder der Fernseher ausgeschaltet werden. Um weitere Lärmquellen zu vermeiden, ist es sinnvoll Fenster und Türen zu schließen. Weiterhin ist ratsam, bei Bedarf vorher das Inkontinenzmaterial des Zuhörers zu wechseln, um dessen Wohlbefinden zu steigern und unangenehme Gerüche zu verbannen (Fornefeld o. J., 27 ff).

3.2 Durchführung

Beim Vorlesen ist es wichtig, die Erzählatmosphäre angenehm zu gestalteten. Dafür wird ein gewisser Abstand zum Alltagsgeschehen benötigt, denn nur so können sich fantasievolle Bilder entfalten. Beim Erzählen sollte sich viel Zeit genommen werden und Zeitdruck vermieden werden. Gegenüber dem/der Zuhörer/in sollte der/die Erzähler keinen Erwartungsdruck aufbauen, denn auch wenn keine Reaktionen zu erkennen sind, bedeutet das nicht, dass der/ Zuhörer/in das Gesagte nicht aufnimmt und versteht. Die Reaktionen auf Sinnesreize können dabei selten bis gar nicht stattfinden. Dessen sollte sich der/die Erzähler/in bewusst sein. Aus diesen Grund ist wichtig, dass er/sie sich Zeit beim Vorlesen nimmt und einige Textstellen wiederholt. Dadurch wird es dem/der Zuhörer/in ermöglicht Sinneseindrücke besser aufzunehmen (Fornefeld 2013, 27 ff). Die Wiedererkennung einiger Wortlaute ist notwendig, um ein bessere Aufnahme und Verstehen zu erreichen. Daher ist es von Belangen, die Geschichte immer gleich wiederzugeben und nicht von der Vorlage abzuweichen (Fornefeld 2013, 32). Für den/die Zuhörer/in wäre es sinnvoll, wenn er/sie die mehr ¬ Sinn® Geschichten mitgestalten kann und aktiv am Geschehen eingebunden ist. Die Materialien und Requisiten regen zum Erkunden an und ermöglichen die Kontaktaufnahme mit dem/der Erzähler/in (Fornefeld 2013, 27).

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Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668042513
ISBN (Buch)
9783668042520
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Erscheinungsdatum
2015 (September)
Note
1,0
Schlagworte
mehr ¬ Sinn® Geschichten Märchen Mythen Hans Christian Andersen Das hässliche Entlein Erzählen

Autor

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Titel: mehr¬Sinn® Geschichten. Sinnlich erfahrbare Geschichten für Menschen mit eingeschränkter Kognition und Kommunikationsfähigkeit