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Die Mondlandung 1969 als Medienereignis

Hausarbeit 2014 16 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Der Begriff Medienereignis

2. Die Mondlandung
2.1 Das Geschehen an sich
2.2 Mediale Reaktionen
2.3 Das Fernsehen
2.4 Der Hörfunk
2.5 Die Zeitungen

3. Die Mondlandung als Medienereignis

4. Ein Ausblick auf weitere Allforschung als Medienereignis: Die Rosetta-Mission

Verzeichnis

1. Der Begriff Medienereignis

Das Seminar „Medien-Ereignisse“ thematisierte Ereignisse, die mediale Inszenierung im Hinblick auf das Ereignis selbst und deren Rezeption in ästhetischen Praktiken, wie zum Beispiel der Kunst und Philosophie. Dabei entstanden viele Fragen.

- Was definiert ein Medienereignis?
- Welche Bedingungen muss ein Ereignis erfüllen um zum Medienereignis zu werden? Wie kann die Aktualität des Geschehens in den Medien erhalten werden?
- Welchen Lauf nimmt die Entwicklung eines Ereignisses durch die mediale Aufmerksamkeit?

Diese Fragen lassen sich nicht in einem Satz, sondern erst durch die Beschäftigung mit dem Thema und der Diskussion in der Gruppe beantworten.

Generell muss von privaten und öffentlich Ereignissen unterschieden werden. Ein Ereignis im öffentlichen Sinne erkennt man an der Implikation von verdichteter Kommunikation. Es reiht sich eine komplexe Folge aus verschiedenen Vorfällen aneinander, die überraschen oder schockieren, Konsequenzen nach sich ziehen und die bestehende Strukturen verändern. Diese werden auch schon kurze Zeit später von der Umwelt bemerkt[1]. Um ein Ereignis sichtbar zu machen, muss es von den Medien bemerkt werden. Eine Situation wird also erst mittels ihrer Entdeckung von den Medien der Ereignischarakter verliehen, das heißt, dass sie verschiedene Vorgänge selektieren und diese als Ereignisse interpretieren[2].

Dadurch erfassen die Medien nicht nur das Ereignis und geben es an die Umwelt weiter, sondern sie sind auch gleichzeitig Mitgestalter, da durch ihre Anwesenheit die Geschehnisse transformiert werden[3]. Allein aufgrund der Darstellungsweise infolge der verschiedenen Techniken, entsteht ein konstruiertes Bild der Situation. Zur Veranschaulichung kann überlegt werden, ob Neil Armstrong bei seinem ersten Schritt auf den Mond, seinen berühmten Satz „ That’s one small step for man… one… giant leap for mankind. [4] ” auch gesagt hätte, wenn die Mondlandung nicht live übertragen worden wäre.

Doch was lässt ein Ereignis nun zu einem Medienereignis werden? Die allgemeine Definition des Wortes Medienereignis laut Duden besagt: „Spektakuläres Ereignis, über das die Medien äußerst ausführlich (mit Features, Kommentaren, Reportagen, Interviews u.Ä.[über einen längeren Zeitraum hinweg]) berichten“[5]. Diese Bedeutung lässt sich auch in der Medienwissenschaft finden. Wissenschaftlich ausgedrückt bezeichnet ein Medienereignis eine besonders intensive, meist grenzüberschreitende Verdichtung der Kommunikation auf ein Thema, das von Zeitgenossen als besonderer Einschnitt gesehen wird und eine große unterschiedliche Masse an Teilnehmern erreicht. Die Wissenschaftler Elihu Katz und Daniel Dayan fassen ihre Definition sogar noch enger, indem sie den Begriff nur auf vorher geplante zeremonielle Unterbrechungen der Alltagsroutine beschränken. Medien können demnach nur ein Medienereignis generieren, wenn ein erwartetes und geplantes Ereignisse als solche bevorsteht[6]. Das knüpft an die Theorie Pierre Noras an, welcher der Auffassung ist, dass die Medien gezwungen sind, die Welt mit immer neuen Ereignissen zu versorgen. Aus diesem Grund sind sie durchgehend auf der Suche nach Geschehnissen die ein vergleichsweise großes, wie auch diverses Publikum ansprechen. Jedoch ist Nora auch der Meinung, dass Medienereignisse nicht unbedingt künstlich geschaffen werden müssen.

Ein weiteres Merkmal eines Medienereignisses ist die selbstredende Einmaligkeit, egal ob geplant und inszeniert – beispielsweise ein Begräbnis eines Staatsoberhauptes, welches sich nicht nur an den Zuschauer vor Ort, sondern auch gezielt an eine transnationale, medial strukturierte Öffentlichkeit richtet - oder spontan, wie eine Naturkatastrophe. Doch genau dieser individuelle Wiedererkennungswert des jeweiligen Medienereignisses gibt der Forschung die Möglichkeit sie zusammenzufassen und dahinterliegende Struktur zu erkennen.

Um nun die gerade oberflächlich dargelegte Definition eines Medienereignisses zu veranschaulichen, soll sich diese Arbeit mit dem Thema der Mondlandung im Jahre 1969 beschäftigen. Beginnend mit dem Geschehen an sich, werden nachfolgend die medialen Reaktionen genauer betrachtet, um danach die Gründe für die Auszeichnung als Medienereignis zu erläutern. Abschließend wird ein Ausblick auf die weitere Allforschung als Medienereignis anhand der Raumsonde Rosetta, deren Ziel die Landung auf einem Kometen war, gegeben.

2. Die Mondlandung

Als Neil Armstrong am 20. Juli 1969 als erster Mensch seinen Fuß auf die Oberfläche des Mondes setzte, ging einer der ältesten Menschheitsträume in Erfüllung. Dieses Ereignis markiert auf allen Ebenen der menschlichen Kultur einen bedeutenden Einschnitt. Sowohl die Technik verzeichnete einen enormen Fortschritt wie auch der Mensch selbst hatte in seiner Lust an Landnahme einen neuen Raum, das Universum, für sich entdeckt. Einen weiteren maßgeblichen Einfluss hatte die Mondlandung auf die Entwicklung der Medien, da der Wahrheitsgehalt des Ereignisses nur durch die Live-Übertragung und die dadurch entstandenen Bilder belegt werden konnte[7]. Doch um die weitreichenden Veränderungen, welche die Unternehmung zum Mond nach sich zog, zu verstehen, soll zunächst der Ablauf an sich erläutert werden.

2.1 Das Geschehen an sich

Das Ziel der Amerikaner den ersten Menschen auf den Mond zu bringen, fixierte Präsident John F. Kennedy am 25. Mai 1961 in seiner Rede vor dem amerikanischen Kongress. Er proklamierte das Apollo-Raumfahrtprogramm und legte mit folgenden Worten die Zeitspanne fest.

First, I believe that this nation should commit itself to achieving the goal, before this decade is out, of landing a man on the moon and returning him safely to the earth.“[8]

Von diesem Zeitpunkt an stand die Entwicklung der Raketen geleitet durch Wernher von Braun, dem ‚Vater der Mondlandung’[9], und die am Apolloprogramm teilnehmenden Astronauten im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses – einfach jeder fieberte mit.

Neun Jahre nach Kennedys Rede, viele Höhen und Tiefen während des Entwicklungsprozesses des Raumfahrtprogramms überwindend, begannen die Astronauten Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin E. Aldrin Jr. nach langer Vorbereitung am 16. Juli 1969 von Cape Canaveral, Florida ihre 400.000 Kilometer lange Reise. Drei Tage später erreichte Apollo 11 ohne weitere Schwierigkeiten eine der Mondumlaufbahnen. Dort angelangt, stiegen Armstrong und Aldrin in die Mondlandefähre „Eagle“ um, Collins blieb im Mutterschiff zurück. Während des Landeanflugs auf das Mare Tranquillitatis gab es aufgrund von einer geringen Bahnänderung während des Abkopplungsmanövers Computerprobleme, die Armstrong durch das Übernehmen der Handsteuerung lösen und somit den Eagle sicher landen konnte. Nach bestätigtem Bodenkontakt und Abschluss aller Vorbereitungen für den Rückflug sowie dem fotografischen Dokumentieren, war es endlich soweit: Neil Armstrong kletterte die Ausstiegsleiter hinunter und setzte mit seinen berühmten Worten:“ That’s one small step for man, one giant leap for mankind!“[10] als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond. Gleich darauf schaltete er die Außenkamera der Mondlandefähre an, damit auch die Menschen auf der Erde die Landschaft des Mondes sehen konnten[11]. Buzz Aldrin betrat circa 20 Minuten nach ihm die fremde Oberfläche. Während ihres zwei Stunden und 31 Minuten langen Aufenthalts stellten sie die amerikanische Flagge auf, führten wichtige Messungen durch und sammelten Bodenproben. Nachdem alle Aufgaben vollbracht waren, kehrten die beiden Astronauten problemlos zur Kommandokapsel zurück. Hier wartete Collins auf sie, damit sie gemeinsam den Rückflug zur Erde in Angriff nehmen konnten. Drei Tage später, am 24. Juli 1969, wasserte die Kapsel im Pazifik und wurde von einem der Bergungsschiffe an Bord gebracht. Damit war das von Kennedy gesetzte Ziel, einen Menschen noch vor Ende der sechziger Jahre auf den Mond und sicher wieder zurück zur Erde zu bringen, erreicht.

[...]


[1] Vgl.: Bösch, Frank ; Schmidt, Patrick: Medialisierte Ereignisse : Performanz, Inszenierung und Medien seit dem 18. Jahrhundert. 1. Aufl.. Frankfurt am Main: Campus Verlag, 2010, S. 7/8.

[2] Vgl.: Bösch: Medialisierte Ereignisse, S.9.

[3] Vgl.: Bösch: Medialisierte Ereignisse, S.15/16.

[4] Vgl.: http://www.nasa.gov/mission_pages/apollo/apollo11_40th.html#.VMTSvcZzpd0.

[5] Vgl.: http://www.duden.de/rechtschreibung/Medienereignis.

[6] Vgl.: Bösch: Medialisierte Ereignisse, S.10.

[7] Vgl.: Grinsted, Daniel: Die Reise zum Mond : zur Faszinationsgeschichte eines medienkulturellen Phänomens zwischen Realität und Fiktion. Berlin: Logos Verlag Berlin GmbH, 2009, S.12.

[8] Vgl.: http://www.swetlan.ch/vorlagen/hp18z/apollo/Kennedy.pdf.

[9] Vgl.: http://www.bluewin.ch/de/news/wissen---technik/2014/7/21/wernher-von-braun--umstrittener-vater-des-mondlandeprogramms.html.

[10] Zitat siehe S. 3

[11] Vgl.: Rosenfelder, Andreas: Medien auf dem Mond. Zur Reichweite des Weltraumfernsehens. In: Schneider, Irmela (Hg.): Diskursgeschichte der Medien nach 1945: Bd. 2, Medienkultur der 60er Jahre. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, 2003, S. 18

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668040113
ISBN (Buch)
9783668040120
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v306137
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,7
Schlagworte
Mondlandung Medien Medienereignis

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Titel: Die Mondlandung 1969 als Medienereignis