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Das Streben nach Glück. Darstellung und Vergleich von Epikurs und Senecas Philosophie des Glücks

Hausarbeit 2014 19 Seiten

Philosophie - Philosophie der Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Epikur
2.1 Kurzbiografie
2.2 Darstellung Epikurs Glücksphilosophie

3. Seneca
3.1 Kurzbiografie
3.2 Darstellung Senecas Glücksphilosophie- De vita beata

4. Vergleich beider Positionen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.”2

Was ist Glück und was bedeutet es glücklich zu sein? Ist Glück eine feste Konstante, die bestimmbar und bei jedem Menschen gleich ist, oder ist es eher flüchtig, individuell und wandelbar? Wenn die zweite Annahme zutrifft, wie kann es dann gehaltvoll sein, sich mit anderen zu vergleichen?

Das Glück und das Streben nach Glückseligkeit sind dem Menschen inhärent wie das Bedürfnis zu atmen. Wer oder was ist Glück - die Abwesenheit von körperlichen und seelischen Leiden? Ein „gutes oder richtiges Leben“? Zufriedenheit? Ist Glück ein Zustand oder ein Gefühl? Ein Vorangehen, Streben oder ein Stillstand, Abwarten? Und wäre es dann ein Gut? Oder ist es vielleicht die Fortuna selbst? Die Vielschichtigkeit des Begriffs Glück, macht ihn zu einem Gegenstand historischer und aktueller Diskussion und Forschung. Glück als innere Ausgeglichen- und Zufriedenheit, als ein emotionales Verständnis kann sowohl kurze Momente, als auch länger andauernde Gefühle meinen. Neben einer inneren Abhängigkeit, kann Glück auch von äußeren Bedingungen abhängig sein, zumindest nach der aktuellen Unterscheidung des Glücksbegriffs in Glück haben und glücklich sein, mit der vor allem im Schulbereich gearbeitet wird.

Das Streben nach Glück hat sich als eine natürliche innere Antriebskraft auch als originäres individuelles Freiheitsrecht etabliert. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung hat es daher 1789 nicht nur zum Motto, sondern zu einem festen Bestandteil der Verfassung erklärt. Das Streben nach Glück als Menschen- und Freiheitsrecht ist heute wie früher ein Gegenstand der Forschung und Diskussion, sowohl unter neurobiologischen, medizinischen und psychologischen, sozialen und philosophischen Gesichtspunkten. Im Zentrum dieser Hausarbeit soll der Aspekt der philosophischen Betrachtungen des Pluralismus des Glücksbegriffes stehen. Es stellen sich die Fragen, was Glück und ein glückliches Leben charakterisiert, sowie auf welche Art und Weise man es erlangen kann. Zur Beantwortung dieser Fragen, möchte ich zwei Philosophen zunächst isoliert darstellen, später dann vergleichend diskutieren. Epikur und Seneca sind beide Anhänger des Stoizismus und es scheint gerade daher lohnenswert Gemeinsamkeit und Unterschiede in ihren Schriften über eine glückliche Lebensführung herauszuarbeiten. Vor jeder Darstellung der Theorien, werde ich eine kurze biografische Einordnung vornehmen, um ein globales Verständnis meiner Ausführungen zu ermöglichen.

2. Epikur

2.1 Kurzbiografie

Epikur - der Inbegriff des heutigen „Genußmenschen“ und des Hedonismus zu seiner Zeit3, wurde 341 v. Chr. auf der Insel Samos als ältester Sohn der Familie eines athenischen Adelgeschlechts, der Philaiden geboren. Erste philosophische Einflüsse erlangte er durch den Unterricht „bei dem Platoniker Pamphilos“4, sowie bei dem Hellenisten Nausiphanes. Mit Beginn seiner Volljährigkeit musste er von 323 bis 321 v. Chr. in Athen seinen Militärdienst ableisten, wo er genügend Zeit hatte „sich mit den Hauptströmungen der damaligen Philosophie bekannt zu machen.“5 Nach seiner Dienstzeit folgte Epikur seiner Familie nach Kolophon in Asien, da diese nach Ende des „Lamischen Krieg[es]“ Samos verlassen mussten. Ein Jahrzehnt verging in dem er sich auf seine eigenen philosophischen Grundgedanken besann und schließlich 310v. Chr. seine ersten eigenen Schulen in Mytilene und Lampsakos begründete. In seinen fünf Lehrjahren an den Schulen schloss er wichtige, einflussreiche Freundschaften, die ihm seine finanzielle Unabhängigkeit ermöglichten.6

Um seine Lehre zu verbreiten, siedelte er 306 v. Chr. nach Athen um und eröffnete dort mit den meisten seiner Jünger eine Philosophenschule, die „häufig als der «Garten» bezeichnet wird.“7 Das besondere war, dass die Schule wie ein Kulturverein ausgerichtet war. Die Mitglieder jedoch jegliches private Eigentum behielten und lediglich die gemeinschaftliche Nutzung der schulischen Einrichtung auf gegenseitiger Vertrauensbasis für Epikur im Vordergrund stand. Dieses Regelwerk schloss auch weibliche Schüler und Sklaven nicht aus und die freundschaftliche Lehr-Lerngemeinde teilte zudem außerschulische Aktivitäten, dazu gehörten unter anderem „gemeinsam begangene religiöse Feste und Gedächtnisfeiern für verstorbene Mitglieder sowie die jährliche Geburtstagsfeier für Epikur.“8

Eines würdevollen Todes starb Epikur 270 v. Chr. in Athen. An seinem Todestag verfasste er seinen letzten Brief an seinen Freund und Jünger Idomeneus, in dem er ihn anwieß sich um die Kinder von seinem treuen Freund Metrodors zu kümmern. Die Fürsorglichkeit seinen Freunden und Verwandten gegenüber spiegelt auch der Inhalt seines Testaments wieder.9

2.2 Darstellung Epikurs Glücksphilosophie

Die Grundlage der hier folgenden Darstellung liefert Epikurs Brief an Menoikeus, welcher im zehnten Buch aus den Werk "Leben und Lehren berühmter Philosophen" von Diogenes Laertios 220 n.Chr. überliefert wurde.

Epikur hält zunächst fest, dass altersunabhängig jeder nach Glück streben und glücklich sein darf. Es ist immer der richtige Zeitpunkt, nie zu früh oder zu spät sein eigenes Leben zu leben. Man solle sich üben, in den Dingen, die das Glück hervorbringen, „denn wenn es da ist, haben wir alles, wenn es aber fehlt, dann tun wir alles, um es zu haben.“10 Bevor jedoch die Dinge geübt werden können, die es braucht zur Glückseligkeit, muss sich ein jeder bewusst machen, was diese Dinge sind. Epikur beginnt seine Darlegungen über den Weg zu einem glücklichen Leben mit einer theologischen Passage. Vor dem Hintergrund, dass Epikurs Lehren vielmals kritisiert und bekämpft wurden, aufgrund ihrer Tendenz die Grundfesten der Religion ins Wanken zu bringen, lässt sich dieser Abschnitt als eine Richtigstellung der eigenen Einstellung zu Religion und den Göttern verstehen. Er konstatiert, dass es Götter gibt und man in ihrer Unsterblich- und Seligkeit alles über sie glauben soll, was dieses stützt. Wichtig ist, nicht die Meinung der Menge über Götter einfach zu teilen und zu glauben, dies mache einen guten Menschen aus jedem. Epikur misst den Göttern damit innerhalb seiner Überlegungen wenig aktive Bedeutung für das Erlangen der Glückseligkeit zu. Wenn das Gute und Schlechte innerhalb unserer Wahrnehmung liegt, so bemerkt er zudem, so kann auch im Tod nichts schlechtes oder Fürchtens wertes liegen, denn gerade der Tod ist die Aufhebung der Wahrnehmung.11 Das Überwinden der Angst vor dem Tod, nimmt die Angst vor allem. „Denn es gibt nichts Schreckliches im Leben für den, der vollständig erfasst hat, dass nichts Schreckliches in dem Nichts leben liegt.“12 Den Schluss den Epikur hier zieht erscheint schlüssig; solange der Mensch existiert, existiert der Tod nicht und wenn der Tod Realität ist, dann existiert der Mensch nicht mehr. Jegliche Angst wird durch das Konzept der Wahrnehmbarkeit aufgelöst. Ebenso wie er die Götter in ihrer Bedeutung für das Leben diskreditiert, tut er es auch mit dem Tod und als Folge dessen spricht er dem Leben nach dem Tod jegliche Existenz ab. Unabhängig von Göttern, dem Tod oder der Lebenslänge, wird der Weise das Leben genießen und damit stets die angenehme der langen Lebenszeit vorziehen, wenn er in eine Entscheidungssituation kommt. Das Erleben von angenehmen Momenten und somit die Lust, sind für Epikur der Anfang und das Ziel eines glücklichen Lebens. „Man muss aber auch beachten, dass von den Begierden [der Leute] die einen natürlich sind, die anderen aber leer, und dass von den natürlichen die einen notwendig, die anderen jedoch nur natürlich sind; […].“13 Zudem nimmt er eine Unterteilung vor, die charakterisierend für die Bereiche der Notwendigkeit ist - Glück, Störungsfreiheit des Körpers und das Leben selbst. Ein Leben frei von Schmerz oder seelischer Unruhe, als Ziel des glücklichen Lebens, muss daher bei jeder Handlung oder Entscheidung im Fokus stehen. Jedoch muss, „[d]urch vergleichendes Abmessen und Abwägen des Nützlichen und des Schädlichen […] dies alles [entschieden werden].“14 Die Lust gehört für Epikur zur Natur des Menschen, es ist jedoch falsch, immer für die Lüste zu entscheiden. Ich führe ein kurzes Beispiel an, um die Gedankengänge nachzuvollziehen:

Habe ich Zahnschmerzen, so meide ich es, der Lust des Süßigkeiten Fröhnens nachzugehen, um größere Schmerzen zu meiden. Gleichwohl werde ich mich zum Zahnarzt begeben und nehme damit temporär während einer Behandlung weitaus größere Schmerzen in Kauf. Diese ertrage ich nur mit dem Wissen, dass ich im Anschluss wieder frei von Beschwerden sein werde, also Lust durch die Abwesenheit von Schmerz empfinde.

Ebenso verhält es sich in umgekehrter Weise. Ich werde keinen Gelüsten nachgehen, mit dem Wissen, dass sie mehr Schlechtes hervorbrächten als Gutes.

An diesen Beispielen soll klar werden, dass das Abwägen eine wichtige Position in Epikurs Theorien zum glücklichen Leben einnimmt. „Durch vergleichendes Abmessen und Abwägen des Nützlichen und des Schädlichen, muss man dies alles entscheiden.“15

Die Lust und das Bedürfnis nach ihr rührt letztlich nur vom Schmerz her. Es muss um ihr zu Entgehen für die Abwesenheit des Schmerzes gesorgt sein. „Und deshalb nennen wir die Lust den Anfang und das Ziel des glücklichen Lebens.“16 Aber nicht die Lust am Überfluss und am Ausschweifenden, sondern die reine Lust am schmerzfreien Körper und einer ruhigen, harmonischen Seele. Zum größten Gut kann auch die Genügsamkeit gezählt werden. Mit Wenig zurechtkommen, viel nicht zu haben, kann zu größerem Genuss führen, so nimmt man an, als viel zu besitzen. Denn alle kleinen, der Natur entsprungenen Dinge, sind leicht zu erlangen, nicht so das Überflüssige. Und dieses Abwägen kann nicht zu trennen sein von der Vernunft, die dadurch unabdingbar ist, für ein angenehmes Leben.

Der ehrwürdige Umgang mit den Göttern und das furchtlose Begegnen des Todes, ist es, was einem Menschen zu einem glücklichen Leben führen kann. Das Gute zu erreichen ist ein Leichtes und „dass die Grenze des Schlechten entweder nur kurz andauert oder geringe Mühen erfordert.“17 Hier scheint Epikur einen Widerspruch anzuführen. Sagt er einerseits, die Götter zu verehren gehöre zu den Notwendigkeiten der Glückseligkeit, betont er andererseits, dass nur der sein Ziel erreichen könne, der sich frei macht von allen Abhängigkeiten. Es darf nicht geglaubt werden, dass irgendeine Art von Macht- sei es das Schicksal oder eine göttliche Kraft verantwortlich sein kann, für unsere Tun und Handeln und den Weg, der von einem Menschen eingeschlagen wird.18

[...]


2 De Montesquieu, Charles- Louis. URL: http://zitate.net/gl%C3%BCck.html (Stand: 27.05.2014).

3 Hossenfelder, Malte: „Epikur“, Verlag C.H. Beck, 3. Auflage, 2006, Seite 9.

4 Ebd., Seite 14.

5 Ebd., Seite 15.

6 Vgl. Ebd., Seite 15f.

7 Ebd., Seite 17

8 Ebd., Seite 18.

9 Vgl. Ebd., Seite 20f.

10 Epikur: Ausgewählte Schriften. Brief an Menoikeus. Hrsg. und übers. von Christof Rapp. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag 2010. S. 3.

11 Vgl. Epikur: Ausgewählte Schriften. Brief an Menoikeus. Hrsg. und übers. von Christof Rapp. Stuttgart: Alfred Kröner Verlag 2010. S. 4.

12 Ebd. S. 4.

13 Ebd. S. 6.

14 Ebd. S. 6.

15 Ebd. S. 7.

16 Ebd. S. 7.

17 Ebd. S. 8.

18 Vgl. ebd. S.8.

Details

Seiten
19
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668040441
ISBN (Buch)
9783668040458
Dateigröße
900 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v306177
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
Schlagworte
seneca epikur glück philosophie

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