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Armutsdiskussion in Deutschland. Begriffe und Beispielrechnungen für typische Haushalte

Exposé zur Bachelorarbeit

Ausarbeitung 2015 23 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Armutsbegriffe
2.1. Absolute Armut
2.2. Relative Armut

3. Armut in Deutschland
3.1. Einkommensverteilung
3.2. Vermögensverteilung
3.3. Soziale Mobilität

4. Beispielrechnungen für typische Haushaltsgrößen

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entwicklung der absoluten Armut im Ländervergleich

Abbildung 2: Subindikator Erwerbslosenhaushalte

Abbildung 3: Subindikator Armutsgefährdung

Abbildung 4: Subindikator erhebliche materielle Entbehrung

Abbildung 5: Gini-Koeffizient und Haushaltseinkommen

Abbildung 6: Haushaltseinkommen nach Einkommensart und Dezilen

Abbildung 7: Dezilanteile und deren Einkommensverteilung

Abbildung 8: Anteil und Höhe des Nettovermögens nach Dezilen

Abbildung 9: Schulbesuch der Kinder in Abhängigkeit vom Bildungsniveau der Mutter

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Verteilung des Vermögens

Tabelle 2: Einkommensmobilität

Tabelle 3: Beispielrechnungen für typische Haushaltsgrößen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Wenn in Deutschland durch die Schlagzeilen geht, dass Spitzenmanager wie Martin Winterkorn für das Jahr 2014 ein Gehalt von 15,9 Millionen Euro erhalten und dies mehr als das 230-fache des Gehalts eines normalen Automobilmitarbeiters entspricht, sorgt dies regelmäßig für Diskussionen, welche Gehälter angemessen sind und wie sich die allgemeine Einkommensverteilung entwickelt.[1] Zur Frage wie sich die Armut in Deutschland entwickelt, hat der Paritätische Wohlfahrtverband in diesem Jahr seinen Bericht mit dem Titel „Die zerklüftete Republik“ veröffentlicht. Der Verband stellt fest, dass die Armut in Deutschland auf ein Rekordhoch gestiegen ist und der Abstand zwischen verschiedenen Regionen wächst.[2] Eine internationale Debatte hat ebenso das Buch von Thomas Piketty ausgelöst, der die Verteilung von Einkommen und Kapital in 20 Ländern über Jahrhunderte untersucht hat. Dabei stellt er fest, dass die Kapitalrendite dauerhaft höher ist als die Wachstumsrate des Einkommens und der Produktion und die Ungleichheit damit immer weiter steigen dürfte.[3]

Der Niedriglohnsektor und die damit einhergehende geringe Bezahlung hat dazu geführt, dass Menschen trotz Arbeit arm sind und ihr Einkommen nicht ausreicht, um ohne Sozialleistungen leben zu können. Hierbei muss beachtet werden, dass insgesamt 1,4 Millionen erwerbstätige Menschen im Jahr 2011 ihr Einkommen aufstocken mussten. 457.000 arbeiteten in Vollzeit und der Rest ging einer Teilzeitbeschäftigung oder geringfügigen Beschäftigung nach.[4] Der Anteil der Niedriglohnbezieher in Deutschland liegt im internationalen Vergleich über dem Durchschnitt der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Um das zu ändern, hat die Bundesregierung zum 01. Januar 2015 einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt.[5]

1.2. Aufbau der Arbeit

Innerhalb dieser Arbeit wird sowohl das Konzept der absoluten als auch der relativen Armutsmessung vorgestellt und dabei im Speziellen auf die Armutsdiskussion in Deutschland eingegangen. Desweiteren wird damit verbunden auch die Einkommens- und Vermögensverteilung und die soziale Durchlässigkeit in der Bundesrepublik Deutschland behandelt. Zur Veranschaulichung werden Beispielrechnungen erstellt, die zeigen, ab welcher Schwelle verschiedene, typische Haushaltsgrößen als armutsgefährdet gelten. Im Zusammenhang mit der verfassten Bachelorarbeit zur Einführung des Mindestlohns in Deutschland wird aufgezeigt, wie sich der Mindestlohn von 8,50 Euro auf die Haushaltseinkommen auswirkt.[6]

Die dargestellten Informationen in dieser Arbeit gelten für den Bearbeitungsstand 30.06.2015.

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für beiderlei Geschlecht.

2. Armutsbegriffe

2.1. Absolute Armut

Unter dem Begriff der Armut versteht die OECD „verschiedene Arten von Entbehrung im Zusammenhang mit der Unfähigkeit, menschliche Grundbedürfnisse zu befriedigen, vor allem in Bezug auf den Konsum und die Sicherheit von Nahrungsmitteln, Gesundheitsversorgung, Bildung, Geltendmachung von Rechten, Mitsprache, Sicherheit, und Würde sowie menschenwürdige Arbeit“.[7]

Um Armut messbar zu machen, können verschiedene Indikatoren wie beispielsweise das Einkommen, der Konsum oder der Kalorienkonsum verwendet werden. Dabei muss beachtet werden, dass jeder Indikator seine Grenzen hat.[8] Bei der Messung der absoluten Armut definiert die Weltbank Menschen als extrem arm, wenn diese am Tag weniger als 1,25 Dollar (umgerechnet in der Kaufkraft des jeweiligen Landes) zur Verfügung haben. Hierzu hat sich die Weltbank das Ziel gesetzt, dass im Jahr 2030 weniger als 3 % der globalen Bevölkerung von dieser extremen Armut betroffen sein sollen.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Entwicklung der absoluten Armut im Ländervergleich

Quelle: OECD (Hrsg.) (2009, S. 132)

Zur globalen Armutsmessung ist es ebenfalls möglich, einen Waren- und Dienstleistungskorb zu bilden, der zur Sicherung eines Mindestlebensstandards erforderlich ist und dessen Wert als Armutsgrenze anzunehmen. Um diese Schwelle und deren Veränderung im Zeitverlauf länderübergreifend vergleichen zu können, hat die OECD die Hälfte des Medianeinkommens der 1990er Jahre des jeweiligen Landes angesetzt und dieses über die Jahre real konstant gehalten, also lediglich um die Inflationsrate gesteigert. Hiermit wird eine subjektive Zusammenstellung des Warenkorbs ausgeschlossen und aus Abbildung 1 wird ersichtlich, dass die absolute Armut in Ungarn im Jahr 2005 im Vergleich zu 1995 um 70 % gesunken ist. In Deutschland hingegen ist die Armut im Vergleich zu 1995 um 13 % gestiegen.[10]

2.2. Relative Armut

In entwickelten Ländern ist das Konzept der relativen Armutsmessung in Verbindung mit qualitativen Ansätzen deutlich verbreiteter. Die EU hat sich mit ihrer Zukunftsstrategie Europa 2020 beispielsweise das Ziel gesetzt, die Zahl der von Armut und sozialer Ausgrenzung Betroffenen in der EU bis zum Jahr 2020 um 20 Millionen zu senken und misst dabei Armut anhand von 3 Subindikatoren.[11] Der erste Subindikator ist die Zahl der Haushalte mit keiner oder sehr geringer Erwerbstätigkeit, da ein fehlendes Arbeitseinkommen oft Ursache für Armut oder soziale Ausgrenzung ist. Eine sehr geringe Erwerbstätigkeit liegt vor, wenn die Erwachsenen (bis 59 Jahre) im Haushalt weniger als 20 % der maximal möglichen Erwerbszeit für eine Erwerbstätigkeit nutzen. Abbildung 2 veranschaulicht, dass die Zahl der Betroffenen rückläufig ist, aber mit 11 % über dem Durchschnitt der EU liegt.[12] Das 67,7 % aller Erwerbslosen, aber nur 7,7 % aller Erwerbstätigen armutsgefährdet sind, verdeutlicht hierbei die Wichtigkeit von Erwerbseinkommen.[13]

Der zweite Subindikator Armutsgefährdung erfasst alle Haushalte, die inklusive der Transferzahlungen weniger als 60 % des äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommens zur Verfügung haben. Äquivalenzgewichtet bedeutet, dass die Skaleneffekte der gemeinsamen Haushaltsführung und der niedrigere Bedarf von Kindern unter 15 Jahren Berücksichtigung finden. Bei der Interpretation dieser relativen Grenze muss beachtet werden, dass diese mit jedem Menschen, der mehr als das Medianeinkommen verdient ansteigt. 2010 galten in Deutschland rund 12,8 Millionen Menschen als armutsgefährdet, was mit 15,8 % der Gesamtbevölkerung leicht unter dem EU-Durchschnitt von 16,9 % liegt. Überdurchschnittlich betroffen sind Alleinerziehende mit 37,1 %, alleinlebende Erwachsene mit 32,3 % und Familien mit drei oder mehr Kindern mit 16,2 %. Von der Armutsgefährdung sind hingegen kinderlose Haushalte (10,8 %), Haushalte mit einem Kind (9,8 %) und Haushalte mit zwei Kindern (8,7 %) unterdurchschnittlich betroffen.[14] Die Armutsgefährdungsquoten weichen je nach verwendeter Datengrundlage voneinander ab. Die oben angeführten Ergebnisse beruhen auf der Europäischen Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC).[15] Weiterhin gibt es Berechnungen nach dem Mikrozensus und dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP). Jede der drei Datenquellen beruht auf Stichprobenbefragungen, wobei die Erfassung der Daten unterschiedlich ist. Beim SOEP werden beim Wohneigentum beispielsweise hypothetische Mieteinnahmen unterstellt, beim Mikrozensus und der EU-SILC hingegen nicht. Desweiteren werden die Einkommen bei SOEP und dem EU-SILC genau erhoben und beim Mikrozensus Einkommensklassen gebildet wodurch sich Unterschiede ergeben.[16]

Der dritte Subindikator befasst sich mit den erheblichen materiellen Entbehrungen, welche Menschen aufgrund ihrer geringen finanziellen Mittel hinnehmen müssen. Ob die Haushalte aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten Schwierigkeiten haben, für die folgenden neun Ausgaben aufzukommen, schätzen sie selbst ein. Dies sind Miete und Versorgungsleistungen, Beheizung der Wohnung, unerwartete größere Ausgaben (z.B. Reparaturen), jeden zweiten Tag eine Mahlzeit mit Fleisch, Fisch oder gleichwertiger Proteinzufuhr, eine einwöchige Ferienreise an einen anderen Ort, ein Auto, eine Waschmaschine, ein Farbfernseher und ein Telefon. Wenn ein Haushalt Probleme hat, vier oder mehr dieser Ausgaben zu tätigen, dann gilt das Kriterium als erfüllt. In Deutschland waren dies 2011 ca. 5 % der Bevölkerung. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Erwerbstätigen, die in 3 % der Fälle betroffen sind und Erwerbslosen, die in 30 % der Fälle betroffen sind.[17] Deswegen hat sich die EU ebenso das Ziel gesetzt, die Beschäftigung zu fördern und die Zielmarke von 75 % Beschäftigung aller Menschen zwischen 20 und 64 Jahren ausgegeben. Deutschland hat sich als nationales Ziel 77 % gesetzt und lag 2011 mit 76,7 % bei einem guten Wert oberhalb des EU Durchschnitts von 68,5 %.[18]

[...]


[1] Vgl. Ginsburg, H. J. et al., 2015, S. 17

[2] Vgl. Der Paritätische Gesamtverband (Hrsg.), 2015, S. 1

[3] Vgl. Piketty, T., 2014, S. 785 ff

[4] Vgl. Sachverständigenrat (Hrsg.), 2012, S. 341

[5] Vgl. OECD, 2014, S. 74

[6] Vgl. Schubert, C., 2015

[7] OECD (Hrsg.), 2002, S. 22

[8] Vgl. Haughton, J./Khandker, S. R., 2012, S. 9

[9] Vgl. The World Bank (Hrsg.), 2013, S. 7

[10] Vgl. OECD (Hrsg.), 2009, S. 131-132

[11] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), 2013, S. 40

[12] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), 2013, S. 44-45

[13] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), 2013, S. 49

[14] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), 2013, S. 48-49

[15] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), 2015

[16] Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.), 2014

[17] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), 2013, S. 52

[18] Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.), 2013, S. 12-13

Details

Seiten
23
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668043893
ISBN (Buch)
9783668043909
Dateigröße
1007 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v306462
Institution / Hochschule
Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin
Note
1,0
Schlagworte
Mindestlohn Armut Deutschland MiLoG Mindestlohngesetz

Autor

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