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Das Amt der Diakonisse in der Alten Kirche. Entwicklung und Funktionen

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Der Dienst der Frau in der Alten Kirche
2.1. Heranführung bis zum 4. Jahrhundert
2.2. Diakonisse

3. Quellenexegese
3.1. Die Apostolischen Konstitutionen
3.2. Basilius der Große
3.3. Konzil von Orange

4. Zusammenfassung

5. Konklusion

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Stellung der Frau in der vorwiegend von Männern bestimmten Kirche ist auch - oder vielleicht sogar gerade - heutzutage ein häufig diskutiertes Thema. Dabei findet man schon in der Bibel Hinweise auf die besonderen Tätigkeiten der Frauen, mit denen Jesus einen neuen Umgang praktizierte und die sogar die ersten Adressaten der Osterbotschaft waren.1 Darüber hinaus wird ihre unersetzbare missionarische Rolle in den paulinischen Schriften betont.2

Um die Frage nach möglichen Ämtern für Frauen in der Kirche vorantreiben zu können, ist es also hilfreich einen Blick auf die frühe Kirchengeschichte zu werfen und zu erörtern, ob es je ein von Frauen bekleidetes Amt, gestützt auf die biblische Autorität, gegeben hat. Obwohl die Quellenlage aus dem besagten Zeitraum undurchsichtig ist, stellen sich schnell drei besondere Gruppen von Frauen heraus, denen in den verschiedenen Beschlüssen jeweils bestimmte Tätigkeiten zugeteilt werden: die Witwen, Jungfrauen und später auch die Diakonissen.

Diese Arbeit beleuchtet die Entwicklung des Amts der Diakonisse in der Alten Kirche anhand einer Auswahl von zeitgenössischen Kirchenordnungen und Konzilien. Außerdem werden die genauen Funktionen dieses Hilfsdienstes herausgestellt. Nach einer allgemeinen Einleitung und Heranführung an die Situation bis zum 4. Jahrhundert schließt sich eine genaue Analyse altkirchlicher Quellen an. Anschließend werden die Befunde im historisch- und sachlichen Kontext zusammengefasst und abschließend betrachtet.

2 Der Dienst der Frau in der Alten Kirche

2.1. Heranführung bis zum 4. Jahrhundert

Betrachtet man zunächst einmal die biblischen Schriften hinsichtlich der Stellung der Frau, wird schnell deutlich, dass sie wichtige Positionen in der Heiligen Schrift einnehmen und in verschiedenen Rollen auftauchen. So berichtet das Alte Testament von Prophetinnen, wie Mirijam3 oder der Richterin Debora4, doch auch im Neuen Testament findet man Hinweise auf weibliche Prophetie.5 Die Verwendung des Begriffs διάκονος findet man zum ersten Mal in der Beschreibung der Phöbe6, die ebenfalls missionarischen und caritativen Dienst ausübte.

Obwohl wir also hier von einer besonderen Wichtigkeit der Arbeit von Frauen sprechen können, beziehen sich diese Beschreibungen ausschließlich auf missionarische bzw. unterstützende Arbeit. Die Betonung ihrer Jungfräulichkeit oder des Charismas lassen darüber hinaus auf eine Idealbeschreibung der Frau als Vorbild für die Gemeinde schließen.

Basierend auf der Beschreibung der Witwe in 1 Tim 3,11 und 1 Tim 5, 3-16, rückt die Witwe in dem folgenden 2. Jahrhundert in den Fokus für den Dienst der Frau in der Kirche.7 Zwar gibt die Textstelle in 1 Tim 3,11 eine klare Beschreibung über die erwarteten Eigenschaften der Frau im Dienste der Kirche: „Ebenso sollen die Frauen ehrbar sein, nicht verleumderisch, sondern nüchtern und in allem zuverlässig“, doch auch wenn diese Anweisungen unter der Überschrift „Die Diakone“ steht, lässt sie die Frage nach einem klerikalen Diakonissendienst offen. Es lässt sich vermuten, dass es bei dem Passus um eine „Analogie zu dem des Diakonats des Mannes besteht, dem jedoch keine offizielle Bezeichnung zu Teil wird“.8 Leopold Zscharnack meint sogar, dass das Wort „ebenso“ eine „neue Kategorie von Gemeindebeamtinnen einführen muss, allerdings eine verwandte, nach deren Nennung der Autor durch die Wiederholung des >>τοὺς διάκονους<< zum alten Thema zurückkehrt.“9

Nichts desto trotz bleibt die besagte Textstelle Basis für die sich weiter entwickelnden Dienste der Witwe. Hierbei ist nun eine Unterscheidung der Entwicklung im Osten und im Westen unumgänglich. Nicht nur weil die jeweiligen Quellen eine konträre Einstellung beweisen, sondern weil man es mit zwei unterschiedlichen Kulturkreisen und damit auch mit unterschiedlichen Stellungen der Frauen in den Gemeinden zu tun hat und diese Gegebenheiten individuellen Lösungen bedurften. Denn während im Westen die Frauen eine freiere Stellung in der Gemeinde genossen, war innerhalb des griechischen Kulturkreises, in dem die Frau ein zurückgezogenes Leben führte, eine „Vermittlerin“ zwischen den Frauen in heidnischen Häusern und der Kirche absolut unentbehrlich. Darüber hinaus bedurfte es einer Frau mit der Aufgabe der späteren Diakonisse für den Dienst an den Frauen um des Anstandes willen, besonders bei der Erwachsenentaufe. 10

Im Osten wird diese Position der Frauen im Viduat unter Origines als „ecclesiastica dignitas 11 bezeichnet und Clemens von Alexandrien spricht bei den Witwen von „klerikalen Würdenträgern“12. Im Westen vollzog sich zu diesem Zeitpunkt und bezüglich des Viduats noch eine parallele Entwicklung. Bei Tertullian, am Anfang des 3. Jahrhunderts, werden die Witwen noch zum Klerus gezählt, doch diese Bestimmung wird in der Traditio apostolica des Hippolyt wieder aufgehoben. 13 In beiden Fällen lag der Fokus der Witwe auf der Verwirklichung des asketischen Ideals ohne weitere Dienste und erst recht ohne liturgische bzw. unterrichtende Funktionen. Auf Grund der o.g. kulturellen Gegebenheiten im Westen bildete sich ab diesem Zeitpunkt, ca. ab 250 n. Chr. auch kein weiteres Frauenamt im Westen mehr heraus. Unter Ambrosius ist die Witwe weiter nicht mehr klerikal, und Hieronymus kennt den Begriff Diakonisse nur noch aus dem Orient.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass obwohl die Notwendigkeit weiblicher Dienste bereits bekannt war, sich bis zur Kirchenordnung der Didaskalie im 3. Jahrhundert, alle Kirchenlehrer gegen ein Frauenamt als solches äußerten.14 Der Witwe kommt hauptsächlich eine Vorbildfunktion zu, ohne jedoch besondere Aufgabenfelder innerhalb der Kirche ausüben zu dürfen.

2.2. Diakonisse

Wenn man die Entwicklung des Amtes der Diakonisse genauer betrachten möchte, ist es also hilfreich sich über die Funktionen der Witwe vor der öffentlichen Einführung der Diakonisse einen kurzen Überblick zu verschaffen. Denn die beiden Ämter stehen sich sehr nahe und abhängig von der jeweiligen Kirchenordnung ist entweder die Witwe oder die Diakonisse Beamtin der Kirche. An dieser Stelle sind die Canones eccl. Apost. zu erwähnen, in denen sich die Funktionen der Witwe und der Diakonisse innerhalb des Viduats, also unter drei verschiedenen Witwen vollziehen, eine sogenannte Diakonisse, die aber nicht erwähnt wird.15 Diese Ordnung bildet aber eine Ausnahme in der östlichen Kirche. Da die Witwe in der Gemeinde eine charismatische Rolle einnimmt und sie das Ideal der Askese verkörpert und sich ihre Funktionen auf seelsorgerische Tätigkeiten und das Gebet für alle beschränkt, drängt sie damit immer mehr aus dem Gemeindeleben heraus.16 Das Bedürfnis nach einem Frauenhilfsdienst mit liturgischen Funktionen war im Orient aber nach wie vor vorhanden und aus diesem Verlangen entwickelte sich das „Amt des Dienstes“17 in der Didaskalie.18

Der Terminus διάκονος tritt erstmals mit der Nennung der Phöbe in Röm 16,1-2 auf. Ihr Dienst wird auf missionarische und karitative Aufgaben beschränkt.19 Von einer Institutionalisierung ist hier jedoch noch nicht zu sprechen, denn zum Abfassungszeitpunkt der Quellen befindet man sich in einer Zeit, in der noch nicht die Rede von festgelegten Ämtern in der Kirche sein kann. Ebenso ist dann auch die Textstelle aus Röm 16,1 nicht als Amtsbeschreibung zu werten. Vielmehr wurden alle, die sich in den christlichen Liebesdienst begeben haben, als διάκονοι bezeichnet.20

[...]


1 Vgl. W. LÖSER, Art. Frau in der Kirche, in: Lexikon der katholischen Dogmatik (1987), 160f.

2 Vgl. Röm 16,6.12.15; Phil 4,2-5.

3 Vgl. Ex 15,20.

4 Vgl. Ri 4,4.

5 Vgl. Apg 21,9.

6 Vgl. Röm 16, 1-2

7 Vgl. A, KALSBACH, Art. Diakonisse, in: RAC 3 (1957), 918.

8 Vgl. M.B. STRITZKY VON, Der Dienst der Frau in der Alten Kirche, 152.

9 Vgl. L. ZSCHARNACK, Der Dienst, 139.

10 Vgl. P. PHILIPPI, Art. Diakonie I, in: TRE (1981), 626.

11 Vgl. A, KALSBACH, Art. Diakonisse, in: RAC 3 (1957), 918.

12 Vgl. ebd.

13 Vgl. und im Folgenden: M.B. STRITZKY VON, Der Dienst der Frau in der Alten Kirche, 142f.

14 Vgl. L. ZSCHARNACK, Der Dienst, 108.

15 Vgl. A, KALSBACH, Art. Diakonisse, in: RAC 3 (1957), 920.

16 Vgl. ebd.

17 L. ZSCHARNACK, Der Dienst, 111.

18 Vgl. M.B. STRITZKY VON, Der Dienst der Frau in der Alten Kirche, Vgl. hierzu auch: A, KALSBACH, Art. Diakonisse, in: RAC 3 (1957), 919.

19 Vgl. L. ZSCHARNACK, Der Dienst, 138.

20 Vgl. L. ZSCHARNACK, Der Dienst der Frau in den ersten Jahrhunderten der christlichen Kirche, 102. „Quo magis necessarium credidi ex duabus ancillis, quae ministrae dicebantur, quid esset veri, et per tormenta quaerere.“ (Plinius 10, 96,8).

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668045200
ISBN (Buch)
9783668045217
Dateigröße
588 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v306545
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,3
Schlagworte
Diakonissenamt Entwicklung Funktion Kirche Kirchengeschichte Analyse historische Analyse

Autor

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