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"Alea iacta est". Ursprung, Wirkung und didaktischer Wert der geflügelten Worte

Hausarbeit 2013 44 Seiten

Klassische Philologie - Latinistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Fachlicher Teil
2.1 Gattung
2.2 Gliederung und Kontextualisierung
2.3 Sprachliche Analyse

3 Didaktischer Teil
3.1 Darlegung des didaktischen Ziels – Rezeption und Textvergleich
3.2 Alea iacta est –ein Zitat, viele Interpretationen
3.3 Asterix plaudert aus der Schule – ein exemplarischer Vergleich

4 Schlussbetrachtung

5 Literaturverzeichnis

6 Internetpublikationen und Anhang

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit mit dem Thema „Suet. Iul. 30–33 – alea iacta est “ behandelt Caesars Überquerung des Rubicons: Am 10.01.49 v. Chr. überschritt C. Iulius Caesar mit der 13. Legion – seiner Lieblingslegion – den Rubicon, den Grenzfluss zwischen der Provinz Gallia Cisalpina und Italien, und entfesselte dadurch den Bürgerkrieg zwischen Pompeius und ihm, der von 49 bis 45 v. Chr. dauern, mit dem Sieg Caesars in der Schlacht von Thapsos am 6.4.46 v. Chr. enden[1] und seine Ernennung zum dictator perpetuus im Februar 44 v. Chr. zur Folge haben sollte[2].

In dem zu behandelnden Abschnitt werden die berühmten und viel rezipierten Worte, die Caesar unmittelbar vor der Überquerung des Grenzflusses gesagt haben soll, überliefert: Alea iacta est (Suet. Iul. 32). Dieser Ausspruch dürfte einigen SuS bekannt sein: Er wurde zu einer alltäglichen Redewendung und ist in den verschiedensten Kontexten wiederzufinden: Im Munde eines Würfelspielers, eines Hasadeurs, als Wahlspruch des Humanisten Ulrich von Hutten oder im Munde der Comic-Figur Asterix[3]. Schon aufgrund dieser Anknüpfungspunkte der Textstelle an die Lebenswelt der SuS lohnt sich ihre Betrachtung im Lateinunterricht. Die SuS können so merken, dass Latein auch heute noch weiter lebt und die genaue Analyse antiker Originaltexte durchaus einen Wert für unser heutiges Leben haben kann.

Wo hat dieser Ausspruch wirklich seinen Ursprung? Was will Caesar damit ausdrücken und ist die Intention und die Bedeutung dieser Worte in den verschiedenen Kontexten immer gleich? Inwiefern kann dieser lateinische Satz uns heute noch zum Nachdenken und Handeln anregen?

Um diesen Fragen näher zu kommen, werde ich im ersten und fachwissenschaftlichen Teil die oben genannte Textstelle auf ihre Gattungsbesonderheiten hin betrachten, sprachlich analysieren und in ihren Kontext einordnen.

Im zweiten Schritt und dem gleichzeitig didaktischen Teil möchte ich einige Beispiele der Rezeption des Ausspruchs alea iacta est darlegen und einen genaueren Vergleich mit dem Vorkommen dieser Worte in dem Asterix-Comic „Asterix plaudert aus der Schule“ anstellen. Das didaktische Ziel hierbei soll sein, dass die SuS zum Einen durch die ansprechende Arbeit mit einem ihnen bekannten Comic-Heft motiviert werden und zum Anderen erkennen, wie viel ihnen auch heute noch Latein nützen und zu ihrer Bildung beitragen kann.

2 Fachlicher Teil

2.1 Gattung

Im Folgenden soll die Gattung des vorliegenden Textes zu Suetons Zeiten etwas näher beleuchtet werden, damit die SuS eine (weitere) antike Literaturgattung und ihre Tradition kennenlernen[4].

Die Gattung Biografie ist hier für die SuS sicherlich besonders interessant, da sie – im Gegensatz z.B. zu anderen antiken Literaturgattungen wie Epos oder Elegie – auch heute noch weit verbreitet und den SuS demnach bekannt ist. Wie viele Biografien von Prominenten gibt es heute, die schon für Aufsehen gesorgt haben?

In diesem Kontext haben die SuS so auch die Möglichkeit, einen Vorläufer dieser ihnen bekannten Literaturgattung aus der Antike kennenzulernen und beobachten, wie sich diese von Xenophon über Sueton bis heute weiterentwickelt hat.

Die Vita Divi Iulii gehört zu einem der beiden großen von Sueton überlieferten Werken, De vita Caesarum, welches in zwölf Büchern die Biografien der acht Kaiser von Caesar bis Domitian behandelt[5]. Die Vita Divi Iulii muss vor 122 n. Chr. erschienen sein, da sie Teil der ersten beiden Bücher ist, die dem Stadtpräfekten C. Septicius Clarus gewidmet sind[6].

Besonders an dieser Gattung ist, dass es die Gattung „Biografie“ im engeren Sinne zu dieser Zeit noch gar nicht gab[7]. Stattdessen existierte ein fließender Übergang zwischen Biografie und Enkomion[8], wobei das enkomiastische Element bei Sueton in den Hintergrund trat[9]. Als Vorgänger Suetons in dieser Form der Biografie, in der das enkomiastische Element so zugunsten der mehr objektiven Beleuchtung des Lebenslaufes einer Person zurücktritt, kann Cornelius Nepos gelten. Die von ihm verfasste Biografie des Epaminondas stehe dem suetonischen Schema am nächsten, so von Albrecht[10].

F. Leo teilt die Gattungsform der Biografie in zwei Kategorien: in die peripatetische, „die chronologisch vorging, künstlerisch gestaltet war und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens behandelte“[11] und die alexandrinische, „die nach Kategorien verfuhr, wissenschaftlichen Charakter hatte und literarischen Persönlichkeiten galt“[12]. Leo ordnet Sueton der letzteren Kategorie zu, wobei unserer Autor sie auch auf politische Persönlichkeiten übertragen habe[13].

Welche Elemente in Suetons Biografien waren damals also typisch für die Biografie und welche waren wirklich neu? Sueton hat letztendlich typische Elemente der Biografie von seinen Vorgängern übernommen und erweist sich dennoch als einzigartig und Vorreiter von etwas Neuem, indem er den traditionellen Formen der Biografie seine eigene Handschrift aufdrückt und sie durch Merkmale aus anderen Gattungen wie dem Enkomion oder der römischen Erzählung bereichert[14].

Zuerst lässt sich der typisch biografische Aufbau seiner Viten nach Kategorien konstatieren: in jeder Vita werden die Eltern, der Geburtstag, die Erziehung, die Errungenschaften, die Umstände des Todes, die Familie, das Vermögen und Ähnliches des zu beschreibender Person genannt[15].

Wo sich Sueton aber vor seinen Vorgängern in der Biografie hervortun kann, ist in der Beschreibung des Charakters und der Persönlichkeit. Hier zeigt Sueton unverkennbar seinen eigenen Stil und jede Vita von ihm ist wiederum völlig einzigartig.

Auch bei dem Vergleich mit Plutarch lässt sich die Übernahme und Imitation seines Vorgängers und gleichzeitig Suetons Eigenleistung erkennen:

Einerseits nutzt Sueton die gleiche Gruppierung von Themen wie Plutarch, andererseits unterscheiden sich Plutarch und Sueton auffällig in ihrem Schreibstil: Während Plutarch noch recht ausschweifend formuliert, schreibt unser Autor deutlich kompakter und orientiert sich mehr an den Fakten[16].

Weiter bringt Sueton aus dem Enkomion im Gegensatz zu Plutarch in die Biografie die Eigenart ein, dass er die Tugenden und Laster der Herrscher gegenüberstellt und mit ausführlichen Beispielen belegt[17].

Eine kurze Betrachtung der Gattungsgeschichte der Biografie, der Tradition, in die sich Sueton einreiht, und auch seiner Neuerungen, kann den SuS die Analyse der Textstelle erleichtern und ist wichtig, um erkennen zu können, in welchen Elementen sich Sueton von den traditionell biografischen Elementen absetzt, um im nächsten Schritt mögliche Intentionen herausarbeiten zu können.

2.2 Gliederung und Kontextualisierung

Damit die SuS die Textstelle Suetons richtig verstehen können, ist es wichtig, den Text vor der genauen Analyse erst einmal inhaltlich vor zu erschließen[18]. Dafür bietet es sich an, den Text in Abschnitte zu gliedern[19]:

Die vorliegende Textstelle „Suet. Iul. 30–33“ lässt sich entsprechend der Kapitel in vier große Abschnitte gliedern:

In Kapitel 30 legt Sueton mögliche Gründe dar, die Caesar bewogen haben könnten, den Entschluss zur Überquerung des Rubicons zu fassen.

Kapitel 31 behandelt er dann die Voraussetzungen für dieses Unterfangen sowie die Planung des Vorgehens von Seiten Caesars.

In Kapitel 32 fällt dann nach einem kurzem Augenblick des Zögerns der endgültige Entschluss Caesars und des Heeres, den Rubicon zu überschreiten und damit bewusst einen Bürgerkrieg in Kauf zu nehmen.

In Kapitel 33 schlussendlich wird dann die eigentliche Überschreitung des Rubicon beschrieben.

Das Kapitel 30 lässt sich wiederum in vier Unterkapitel teilen, in denen Sueton vier mögliche Beweggründe Caesars exemplarisch darstellt.

Die erste dargestellte Option (30,1) tut Sueton später selbst als praetextum – also einen bloßen Vorwand Caesars – ab (30,2). Der Senat sei nicht auf Caesars Verhandlungsvorschläge eingegangen – neque senatu interveniente et adversariis negantibus ullam se de re publica facturos pactionem –, weshalb Caesar sich gezwungen gesehen habe, eine Entscheidung von diesem Gremium zu erzwingen, wofür er nach Ravenna gegangen sei.

Um welche Verhandlungsvorschläge es sich handelte, ersieht der Leser aus dem vorigen Kapitel[20]: Caesar habe dem Senat angeboten, acht Legionen und Gallia Transalpina abzugeben und nur zwei Legionen zu behalten, ja, er würde sich sogar mit nur einer Legion und dem Illyricum zufrieden geben, bis er Konsul sei (29,2). Hintergrund hierfür war, dass am 01.12.50 v. Chr. ein Senatsbeschluss erlassen wurde, demgemäß Caesar und Pompeius ihre Truppen entlassen und abberufen werden sollten. Pompeius, der im Osten mit seinen Truppen stationiert war, weigerte sich. Caesar bietet dem Senat im Januar 49 v. Chr. an, dem Senatsbeschluss nachzugeben, wenn auch Pompeius von seinem Posten zurücktrete. Dieser war aber schon auf Kriegskurs. Der Senat stellt sich in den Wirren auf Seiten des Pompeius und übergab ihm am 07.01.49 v. Chr. den senatus consultum ultimum, Caesar dagegen solle sein Kommando niederlegen, sonst werde er zum Staatsfeind erklärt. In dieser Situation macht Caesar diesen letzten Verhandlungsvorschlag, auf den der Senat nicht mehr eingeht[21].

Die zweite Option (30,2) beruhe auf einer Behauptung des Pompeius. Dieser habe immer wieder gesagt (dictitabat), dass Caesar aus zwei Gründen habe Unruhe stiften wollen (turbare omnia ac permiscere voluisse): weil er weder seine begonnenen Vorhaben (opera) vollenden noch die Hoffnungen (populi expecationem), die er im Volk auf seine Ankunft in Rom erweckt habe, erfüllen konnte.

Drittens (30,3f.) zählt Sueton die mögliche Angst (timuisse) Caesars auf, Rechenschaft über seine Machenschaften in Gallien ablegen zu müssen. Für diese Möglichkeit benennt Sueton zuerst keine bestimmte Person – wie im vorigen Paragrafen Pompeius –, sondern spricht verallgemeinernd von alii (30,3). Wofür könnte Caesar zur Rechenschaft gezogen werden? Caesar habe adversus auspicia legesque et intercessiones gehandelt, da er sein Vorgehen in Gallien nicht mit dem Senat abgesprochen hatte, wie es gesetzlich für einen Prokonsul vorgeschrieben war.

Um jedoch diese noch wie ein bloßes Gerücht wirkende These zu stützen, führt Sueton Cato[22] (30,3) als einen der alii an, der – so Sueton – schon angekündigt habe, delaturum se nomen eius, sobald Caesar sein Heer entlassen habe und so als Privatperson angreifbar sei. Und auch das Volk (vulgo) habe gesagt, dass Caesar sich als Privatmann (privatus) vor Gericht wie Milo verantworten müsse (30,3)[23].

Diese These wird von Sueton zusätzlich durch die Überlieferung des Asinius Pollio gestützt (30,4): quod probabilius facit Asinius Pollio, der den Ausspruch Caesars nach der Schlacht von Pharsalus überliefert: hoc voluerunt; tantis rebus gestis Gaius Caesar condemnatus essem, nisi ab exercitu auxilium petissem.

Wer war Asinius Pollio? Wie authentisch ist diese Überlieferung demnach? Was war die Schlacht von Pharsalus?

Gaius Asinius Pollio war ein Gefolgsmann Caesars und 40 v. Chr. Konsul. Seine Werke – Reden, Tragödien und historische Texte – sind leider verloren gegangen und nur noch auszugsweise aus Zitaten anderer Autoren für uns fassbar[24]. Außerdem diente er als Soldat unter Caesar und war auch bei der Schlacht von Pharsalos und der Überquerung des Rubicon selbst dabei[25]. Demnach ist dessen Überlieferung als sehr authentisch anzusehen.

Bei der Schlacht von Pharsalos[26], eine Stadt am Ostrand Thessaliens, handelt es sich um die Entscheidungsschlacht zwischen Caesar und Pompeius im Jahre 48 v. Chr.[27].

Als vierte und letzte Möglichkeit (30,5) erwähnt Sueton die Begierde Caesars nach Macht und Herrschaft, quam aetate prima concupisset. Auch hier spricht der Autor zuerst allgemein von quidam putant, unterstreicht die These aber im Folgenden durch die Angabe Ciceros, der Caesar folgende Verse des Euripides in den Mund gelegt habe: nam si violandum est ius, regnandi gratia/ violandum est: aliis rebus pietatem colas[28]. Dieses Zitat findet sich bei Cic. off. 3,82 und die Quelle dafür wiederum ist Eur. Phoen. 524/525[29]. Bei Cicero heißt es unmittelbar nach diesem Zitat: Capitalis Eteocles vel potius Euripides, qui id unum quod omnium sceleratissimum fuit, exceperit. Der griechische Dramatiker Euripides aus dem 5.Jhd. v. Chr. hat diese Verse also ursprünglich Eteokles sagen lassen. Wer ist Eteokles? Wieso parallelisiert Cicero so Eteokles mit Caesar?

Eteokles war ein Sohn des Oedipus, der im Zweikampf mit seinem Bruder Polyneikes bei der Verteidigung Thebens gegen die Sieben fiel[30]. Eteokles wurde in den Phoenissae des Euripides als machtgieriger Egoist dargestellt wird[31]. Cicero überträgt also diese Machtgier indirekt auf Caesar, indem er ihm die Worte des Eteokles aus den Phoenissae in den Mund legt. Dies ist nicht besonders verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Caesar für die Verbannung Ciceros 58 v. Chr., seine politische Kaltstellung und damit für das Ende von Ciceros politischer Karriere überhaupt verantwortlich war. Es gibt außer Cicero auch keine anderen Belege dafür, dass Caesar dieses Euripides-Zitat zu sagen pflegte. Auch Sueton nennt nur Cicero als Urheber.

Damit komme ich auch schon zu dem Kapitel 31, in dem die Voraussetzungen und Vorbereitungen für die Rubicon-Überquerung dargestellt werden. Sueton nennt hier zwei grundsätzliche Voraussetzungen:

Erstens (31,1), dass dem Einspruch der Volkstribunen, die für Caesars Interessen vor dem Senat einstehen sollten, nicht stattgegeben wurde und diese daraufhin sogar Rom verließen. Dies weist zurück auf das Kapitel 30,1, wo Sueton über Caesar nach dessen Ankunft in Ravenna sagte: bello vindicaturus si quid de tribunis plebis intercedentibus pro se gravius a senatu constitutum esset. Dieser Fall war nun eingetreten, wie der Autor hier (31,1) schreibt: sublatam tribunorum intercessionem ipsosque urbe cessisse. Wogegen haben die Volkstribunen Veto erhoben? Haben sie Rom freiwillig oder gezwungenermaßen verlassen? Die beiden Volkstribunen Antonius und Q. Cassius haben am 01.01.49 v. Chr. ihr Veto gegen den Beschluss des Konsuls Metellus Scipio eingelegt, dass Caesar sein Kommando bis zum 01.03.49 v. Chr. niederlegen müsse, andernfalls zum Staatsfeind erklärt werde[32]. Das ius intercessionis hatte seinen Ursprung in den Ständekämpfen der Gracchen und den Zweck, die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen der plebs gegenüber den nobiles zu vertreten. Auch nach den Ständekämpfen wurde dieses Recht beibehalten und noch bis zum Ende der Republik beachtet[33]. Am 07.01.49 v. Chr. bringt der Senat aber dieses decretum ultimum durch und gibt damit dem Veto der Volkstribunen nicht statt. Stattdessen werden die beiden Volkstribunen angehalten, Rom zu verlassen[34]. Ob sie dies freiwillig oder gezwungenermaßen taten, lässt Sueton jedenfalls hier offen.

Ganz anders sieht es bei den Schilderungen dieser Situation von Seiten Caesars und Ciceros aus[35].

Caesar stellt diesen Vorfall in De bello civili 1,5 als ruchlose Tat von Seiten des Senats dar:

His de causis aguntur omnia raptim atque turbate. Nec docendi Caesaris propinquis eius spatium datur, nec tribunis plebis sui periculi deprecandi neque etiam extremi iuris intercessione retinendi, quod L. Sulla reliquerat, facultas tribuitur, sed de sua salute septimo die cogitare coguntur, quod illi turbulentissimi superioribus temporibus tribuni plebis octavo denique mense suarum actionum respicere ac timere consuerant. Decurritur ad illud extremum atque ultimum senatus consultum, quo nisi paene in ipso urbis incendio atque in desperatione omnium salutis sceleratorum audacia numquam ante descensum est: dent operam consules, praetores, tribuni plebis, quique pro consulibus sint ad urbem, ne quid res publica detrimenti capiat.

Caesar stellt es als unvorstellbar dar, dass dem ius intercessionis der Volkstribunen nicht stattgegeben wurde. Selbst zu Sullas Zeiten, als äußerste Unruhe in Rom herrschte, sei dieses Recht noch beachtet worden: quod L. Sulla reliquerat. Und nun, wo Caesar noch nichts Gesetzwidriges getan habe, beachte der Senat dieses Recht nicht mehr. Caesar stellt dadurch die Situation so dar, als ob nicht er, sondern der Senat zuerst gegen die Traditionen der Republik gehandelt habe.

Auch in Caes. civ. 1,7 lässt er seiner Empörung über die unannehmbare Unverschämtheit dieser Entscheidung des Senats und damit auch der Unterstützung des Pompeius freien Lauf: Wie konnte sich Pompeius erdreisten, sich dermaßen gegen Caesar zu stellen, obwohl er doch erst durch Caesar zu der Macht, die er jetzt habe, gekommen sei:

Quibus rebus cognitis Caesar apud milites contionatur. Omnium temporum iniurias inimicorum in se commemorat; a quibus deductum ac depravatum Pompeium queritur invidia atque obtrectatione laudis suae, cuius ipse honori et dignitati semper faverit adiutorque fuerit. Novum in re publica introductum exemplum queritur, ut tribunicia intercessio armis notaretur atque opprimeretur, quae superioribus annis armis esset restituta. Sullam nudata omnibus rebus tribunicia potestate tamen intercessionem liberam reliquisse. Pompeium, qui amissa restituisse videatur, dona etiam, quae ante habuerint, ademisse.

[...]


[1] Vgl. von Albrecht (21994) Band 1 zu Caesar, 327f..

[2] Vgl. von Albrecht (21994) Band 1 zu Caesar, 328.

[3] Auf die genauen Belegstellen werde ich später noch eingehen.

[4] Die vertiefte Kenntnis einiger antiker Literaturgattungen wird vom Latein-Unterricht gefordert und kann anhand der Biografie der Kaiserzeit sehr gut geleistet werden. Vgl. Kuhlmann (32012), 32: „Der Unterricht führt zu einem je nach Schwerpunkt vertieften Wissen über bestimmte lateinische Literaturgattungen (z.B. Epos, Rede, Geschichtsschreibung, Elegie) sowie zur Fähigkeit, sich mithilfe eines Wörterbuches und Schülerkommentars auch unbekannte Originaltexte mit komplexen Inhalten selbstständig sprachlich, stilistisch und inhaltlich zu erschließen und diese stilistisch angemessen ins Deutsche zu übersetzen“.

[5] Bei dem anderen großen Werk Suetons handelt es sich um De viris illustribus.

[6] Vgl. Von Albrecht (21994) Band 2 zu Sueton, 1104 und 1105.

[7] Vgl. von Albrecht (21994) Band 2 zu Sueton, 1106: „Eine feste Gattungsform der Biografie hat es nicht gegeben“.

[8] Bei dem Enkomion handelt es sich um ein Preislied, vgl. Vgl. Wallace-Hadriall (1983), 71.

[9] Vgl. von Albrecht (21994), Band 2 zu Sueton 1107.

[10] Vgl. von Albrecht (21994) Band 2 zu Sueton, 1107.

[11] Vgl. von Albrecht(21994) Band 2 zu Sueton,1107.

[12] Vgl. von Albrecht (21994),Band 2 zu Sueton,1107.

[13] Von Albrecht (21994) Band 2 zu Sueton, 1107, merkt hier an, dass Sueton nicht als erster angesehen werden dürfe, der politische Biografien nicht als Lobreden verfasste und nennt als Beispiele unter Anderen den Peripatetiker Theophrast und Phainias von Eresos.

[14] Vgl. Wallace-Hadriall (1983), 72.

[15] Vgl. Wallace-Hadriall (1983), 67.

[16] Vgl. Wallace-Hadriall (1983), 69.

[17] Vgl. Wallace-Hadriall (1983), 71: Das Enkomion erwähne ähnlich keine Handlung nur so, sondern ordne sie jeweils einem Laster oder einer Tugend zu, so z.B. bei Xenophon: „Xenophon's encomium of the Spartan king Agesilaus set the model. After a brief chronological survey of Agesilaus' career and campaigns, Xenophon offers a series of chapters that document his virtues: piety, justice, temperance, courage and wisdom, and then some less definable qualities“.

[18] Vgl. Kuhlmann (32012), 120: „Bevor Texte im Lateinunterricht übersetzt werden, sollten die Rezipienten (Schüler) eine gewisse richtige Vorerwartung mitbringen, die die anschließende Übersetzung der einzelnen Sätze erleichtert. Wer ungefähr weiß, was in einem Text geschieht oder zu erwarten ist, versteht einen Text deutlich schneller und leichter als jemand, der ständig von inhaltlich und sprachlich Unerwartetem überrascht wird. Im neusprachlichen Unterricht hat sich daher die Vorentlastung bei der Behandlung neuer Texte bewährt“. Diese Vorentlastung nennt Kuhlmann später die top-down- Methode, bei der das Vorwissen das Verständnis der Textstelle erleichtern soll. Vgl. Kuhlmann (32012), 120f..

[19] Dafür müssen die SuS genügend Hintergrundwissen zu dem Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius mitbringen, um die Textstelle inhaltlich überhaupt verstehen können.

[20] Dieses sollte zum Verständnis auch im Unterricht von den SuS mindestens in einer deutschen Übersetzung herangezogen werden.

[21] Vgl. von Albrecht (21994) Band 1 zu Caesar, 327.

[22] Es muss sich um Cato Uticensis handeln, den Anhänger des Pompeius, der in Utica Selbstmord beging, nachdem klar war, dass Caesar als Sieger aus dem Bürgerkrieg hervorgehen würde.

[23] Hier müssen die SuS natürlich wissen, wer Milo überhaupt war: Titus Annius Milo war Volkstribun im Jahre 57 v. Chr. und Gegner des Publius Clodius Pulcher, Volkstribun des Jahres 59 v. Chr., die ihre Fehde mit ihren Banden in gewaltsamen Straßenkämpfen austrugen. Am 08.04.52 v. Chr. wurde Milo vor Gericht zur Verantwortung dafür gezogen, dass in einer solchen Auseinandersetzung Clodius auf der Appischen Straße auf seinen Befehl hin getötet wurde. Vgl. dazu Schmitz (1999),137f., Angabe 123.

[24] Vgl. Schmitz (1999), 137, Angabe 125.

[25] Vgl. Butler, 84: Auch Plutarch, Caes. 32, berichtet davon, dass Asinius Pollio bei der Überquerung des Rubicon dabei gewesen sei.

[26] Vgl. Schmitz (1999), 137, Angabe 126, und Hurley (2010), 18, Angabe 64.

[27] Es wäre hier sinnvoll, den SuS zuvor den groben Verlauf des Bürgerkriegs mit den drei großen Schlachten von Pharsalos – die Schlacht, in der Caesar Pompeius 48 v. Chr. schlägt –, Thapsos – hier schlägt Caesar 46 v. Chr. die hinter Pompeius stehende Senatsoligarchie, die das Heer des Pompeius gebildet hatte – und Munda – in dieser letzten Schlacht dieses Bürgerkriegs schlägt Caesar 45 v. Chr. die Söhne des Pompeius und kann somit ohne größeren Widerstand Diktator werden – darzulegen. Im Zuge dieser Seminararbeit würde es jedoch zu weit führen, die einzelnen Schlachten noch näher zu beleuchten wie es im Unterricht geschehen sollte.

[28] Von Albrecht (21994) Band 2 zu Sueton, 1109, führt dieses Zitat exemplarisch auf und übersetzt es folgendermaßen: „Muß Unrecht sein, so sei's um eine Krone ...“.

[29] Vgl. Schmitz (1999), 137, Angabe 127.

[30] Vgl. Fink (162010),, 105, s.v. Eteokles.Im Unterricht müsste noch eine kurze Erläuterung zu den Zusammenhängen des Zugs der Sieben gegen Theben geschehen, was ich im Zuge dieser Arbeit der Kürze halber nicht vornehmen kann.

[31] Vgl. Fink (162010), 105, s.v. Eteokles.

[32] Vgl. Butler/ Cary (1927), 84. Butler/ Cary verweisen hier noch auf die Belege bei Caes. civ. 1,2 und Dio 41,2,2. Vgl. auch Hurley (2010), 17, Anmerkung 61: „As their right, two tribunes vetoed the decree that required Caesar to disband his army. The senate ignored their veto, and the two were forced to flee“. Hurley spricht hier zwar davon, dass die Volkstribunen zu fliehen gezwungen wurden, bei Sueton lässt sich dies jedoch nicht eindeutig belegen.

[33] Vgl. Vgl. zu den Volkstribunen, ihren Aufgaben und der Entwicklung des Amtes mit der Zeit Alföldy (42011) 38, 52, 65, 98, 100–103, 105, 106, 108. Zum ius intercedendi allgmein vgl. Alföldy (42011) 31.

[34] Vgl. Butler/ Cary (1927), 85.

[35] S. zu den Angaben der Textstellen von Caesar und Cicero Butler/ Cary (1927), 85.

Details

Seiten
44
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668047457
ISBN (Buch)
9783668047464
Dateigröße
681 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v306744
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Klassische Philologie
Note
1,7
Schlagworte
alea ursprung wirkung wert worte

Autor

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