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Die Auswirkung des Einsatzes von Botolinumtoxin auf menschliche Emotionen

Hausarbeit 2015 20 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenfassung

2. Einleitung

3. Theoretischer Hintergrund
3.1 Emotionen und die Facial-Feedback-Hypothese
3.2 Botolinumtoxin
3.3 Ableitung der Fragestellung für die Hausarbeit

4. Die Auswirkung der Anwendung von Botolinumtoxin auf menschliche Emotionen
4.1 Botolinumtoxin in der Schönheits-Chirurgie
4.2 Wirkung von Botolinumtoxin auf Menschen mit Depressionen
4.3 Wirkung von Botolinumtoxin auf das Gehirn

5. Diskussion
5.1 Interpretation der Ergebnisse aus den Studien
5.2 Vergleich der Studien
5.3 Fazit
5.4 Ausblick

6. Literaturverzeichnis

1. Zusammenfassung

Die Verwendung von Botolinumtoxin ist in der ästhetischen Medizin weit verbreitet. In diesem Zusammenhang wird unter anderem in den Medien häufig diskutiert, ob sich der Einsatz dessen negativ auf den emotionalen Gesichtsausdruck der Patienten auswirke. Andere hingegen berichten von einer stimmungsaufhellenden Wirkung. Hierbei stellt sich nun die Frage, ob diese These auch einen wissenschaftlichen Hintergrund besitzen und die Anwendung von Botolinumtoxin tatsächlich einen Einfluss auf die menschlichen Emotionen hat. Geprüft wird diese Fragestellung anhand von fünf aktuellen Studien, welche sich unter anderem stark in ihrer Herangehensweise und ihren experimentellen Designs unterscheiden. Dennoch zeigen sich Ergebnisse, die alle in die gleiche Richtung weisen. Die Auswertung der Studien legt nahe, dass Botox menschliche Emotionen beeinflusst. Anschließend an den Vergleich der Studien folgt ein Erklärungsversuch für diesen Effekt und ein Ausblick für die weitere Forschung wird gegeben.

2. Einleitung

Laut der Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland e.V. fanden in Deutschland im Jahre 2010 zirka 134.000 Behandlungen gegen Falten statt – mehr als die Hälfte davon mit dem Mittel Botolinumtoxin (Neue Statistik, 2011). Viele Personen sind der Meinung, dass diese Anwendung glücklicher und zufriedener macht (Sommer, Zschocke, Bergfeld, Sattler & Augustin, 2003). Andere wiederum sehen die kosmetische Behandlung mit Botolinumtoxin kritischer und merken an, dass sie einen starren und unterkühlten Gesichtsausdruck zur Folge habe (Lautin, Levine & Lance, 2002). Dies zeigt, dass die subjektiven Meinungen der Menschen bei dem Thema Botox und seine Auswirkungen auf Emotionen stark auseinander gehen.

Seit einigen Jahren beschäftigt sich auch die Forschung vermehrt mit den Folgen des Einsatzes von Botolinumtoxin auf menschliche Emotionen. Hierzu gibt es verschiedene Studien, die gezielt untersuchen, welchen Einfluss Botox auf den mimischen Ausdruck und das Emotionserleben von Menschen hat (z.B. Finzi & Rosenthal, 2013).

Meine Ausführung wird wie folgt aufgebaut sein. Zunächst werden die Begriffe „Emotionen“, „Facial-Feedback-Hypothese“ und „Botolinumtoxin“ vorgestellt und erläutert. Darauf folgend wird dann die Verbindung zwischen Emotionen und Botox hergestellt und die zentrale Frage, um die es im weiteren Teil dieser Ausarbeitung gehen soll, abgeleitet. Anschließend werden verschiedene Studien dargestellt, in denen die Anwendung von Botox in Verbindung mit Emotionen gebracht wird. In Anknüpfung daran findet eine Diskussion der Ergebnisse der vorgestellten Studien statt. Hierbei werden die Ergebnisse der Studien ausgewertet und die verschiedenen Untersuchungen miteinander verglichen. Daran anschließend möchte ich versuchen, die abgeleitete Frage zu beantworten und ein Fazit dazu ziehen, ob sich der Einsatz von Botox eher positiv oder negativ auf menschliche Emotionen auswirkt. Letztendlich soll ein Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten gegeben werden.

3. Theoretischer Hintergrund

Im folgenden Abschnitt werden die Begriffe „Emotionen“ und „Botolinumtoxin“ erläutert, weil sie für die weitere Ausführung besonders relevant sind. Durch diese Ausdifferenzierung kann darauf aufbauend die Verknüpfung zwischen diesen Begrifflichkeiten hergestellt werden. Auf Grundlage dessen ergibt sich im Nachfolgenden die zentrale Frage die dieser Ausarbeitung zugrunde liegt.

3.1 Emotionen und die Facial-Feedback-Hypothese

Das Wort „Emotion“ wird von vielen Menschen im alltäglichen Gebrauch häufig synonym zu dem Wort „Gefühl“ verwendet. Dabei ist das Empfinden von Gefühlszuständen wie beispielsweise Freude, Ärger, Traurigkeit oder Ekel gemeint. Dennoch fällt es vielen Menschen schwer, eine präzise Definition für den Begriff „Emotion“ zu finden. Auch in der Wissenschaft ist dies nicht anders. Da „Emotionen“ ein vielschichtiges Konzept mit verschiedenen Facetten darstellen, konnte sich nicht auf eine einheitliche Definition geeinigt werden (Brandstädter, Schüler, Puca & Lozo, 2013). Ein Beispiel für eine Definition liefern Rothermund und Eder (2011, Seite 166), die Emotionen als „objektgerichtete, unwillkürlich ausgelöste affektive Reaktionen, die mit zeitlich befristeten Veränderungen des Erlebens und Verhaltens einhergehen“ definieren. Ein wichtiger Aspekt dieser Definition sei die zeitliche Begrenzung, da Emotionen hierdurch von dem Begriff „Stimmung“ abgegrenzt werden. Letztere seien weniger stark als Emotionen und halten sich über längere Zeit im Hintergrund (Brandstädter et. al., 2013).

Aktuell werden Emotionen als multidimensionales Konstrukt mit fünf verschiedenen Komponenten verstanden. Zu diesen gehören die Erlebenskomponente, verstanden als die Veränderung im subjektiven Erleben eines Menschen, und die kognitive Komponente, welche Bewertungen, Werturteile und Kognitionen umfasst. Des Weiteren zählen eine physiologische Komponente, welche die Änderung in der Aktivität des autonomen Nervensystems bezeichnet, und eine motivationale Komponente, die den Aspekt der mit Emotionen einhergehenden Handlungsbereitschaft abdeckt, zum Begriff der „Emotion“. Die fünfte und letzte Emotionskomponente ist die des Ausdrucks. Dabei wird davon ausgegangen, dass sich Emotionen meist auch nach außen hin sichtbar beispielsweise in Mimik, Haltung und Stimme äußern. Nach der Facial-Feedback-Hypothese seien Gesichtsausdrücke nicht nur Ausdruck der Emotionen, sondern sie sollen die Emotionen eines Menschen über eine propriozeptive Rückmeldung der Gesichtsmuskeln zudem auch beeinflussen können (Rothermund & Eder, 2011). Hinweise auf das Zutreffen dieser Theorie konnten beispielsweise in einer Studie von Strack, Martin und Stepper (1988) gesammelt werden. Es wurde untersucht, wie sich induzierte Gesichtsausdrücke auf die Stimmung auswirken. Hierfür wurden die insgesamt 92 Versuchspersonen in drei Bedingungen aufgeteilt. Eine der Gruppen sollte einen Stift mit ihren Zähnen halten, was dazu führt, dass die gleichen Muskeln wie bei einem Lächeln angespannt werden. In einer weiteren Bedingung wurde der Stift mit den Lippen festgehalten, welches bedingt, dass Muskeln beansprucht werden, die einem Lächeln entgegenwirken. Die Kontrollgruppe sollte den Stift in ihrer nicht-dominanten Hand halten. Dies führt somit zu keinerlei Aktivierung der Gesichtsmuskeln. Alle Probanden sollten sich mit dieser Art der Stiftführung Comics ansehen und diese anschließend hinsichtlich ihrer Lustigkeit bewerten. Diese Einschätzung der Comics sollte die Emotionen der Teilnehmer wiederspiegeln und wurde als abhängige Variable verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass die Gruppe, welche den Stift mit den Zähnen halten musste, welches dieselben Muskeln wie beim Lächeln beansprucht, die Comics als signifikant lustiger bewerteten als die Kontrollgruppe. Des Weiteren zeigte die Kontrollgruppe eine signifikant bessere Bewertung der Comics als die Gruppe, die in der „Lippen-Bedingung“ war, in der die hierdurch entstandene Muskelkontraktion einem Lächeln entgegengewirkte. Anhand dieser Ergebnisse konnte die Facial-Feedback-Hypothese gestützt werden, da sich hierdurch zeigte, dass sich induzierte Gesichtsausdrücke auf Emotionen auswirken können.

3.2 Botolinumtoxin

Botolinumtoxin (BTX), im Volksmund auch Botox genannt, ist ein starkes Nervengift, welches die Ausschüttung von Achetylcholin blockiert. Dies führt dazu, dass die Muskulatur gelähmt wird. Schon in geringen Mengen ab einer Dosis von 0,000003 mg kann die Aufnahme von BTX zum Tode führen (Schandry, 2011). Dennoch wird Botox in der Medizin verwendet. Unter anderem wird es bei der Behandlung von Spastizität (Wissel & Müller, 2013), Migräne (Jost, 2013) und Parkinson (Fietzek, Messner & Ceballos-Baumann, 2013) genutzt. Am wohl bekanntesten ist der Einsatz in der Schönheitschirurgie, in der Botolinumtoxin in sehr geringen Mengen in die Gesichtsmuskulatur verabreicht wird, was dazu führt, dass Falten sichtbar geglättet werden. Dieser Effekt hält etwa drei Monate an und kommt durch die Lähmung der Muskeln, in die das Gift injiziert wird, zustande (Sommer, Bergfeld & Sattler, 2010).

3.3 Ableitung der Fragestellung für die Hausarbeit

Die Verbindung zwischen Emotionen und Botox liegt in dem Aspekt der Ausdruckskomponente von Emotionen. Wie eben beschrieben, äußern sich Emotionen in der Mimik von Menschen. Um einen bestimmten mimischen Ausdruck wie beispielweise ein Lächeln zu erzeugen werden spezifische Gesichtsmuskeln angespannt (Niedenthal, Winkielman, Mondillon & Vermeulen, 2009). Wird Botox nun genau in jene Muskeln injiziert, die charakteristisch für einen bestimmten Ausdruck sind, so werden diese folglich gelähmt und die mimische Expression vermindert (z.B. Finzi & Wasserman, 2006). Dies zeigt, dass Botox den Emotionsausdruck beeinträchtigt. Bezieht man nun die Facial-Feedback-Hypothese mit ein, so könnte dies bedeuten, dass die durch Botox veränderte muskuläre Aktivität die Emotionen eines Menschen über propriozeptive Rückmeldung beeinflusst.

Aus diesen Überlegungen ergibt sich nun die Frage, ob der Einsatz von Botolinumtoxin nicht nur den Gesichtsausdruck verändert, sondern ob es auch das menschliche Emotions erleben beeinflusst. Überdies wäre zu bewerten, ob Botox einen insgesamt eher positiven oder negativen Einfluss auf menschliche Emotionen hat. Diesen Fragen soll im folgenden Bericht nachgegangen werden.

4. Die Auswirkung der Anwendung von Botolinumtoxin auf menschliche Emotionen

Welchen Einfluss die Injektion von BTX in Gesichtsmuskeln von Menschen haben kann, wurde in mehreren Studien untersucht, die im Folgenden vorgestellt werden.

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Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668063785
ISBN (Buch)
9783668063792
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307128
Note
Schlagworte
Botox Botolinumtoxin ästhetische Medizin emotionaler Gesichtsausdruck menschliche Emotionen

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Titel: Die Auswirkung des Einsatzes von Botolinumtoxin auf menschliche Emotionen