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Funktionaler Grammatikunterricht. Grammatikunterricht ohne Krise

Ein Entwurf

Hausarbeit 2015 12 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sachanalyse - Funktionaler Grammatikunterricht

3. Beispiel eines Unterrichtsentwurfs
3.1 Unterrichtsverlaufsplan
3.2 Didaktische Erläuterung

4. Reflexion des Unterrichtsentwurfs

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Mit der Grammatik-Werkstatt, dem integrativen Grammatikunterricht und der Grammatik in Situationen liegen Konzepte vor, die nur begrenzt die Krise des Grammatikunterrichts behe- ben.“1 Das Zitat sagt es bereits: der Grammatikunterricht steckt in einer Krise und bisher scheint es noch keine Konzeption geschafft haben ihn zu retten. Die vorherrschende Stim- mung, wenn es um das Thema Grammatikunterricht geht ist eher negativ geprägt. Dies ist wohl vor allem dem zu verdanken, dass die meisten bei Grammatikunterricht an einen Lehrer- vortrag denken, mit dem viele Regeln einhergehen oder die Bilder gut gemeinter Stationenar- beit aufkommen, die leider nicht immer so funktioniert haben wie sie sollten. Oft stößt die Lehr- kraft trotz vermeintlich klarer Strukturen und Regeln auf Unverständnis bei den SuS. Der Grammatikunterricht ist langweilig, bringt nichts und nach einem Jahr ist sowieso alles verges- sen, scheint die Devise zu sein. Das muss aber nicht sein- Mit ein wenig Arbeit und kreativer Umsetzung von Grammatikinhalten kann der Grammatikunterricht aus der Krise gehoben wer- den. Einen hoffnungsvollen Plan bietet der funktionale Grammatikunterricht. Er ist stark Schü- lerzentriert und setzt auf eine kreative Umsetzung von Grammatikstrukturen. Dies soll ihn für die SuS besonders interessant machen. Er greift das Wissen der SuS auf und zeigt ihnen, dass sie durchaus bereits viel wissen und in der Lage sind, mit ein wenig Unterstützung selbst neues Wissen zu generieren. Ein stupides Regeln lernen oder Lücken ausführen gibt es hier nicht. Stattdessen soll in eigener Textproduktion die Grammatik umgesetzt werden. Wie das der funktionale Grammatikunterricht schafft, wird im Folgenden dargestellt.

2. Sachanalyse - Funktionaler Grammatikunterricht

Der funktionale Grammatikunterricht ist ein weiteres Grammatikunterrichtsmodell neben dem formalen, situativen, integrativen oder operationalen Grammatikunterricht. Kennzeichnend ist die „[...] Auffassung, dass Sprache, bis hinein in den Aufbau und die Formgestalt durch ihre kommunikativen Zwecke bestimmt ist.“2 Somit wird die Grammatik über eine funktionale Er- klärung zugänglich. Die zentrale Aufgabe des funktionalen Grammatikunterrichtes ist es, er- sichtlich zu machen, warum etwas wie konstruiert wird. Diese Art des Grammatikunterrichts verbindet die Vorteile der anderen Grammatik und wird so zu einer Gesamtkonzeption.3 Die Art der Vermittlung ist einzigartig und unterscheidet sich Grundsätzlich von den anderen Gram- matikkonzeptionen. Denn „[p]rimäres Ziel eines funktionalen Grammatikunterrichts ist es, Schülern die unbewussten Regelkenntnisse bewusst zu machen und sie zu einem varianten- reichen Umgang mit sprachlichen Ausdrücken zu befähigen.“4 Lernziele wie den Bau und die Struktur der Sprache zu vermitteln bleiben hierbei aber nicht aus. Funktional bedeutet hierbei, dass die „[…] Schüler die Funktion sprachlicher Mittel und Äußerungen in kognitiven und kom- munikativen Verwendungszusammenhängen verstehen.“5

Kennzeichnend für den funktionalen Grammatikunterricht sind die fünf Prinzipien des Gram- matikunterrichts nach Köller. Das Prinzip der Verfremdung arbeitet mit Methoden, wie Isolation oder ungewöhnlichen Gebrauchsweisen von Sprache, um einen praktisch vorhandenen Sprachgebrauch zu irritieren.6 Dies soll dazu führen, dass die SuS erkennen, dass ein gram- matisches Phänomen problematisiert werden kann. Die Verwirrung und Verunsicherung liefert einen didaktischen Nährboden.7 Das Prinzip der operativen Produktivität greift den Gedanken auf, dass Denken als verinnerlichtes Handeln verstanden werden muss.8 Demnach, muss nach diesem Prinzip produktives Denken angeregt und umgesetzt werden. Dies ist über Ope- rationen an der Sprache möglich. Darunter wird verstanden, dass Texte, Sätze oder Wort- strukturen umgeformt, ersetzt oder gestrichen werden, um ihre Funktion zu verstehen. Dadurch müssen SuS die Ergebnisse ihrer Operationen stets kognitiv verarbeiten.9 Diese auch unergiebigen Operationen können als Erfolg verbucht werden, solange klar ist warum sie un- ergiebig sind.10 Dieses Prinzip ist vor allem für SuS geeignet, die sehr kleinschrittige Erklärun- gen brauchen und keine Zwischenschritte abstrakt überspringen können.11 Das genetische Prinzip verbindet das Prinzip der Verfremdung mit dem Prinzip der operativen Produktivität.

Es baut darauf auf, dass es sinnvoller ist, „[…] die Ordnungsstruktur eines Sachverhalts suk- zessiv zu entwickeln, als eine von anderen ausgearbeitete Ordnungsstruktur einfach zu über- nehmen.“12 Voreilige Abstraktionen der SuS werden dadurch verhindert und das Wissen wird besser verwurzelt, da die SuS durch das genetische Prinzip an den Anfangspunkt der gram- matischen Reflexion geführt werden.13 „Bevor sie die Antworten kennenlernen […] müssen sie zuerst die Fragen kennenlernen“14, auf die Antworten gesucht werden. Eine induktive Vorge- hensweise ist hier unumgänglich. Das funktionale Prinzip wirkt auf zwei Ebenen. Einerseits kann der Werkzeugcharakter der Sprache in den Mittelpunkt gestellt werden (systematischer Grammatikunterricht), andrerseits kann die allgemeine Einbettung des Grammatikunterrichts in den Unterricht behandelt werden (situativer Grammatikunterricht).15 Situativer Grammatik- unterricht wird in diesem Zusammenhang aber so verstanden, dass grammatische Phäno- mene nicht im Rahmen isolierter Beispielsätze untersucht werden sollen, sondern im Rahmen eines (auch vom Lehrer gezielt konzipierten) Textes, der für die SuS überschaubar ist.16 Vor allem in eigenen Textproduktionen ist dieses Verfahren sehr fruchtbar. Das integrative Prinzip überschneidet sich zwar mit dem funktionalen Prinzip, verweist aber viel deutlicher darauf, dass Grammatikunterricht stets in umfassendere Fragestellungen integriert werden muss.17 Dies sichert eine Konkretisierung des Funktionsbegriffs und stellt den Werkzeugcharakter be- sonders hervor.

Außer den Prinzipien des Grammatikunterrichts nennt Köller vier übergreifende Unterrichtsziele. Als erstes wird die Identifizierung genannt. Das Ziel hierbei ist es, das die SuS am Ende des Grammatikunterrichts sprachliche Strukturmuster (wieder)erkennen und zuordnen können.18 Die Perspektivierung, soll dazu führen, dass SuS erkennen können, dass sprachliche Formen die Realität auf der Ebene der Sprache interpretieren.19 Ein weiteres Ziel stellt die Funktionalität dar. Ihr Ziel ist es, dass SuS die Funktionen grammatischer Formen in verschiedenen Äußerungskontexten und Textsorten erkennen können.20 Als letztes Ziel des funktionalen Grammatikunterrichts wird die Sprachkritik genannt. Hierbei sollen bestimmte Sprachintentionen verwurzelt werden, so dass die SuS einen von der Norm abweichenden Gebrauch bestimmter sprachlicher Mittel kennenlernen und erkennen.21

Die Ausgestaltung des Grammatikunterrichts nach dem funktionalen Grammatikunterricht folgt verschiedenen Richtlinien. Zunächst sind hierfür einige Merkmale zu nennen: der Unterricht ist schüler-, handlungs- und produktionsorientiert.22 Wichtig ist, dass die SuS nicht passiv am Unterricht teilnehmen, sondern sich Inhalte selbst erarbeiten und das Erarbeitete reflektieren können. Eine Erarbeitungsphase in der die SuS für sich mit sprachlichem Material arbeiten und der Lehrer sich komplett zurückzieht ist kennzeichnend für den funktionalen Grammatikunterricht.23 Die Arbeitsweise ist stets induktiv. Aus der Arbeitsphase heraus „[…] muss es zu einer Reflexionsphase mit Regelformulierung kommen, die anschließend in einer Anwendung des erworbenen Handlungswissen mündet.“24

Eine Unterrichtsstunde lässt sich nach folgenden Punkten schematisch planen:

1. Hinführungsphase
2. Erarbeitungsphase
3. Regelformulierung oder Funktionsbeschreibung
4. Transfer- oder Übungsphase

In der Hinführungsphase soll das Thema gedanklich vorbereitet werden. Sie ist wichtig, weil lernen einen Prozesscharakter hat und das Problem der Stunde so eingeleitet werden kann. Dies kann, aber muss nicht, über einen situativen Kontext erfolgen.25 Den Mittelpunkt der Stunde stellt die Erarbeitungsphase dar. Die Stillarbeit hat hierbei eine zentrale Bedeutung, da das grammatische Phänomen von den SuS selbst erarbeitet werden soll. Dies bedeutet auch, dass der Lehrer sich in dieser Phase komplett zurückzieht. Nur mit Hilfe sprachlicher Materia- len, die nicht die Denkwege der SuS beeinflussen dürfen, wird das grammatische Problem hervorgebracht. In der Anschließenden Regelformulierung oder Funktionsbeschreibung „[…] werden die Ergebnisse der [SuS] in einem Unterrichtsgespräch gebündelt und enden in einer verbindlichen Regelformulierung oder Funktionsbeschreibung des grammatischen Phäno- mens.“26 Der Abschluss des Grammatikunterrichts bildet die Transfer- oder Übungsphase. Hierbei ist besonders zu beachten, dass der Transfer oder die Übung gestaltender Natur ist. Der hier dargestellte schematische Ablauf kann noch ausgestaltet werden. Die Phasen müs- sen allerdings auf diese Weise aufeinander folgen.27

[...]


1 Stammel, Hans: Deutsch. Zur Didaktik und Methodik des Grammatikunterrichts. Vorschläge für eine Verbesse- rung der Unterrichtssituation. Hrsg. vom Landesinstitut für Schulentwicklung (LS), Heft D 103, Stuttgart, 2005, 36 -51, S. 36

2 Gornik, Hildegard: Methoden des Grammatikunterrichts, in: Bredel, Ursula u.a. (Hgg.): Didaktik der deutschen Sprache, Bd. 2,2. Durchges. Aufl,. Paderborn u.a. 2006, S.823-825, S.823

3 Vgl. Stammel: Konzepte einer Schulgrammatik, S. 36

4 Vgl. Ebd. S. 36

5 Ebd. S. 38

6 Vgl. Köller, Wilhelm: Funktionaler Grammatikunterricht. Tempus, Genus, Modus: Wozu wurde das erfunden? Schneider Verlag Hohengehren 1997, S. 29-33, S.29

7 Vgl. Köller: Funktionaler Grammatikunterricht. S. 29

8 Vgl. Ebd. S. 29

9 Vgl. Ebd. S.29

10 Vgl. Ebd. S. 29

11 Vgl. Ebd. S. 29

12 Ebd. S. 30

13 Vgl. Ebd. S. 30

14 Ebd. S.30

15 Vgl. Ebd. S.30

16 Vgl. Ebd. S. 31

17 Vgl. Ebd. S. 31

18 Vgl. Ebd. S. 32

19 Vgl. Ebd. S. 32

20 Vgl. Ebd. 32f

21 Vgl. Ebd. S. 33

22 Vgl. Stammel: Konzepte einer Schulgrammatik. S. 48

23 Vgl. Ebd. S. 48

24 Ebd. S. 48

25 Vgl. Ebd. S. 48f

26 Ebd. S. 49

27 Vgl. Ebd. S. 49

Zusammenfassung

Die Arbeit ist im Rahmen der Fachdidaktik Grammatik für den Studiengang Lehramt an Gymnasien entstanden. Sie erklärt den funktionalen Grammatikunterricht und sein Potenzial, diesen wieder interessanter für die Schülerinnen und Schüler (SuS) zu gestalten. Außerdem enthält die Arbeit eine Musterstunde, in der der funktionale Grammatikunterricht umgesetzt wird.

Der Grammatikunterricht steckt in einer Krise und bisher scheint es noch keine Konzeption geschafft zu haben ihn zu retten. Aber, wie diese Arbeit zeigt, kann der Grammatikunterricht mit ein wenig Arbeit und kreativer Umsetzung von Grammatikinhalten aus der Krise gehoben werden. Einen hoffnungsvollen Plan bietet der funktionale Grammatikunterricht. Er ist stark schülerzentriert und setzt auf eine kreative Umsetzung von Grammatikstrukturen. Er greift das Wissen der SuS auf und zeigt ihnen, dass sie durchaus bereits viel wissen und in der Lage sind, mit ein wenig Unterstützung selbst neues Wissen zu generieren. Ein stupides Regeln lernen oder Lücken ausfüllen gibt es hier nicht. Stattdessen soll in eigener Textproduktion die Grammatik umgesetzt werden. Wie das der funktionale Grammatikunterricht schafft, wird in dieser Arbeit dargestellt.

Kommentar des Dozenten:
Die Einleitung ist gelungen und führt motivierend zum Thema hin. Ergänzend hätte noch der Aufbau der Arbeit bzw. die Vorgehensweise genauer in den Blick genommen werden können.
In der Sachanalyse wird der funktionale Grammatikunterricht fundiert und einleuchtend vorgestellt. Es werden die zentralen Ziele und Prinzipien des funktionalen Grammatikunterrichts sinnvoll und zielführend dargestellt und erläutert.
Die Vorgehensweise des funktionalen Grammatikunterrichts wird an einer Stunde zur Unterscheidung von Konkreta und Abstrakta treffend umgesetzt. Die Stunde weist die wesentlichen Phasen und Vorgehensweisen des funktionalen Grammatikunterrichts auf. Die Inhalte der einzelnen Phasen werden detailliert erläutert. Positiv ist, dass eine Verbindung zum Bildungsplan und den geförderten Kompetenzen hergestellt wird. Der didaktische Kommentar ist treffend und bezieht die Prinzipien des funktionalen Grammatikunterrichts mit ein.
In der Reflexion des Stundenentwurfs findet eine gelungene und kritische Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsentwurf statt.
Der Anhang enthält die geforderten Materialien. Besonders hervorzuheben ist dabei der sehr detailliert ausgearbeitete Stundenverlaufsplan mit didaktischem Kommentar.

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668053892
ISBN (Buch)
9783668053908
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Erscheinungsdatum
2015 (September)
Note
1,3
Schlagworte
Fachdidaktik Didaktik Germanistik Grammatikunterricht funktionaler Grammatikunterricht Unterrichtsentwurf Erklärung funktionaler Grammatikunterricht Lehramt Methode Unterrichtsmethode

Autor

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Titel: Funktionaler Grammatikunterricht. Grammatikunterricht ohne Krise