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Die Glücksberechnung im klassischen Utilitarismus. Moralisch vertretbar?

Eine Diskussion

Seminararbeit 2013 15 Seiten

Philosophie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einführung

2.Utilitarismus
2.1 Klassischer Utilitarismus
2.2 Definition des Glücks im klassischen Utilitarismus
2.2.1 Das Prinzip der Nützlichkeit

3.Moral
3.1 Definition und Bedeutung der Moral im Alltag
3.2 Moralverständnis des Utilitarismus

4.Die Glücksberechnung
4.1 Das hedonistische Kalkül
4.2 Das Verfahren der Glücksberechnung

5.Beispielorientierte Erörterung der Fragestellung

6.Fazit

7.Quellenverzeichnis

1. Einführung

„Man muss sein Glück teilen, um es zu multiplizieren“[1] Die Frage nach dem Glück ist so alt wie die Menschheit selbst. Die bekanntesten Philosophen der Geschichte, egal ob Aristoteles, Platon oder Epikur, stellten das Glück in den Mittelpunkt ihrer Philosophie. Schenkt man dieser Glücksphilosophie Glauben, so streben alle Menschen, bewusst oder unbewusst, nach Glück.[2] Das Streben nach Glück ist demnach ein Urinstinkt des Menschen und, laut Aristoteles, sogar der wahre Sinn des Lebens. Wenn das Glück den Sinn des Lebens darstellt muss man sich allerdings fragen: „Was ist Glück überhaupt?“, „Wie wird man glücklich?“ und „Ist Glück messbar oder vielleicht sogar berechenbar?". Alle diese Fragen tauchen auf, sobald man sich näher mit dem Thema „Glück“ beschäftigt. Die Ethik, die einen „Teilbereich der Philosophie“[3] repräsentiert, versucht auf diese Fragen eine Antwort zu geben. Dies gilt besonders für die „Glücksethik“ des Utilitarismus. Die utilitaristische Ethik versucht alle Fragen rund um das Thema Glück zu beantworten. Auf die Frage nach der Messbarkeit und Berechnung des Glücks scheint der Utilitarismus bereits eine Antwort gefunden zu haben: Die Glücksberechnung. Gleicht diese, in der utilitaristischen Ethik weit verbreitete, Glücksberechnung wirklich einer „inhumane[n] Rechenübung“[4], wie viele Kritiker des Utilitarismus behaupten oder lässt sich mit ihr das Glück der Gesellschaft bedenkenlos berechnen?

Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Glücksberechnung im klassischen Utilitarismus und der Frage nach ihrer moralischen Vertretbarkeit innerhalb der Gesellschaft. Der erste Teil dieser Arbeit legt den Fokus auf die Definition der utilitaristischen Ethik mit dem dort verwendeten Begriff „Glück“. Anschließend folgt eine Einführung in zwei unterschiedliche Sichtweisen der Moral und deren Bedeutung für das Zusammenleben von Individuen. Der zweite Teil der Arbeit geht ausführlich auf das Verfahren der Glücksberechnung ein und erörtert schließlich, anhand anschaulicher Beispiele, die Fragestellung dieser Arbeit:

Ist die Glücksberechnung im klassischen Utilitarismus moralisch vertretbar? In einem abschließenden Fazit wird die Leitfrage anhand der Erörterung beantwortet und mit einer kritischen persönlichen Stellungnahme ergänzt.

2. Utilitarismus

Der Utilitarismus ist eine „konsequentialistische[ ] Ethik“.[5] Das bedeutet der Utilitarismus beurteilt „die Richtigkeit einer Handlung nach der Nützlichkeit ihrer Folgen“.[6] Die Bezeichnung „Utilitarismus“ stammt vom lateinischen Wort „utilitas“[7] ab, das übersetzt „Nutzen“[8] heißt. Das Ziel dieser Ethik besteht darin, den „größte[n] Nutzen der größten Zahl“[9] für Einzelpersonen und allgemein für die Gesellschaft zu erlangen. Im Laufe seiner Entwicklung hat sich der Utilitarismus in eine Vielzahl von Positionen und Unterpositionen aufgespalten.[10] Aufgrund der dadurch entstandenen Vielzahl an Varianten, die sich enorm voneinander unterscheiden, kann man nicht von dem Utilitarismus sprechen.

Diese Arbeit greift eine dieser Varianten heraus und beschäftigt sich in erster Linie mit der Position des „klassischen Utilitarismus“, da hier die Glücksberechnung ihren Ursprung hat.

2.1 Klassischer Utilitarismus

Der klassische Utilitarismus wird als die Grundform der utilitaristischen Ethik angesehen.[11]

Die englischen Philosophen Jeremy Bentham und John Stuart Mill gelten als die Begründer und bekanntesten Vertreter dieser zentralen Position[12], die sich zur Zeit der Industriellen Revolution in England und Amerika entwickelte.[13] Als oberstes Ziel verfolgt der klassische Utilitarismus die Maximierung des wertvollsten Gutes „Glück“. Die Lehre Benthams, welche von Mill weiterentwickelt wurde[14], führte zur Entstehung der Glücksberechnung.

2.2 Definition des Glücks im klassischen Utilitarismus

Was ist Glück? Das ist eine berechtigte Frage, denn für Glück gibt es keine allgemeingültige Definition. Deswegen hat der Utilitarismus seine eigene Definition von Glück erstellt.

In der utilitaristischen Ethik versteht man unter Glück den Nutzen einer Handlung.

Nutzen und Glück sind demnach in ihrer Bedeutung nahezu identisch.[15]

Was genau unter dem Begriff „Nutzen“ zu verstehen ist, ist auch im Utilitarismus nicht genau festgelegt. Demnach gibt es verschiedene Interpretationen des Nutzenbegriffs.[16] Bentham zufolge ist Nutzen das, „was Glück […] einer Interessenpartei befördert und was Schmerz [und] Leid […] verhindert.“[17] Aus dieser Interpretation von Nutzen entsteht das Prinzip der Nützlichkeit, auf dem die utilitaristische Ethik und ihre Glücksberechnung aufbaut.

2.2.1 Das Prinzip der Nützlichkeit

Das Prinzip der Nützlichkeit ist eines von vier Teilmaßstäben aus denen sich das Moralprinzip zusammensetzt.[18]

„Unter dem Prinzip der Nützlichkeit ist jenes Prinzip zu verstehen, das schlechthin jede Handlung in dem Maß billigt oder mißbilligt, wie ihr die Tendenz innezuwohnen scheint, das Glück der Gruppe, deren Interesse in Frage steht, zu vermehren oder zu vermindern, oder - […] mit anderen Worten gesagt - dieses Glück zu befördern oder zu verhindern.“[19]

In Bezug auf die Gemeinschaft gelten somit alle Handlungen als nützlich, die dazu neigen Glück zu vermehren. Handlungen die dazu neigen das Glück einer Gemeinschaft zu verringern, werden als unnützlich angesehen. Das Prinzip der Nützlichkeit ist das wichtigste Kriterium zur Beurteilung einer Handlung als moralisch richtig oder falsch.

3. Moral

Moral kann auf verschiedene Arten definiert und interpretiert werden.

Was man unter Moral im Allgemeinen versteht, welche Bedeutung sie hat und wie die Moralvorstellung des Utilitarismus aussieht wird im Folgenden erläutert.

3.1 Definition und Bedeutung der Moral im Alltag

Jede Gesellschaft benötigt Regeln, die das Zusammenleben von Individuen ermöglichen.

Ohne Regeln, die zum Beispiel für die Einhaltung der Grund- und Menschenrechte sorgen, ist die Existenz einer Gesellschaft und deren Mitgliedern zweifellos unmöglich.

Werte und Normen gelten als solche Regeln, die das Bestehen einer Gesellschaft auf Dauer gewährleisten. Mit Hilfe „konkrete[r] Handlungsvorschriften“[20] und „Zielvorstellungen, die ein Individuum oder eine Gesellschaft als erstrebenswert bzw. verbindlich anerkennt“[21], regeln sie die Interaktion von Menschen innerhalb einer Gemeinschaft. Diese Handlungsregeln können von Kultur zu Kultur erheblich differieren, bleiben jedoch für alle Mitglieder einer Gesellschaft verbindlich.[22] Gemeinsam bilden Werte, vor allem jedoch Normen, die Grundlage der Moral. Die Moral wird als ein „System von Regeln“[23] verstanden, welches einem Individuum den Umgang mit seinen Mitmenschen vorschreibt. Dementsprechend beschreiben diese Handlungsregeln ein tatsächlich vorhandenes oder angestrebtes Verhalten einer Gemeinschaft und deren Individuen.[24] Dieses Verhalten beruht auf den anerzogenen „Tradition[en] oder Konvention[en]“[25] des Individuums, das heißt auf den Werten und Normen, die es in seiner Erziehung vermittelt bekommen hat. Folglich ist die Existenz einer Gesellschaft ohne moralische Wertvorstellungen unmöglich, denn: „Moral ist die Grundlage unseres Zusammenlebens“[26].

[...]


[1] http://www.gluecksarchiv.de/inhalt/zitate.htm, (Stand: [07.04.3013])

[2] Vgl. http://joachimschummer.net/papers/1998_Glueck%26Ethik_Einleitung.pdf, (Stand: [03.04.2013])

[3] Gneist, Carl / Hoffmann, Burkhard / Nink, Hermann (Hrsg.): Standpunkte der Ethik. Lehr- und Arbeitsbuch für die Sekundarstufe II / Kursstufe, Paderborn 2009, S.14

[4] Gesang, Bernward: Eine Verteidigung des Utilitarismus. Stuttgart 2003, S.51

[5] Erlinger, Rainer: Moral. Wie man richtig gut lebt, Frankfurt am Main 2011, S.84

[6] Prechtl, Peter (Hrsg.): Philosophie, Stuttgart 2005, S.200

[7] Höffe, Otfried (Hrsg.): Einführung in die utilitaristische Ethik. Klassische und zeitgenössische Texte, Tübingen 2003, S.10

[8] Vgl. ebenda, S.10

[9] Gesang, 2003, S.10

[10] Vgl. Höffe, 2003, S.9

[11] Vgl. ebenda, S.13

[12] Vgl. ebenda, S.12

[13] Vgl. Gneist / Hoffmann / Nink (Hrsg.), 2009, S.174

[14] Vgl. Bleier, Rudolf / Christiansen, Jan / Herrmann, Harald / Preisendanz, Thomas / Mangler-Wörz, Iris: Ethik 12/13. Handeln und Verantworten (Band 1), Bühl 2000, S.89

[15] Vgl. Gesang, 2003, S.26/27

[16] Vgl. ebenda, S.27/28

[17] Vgl. ebenda, S.29

[18] Vgl. Bleier / Christiansen / Herrmann / Preisendanz / Mangler-Wörz, 2000, S. 92

[19] Höffe, 2003, S.56

[20] Gneist / Hoffmann / Nink (Hrsg.), 2009, S.15

[21] Gneist / Hoffmann / Nink (Hrsg.), 2009, S.15

[22] Vgl. Prechtl, 1999, S.122

[23] Vgl. Kesselring, Thomas: Handbuch Ethik für Pädagogen. Grundlagen und Praxis, Darmstadt 2009, S.27

[24] Vgl. Gneist / Hoffmann / Nink (Hrsg.), 2009, S.15

[25] Prechtl, 2005, S.122

[26] Erlinger, 2011, S.9

Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668053939
ISBN (Buch)
9783668053946
Dateigröße
687 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307289
Note
1,25
Schlagworte
utilitarismus Glücksberechnung Philosophie Moral Ethik klassischer Utilitarismus

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