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Kreative Protestformen vom Flashmob bis zu Social Media. Ein Überblick über die Möglichkeiten und ihr Potenzial für Nonprofit-Organisationen

Wissenschaftliche Studie 2015 12 Seiten

BWL - Offline-Marketing und Online-Marketing

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Vorwort ... 2

1. Bürgerschaftliches Engagement und Kreative Protest-Ideen ... 3
1.1 Bürgerschaftliches Engagement der letzten Jahre ... 3
1.2 Kreative Protest-Ideen ... 3
1.2.1 Flash Mob für die NPO und ihre Zielsetzung ... 4
1.2.2 Das unsichtbare Theater ... 4
1.2.3 Falsche Demonstration ... 4
1.2.4 Kreative Mahnwachen ... 4
1.2.5 Positiver Applaus an unpassenden Stellen ... 5
1.2.6 Menschliche Banner ... 5
1.2.7 Kreatives Nachfragen in Geschäften ... 5
1.2.8 Adbusting ... 5

2. Nonprofit Organisationen NPOs und kreative Protestformen ... 6
2.1. Definition ... 6
2.2 Potential der kreativen Protestformen für NPOs ... 7
2.2.1 Nutzung von Social Media ... 8
2.2.2 Planung der kreativen Protestformen ... 8
2.2.3 Beispiele kreativer Protestformen ... 8
2.2.4 Umgang mit kreativen Protestformen ... 10

3. Abschluss ... 10

Literaturverzeichnis ... 11
a.) Monographien ... 11
b.) Studienbriefe der TU Kaiserslautern ... 11
c.) Beiträge in Zeitschriften ... 11
d.) Internetquellen ... 12

0. Vorwort

In der Mediengesellschaft gibt es eine Vielfalt von Kanälen. In dieser Vielfalt gehört zu werden, ist mittlerweile ein schwieriges Unterfangen. Allein Social Media wächst in einem rasanten Tempo. Die Anzahl der Nonprofit-Organisationen, kurz NPOs, ist in den letzten Jahren aufgrund der Verschiebung der Gewichtungen im politischen Umfeld ebenfalls stark angestiegen. Im Wettbewerb von vielen Anbietern gilt es, durch kreative Aktionen aus der Masse der NPO-Konkurrenz herauszustechen. Nicht mit einer negativen Betonung, sondern mit einer positiven Akzentuierung lassen sich Sympathie-Werte generieren. Dies wird beispielsweise auch in anderen Zusammenhängen empfohlen, wenn es um Management von Veränderungen geht. [1]

Nonprofit-Organisationen sind heute in mehrerlei Hinsicht unter starkem Druck: Finanzknappheit, gestiegene Konkurrenzsituation, Anforderungen an das Qualitätsmanagement, höhere Sicherheitsstandards etc. In dieser Arbeit geht es darum, angesichts dieser Rahmenbedingungen Aufmerksamkeit zu schaffen, für die Message der NPO einzutreten und damit indirekt für die NPO selbst.

So soll in einem ersten Schritt gelernt werden von den Bürgerbewegungen und ihrem kreativen Protestpotential: Welche kreativen Protestformen sind entstanden, um ein Ziel zu erreichen? Es werden Parallelen zwischen kreativen Protestformen und NPOs hergestellt, da NPOs einen Zweck verfolgen, der anstrengend sein kann (z.B. Greenpeace: Einsatz für die Umwelt, Amnesty International: Einsatz für Menschenrechte, Rotes Kreuz: Einsatz für den Menschen etc.). Die Ziele der NPOs sind durchaus legitim, widersprechen der menschlichen Bequemlichkeit, sie fordern einen persönlichen Einsatz, ein finanzielles Engagement, auch ein zeitliches Engagement.

Protestformen, die kreativ sind, sind keine negativen Protestformen, sondern vielmehr positiv-konstruktive Ideen, die auf Missstände und Sachverhalte hinweisen möchten. In diesem Punkt besteht die Verknüpfungsfähigkeit von kreativem Protest und Nonprofit, da eine positiv gestimmte Öffentlichkeit und Aufmerksamkeit erreicht werden soll.

Mit einer positiv gestimmten Öffentlichkeit wird die Organisation selbst als kreativ, modern, jung, einfallsreich, kurz: als positive Organisation mit legitimen Anliegen wahrgenommen. Diese Aktionen benötigen jedoch eine Öffentlichkeitsarbeit, die diese Aktionen als wahrhaftige Aktionen wahrnehmen lässt. Die Organisation und ihre Öffentlichkeitsarbeit müssen deshalb aus „einem Guss“ sein, ein Umsetzungskonzept kann dem zugrunde liegen, das kongruent und dem Leitbild entsprechend umgesetzt wird.

Zunächst wird das Phänomen der letzten Jahre, das bürgerschaftliche Engagement in aller Kürze angedeutet. Danach das daraus entstandene Potential an kreativen Protestformen und einige Formen des kreativen Protestes erläutert. Im zweiten Kapitel wird die Anwendbarkeit auf Nonprofit- Organisationen angedeutet.

1. Bürgerschaftliches Engagement und Kreative Protest-Ideen

1.1 Bürgerschaftliches Engagement der letzten Jahre

Bürgerschaftliches Engagement hat in den letzten Jahren auf breiter Front zugenommen. Spätestens mit der Bewegung „Stuttgart 21“ waren die Reden über Politikverdrossenheit zu Ende. Die Politik erlebte, dass der Bürger in Deutschland mitbestimmen wollte. Der Begriff „bürgerschaftliches Engagement“ hat eine kurze Geschichte:

„Entstehung und Popularität des Begriffs Bürgerschaftliches Engagement sind in engem Zusammenhang zur Arbeit der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages der ersten Legislaturperiode der Rot-Grünen Koalition unter Altkanzler Schröder zu sehen. Die Mitglieder der Kommission "Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements" haben mit dieser Begriffswahl eine ganz bewusste Entscheidung getroffen. Sie wollten den engen Zusammenhang von Engagement, Bürgerschaft und Bürgersinn deutlich machen. Damit knüpfen sie an ein republikanisches Verständnis von Bürgerschaft an. Es geht um die Bürger und Bürgerinnen, die sich auf vielfältige Weise und selbstorganisiert in die Belange unseres Gemeinwesen einbringen und so die Zukunft von Staat und Gesellschaft wesentlich mitbestimmen und prägen.“[2]

Mit dem bürgerschaftlichen Engagement wurde deutlich, dass die Bürger nach Partizipation und Teilhabe verlangen. Was früher als ehrenamtliches Engagement bezeichnet wurde, ein Begriff, der im alten Preussen entstand und viel mit der alten Bezeichnung „Ehre“ zu tun hat, wird heute als „bürgerschaftliches Engagement“ bezeichnet.

1.2 Kreative Protest-Ideen

Eine kreative Protestform im Zusammenhang mit der Nonprofit-Organisation kann dann sinnvoll sein, wenn die Protestform in das (Leit-)Bild der Organisation passt, wenn die Protestform eine positive Botschaft transportiert, die auf die NPO abstrahlt (gemeinsam für eine gute und sinnvolle Welt) und wenn der Inhalt der Aktion mit der NPO kompatibel und kongruent ist.

Mit welchen Mitteln kann gearbeitet werden? Welche und wie viele Ressourcen können eingesetzt werden? Mittlerweile gibt es eine ganze Menge an kreativen Protestformen, die mit einem Minimum an finanziellem Einsatz auskommen, von denen nur die bekanntesten genannt werden. Dabei zeichnen sich diese Protestformen dadurch aus, dass sie nicht vor lauter Appell die Leichtigkeit verlieren, dass sie heiter unbeschwert und fröhlich ablaufen. Das ist das Kriterium aller kreativer Protestformen: nicht die Schwere des Appells, nicht die Trägheit der Langeweile, sondern die Kreativität, die zum Nachdenken anregen möchte.

1.2.1 Flash Mob für die NPO und ihre Zielsetzung

Sich via Social Media an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Uhrzeit verabreden, um eine verrückte Aktion zu starten, kann eine beeindruckende Aktion sein. Flash Mobs haben eine performative Akzentuierung, da bei diesen Aktionen z.B. getanzt wird, etwas dargestellt wird in einem Schauspiel bzw. in einer Pantomime. Eine Unterform des Flashmobs ist der sogenannte Medmob: in der Öffentlichkeit wird für einen bestimmten Zweck meditiert.

1.2.2 Das unsichtbare Theater

Die Steigerung zum Flashmob ist das unsichtbare Theater. In der Öffentlichkeit wird ein Theater inszeniert, das nicht sofort als Theater erkennbar ist, sodass der Zuschauer zuerst nicht registriert: Ist das „Schauspiel“ nun inszeniert oder ist es echt. Beispiele können sein: sich im Kleider-Discounter als Kunde ausgeben, zwei Protagonisten unterhalten sich über die unmenschlichen Bedingungen der Herstellung in einer Kleiderfabrik in Bangladesch etc.

1.2.3 Falsche Demonstration

Es handelt sich um eine falsche Demonstration, in der eine Gruppe eine Demonstration konterkariert: Die Überspitzung der Sachlage führt zu humorvollen Reaktionen. Zum Beispiel: Bananenverkäufer und Gurkenverkäufer fordern richtig krumme Waren, um für die Unförmigkeit von Obst und Gemüse zu demonstrieren (Hinweis auf die verschiedensten Formen im Leben und gegen die Uniformität). Zahnärzte fordern mehr Zucker in den Süssigkeiten, damit sie noch mehr zu tun haben. Piloten fordern höhere Flugticketpreise, damit sie ein grösseres Salär haben und mehr Luxus geniessen können.

1.2.4 Kreative Mahnwachen

Mahnwachen sind ein altes Sujet, das die Wache bzw. die Trauer um jemanden ausdrückt. Dieses Sujet jedoch aufzunehmen und neu kreativ umzudeuten, kann Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dabei sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt: Ein besonderer Ort zu einer besonderen Zeit mit einer besonderen Dramatik und Darstellung, mit einer kreativen Kostümierung und einem originellen Sinnspruch können Möglichkeiten sein, auf humorvolle Art und Weise die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Ein Beispiel, das über das blosse Kerzenanzünden hinausgeht: Es wird eine Totenwache gehalten im Gedenken an die getöteten Juden des 2. Weltkrieges – alle Personen der Gruppe ziehen weisse Kleidung an, tragen einen Judenstern, haben das Gesicht weiss getüncht, stehen bewegungslos an einer sehr belebten Strasse und im Hintergrund läuft Marschmusik und die bellende Stimme von Hitler, jedoch so verzerrt, dass man nicht weiss, was gesagt wird.

1.2.5 Positiver Applaus an unpassenden Stellen

Erscheint beispielsweise eine kontroverse Politikerin auf Einladung einer Stadt und hält eine Rede, wäre Protestgeschrei die durchschnittliche Reaktion darauf. Sich als Gruppe jedoch unauffällig im Publikum zu verteilen und an den unsinnigsten Stellen begeistert zu applaudieren, löst zunächst Befremden und später dann Erheiterung aus. Wichtig ist, dass die Gruppe als solche nicht erkannt wird, unauffällig gekleidet ist, sich unter das Publikum mischt und durch einen inszenierten begeisterten Applaus einzelner der Gruppe die Durchführung der Rede immer wieder unterbricht.

1.2.6 Menschliche Banner

Beeindruckend sind menschliche Banner, wenn sich eine grössere Gruppe von Menschen so zusammenfügt, dass sich Worte oder Bilder ergeben, die eine Botschaft transportieren. Dies erzeugt ein hohes Medieninteresse und wird häufig mit einem Bild in den Medien besonders gewürdigt. Zudem erzeugt diese Aktion ein positives Gemeinschaftsgefühl, den Eindruck gemeinsam für eine Sache bzw. für eine NPO einzustehen und auf diese kreative Art und Weise einen Beitrag zu einer positiven Veränderung der Welt zu leisten.

1.2.7 Kreatives Nachfragen in Geschäften

Die Verkäuferin soll zum Nachdenken gebracht werden, indem man kreativ im Geschäft nachfragt. Dabei ist nicht das Ziel, die Verkäuferin zu verärgern, sondern zum Nachdenken zu bringen. Im Schuhgeschäft kann man darauf hinweisen, dass die Schuhmarke den Arbeitern in der Herstellung nur einen kleinen Lohn bezahlt. Mit Visitenkarten kann man auf die prekären Arbeitssituationen hinweisen und damit die Verkäuferin für die Thematik sensibilisieren.

1.2.8 Adbusting

Werbeflächen dominieren den öffentlichen Raum. Dagegen stellen sich die Aktivitäten des Adbustings: Man möchte vermeiden, dass die Werbung alles dominiert und verwendet die Mittel der Werbung, um für die eigenen Zwecke aufmerksam zu machen. Mit dem Adbusting werden Werbeflächen für die eigenen Zwecke verwendet. Gebuchte Flächen sollen durch inspirierende Texte bzw. Botschaften die anderen Werbeflächen entweder konterkarieren oder durch die eigene Botschaft ergänzen. Werbeplakate werden verfremdet, nicht immer offensichtlich, sondern erst beim zweiten Anschauen feststellbar. So kann das Schild „Parken“ so verändert werden, indem man die letzten zwei Buchstaben „en“ unkenntlich macht, um auf die Notwendigkeit eines Parks statt des Parkplatzes hinzuweisen, also: Grün statt Beton.[3]

[...]


[1] Cummings, T.G. (2006): Eine amerikanische Betrachtung der Organisationsentwicklung: Aktuelle Realitäten und interessante Ausblicke, in: Organisationsentwicklung. Zeitschrift für Unternehmensentwicklung und Change Management, Heft 4, S. 82 ff.

[2] Zimmer, A. (2005): Bürgerschaftliches Engagement: Definition, Potential und Grenzen, zit. in: http://www.aktive-buergerschaft.de/fp_files/Zimmer_Vortrag_2005.pdf , (zugegriffen am 21.09.15), S. 2.

[3] Vgl. http://www.derwesten.de/kultur/so-zeigen-menschen-heute-ihren-unmut-und-ruetteln-wach-id11037896.html (zugegriffen am 23.09.15).

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668052963
ISBN (Buch)
9783668052970
Dateigröße
862 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307299
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern – DISC
Note
Schlagworte
NPOs Nonprofit Organisationen Protestformen Social Media kreative Aktionen

Autor

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Titel: Kreative Protestformen vom Flashmob bis zu Social Media. Ein Überblick über die Möglichkeiten und ihr Potenzial für Nonprofit-Organisationen