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Wittgenstein über Klarheit und das Unaussprechliche. Eine Untersuchung der Begrifflichkeiten

Hausarbeit 2015 9 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Über Sagbares und Unaussprechliches

3. Wie scharf ist die Trennung von Sagbarem und Unaussprechlichem?.

4. Sagbares und Unsagbares - eine Synthese?

5. Fazit und Ausblick.

Literaturverzeichnis

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“1

1. Einleitung

In seiner Logisch-philosophischen Abhandlung bzw. dem Tractatus logico- philosophicus [TLP] beschäftigt sich Wittgenstein u.a. mit den Fragen, was unsere Sprache leisten kann und welche Grenzen dieser und damit auch uns, als Subjekten der Sprache, gesetzt sind. Generell trennt er dabei formal zwischen dem klar Sagbaren und dem Unaussprechlichem (im Weiteren auch: das Unsagbare).

Meine Aufgabe im folgenden Essay wird es sein, zu untersuchen, inwieweit beide Pole miteinander in Einklang gebracht werden können. Vorweg sei angemerkt, dass ich mich lediglich auf Wittgensteins Frühwerk, namentlich den Tractatus, beziehe. Dazu werde ich im ersten Schritt zu klären versuchen, was genau Wittgenstein unter dem Unsagbaren und dem Sagbaren versteht, worauf dann eine Betrachtung des Verhältnisses der beiden folgt. Zuletzt stelle ich eine Synthese dar, indem ich mich dem nähere, was bei Wittgenstein über die rational-logische Betrachtung der Welt hinausgeht.

Implikationen des oben angeführten Schweigegebots weisen z.B. auf folgende Fragen: Können wir überhaupt Dinge wie Liebe oder die Frage nach einem allmächtigen Gott beschreiben, denken und somit auch (sinnvoll) über diese sprechen? Oder müssen wir schlicht akzeptieren, dass es Dinge gibt, die zwar wichtig sind, vielleicht sogar die wichtigsten, da sie „unsere Lebensprobleme“2 umfassen, über die wir aber am besten schweigen sollten? Doch um sich mit diesen Themen nach Wittgenstein auseinanderzusetzen, bedarf es der Klärung des Sagbaren und Unsagbaren.

2. Über Sagbares und Unaussprechliches

Es gibt laut Wittgenstein in der Welt zum einen Dinge, die sich klar sagen lassen, denn alles, was gesagt werden kann, kann klar gesagt werden.3 Zu diesen Dingen gehört alles, was sich logisch-naturwissenschaftlich beschreiben lässt.4 Physikalische Angaben wie Größe, Masse oder dergleichen sind Prototypen klar beschreibbarer, d.h. sagbarer Dinge. Diese Seite wäre die „Welt“ nach Wittgenstein5, der „logische6.

Demgegenüber gibt es offenbar Dinge, die der eben genannten Menge nicht angehören: Liebe, Tod, Gott und der Sinn des Lebens; diese sind Elemente des „Unaussprechliche[n΁“[7]. Wittgenstein behauptet nun, dass diese Menge nicht klar sagbar ist, was zumindest heißt, dass wir auf den ersten Blick nicht sinnvoll, d.h. wissenschaftlich und logisch eindeutig, über sie reden können. Damit wären wir, wenn wir uns konsequent an Wittgenstein halten, dazu verpflichtet, über eben jene Dinge zu schweigen8, vorausgesetzt natürlich, wir möchten seinem Anspruch auf Präzision und Sorgfalt in der Sprache, die sich aus dem Vorherigen ableiten lassen, nachkommen. Es muss Wittgenstein also nach einem „ lles-oder-Nichts-Prinzip“ darum gehen, entweder sehr konzise zu sprechen oder eben gar nicht.

Als Beispiel, worüber es vollkommen sinnlos ist, zu reden, führt Wittgenstein auch die Ethik an. Nicht nur, dass über diese eine Menge „geschwefelt“9 wird, auch hält er fest, dass es „keine Sätze der Ethik geben [kann΁“[10] und es „klar [ist], daß sich die Ethik nicht aussprechen läßt“ [Hervorhebung, H.N.΁[11].

Nun muss man natürlich feststellen, dass es absolut notwendig ist, nicht nur eindeutig und präzise über die physische Welt, sondern auch über all das reden zu können, was im Leben fernab der wissenschaftlichen Abstraktion so essenziell erscheint. Denn Antworten auf die Frage nach einem guten Leben, einem Sinn sowie einem Gott stellen ja keine Scheinprobleme dar - wie Wittgenstein aber z.B. die Frage nach einem Leben nach dem Tod bezeichnen würde - sondern sind so eminent wichtig, eben weil sie unser alltägliches Leben (das nicht der formal- logischen Welt Wittgensteins entspricht) betreffen. Der Autor des Tractatus äußert sich folgendermaßen dazu: „Wir fühlen, daß selbst, wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind“12.

[...]


1 TLP 7.

2 TLP 6.52

3 TLP 4.116

4 TLP 4.11

5 TLP 1.

6 TLP 1.13

7 TLP 6.522

8 vgl. TLP 7. / L.W.] Um ganz deutlich zu sein:

9 Tetens, Holm: Wittgensteins <<Tractatus>>. Ein Kommentar. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH & Co. 2009 [=Reclams Universal-Bibliothek Nr. 18624]. 2009. S. 98.

10 TLP 6.42

11 TLP 6.421

12 TLP 6.52

Details

Seiten
9
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668054813
ISBN (Buch)
9783668054820
Dateigröße
861 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307351
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Philosophisches Seminar
Note
1,3
Schlagworte
Ludwig Wittgenstein Tractatus logigo-philosophicus Sprache Sprachgrenze Klarheit das Unaussprechliche Untersuchung

Autor

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Titel: Wittgenstein über Klarheit und das Unaussprechliche. Eine Untersuchung der Begrifflichkeiten