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„Große Musik für kleine Hörer“. Komplexe Hörbildung im Grundschulalter mithilfe klassischer Musik

Hausarbeit 2015 13 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung ... 1

2. Moglichkeiten und Grenzen der Horbildung bei Kindern im Bereich komplexer Musik ... 2
2.1 Offenohrigkeit nach DAVID HARGREAVES ... 2
2.2 Musikalische Präferenzen bei Grundschulkindern nach GEMBRIS u. SCHELLBERG ... 3

Exkurs Klassik / klassische Musik ... 4

PETER STANGEL über komplexe und unterkomplexe Musik ... 5

3. „Große Musik für kleine Hörer“ – Klassikprogramm für Kinder ... 6
3.1 Hintergrund und Idee ... 6
3.2 Konzept und Gestaltung ... 6
3.3 Ziele ... 7
3.4 Adaptation für den Unterricht ... 8

5. Ausblick ... 9

6. Literaturverzeichnis ... 11

1. Einleitung

Das frühe Grundschulalter steht für ein hohes Maß an Lernmotivation, Einsatzbereitschaft, Wissbegierde und ist unter diesen Voraussetzungen hinsichtlich musikalischer Fördermaßnahmen ein optimales Zeitfenster. Insbesondere auch, da die Prägungen gegenüber Musik, Stilrichtungen und Musikunterricht noch nicht festgelegt sind.[1] Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass Kinder in dieser Phase auf anspruchsvolle musikalische Genres unbefangen, neugierig und offen reagieren. In diesem Alter sind sie mühelos in der Lage, effektive und affektive Bindungen, Interessen und Wertehaltungen auch zu komplexer Musik wie Klassik, Weltmusik und Jazz aufzubauen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage nach konkreten Erkenntnissen zu Möglichkeiten und Grenzen musikalischer Hörbildung von Grundschülern im Bereich komplexer Musik. In der vorliegenden Arbeit wird dazu der Fokus auf die Klassik/klassische Musik gelenkt.

Zur Beantwortung dieser Frage werden zunächst wissenschaftliche Ansätze zum sog. window of opportunity der klassischen Hörbildung bei Kindern betrachtet. Hierzu sollen die Hypothese der Offenohrigkeit nach DAVID HARGREAVES und die daran angelehnte empirische Studie von GEMBRIS u. SCHELLBERG „Die Offenohrigkeit und ihr Verschwinden bei Kindern im Grundschulalter“ herangezogen werden. Als Beispiel für ein professionelles, anspruchsvoll gestaltetes Klassikprogramm für Kinder soll PETER STANGELs „Große Musik für kleine Hörer“ dienen, das 2005 als erstes außerschulisches Projekt an den Start ging. Einführend dazu wird ein Exkurs zur Klassik/klassischen Musik und zur Kategorisierung PETER STANGELs von komplexer und unterkomplexer Musik unternommen. Die Darstellung des Musikprojekts umfasst Beschreibungen zu Hintergrund und Idee, Konzept und Gestaltung, Zielsetzung und Anregungen zur Adaptation für den Musisch-Ästhetischen Unterricht. Die Arbeit schließt mit einer Betrachtung von aktuellen Gegebenheiten zur musikalischen Hörbildung für Kinder im Bereich klassischer Musik im schulischen und außerschulischen Rahmen.

2. Möglichkeiten und Grenzen der Hörbildung bei Kindern im Bereich komplexer Musik

Für die Ausbildung musikalischer Fertigkeiten im Bereich komplexer Musik braucht es sowohl auf Seiten der Pädagogen als auch auf denen der Kinder einen langen Atem. Bis die Musik eines BEETHOVEN, MOZART oder BACH hörend und/oder spielend bewältigt werden kann, vergehen lange, mitunter mühevolle Phasen der Vorbereitung und Übung. Die Triebfeder zum anhaltenden Verfolgen des hohen (musikalischen) Ziels könne laut STANGEL nur ein Sehnsuchtsort[2] sein. Für das aktiv musizierende Kind könne dieser Ort beispielsweise das Beherrschen der Geige, für das rezipierende Kind die Verlockung einer spannenden Geschichte im Hörstück sein. Kinder können auf spielerische Weise mit ernster Musik vertraut gemacht werden.

„Auch für diejenigen Kinder, die nicht aktiv zu musizieren anfangen (und das ist die Mehrzahl), öffnet die Beschäftigung mit und Kenntnis der klassischen Musik geistig-seelische Welten, die dem erwachsenen Menschen später ein ganzes Leben offenstehen, die ihm einen Zugang zum unendlichen Reichtum und der Freude, die diese Musik bieten kann, schaffen. Dafür ist es jedoch wichtig, das kindliche Gehirn in der Zeit seine größten Empfänglichkeit zu prägen, denn wer als junger Mensch keinen Kontakt zu Klassik bekommen hat, wird sich als Erwachsener schwer tun.“ [3]

2.1 Offenohrigkeit nach DAVID HARGREAVES

1982 stellte der britische Musikpädagoge DAVID HARGREAVES die Hypothese auf, dass jüngere Kinder offener gegenüber Musik sind, die aus der Perspektive der Erwachsenen als unkonventionell gilt. Weiterhin nahm er an, dass frühkindliche Musikurteile noch nicht von kulturellen und normativen Standards beeinflusst sind, hinsichtlich dessen, was ein guter Musikgeschmack ist. Für die Offenheit gegenüber ungewöhnlichen oder unbekannten Musikstilen von Kindern fand er den bildhaften Ausdruck Open-Earedness, im Deutschen übersetzt mit Offenohrigkeit und formulierte die Vermutung, dass diese altersabhängig ist. Bereits während der Grundschulzeit ist nach HARGREAVES eine Abnahme der Offenohrigkeit zu erwarten und es beginnt sich ein standardisierter (Pop-)Musikgeschmack durchzusetzen.

HARGREAVES’ These wurde in einer Reihe von Studien überprüft und bestätigt. Besondere Erwähnung findet in diesem Zusammenhang die 2007 von GEMBRIS u. SCHELLBERG mit deutschen Grundschulkindern durchgeführte empirische Untersuchung „Die Offenohrigkeit und ihr Verschwinden bei Kindern im Grundschulalter“. Nachfolgestudien, beispielsweise von KOPIEZ u. LEHMANN in 2008, nutzten andere Auswertungsmethoden oder widmeten sich wie LOUVEN 2011 der Beeinflussbarkeit der nachlassenden Offenohrigkeit durch das Musizieren in Klassen.

2.2 Musikalische Präferenzen bei Grundschulkindern nach GEMBRIS u. SCHELLBERG

Zur Untersuchung der Offenohrigkeit bei Kindern entwickelten GEMBRIS u. SCHELLBERG einen klingenden Fragebogen mit acht Hörausschnitten aus den Genres Pop, Klassik, Ethno und Avantgarde von je 80–90 Sekunden Dauer. Die 591 Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren konnten auf einer fünfstufigen Skala aus Smiley-Bildern (für 1 = sehr gut bis 5 = sehr schlecht) ankreuzen, wie gut ihnen das jeweilige musikalische Beispiel gefallen hat. Die Ergebnisse veranschaulichten, dass Urteile der Grundschüler zu den verschiedenen Musikstilen markant ausfallen. Während Pop-Songs in der Regel am besten beurteilt wurden, erfuhren andere Stile – auch die Klassik – vor allem bei Kindern ab dem achten, neunten Lebensjahr eine starke Ablehnung. „Je jünger die Kinder, desto positiver die Urteile. Je älter die Kinder werden, desto geringer wird der Anteil positiver Gefallensurteile, die negativen Urteile nehmen mit wachsendem Alter zu und sind ab elf Jahren absolut dominierend.“[4] Dass die ersten Grundschuljahre ein optimales Zeitfenster für die musikalische Hörbildung sind, führen die Ergebnisse zur Bewertung des 1. Satzes der „Frühlingssinfonie“ von F. MENDELSSOHN BARTHOLDY deutlich vor Augen. 85 Prozent der fünf- bis sechsjährigen Kinder bewerteten den musikalischen Ausschnitt positiv, wohingegen noch lediglich drei Prozent der 12 bis 13jährigen ein positives Urteil abgaben.[5]

Bereits das 2./3. Schuljahr gilt als Wendepunkt für die Offenohrigkeit bei Kindern. Dennoch können bis zum Eintritt in die kritische Phase die Weichen für den späteren Umgang mit anspruchsvoller Musik problemlos gestellt werden.

[...]


[1] Vgl. Kraemer, Rudolf-Dieter: Musikpädagogik - eine Einführung in das Studium (SM, Bd.55). 2. akt. Aufl. Wißner-Verlag. Augsburg 2007. S. 136.

[2] Vgl. Stangel, Peter (2013): Wie man Kindern Lust auf Klassik macht. Große Musik für kleine Hörer. URL: http://www.die-taschenphilharmonie.de/fileadmin/die-taschenphilharmonie.de/upload/pdf/Grundschulen_-_Artikel.pdf. - Download vom 10.04.2015. S. 5.

[3] Ebd. S. 5-6.

[4] Gembris, Heiner/Schellberg, Gabriele: Die Offenohrigkeit und ihr Verschwinden bei Kindern im Grundschulalter. In: Anhagen, Wolfgang/Bullerjahn, Claudia/Höge, Holger (Hg.): Musikalische Sozialisation im Kindes- und Jugendalter. (Musikpsychologie. Jahrbuch der Deutschen Gesellschaft für Musikpsychologie. Bd. 19). Hogrefe. Göttingen 2007. S. 79.

[5] Ebd. S. 75.

Details

Seiten
13
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668058682
ISBN (Buch)
9783668058699
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307406
Institution / Hochschule
Universität der Künste Berlin – Musik
Note
1,0
Schlagworte
Grundschule Klassische Musik Förderung Musikunterricht Möglichkeiten musikalische Hörbildung komplexe Musik
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