Lade Inhalt...

"A Picture Story of the United States of America". Eine ziemlich selektive Geschichte

Analyse und Einordnung des Comics

Hausarbeit 2015 23 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Historische Kontext

3. Der Comic
3.1. Produktion und Verteilung.
3.2. Inhalt
3.3. Selektion und Negation
3.4. Propaganda.

4. Fazit

Bibliografie.

Abbildungsnachweise

1. Einleitung

Wenn eine Nation ihre Geschichte als Comics Book in mehr als 19 Sprachen überset- zen lässt und an vielen Orten auf dieser Welt verteilt, dann darf vermutet werden, dass es sich dabei um eine nationale, propagandistische Aktion handelt. Dann ist es legitim, dieser Aktion die Absicht zu unterstellen, der Welt eine Botschaft zukommen lassen zu wollen. Im vorliegenden Falle handelte es sich um das Credo der amerikanischen Ge- sellschaft: „The Story has been one of quest … quest for opportunity, material happi- ness, quest of better ways of doing things, and above all, quest for freedom, freedom of mind and spirit, for all men are created equal, in the sight of god.“1 Eine nationale Geschichte, die dem Gleichheitsgesetz des Menschen vor Gott huldigt? Was zeichnet eine solche Geschichte aus?

Es ist zweifellos naheliegend, in diesem Zusammenhang Fragen nach der inhaltlichen Selektion und der Darstellung aufzuwerfen. Es wird also in der Auseinandersetzung mit dieser Geschichtsschreibung nicht nur auf die Auswahl der Ereignisse zu achten sein, sondern es wird auch darum gehen, herauszuarbeiten, wie historisch relevante Ereignisse dargestellt wurden. Und es gilt herauszufinden, welche Werte, welche Politik und welche Interessen in dieser US-Geschichte im Vordergrund standen.

Anhand eines Vergleichs zeitlich gestaffelter Auflagen und einer kurzen semantischen Analyse der in diesem Zusammenhang dokumentierten Diskussionen, kann - im Rah- men dieser Arbeit leider nur ansatzweise - herausgefiltert werden, welche Wirkung man von diesem Projekt tatsächlich erwartete, und wie sich diese Erwartungen mit der Zeit auch wandelten. Ein Wandel, der sich beispielhaft mit den unterschiedlichen Zu- sammenfassungen am Ende der jeweiligen Picture Stories von 1953 bzw. 1957 ver- deutlichen lässt. Schloss die Erstausgabe noch mit dem Fazit, die amerikanische Ge- schichte sei eine Geschichte der Suche nach Freiheit des Geistes und der Einstellung, so musste dieses Bekenntnis zu freiheitlichen Werten dann aber vier Jahre später dem Hinweis auf die ökonomische Transformation weichen, „ … in which 92 percent own real estate, and workers are enjoying the fruits of people’s capitalism.“2

Zwischen 1945 und dem Beginn der 1960er-Jahre haben die amerikanischen Behör- den den Propaganda Comic als eine Art der Förderung amerikanischer Werte, politi- scher Inhalte und Interessen im globalen Kalten Krieg eingesetzt. Dabei hätten, so schreibt Paul S. Hirsch (S. 210) in seiner 2013 erschienen Dissertation, die staatlichen Agenturen für die Verbreitung erzieherischer und staatlicher Propaganda die Verständ- lichkeit und emotionale Kraft von Comics zu Nutze gemacht. Und dies obwohl Aktivis- ten auf beiden Seiten des Atlantiks unzensierte, kommerzielle Comics als die schlimmste Sorte von massenproduziertem Abfall und sogar als „ …a distillation of everything dangerous in American culture“ verdammt hätten.3 So hätten, schreibt Hirsch weiter, für eine entscheidende Dekade von der Regierung sanktionierte Comics gegen den Strom von unzensierten amerikanischen Kommerz-Comics angekämpft. Man sei sich allerdings bei den zuständigen Stellen bewusst gewesen, dass staatlich sanktionierte Comics in gebildeten und hochentwickelten Ländern dem Ruf Amerikas schaden würden. Man habe aber gleichzeitig die Meinung vertreten, dass deren Ein- satz zum Erreichen der kommunistisch-dominierten Arbeiterschichten ausserhalb Eu- ropas vielversprechend und mit wenig Risiko verbunden seien. Als vorbeugende Massnahme gegen Anschuldigungen der kulturellen Barbarei hätten die offiziellen Stel- len im State Department sogar den Versuch unternommen, propagandistische Comic- Bücher als Beispiele für „Bildtechnik“ hinzustellen. (Ebda., S. 212)

Zu Beginn der 1950er-Jahre intensivierte die Sowjetunion ihre weltweite „Hate America“-Kampagne und soll dabei mehr als sechzig Mal soviel Geld aufgewendet haben wie das damalige Informationsbudget der USA.4 Als Gegenmassnahme entstand der National Security Council Report 68 (NSC-68), eine Strategie der militärischen, ökonomischen, diplomatischen und psychologischen Aktivitäten. Dieser Report prägte die nächsten 20 Jahre des Kalten Krieges. Er beinhaltete eine verstärkte Begrenzung der globalen Ausbreitung des Kommunismus und erteilte gleichzeitig alternativen Politiken wie friendly Détente oder aggressive Rollback eine Absage.

Am 20. April 1950 sprach Präsident Truman am Annual Convention of the AmericanSociety of Newspaper Editors und lancierte mit folgenden Worten, die in allen 24 Voice-of-America-Sprachen gesendet wurden, die Campaign of Truth:

„We must make ourselves known as we really are - not as communist propagan-da pictures us. We must pool our efforts with those of other few peoples in a sustained, intensified program to promote the cause of freedom against the pro-paganda of slavery. We must make ourselves heard round the world in a great campaign of truth.“5

Und drei Jahre später schlug Trumans Nachfolger im Präsidentenamt, der ehemalige General Dwight D. Eisenhower, erneut in die gleiche Kerbe:

„It is not enough for us to have sound policies, dedicated to the goals of universal peace, freedom and progress. These policies must be made known to and understood by all peoples throughout the world.“6

Eisenhower war es denn auch, der einigen der Propaganda-Programme aus Trumans Zeiten, die auch widersprüchlich und chaotisch daherkamen,7 einen festeren Rahmen in Gestalt der U.S. Information Agency (USIA) gab. Diese diente bis in die 1990er-Jah- re der Regierung als zentraler Propagandaapparat.8 In diesem Kontext hatte der Comic A Picture Story of the United States of America eine wichtige Funktion zu erfüllen.

Der historische Kontext soll im gleich anschliessenden Kapitel noch vertieft dargestellt werden, damit noch besser verstanden werden kann, wieso die Amerikaner zu solch unkonventionellen Mitteln wie Comic Books griffen, um der Welt ihre Politik zu erklären. Nach der darauf folgenden Darstellung einiger Facts and Figures zum Comic A Storyof the United States of America, wird dessen Inhalt, Darstellung und Aufbau kurz vorgestellt. Dann wird anhand einiger Beispiele die reputationsfördernde Absicht aufgezeigt und auch das selektive Vorgehen bei der Themenauswahl demonstriert. Dabei wird deutlich werden, wie zwei prominente Themen der amerikanischen Geschichte einseitig und beschönigend abgehandelt wurden.

2. Historische Kontext

Die Zeit zwischen 1945 und 1969 kann unter dem Titel „Führungsmacht des Westens im Kalten Krieg (1945-69)“9 abgehandelt werden. Mit Kriegsende wandten sich die USA endgültig von der traditionellen, Bündnisverpflichtungen vermeidenden Außenpolitik und dem ökonomischen Nationalismus vor allem der 1930er-Jahre ab und engagierten sich gemäss ihrer wirtschaftlichen und politischen Weltmachtstellung. So traten sie der UNO und der Atlantikcharta bei und waren an der Besatzungspolitik gegenüber den ehemaligen Feindländern massgeblich beteiligt.

Die zeitweilige Kriegsallianz mit der UdSSR begann wegen der völligen Divergenz bei der Gestaltung der Nachkriegsordnung schnell zu zerbröckeln; es kam zum Ausbruch des Ost-West-Konflikts, der sich unter Präsident Truman (1945-53) rasch zum Kalten Krieg verschärfte. Angesichts der sowjetischen Machtexpansion in Mittel- und Osteu- ropa und des chinesischen Bürgerkriegs vollzog sich in den USA ein antikommunisti- scher Meinungsumschwung. Dementsprechend zielte die Außenpolitik auf die Ein dämmung des kommunistischen Machtstrebens zunächst in Europa, dann auch im Nahen und Fernen Osten und in der Dritten Welt. Die amerikanische Eindämmungspolitik bediente sich einer weltumspannenden Wirtschafts- und Militärhilfe und des Abschlusses militärisch-politischer Bündnisse wie North Atlantic Treaty Organization (NATO), Southeast Asia Treaty Organisation (SEATO) und Central Treaty Organization (CENTO), in denen die USA eine führende Rolle übernahmen.

Mit Ausnahme des Koreakriegs (1950-53), in dem amerikanische Truppen unter UN- Flagge direkt auf südkoreanischer Seite eingriffen, reagierten die USA unter Präsident Truman und seinem Nachfolger Eisenhower aber im Wesentlichen defensiv. Sie ver- liessen sich dabei vor allem auf ihre atomare Überlegenheit als Supermacht und ein weltweites Stützpunktsystem. Der propagierte aktive Rollback des kommunistischen Machtblocks wurde dagegen nicht verwirklicht. Stalins Tod 1953 weckte Hoffnungen auf Entspannung, doch blieben die Verhandlungen über eine deutsche Wiedervereini- gung und über eine Rüstungskontrolle erfolglos. Die Suezkrise und der Aufstand in Ungarn 1956, die Libanonkrise im Juli 1958, die Berlinkrise im Dezember 1958, der Konflikt zwischen Taiwan und China sowie die Instabilität der seit 1948 in der Organiza- tion of American States enger mit den USA verbundenen lateinamerikanischen Staaten verstärkten immer wieder die Ost-West-Spannungen. Seit 1956 suchte man durch Um- rüstung der Streitkräfte die atomare Schlagkraft und Abschreckungswirkung zu erhö- hen. Die erfolgreiche Erdumkreisung des ersten sowjetischen Satelliten Sputnik (1957) stellte die wissenschaftliche und technologische Vormachtstellung infrage. Durch die kommunistische Revolution auf Kuba (1959) entstand ein neuer gefährlicher Krisen- herd. Aber auch das erzwungene Eingeständnis der USA, durch Aufklärungsflüge das sowjetische Nukleararsenal erkundet zu haben (U-2-Zwischenfall 1960), erschütterte die Selbsteinschätzung der USA als Weltmacht nachhaltig.

In Zuspitzung dieser Konsensideologie unter dem Eindruck des Kalten Kriegs breitete sich in den USA 1947 bis 1954, angetrieben von der Furcht vor Unterwanderung, eine antikommunistische Hysterie und Verfolgungswelle aus.

Zunehmende Proteste gegen den Vietnamkrieg, die zugleich auf die Bürgerrechtsbewegung einwirkten, gingen in eine allgemeine Auflehnung gegen das »Establishment« und die traditionelle Sozialordnung über. Die scharfe Polarisierung zwischen den Protestgruppen der Neuen Linken und den konservativen Befürwortern von »law and order« zerstörte den gesellschaftlichen Konsens und stürzte die Gesellschaft in eine tiefe Krise ihres Selbstverständnisses.

3. Der Comic

3.1. Produktion und Verteilung

Die Erstauflage des Comics A Picture Story of the United States of America erschien 1953. Konzeption und Entwicklung des Comics in seinen verschiedenen Auflagen leis- tete die in der Einleitung bereits erwähnte USIA. Der Press and Publication Service (IPS) als Abteilung der USIA spielte dabei eine zentrale Rolle. Allerdings waren auch die anderen USIA-Abteilungen wie beispielsweise das Office of Policy and Plans (IOP) beteiligt. Die USIA beauftragte dann die New Yorker Firma Johnstone and Cushing mit der Produktion des Comics. Der United States Information Service (USIS), der seit 1953 als Überseearm ebenfalls zur USIA gehörte, war schliesslich für die Distribution verantwortlich.

Leider lässt sich - mindestens im Rahmen dieser Arbeit - kein Künstler oder Zeichner eruieren. Doch beschäftigte Johnstone and Cushing zu dieser Zeit eine ganze Truppe an hochbegabten Comic-Zeichnern, die fast alle ausschliesslich in Werbekampagnen eingesetzt wurden. Dazu gehörte Noel Sickles, Milton Caniff oder auch Creig Flessel.10 Gut möglich, dass der eine oder andere dieser Künstler beim Comic A Picture Story ofthe United States mitgewirkt hatte.

Der Comic A Picture Story of the United States of America wurde von 1953 bis 1966 in vier jeweils mit den neuesten politischen Ereignissen nachgeführten Auflagen herausgegeben. Mit grösster Wahrscheinlichkeit wurden in dieser Zeit gesamthaft über 4 Millionen Exemplare gedruckt. Der Text wurde in mind. 19 Sprachen übersetzt. Dazu gehörten u.a. Chinesisch, Kurdisch, Malayisch, Arabisch, Griechisch, Thailändisch, Urdu, Vietnamesisch, Farsi, Burmesisch usw.11

3.2. Inhalt

Bei A Picture Story of the United States handelte es sich um keinen fiktionalen Plot, wie das häufig in diesem Genre der Fall war und ist, sondern es wurde auf reale histo- rische und politische Ereignisse verwiesen. Damit ist auch gegeben, dass dieser Co- mic den Anspruch erhob, wahre Ereignisse, Tatsachen oder Begebenheiten darzustel- len. Es handelt sich also sozusagen um ein „Sachbuch“ in Form eines Comics. Da die- ser aber bereits als Propagandainstrument identifiziert wurde, stellt sich natürlich die Frage, ob - beziehungsweise in welchem Umfang - diese Darstellung der amerikani- schen Geschichte mit den Erkenntnissen der geschichtswissenschaftlichen Literatur übereinstimmt.

[...]


1 A Picture Story (1. Auflage), Seite 47.

2 Yarrow, Measuring America, Seite 140.

3 Hirsch, Comic Books, Seite 211.

4 Cull, Cold War, Seite 52.

5 Barrett, Truth, zitiert nach Cull, Cold War, Seite 55.

6 USIA, 1st Review of Operations. August - December 1953, zitiert nach Cull, ebda, Seite 81.

7 Oosgod, Propaganda, Seite 328.

8 Ebda, Seite 326.

9 Vereinigte Staaten von Amerika, in Munzinger Online/Brockhaus, ‹http://www.munzinger.de.kbgpro xy.gr.ch/document/12023015809›, 10. Mai 2015.

10 Heintjes, Funny Business, Position 102.

11 Siehe diverse Dokumente der USIA von 1966, RG 306, United States National Archives II, College Park, MD.

Details

Seiten
23
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668059146
ISBN (Buch)
9783668059153
Dateigröße
17.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307723
Institution / Hochschule
Fernfachhochschule Schweiz
Note
5.5 (CH)
Schlagworte
Geschichte Propaganda Amerika a story of the united states of america comic analyse usis kalter krieg propaganda

Autor

Teilen

Zurück

Titel: "A Picture Story of the United States of America". Eine ziemlich selektive Geschichte