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Die Stellung der Frau in der islamischen Kinderbetreuung

Hausarbeit 2015 23 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einblick in die Grundlagen des Islam

3. Die Stellung der islamischen Frau innerhalb der Gesellschaft und Familie

4. Verständnis von Familie und Erziehung aus dem Blickwinkel des Islam
4.1. Grundlagen der islamischen Erziehung
4.1.1. Scharia als Erziehungsquelle
4.1.2. Erziehungsstil und Erziehungsziele traditionell orientierter muslimischen Familien
4.1.3. Islamische Familienwerte und Rollenverteilung der Eltern in der Familie
4.2. Religiöse Erziehung des Kindes
4.3. Geschlechtsspezifische Erziehung

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

"Wahrlich, die muslimischen Männer und die muslimischen Frauen, die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen, die gehorsamen Männer und die gehorsamen Frauen, die wahrhaftigen Männer und die wahrhaftigen Frauen, die geduldigen Männer und die geduldigen Frauen, die demütigen Männer und die demütigen Frauen, die Männer, die Almosen geben, und die Frauen, die Almosen geben, die fastenden Männer und die fastenden Frauen, die Männer, die ihre Keuschheit wahren, und die Frauen, die ihre Keuschheit wahren, die Männer, die Allah häufig gedenken, und die Frauen, die Allah häufig gedenken - Allah hat ihnen allen Vergebung und großen Lohn bereitet." ( Sure 33, Vers 35 / online)

Der Islam, eine Religion, Tradition und Kultur die polarisiert und oft mit einem negativen Bild in Verbindung gebracht wird. So ist auch die Stellung der Frau im Islam ein viel verbreitetes und diskutiertes Thema in der westlichen Welt, sowie in der eigenen Islamischen und zum Grossteil mit Vorurteilen behaftet, sowie als kontrovers angesehen. Dabei wird oft die These aufgestellt, dass die westlichen Frauen dem Mann gleich gestellt sind und Frauen aus der islamischen Welt wiederum unterdrückt werden. Dabei erscheint das Bild der islamischen Frau von außen betrachtet nicht gerade positiv. Zudem wird dem Islam vorgeworfen, dass Frauen minderwertiger sind als Männer und deshalb ihnen weniger Rechte und Freiheiten zugesprochen werden. Weiterhin werden Söhne bei ihrer Geburt willkommener geheißen als Töchter, was wiederum eine verschiedene Erziehung und Einstellung gegenüber beider Geschlechter hervorruft.

Würde der Fokus nun auf den oben aufgeführten Vers gerichtet und anschließend näher beleuchtet werden, so wird deutlich, dass beide Geschlechter vor Gott den selben Stellenwert besitzen. Jedoch ist auch festzuhalten, dass der Islam den beiden Geschlechtern aufgrund ihrer verschiedenen körperlichen Beschaffenheit verschiedene Talente und demzufolge Aufgaben zuspricht, woraus sich wiederum Rechte und Pflichten ableiten lassen. (Bundeszentrale für politische Bildung/ online) Dabei stellt sich nun der Autorin die Frage, ob diese Gleichstellung auch aus dem Blickwinkel der Familie bezüglich der Kindererziehung gilt.

Durch die jahrelange pädagogische Arbeit mit muslimischen Familien machte die Autorin dieser Hausarbeit die Erfahrung, dass Muslime nicht gleich Muslime sind und somit die Stellung der Frau innerhalb des Familiensystems sehr verschieden geprägt sein kann. Die muslimische Frau trifft selten allein Entscheidungen bezüglich des Kindes und dessen Erziehung, sondern vielmehr in Absprache mit ihrem Mann oder gar der gesamten Familie. Zeigt dies jedoch schon allein die Stellung der Frau in der Kindererziehung und bestätigt sich somit das negativ behaftete Bild der westlichen Welt?

Um dem Interesse der Autorin nachzugehen und einen Einblick für diese Thematik zu gewinnen, beschäftigt sich diese Arbeit mit der Stellung der Frau im Islam. Dabei geht die Hausarbeit der zentralen Frage nach, welche Rolle bzw. Stellung die traditionell orientierte muslimische Frau in der islamischen Kindererziehung einnimmt und inwieweit sich die Erziehung zwischen den Geschlechtern unterscheidet, um die geprägte Stellung der Frau anhand der frühen Kindheit darzustellen.

Im ersten Teil dieser Arbeit wird ein Einblick in die Grundlagen des Islam gewährt, um ein Verständnis für diese Religion herbeizurufen. Anschließend wird der Fokus auf die Stellung der Frau im Allgemeinen gelegt, um die Unterschiede zwischen familienintern und -extern zu verdeutlichen. Der Hauptteil der Hausarbeit setzt sich mit dem Verständnis von Familie und Erziehung auseinander, um zum Schluss auf die Unterschiede der geschlechtsspezifschen Erziehung einzugehen und die Rolle bzw. Stellung der traditionell muslimischen Frau zu reflektieren.

2. Einblick in die Grundlagen des Islam

Um die Thematik in der Gesamtheit besser verstehen zu können, folgt in diesem Kapitel einführend ein kurzer Einblick in die Grundlagen des Islam, da sie unmittelbar mit der islamischen Kindererziehung einhergehen. Eine Erfassung des Islam als Ganzes würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, da es notwendig wäre, sich mit der philosophischen wie mit der alltäglichen Glaubenswelt der Muslime auseinanderzusetzen.

Der Islam ist eine monotheistische Religion, die die unbedingte Ergebung in den Willen des einen Gottes und Erfüllung seiner Gebote fordert. So wurde der Islam zwischen 622 und 632 in Medina von dem Propheten Mohammed gegründet. Dem Islam nach ist Mohammed der von Gott geschickte Gesandte, der die göttliche Botschaft den Menschen bringt, um ihnen den rechten Weg zu Gott aufzuzeigen. Zwischen Allah1 und dem Propheten besteht in Form von Visionen und Träumen eine Art Kommunikation, die als Offenbarung bezeichnet wird. Diese Offenbarungen sind im Koran, in dem heiligen Buch des Islams niedergeschrieben. (vgl. Ende/ Steinbach 1991, S.23f)

Bei dem Islam handelt es sich um eine Religion, die alle Bereiche, bereits mit der Geburt des menschlichen Lebens prägt und beeinflusst. Die Grundsätze, die sogenannten fünf Säulen des Islams regeln „(..) sowohl sein individuelles als auch gesellschaftliches Handeln“ und stellen gleichzeitig die religiösen Pflichten muslimischer Menschen dar (Akasche-Böhme 1997, S.25). Jeder Muslim, ob Frau oder Mann ist verpflichtet diese Säulen, welche nachfolgend dargestellt werden, als Regeln bzw. Pflichten einzuhalten. (vgl. Akasche-Böhme 1997, S.25f):

1. Die Annahme des islamischen Glaubens wird mit dem Aussprechen des Glaubensbekenntnis (sahada) vollzogen: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Allah gibt, und ich bezeuge, dass Muhammed der Gesandte Gottes ist“ (vgl. Kreiser/ Wieland 1992, S.132). Das erste Glaubensbekenntnis erfolgt meistens unmittelbar nach der Geburt und wird dem Neugeborenen in das rechte Ohr gesprochen. Von da an gilt das Kind als Muslim und ist in der Glaubens-gemeinschaft des Islams aufgenommen. (vgl. Schirrmacher 2004, S.1)
2. Das Gebet (salat) ist eines der wichtigsten religiösen Rituale im Islam und wird fünfmal am Tag zu festgelegten Zeiten in Richtung Mekka verrichtet. „Die rituellen Waschungen vor jedem Gebet und die verschiedenen vorgeschriebenen Stellungen während des Gebetes drücken die geistige und körperliche Ergebenheit Allah (t) gegenüber aus. (…) Soweit möglich sollten die Gebete in der Gemeinschaft verrichtet werden, da dies das Zusammengehörigkeitsgefühl der einzelnen Menschen weckt und sie in ihrem Glauben bestärkt.“ (Lehnert 1998, S.9)
3. Die Almosensteuer (zakat) gilt als Spende und „(…) wird jährlich auf Gold, Silber, Vieh und andere Wertgegenstände erhoben und an unterstützungsbedürftige Mitbürger gezahlt. Die wichtigste Bedeutung liegt darin, die Opferbereitschaft der Muslime zu fördern und sie vor Selbstsucht und Geiz zu schützen. Außerdem soll das gesamte Vermögen nicht in den Händen einzelner bleiben, sondern auf die ganze Gemeinschaft verteilt werden.“ (Lehnert 1998, S.10)
4. Das Fasten (saum) bedeutet, die strenge Pflicht zur Einhaltung des Fasten-monats Ramadans. Hierbei sind die Gläubigen verpflichtet einen Monat lang zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf Essen und Trinken, sowie Genussmittel oder Sexualverkehr zu verzichten. Diese Fastenzeit wird mit dem vier Tage anhaltenden Fest „id al-fitr“ abgeschlossen. (vgl. El-Mafaalani/ Toprak 2011, S.52) „Während dieser Zeit erlebt der Muslim seine Abhängigkeit von Allah (t) auf besonders intensive Weise. Gleichzeitig wird durch die Unterdrückung des körperlichen Verlangens die Willenskraft des Muslims gestärkt, da dieser lernt, seine Bedürfnisse zu zügeln und geduldig zu werden.“ (Lehnert 1998, S.10) Die Verpflichtung des Fastens beginnt mit der Pubertät und lässt Kranken, alten Menschen, Kindern und Frauen während der Menstruationszeit Milde walten.
5. Die einmalige Pilgerfahrt nach Mekka zu der heiligen Kaaba im Leben eines Gläubigen, auch Wallfahrt (haddsch) genannt, wird nur dann zur Pflicht, wenn finanzielle und gesundheitliche Umstände es erlauben.

Diese Säulen stellen dar, dass der Islam nicht nur eine Religion ist, die die Beziehung zwischen Mensch und Gott ordnet, sondern ein Gesellschaftssystem, dass das alltägliche Leben der einzelnen Menschen schon in früher Kindheit gestaltet.

3. Die Stellung der islamischen Frau innerhalb der Gesellschaft und Familie

„Der Koran berichtet von der Erschaffung von Mann und Frau (7,189;4,1,), ebenso wie vom Paradies, in dem Adam und seine Frau wohnten (7,19ff). Der Koran macht hier zunächst keinen Unterschied zwischen Mann und Frau in Bezug auf Rechte, Pflichten oder etwa eine Höherordnung eines der Geschlechter.“ (Schirrmacher 2002, S.76)

Doch was hat das mit der Stellung der Frau in Bezug auf die Familie und Erziehung zu tun? Dieses Kapitel stellt die Stellung der Frau in der Gesellschaft, sowie im Familiensystem in einer Kurzfassung dar, um aufzuzeigen, dass die islamische Frau sehr wohl andere Rechte und Pflichten hat, sowie unter der Höherordnung des Mannes steht, was sich später wiederum in der Erziehung der Kinder spiegelt.

Vorweg ist festzuhalten, dass die Stellung der Frau durch die Lehre des Propheten im Vergleich zur vorislamischen Zeit aufgewertet wurde. So führte Mohammed zum Beispiel ein, dass eine Ehe nur dann eingegangen werden kann, „(…) wenn sie der Frau keine materiellen oder sozialen Nachteile bringt.“ (Hugoth 2000, S.120) Betrachtet man nun aber verschiedene Verse des Korans, so wird deutlich, das eine Höherstellung des Mannes gar nicht so abwegig erscheint. Jedoch widerspricht sich der Koran hier selbst, wenn man das oben eingeführte Zitat dieses Kapitels näher beleuchtet. Denn laut dem Koran stünden „die Männer den Frauen vor, weil Gott die einen vor den anderen ausgezeichnet hat (…). Obwohl der Koran hier keine Zweifel an der Unterordnung und Benachteiligung der Frau lässt, verbessert sich durch den Koran vermittelte Familiengesetze die gesellschaftliche Stellung der Frau (Zirker 2007, S.60; Sure 4, 34/ Akasche-Böhme 1997, S.27f). In der Gesellschaft besitzt der Mann jedoch weiterhin die Entscheidungsgewalt, welche sich „(…) gewöhnlich auf den Wohnort der Familie, den Arbeitsplatz, die Schulausbildung der Kinder (…)“ erstreckt. Im Großen und Ganzen kann gesagt werden, dass der Mann für alle Belange außerhalb der Familie zuständig ist und diese allein regelt. Die traditionell orientierte islamische Frau hingegen kümmert sich um alle Belange innerhalb der Familie. Dies ist zurückzuführen, dass die Frau in ihrer Kindheit die Schule vorzeitig verlässt, um der Mutter im Haushalt zu helfen und notwendige Tätigkeiten für das spätere Leben zu erlernen bis sie eine Heirat eingeht. Was wiederum dazu führt, dass die Frau aufgrund ihrer frühen Hochzeit auch keine Berufsausbildung erhält und die spätere Stellung somit vorgefertigt ist (vgl. Schirrmacher 2002, S.78). Hingegen kann eine Frau reiferes Alter in der Gesellschaft als Mutter von mehreren Söhnen, „(…) als Schwiegermutter und Großmutter zweifellos eine gewisse Respektsposition erringen, die sie in dieser Position des Verdachts der moralischen Verfehlung kaum noch aussetzt, solange sie sich an die allgemein gültigen Anstandsregeln hält.“ (edb, S.79) Durch diese Position wird sie zur selbsternannten Wächterin der Tradition und Beobachterin zur Einhaltung der Verhaltensregeln von jüngeren Frauen. Einer Überlieferung besagt, dass das Paradies zu Füßen der Mütter liegt, was verdeutlicht, dass die Reife des Alters der Frau ihr Einfluss und eine Stellung des Respekts verleiht. Jedoch kann auch dieser Respekt an seine Grenzen stoßen und zwar dann, wenn die Entscheidungsmacht des Mannes berührt bzw. gefragt ist. Sobald der Mann von seiner Entscheidungsmacht gebrauch macht und etwas „verbietet“, dann kann selbst sie in ihrer Stellung nichts mehr ausrichten. (vgl. edb) „Das diese Machtposition nach vielen Jahren der erfahrenen eigenen „Machtlosigkeit“ auch wiederum zur Beherrschung unter ihr stehender Frauen -insbesondere der jungen Schwiegertöchter - führen kann, liegt in der Natur des Menschen.“ (edb)

Ein weiteres charakteristisches Merkmal der Höherstellen des Mannes ist das Züchtigungsrecht gegenüber seiner Frau. Im Falle einer Auflehnung von Seiten der Frau, darf der Mann seine Frau körperlich züchtigen, wenn Gespräche oder andere Formen der Auseinandersetzung nichts bewirkt haben. Mit dem Mittel der Züchtig-ung soll er seine Frau zu Gehorsamkeit bewegen. Jedoch ist festzuhalten, dass nicht jeder Mann seine Frau mit Gewalt zur Gehorsamkeit bewegt, er aber das Recht besitzt, „(…) von ihr Gehorsam zu erwarten. Sie ist ihm gehorsampflichtig, solange das Verlangte nicht unmittelbar gegen die Gebote des Islam verstößt.“ (edb, S.84) So heißt es beispielsweise in Sure2 4 Vers 34: „Die rechtschaffene Frauen sind demütig ergeben.“ Somit kann gesagt werden, dass der Koran das Recht auf Gehorsamkeit der Ehefrau durch den Ehemann ausdrücklich formuliert, notfalls mit Gewalt. Dieses Recht ist eigentlich dem Ehemann vorbehalten, wird aber im realen Leben auch von den Vätern in Bezug auf ihre Töchter, sowie von den Söhnen gegenüber ihren Schwestern angewendet. In diesem Fall der Züchtigung steht das Thema Ehre und Schande im Vordergrund. (vgl. edb, S.83f)

[...]


1 Name des Gottes - Schöpfer aller Welten

2 Abschnitt des Qu’ran - einer von 114

Details

Seiten
23
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668100268
ISBN (Buch)
9783668100275
Dateigröße
642 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307870
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,7
Schlagworte
stellung frau kinderbetreuung

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