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Chiastische Gedankenführung und Sprache im "Armen Heinrich" von Hartmann von Aue

Eine Analyse

Hausarbeit 2014 23 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Chiastische Gedankenführung und Sprache im „Armen Heinrich“
2.1 Chiastische Problemstellung
2.2 Chiastische Gedankenführung
2.2.1 Ausgangssituation (V. 1-132)
2.2.2 Heinrich sucht nach Heilung (V. 133-266)
2.2.3 Der Meierhof (V. 267-368)
2.2.4 Heinrichs Selbstdeutung (V. 369-458)
2.2.5 Der Entschluss zum Opfer (V. 459-1017)
2.2.6 Die Reise nach Salerno (V. 1018-1355)
2.2.7 Heilung, Rückkehr, Heirat (V. 1356-1520)
2.2 Chiastische Sprache

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang

1. Einleitung

Da beide Akteure abwechselnd den Gang der Erzählung bestimmen, stehen sie einander selbstständiger gegenüber. […] Wie der Erzähler die Rollen beider Figuren zu einem Ausgleich bringt, ist für Form und Inhalt die entscheidende Frage. [1]

Die Geschichte des „Armen Heinrich“, wie sie Hartmann von Aue „ geschriben vant[2] (V. 3), erzählt vom aussätzigen Heinrich und dem opferwilligen Mädchen, die beide aufgrund ihrer defekten Haltung zu Gott und der Welt erkranken. Für ihre Heilung schlagen sie den falschen Weg ein. Letztlich können sie nur durch das Erkennen des göttlichen Willens von ihrem Leid erlöst werden. Dazu muss sich bei beiden eine innere Wandlung vollziehen. Hierzu brauchen sich Heinrich und das Mädchen gegenseitig. Die individuellen Entwicklungsverläufe kreuzen sich und bilden einen Chiasmus. Die Ordnung ist durcheinander geraten und so müssen beide Akteure miteinander das richtige Maß finden, um die Harmonie zwischen Gott und der Welt wiederherstellen zu können.

Besonders die ältere Forschungsliteratur beschränkte sich überwiegend auf den Protagonisten. Das Mädchen wurde lange Zeit kaum beachtet und wenn doch, dann häufig zur Nebenfigur degradiert oder bis hin zur Heiligen verkannt.[3] Zusehends weckte jedoch auch sie das wissenschaftliche Interesse. Leider wurde der Fokus der Wissenschaft oftmals auf ausschließlich eine der zwei Figuren gelegt. Cormeau hat jedoch zurecht darauf hingewiesen, dass die Geschichte von beider Rollen her gelesen werden muss, denn „ eine Einengung auf die Geschichte Heinrichs oder des Mädchens missachtet nicht nur quantitative Proportionen, sondern auch zwangsläufig je eine Dimension der Erzählung[4]. Obgleich Seiffert bereits auf den Chiasmus im Stück hingewiesen hat[5], klammert er in seiner Interpretation eine sprachliche Analyse aus. Da es sich bei dem Chiasmus jedoch um eine rhetorische Figur handelt, ist eine Untersuchung der Sprachebene unablässig.

Ziel dieser Arbeit ist die Erschließung der chiastischen Gedankenführung und Sprache im „Armen Heinrich“. Beginnend mit der Definition des Begriffs Chiasmus, soll die gekreuzte Problemstellung im Stück erläutert werden. Um das individuelle Gott-Welt-Verhältnis von Heinrich und dem Mädchen zu veranschaulichen, wird die Erzählung anschließend schrittweise analysiert. Hierdurch kommt der inhaltliche Chiasmus zum Vorschein. Zudem lassen sich die unterschiedlichen Verfehlungen und Entwicklungsprozesse der zwei Hauptfiguren skizzieren. Im Anschluss folgt die bereits geforderte Untersuchung der Sprachebene. Welche Erkenntnisse letztlich im Hinblick auf den Chiasmus im Stück gewonnen werden können, soll im abschließenden Fazit erörtert werden.

2. Chiastische Gedankenführung und Sprache im „Armen Heinrich“

2.1 Chiastische Problemstellung

Um im weiteren Verlauf auf die chiastische Gedankenführung und Sprache eingehen zu können, bedarf es vorab einer Definition des Begriffs Chiasmus:

Unter Chiasmus versteht man die Überkreuzstellung nach der Form des griechischen Buchstabens <chi> (X) von zwei oft semantisch antithetischen Gliedern, die syntaktisch gleich oder koordiniert sind. […] Der Chiasmus ist zu verstehen als syntaktische Einfassung der Antithese.[6]

Dies übertragen auf die Inhaltsebene der Erzählung bedeutet folgendes: Die Welt (Diesseits) und Gott (Jenseits) stellen die semantisch antithetischen Glieder dar. Beide Akteure weisen eine gestörte Einstellung zur Welt und zu Gott auf und sind hierbei als Gegenfiguren angelegt. Heinrich klammert sich an die Freuden des Diesseits und vergisst dabei Gott, wohingegen das Mädchen die sündige Welt verachtet und sich krankhaft aufs Jenseits fokussiert. Muss er lernen sich Gott hinzuwenden, so sie ihr Leben in der Welt zu akzeptieren und anzunehmen.[7] Demnach muss bei beiden Charakteren eine innere Wandlung erfolgen. Sein Problem ist ihre Lösung und umgekehrt. Deshalb kreuzen sich die individuellen Entwicklungsprozesse und bilden einen Chiasmus. Diese Überkreuzstellung stellt das Problem dar, welches es für die Akteure im Laufe der Geschichte zu lösen gilt.[8]

2.2 Chiastische Gedankenführung

2.2.1 Ausgangssituation (V. 1-132)

Die Erzählung beginnt mit einem Prolog, in dem die drei Anliegen des Autors benannt werden. Neben dem Trost in „ swære stunde “ (V. 9) und der Ehrung Gottes, erhofft Hartmann die Gunst des Publikums zu gewinnen.[9] Mit der anschließenden Einführung des Protagonisten setzt die eigentliche Handlung ein. Heinrich wird durch den ausführlichen Tugendkatalog als ritterlicher Idealtypus charakterisiert.[10] Das Fehlen von christlichen Werten gibt jedoch bereits einen ersten Hinweis auf sein Verschulden.[11] Inmitten seines weltlichen Glücks wendet sich sein Leben schlagartig ins Gegenteil: „ sîn hôchmuot wart verkêret in ein leben gar geneiget “ (V. 82f.). Er erkrankt durch Gottes Fügung an der „ miselsuht “ (V. 119). Der Aussatz und die damit verbundene Hässlichkeit symbolisieren seine Gottesferne.[12] War er zuvor noch „ der werltvreude spiegelglas “ (V. 61), wird er der Welt nun zum Abscheu. Obgleich Heinrichs Fehler zu diesem Zeitpunkt noch nicht ersichtlich ist, wird sein Schicksalsschlag durch die Analogien mit den biblischen Figuren Absalom und Hiob bereits in einem religiösen Kontext eingeordnet.

2.2.2 Heinrich sucht nach Heilung (V. 133-266)

Aus dem „ herre Heinrich “ (V. 75) wird der „ arme Heinrich “ (V. 133). Im Gegensatz zu Hiob ist er ungeduldig und holt sich verzweifelt in Montpellier und Salerno medizinischen Rat ein (V. 137f.). Erst in Salerno werden ihm von einem Arzt hinsichtlich seiner Genesung eine geistliche und eine weltliche Option angeboten. Wenn „ got enwelle der arzât wesen “ (V. 204) stellt den geistlichen Weg dar. Die weltliche Lösung fordert hingegen ein besonderes Heilmittel: das Herzblut einer Jungfrau, „ diu vollen manbære und des willen wære, daz sî den tôt durch iuch lite “ (V. 225ff.). Als Heinrich noch nicht weiß, um was es sich bei der Medizin handelt, versucht er sich die Heilung mit seinem Reichtum zu erkaufen (V. 210-214). Den geistlichen Weg nimmt er nicht wahr:

Das biblische Motiv vom Überhören […] weist auf Heinrichs gestörte oder eingeschränkte Aufnahmefähigkeit hin. Dass der wahrhafte Weg in seiner Hinwendung zu Gott bestünde, fassen seine vergröberten, da veräußerlichten Sinne nicht. Statt nun auf die wahre Tröstung zu hoffen, klammert er sich auf den trügerischen irdischen Trost, baut er auf das scheinbare Heilmittel, die Götzen aus Silber und Gold.[13]

Der Verweis auf die Macht seines Besitzes und das Überhören verdeutlichen seine weltliche Befangenheit und Gottesferne.[14] Da er eine Heilung durch Gott vollkommen ausschließt, stellt für ihn nur der weltliche Pfad eine gangbare Lösung dar. Hierdurch ist „ der Raum für eine zweite Hauptfigur [...] abgesteckt “.[15] Zu diesem Zeitpunkt scheint ihm jedoch auch dies noch unmöglich. Ohne jede Hoffnung reist er nach Hause und verschenkt seinen Reichtum, um der Welt auf einem abgeschiedenen Meierhof zu entfliehen. Oberflächlich betrachtet scheint hier eine erste Hinwendung zu Gott stattzufinden. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass der Aussätzige aus den falschen Gründen handelt und die Schenkungen „ Affekthandlungen der Verzweiflung[16] sind. Heinrich denkt primär an seine Genesung und hofft durch die gute Tat, „ daz sich got erbarmen geruochte “ (V. 254f.).[17] Obgleich also der Rückzug aus der Welt und die Abgabe seiner irdischen Glücksgüter erste Schritte in die richtige Richtung sind, ist sich Heinrich noch keiner Schuld bewusst. Eine innere Wandlung bleibt somit aus. Dennoch bringt er die Krankheit erstmals mit Gott in Verbindung und nähert sich so seinem Problem.

2.2.3 Der Meierhof (V. 267-368)

Auf dem Meierhof angekommen, wird das Mädchen als zweite Hauptfigur eingeführt. Ihre Schönheit, Reinheit und „ güete “ (V. 322) zeichnen sie aus. Ihr wurde „ von gotes gebe ein süezer geist “ (V. 348), was ihr enges Verhältnis zu Gott von Anfang an verdeutlicht. Dadurch stellt sie die Gegenfigur zu Heinrich dar.[18] Die Meierstochter hat im Gegensatz zu den Mitmenschen keine Scheu vor dem Aussätzigen und kümmert sich liebevoll um ihn (V. 315-327). Durch die Gegenüberstellung der zwei Figuren und dessen unterschiedlichen Lebensweisen bekommt der Rezipient erneut einen Hinweis auf Heinrichs Verfehlung. Die Wesensmerkmale des Mädchens erfüllen zudem die Voraussetzungen für ein Eingreifen in den weiteren Verlauf der Handlung und qualifizieren sie zur heilbringenden Arznei. Zu diesem Zeitpunkt ist noch kein Fehlverhalten ihrerseits ersichtlich.

2.2.4 Heinrichs Selbstdeutung (V. 369-458)

Nachdem sich drei Jahre später der Gesundheitszustand von Heinrich verschlechtert, fürchtet der Meier um die Zukunft der Familie, denn der Tod des Herren hätte fatale Folgen. Der Verlust von Ansehen und Besitz sowie die Furcht vor einem strengeren Herren lassen erstmals eigennützige Motive seitens der Familie erkennen (V. 360-365). Durch die „ Schicksals- wie Mitleidsfrage[19] des Meiers nach einem möglichen Heilmittel gelangt Heinrich zu einer Erkenntnis: „ dô nam ich sîn vil kleine war, der mir daz selbe wunschleben von sînen gnâden hete gegeben “ (V. 392ff.). Er sieht sich nun nicht mehr als unschuldiges Opfer, sondern erkennt seinen „ hôchmuot “ (V. 404).[20] Dennoch erzählt er ihm Anschluss lediglich von der Lösung „ in der werlte “ (V. 443) und schließt nach wie vor eine Heilung durch Gott aus. Obwohl also Heinrich seinen Fehler selbst benennt, hat er diesen noch nicht verinnerlicht. Indem er „ das Absolute relativiert und das Relative verabsolutiert[21], verkennt er die Totalität des göttlichen Anspruchs. Seine Freude an der Welt stellt nicht das Problem dar, sondern dass er sein irdisches Glück nicht Gott zugeschrieben hat.[22] Durch seine eindimensionale Ausrichtung auf die Welt ist der Schöpfer in Vergessenheit geraten: „ Die Schuld des Armen Heinrich ist [folglich] kein bewusstes Handeln gegen Gott, […] sondern eine innere Schuld, die auch wiederum nur durch eine innere Wandlung und Läuterung aufgehoben werden kann “.[23] Auch an dieser Stelle findet jedoch keine innere Umkehr statt und so bleibt das Schuldgeständnis letztlich nur eine Scheinerkenntnis. Durch das Einräumen eines Fehlers entwickelt sich Heinrich jedoch erneut weiter.

2.2.5 Der Entschluss zum Opfer (V. 459-1017)

Die Meierstochter vernimmt Heinrichs Worte und beschließt noch in der selben Nacht, sich für ihn zu opfern (V. 525-528). In der darauffolgenden Nacht konfrontiert sie ihre Eltern mit der Entscheidung. Diese wollen ihre Tochter mit aller Gewalt von ihrem Vorhaben abbringen. In einem Monolog legt das Mädchen ihre Motivation dar und erhofft durch ihre Argumentation die Eltern umzustimmen. Neben dem Erbarmen mit Heinrich, nennt auch sie die Sorge um die zukünftige Existenz der Familie, denn „ lâze wir den ersterben, sô müezen wir verderben “ (V. 623f.). Geschickt greift sie hier das Argument des Vaters auf. Da die maget die Opfertat als von Gott gegebene Aufgabe begreift (V. 608ff.), will sie sich dem vermeintlichen Willen des Schöpfers beugen: „ ich wil mich alsus reine antwürten in gotes gewalt “ (V. 698f.). Hat Heinrich Gott „ viel kleine “ (V. 392) beachtet, so wird hier deutlich, dass das Mädchen „ diz broede leben ahte harte kleine “ (V. 696f.). Sie setzt das „ werlte leben “ (V. 688) mit dem „ sêle verlust “ (V. 689) gleich und sieht in der Welt lediglich Versuchungen des Teufels (V. 686). Um ihre noch reine Seele zu retten, fasst sie den Entschluss zur Selbstopferung.[24] Dieses dritte Motiv hat nun nichts mehr mit Altruismus zu tun, sondern einen eigennützigen Charakter.[25] Ihr Egoismus ist auch im weiteren Verlauf nicht zu überhören und so entgegnet sie den Eltern: „ wie gerne ich iu des volgen wil, daz ich iu triuwe leiste, mir selber doch die meiste “ (V. 828ff.). Fast scheint es so, als wären die beiden ersten Motive eine willkommene Fügung, um ihre wahre Intention zu verschleiern[26]: contempus mundi [27]. Ihre Weltverachtung steht in scharfem Kontrast zu Heinrichs Weltfreude.[28] Dadurch kommt nun „[...] beider Einseitigkeit hervor. In beiden lebt ein Nur. In beiden sind Himmel und Erde, Mensch und Gott nicht in rechter Bezogenheit “. [29] Wird noch zu Beginn die selbstlose „ güete “ (V. 522) zu Heinrich als primäres Motiv des Mädchens betont, kommt der Aussätzige im weiteren Verlauf ihrer Rede überhaupt nicht mehr vor.[30] Den Hauptteil nimmt die Negation der Welt und das daraus resultierende Jenseitsverlangen in Anspruch. Dadurch ändert sich die Sichtweise auf das Mädchen und rückt sie in ein anderes Licht. Die Meierstochter ausschließlich als egoistische Fanatikerin zu sehen wäre aber falsch, denn ihre Gründe setzen sich vielmehr aus der Liebe zu Heinrich, der Sorge um die Familie und der eigenen Himmelsehnsucht zusammen.[31] Dennoch kristallisiert sich ihre Weltflucht immer mehr als Hauptmotiv heraus: „ mir behaget diu werlt niht sô wol “ (V. 708). Ihr Monolog ist für das Verständnis des Chiasmus essentiell, denn hier zeigt sich ihre gestörte Haltung zur Welt und somit ihr Fehler:

Nicht nur die Hingabe an das Diesseits, auch eine totale Verwerfung kann Vermessenheit, kann Maßlosigkeit sein; auch in der unbeirrbaren Überzeugung für das Jenseits prädestiniert, dem Diesseits nicht zubestimmt zu sein, kann Überheblichkeit, superbia liegen; man kann auch aus Selbstsucht opfern, aus Ichliebe ein Märtyrerschicksal ersehnen.[32]

[...]


[1] Cormeau, Christoph; Störmer, Wilhelm: Hartmann von Aue. Epoche-Werk-Wirkung. München: Beck ³2007, S. 144.

[2] Hartmann von Aue: Der arme Heinrich. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Übersetzt von Siegfried Grosse. Hrsg. v. Ursula Rautenberg. Stuttgart: Reclam 2011 (= Reclams Universal-Bibliothek; 456), S. 4.

[3] Nagel befasst sich ausschließlich mit Heinrich. Das Mädchen bleibt in seiner Interpretation unerwähnt und scheinbar bedeutungslos. In: Vgl. Nagel, Bert: Der arme Heinrich Hartmanns von Aue. Eine Interpretation. Tübingen: Niemeyer 1952 (= Handbücherei der Deutschkunde; 6).; Schirokauer beurteilt die maget als Heilige. In: Vgl. Schirokauer, Arno: Zur Interpretation des Armen Heinrich. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 83 (1951), S. 73.

[4] Cormeau: Hartmann, S. 144.

[5] Vgl. Seiffert, Leslie: Das Herz der Jungfrau. Legende und Märchen im „Armen Heinrich“. In: Kuhn, Hugo; Cormeau, Christoph [Hrsg.]: Hartmann von Aue. Darmstadt: Wiss. Buchges. 1973 (= Wege der Forschung; 359), S. 262.

[6] Fauser, Markus: Chiasmus. In: Ueding, Gert [Hrsg.]: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd.2. Tübingen: Niemeyer 1994, Sp. 171.; Ebenso: Vgl. Bußmann, Hadumod [Hrsg.]: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart ³2002, S. 135.

[7] Vgl. Seiffert: Herz, S. 261f.; Ebenso: Vgl. Freytag, Hartmut: Zur Paradiesdarstellung im Armen Heinrich Hartmanns von Aue (Vers 773-812). Eine Skizze. In: Nagy, Márta; Jónácsik, László [Hrsg.]: „swer sînen vriunt behaltet, daz ist lobelîch“. Festschrift für András Vizkelety zum 70. Geburtstag. Piliscsaba [u.a.]: Katholische Pétér-Pázmány-Univ. 2001 (= Budapester Beiträge zur Germanistik; 37), S. 77f.

[8] Siehe Anhang: Grafik 1, S. 18.

[9] Die drei Zielsetzungen zeigen zwei auf die Welt und ein auf Gott gerichtetes Anliegen. Nagel weist bei der Anordnung auf die Mittelstellung von Gott hin und will bereits hier eine „ Rangordnung der Werte “ erkennen. In: Nagel: Heinrich, S. 34.; Seine Deutung führt an dieser Stelle zu weit, denn die eigentliche Handlung hat noch nicht eingesetzt.

[10] Vgl. Ohly, Walter: Die heilsgeschichtliche Struktur der Epen Hartmanns von Aue. Berlin: Freie Universität. Diss. 1958, S. 42.; Wapnewski, Peter: Hartmann von Aue. Stuttgart: Metzler 41969 (= Sammlung Metzler; 17: Abteilung Deutsche Literaturgeschichte), S. 97.; Nagel: Heinrich, S. 37f.; Cormeau: Studien, S. 6.

[11] Vgl. Schmidt-Krayer, Barbara: Kontinuum der Reflexion. Der Arme Heinrich. Mittelalterliches Epos Hartmanns von Aue und modernes Drama Gerhart Hauptmanns. Göppingen: Kümmerle 1994 (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik; 598), S. 54.

[12] Vgl. Schirokauer: Heinrich, S. 68.

[13] Schmidt-Krayer: Kontinuum, S. 55f.

[14] Vgl. Duckworth, David: The leper and the maiden in Hartmann's "Der Arme Heinrich". Göppingen: Kümmerle 1996 (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik; 627), S. 21.; Wolf, Jürgen: Einführung in das Werk Hartmanns von Aue. Darmstadt: Wiss. Buchges. 2007, S. 112f.; Verweyen, Theodor: Der „Arme Heinrich“ Hartmanns von Aue. Studien und Interpretation. München: Fink 1970, S. 26.; Nagel: Heinrich, S. 46.; Ohly: Struktur, S. 44.

[15] Cormeau: Hartmann, S. 153.

[16] Nagel: Heinrich, S. 49.; Ebenso: Vgl. Schirokauer: Heinrich, S. 68.

[17] Anfangs sieht Ohly hier bereits den Beginn einer inneren Wandlung und eine erste Hinwendung zu Gott, schwächt jedoch nach einigen Überlegungen seine Aussage deutlich ab und schreibt :[E]s zeigt sich doch zum ersten Mal eine echte Sorge um das Heil der Seele und insofern wenigstens eine Beachtung Gottes.“ In: Ohly: Struktur, S. 44.

[18] Vgl. Wapnewski: Hartmann, S. 95.; Cormeau: Studien, S. 29.; Duckworth: leper, S. 42.

[19] Schirokauer: Heinrich, S. 68.

[20] Schirokauer interpretiert die Geschichte des erkrankten Heinrich als eine Büßergeschichte, in der sich das Sakrament der Buße in drei Stufen vollzieht: contritio, confessio und satisfactio. In den Schenkungen und seinem „ tiefen sûft von herzen “ (V. 379) bei dem Bekenntnis sieht Schirokauer die contritio. In: Ebd., S. 67ff.

[21] Ohly: Struktur, S. 47.; Ebenso: Vgl. Nagel: Heinrich, S. 46.

[22] Vgl. Schmidt-Krayer: Kontinuum, S. 59f.; Wapnewski: Hartmann, S. 100.; Cormeau: Hartmann, S. 154.

[23] Nagel: Heinrich, S. 50.

[24] Vgl. Freytag: Heinrich, S. 80.; Wolf: Einführung, S. 114.

[25]The third explicit motive for her sacrifice, her desire to enter the heavenly kingdom and thus save her soul, puts the question of her motivation in a new and somewhat different light “. In: Buck, Timothy: Hartman's „reine maget“. In: German Life & Letters 18 (1964), S. 170.

[26] Vgl. Kottmann, Carsten: Amor und Caritas. Zur Rolle des Mädchens im „Armen Heinrich“ Hartmanns von Aue. In: Leuvense bijdragen 88 (1999), S. 311.

[27]Das Nichtachten, Geringachten, ja Verachten alles Diesseitigen und vor allem der weltlichen Betriebsamkeit, die Absage und Verweigerung, der Verzicht auf weltliche Aktivität, die Besinnung auf den rechten Gebrauch der Weltgüter, doch auch eigentlich Weltflucht (fuga mundi, saeculi), all dies gehört zu dem komplexen Begriff. “ In: Gnädinger, Louise: Contempus mundi. A. Contempus mundi als Begriff und Haltung abendländischer mittelalterlicher Geistigkeit. In: Bautier, Robert-Henri [Hrsg.] [u.a.]: Lexikon des Mittelalters. Bd. 3. München [u.a.]: Artemis 1986, Sp. 186f.

[28] Vgl. Jones, Martin H.: Changing Perspectives on the Maiden in Der arme Heinrich. In: McFarland, Timothy; Ranawake, Silvia [Hrsg.]: Hartmann von Aue. Changing Perspectives. Göppingen: Kümmerle 1988 (= Göppinger Arbeiten zur Germanistik; 486), S. 214.; Carne, Eva-Maria: Die Frauengestalten bei Hartmann von Aue. Ihre Bedeutung im Aufbau und Gehalt der Epen. Marburg: Elwert 1970 (= Marburger Beiträge zur Germanistik; 31), S. 21.

[29] Cormeau: Studien, S. 29.

[30] Vgl. Ebd., S. 26.

[31] Vgl. Kottmann: Caritas, S. 312.; Cormeau: Studien, S. 27f.; Nicht so: Willson und Carne verkennen das Mädchen, wenn sie als Motiv zur Selbstopferung lediglich ihre caritas anführen. In: Vgl. Willson, Harold Bernard: Symbol und Wirklichkeit im „Armen Heinrich“. In: Kuhn, Hugo; Cormeau, Christoph [Hrsg.]: Hartmann von Aue. Darmstadt: Wiss. Buchges. 1973 (= Wege der Forschung; 359), S. 156f.; Carne: Frauengestalten, S. 81.; Auch Wynn will die maget ausschließlich in einem positiven Licht sehen und schreibt: „ She cannot be reproached for anything “. In: Wynn, Marianne: Heroine without a name: The Unnamed Girl in Hartman's Story. In: Honemann, Volker [Hrsg.] [u.a.]: German Narrative Literature of the Twelfth and Thirteenth Centuries. Studies presented to Roy Wisbey on his Sixty-fifth Birthday. Tübingen: Niemeyer 1994, S. 246.; Verweyen geht sogar noch einen Schritt weiter, indem er die Himmelssehnsucht durch das glückliche Ende der Erzählung zu widerlegen versucht. In: Verweyen: Heinrich, S. 90.; Er argumentiert unplausibel und übergeht hier unwissend oder wissend den Text. Das Ende und die damit verbundene Hinwendung zur Welt verdeutlichen den Sinneswandel des Mädchens. Die Heilung widerlegt also nicht das anfängliche Problem, sondern zeigt es vielmehr klar und deutlich auf.

[32] Wapnewski: Hartmann, S. 96.

Details

Seiten
23
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668059924
ISBN (Buch)
9783668059931
Dateigröße
696 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307878
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,3
Schlagworte
chiasmus armer heinrich hartmann von aue sprache gedankenführung harmonie protagonisten untersuchung mediävistik

Autor

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