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Reformation und Medien. Propaganda in Zeiten des Buchdrucks

Seminararbeit 2013 34 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Reformation und der Buchdruck

3. Das Verhältnis von mündlicher und schriftlicher Kommunikation in der reformatorischen Propaganda

4. Die Schriften Martin Luthers

5. Die Flugschriften

6. Sprachliche und nichtsprachliche Bilder in den Medien
6.1 Die Bedeutung von Bildern im Mittelalter
6.2 Die Verwendung von Bildern in der reformatorischen Propaganda
6.3 Lutherportraits
6.3.1 Die Lutherportraits als Image und Ikone
6.3.2 Lucas Cranachs frühe Lutherportraits
6.3.3 Die Kreierung von Labels
6.3.4 Drei verschiedene Images von Luther
6.4 Images der Gegner der Reformation
6.5 Reformatorische Kunst

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang.

1. Einleitung

Eine wichtige und für einen Erfolg unabdingbare Leistung Martin Luthers bestand darin, eine große Anzahl an Menschen zu erreichen und von seinen Ideen zu überzeugen. Auf welche Weise konnte Luthers Botschaft damals jedoch unters Volk gebracht werden?

In der Forschung zur Reformationsgeschichte gilt seit langer Zeit der Allgemeinplatz, „[...] daß die Reformation ohne das Medium des Buchdrucks überhaupt nicht oder zumindest nicht so schnell eine solche Verbreitung und Durchschlagskraft erreicht hätte.“[1] Dabei genügt ein Blick auf die Verkaufszahlen von Printmedien im frühen 16. Jahrhundert, um festzustellen, dass es offensichtlich eine Interaktion zwischen Buchdruck und Reformation gegeben hat. Dabei waren neben dem Buchdruck noch andere Medien von großer Bedeutung. Aus dieser Perspektive soll ein Überblick über die Medien der Reformation gegeben werden. Welche verschiedenen Medien wurden dabei genutzt, die Ideen der Reformation zu verbreiten? Kann man dabei eine Gewichtung vornehmen?

Aufgrund des hohen Anstiegs von schriftlicher Kommunikation, herrscht im Reformationszeitalter eine hervorragende Quellenlage. Die Forschung hat sich seit mehreren Generationen vorallem mit den Wechselwirkungen zwischen Buchdruck und Reformation beschäftigt. Es lässt sich dabei klar erkennen, dass sich die beiden Phänomene gegenseitig verstärkten und mit der Reformation auch der Buchdruck wirtschaftlichen Aufschwung nahm. Die Schnelligkeit, mit der die Ideen der Reformation verbreitet werden konnten, und die natürlich auch durch eine große Aufnahmebereitschaft und Nachfrage bedingt war, schien den Zeitgenossen als ein Wunder, was verschiedenen Quellen entnommen werden kann. Daneben wird oft vom Primat der mündlichen Kommunikation gesprochen. Dabei lassen sich mündliche und schriftliche Kommunikation zu dieser Zeit nicht so vollständig trennen, da einerseits Schriften immer auch vorgelesen wurden und andererseits Schriftlichkeit von Rhetorik geprägt war. Das Urmedium waren die Schriften Luthers, der wie kein anderer das neue Medium für seine Zwecke zu nutzen verstand. Sein Wirken war dabei so bedeutend, dass er unter anderem durch seine Bibelübersetzung wesentlich an der Entstehung einer deutschen Hochsprache beteiligt war. Seine Ideen waren auch Hauptgegenstand der Flugschriften, die als erstes Massenmedium sehr erfolgreich waren.

Da ein moderner Mensch durchschnittlich mehr als 20000 Bilder am Tag sieht, kann die Kraft, die von Bildern im Mittelalter ausging, heute kaum noch verstanden werden. Daher ist es umso wichtiger, zu untersuchen, wie Bilder für die Reformation genutzt wurden. Das Lutherportrait von Lucas Cranach ist dabei in seiner Vielschichtigkeit sehr aufschlussreich. In zahlreichen Varianten, in denen Anleihen aus der Ikonographie gemacht wurden, wurden Images des Reformators geschaffen. Begriffe wie Image und Label, die aus dem modernen Startum und Marketing stammen, können hier ebenso gut angewandt werden. Zuletzt kann noch ein Blick auf die protestantischen Gemälde Lucas Cranachs zeigen, dass auch in den Kirchen bildliche Darstellungen von Luthers Rechtfertigungslehre Einzug hielten.

Mit einiger Berechtigung kann demnach auch von reformatorischer Propaganda gesprochen werden, wobei der Terminus als eine „systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher o.ä. Ideen und Meinungen [mit massiven (publizistischen) Mitteln] mit dem Ziel, das allgemeine [politische] Bewusstsein in bestimmter Weise zu beeinflussen“[2] definiert wird. Die propagandistische Arbeit wurde dabei hauptsächlich bis zum Bauernkrieg geleistet. So wurden ab diesem Zeitpunkt nur noch wenige Lutherportraits angefertigt und die Zahl der Flugschriften geht rapide zurück. Die Vorgänge vom Wormser Reichstag bis zum Bauernkrieg werden nach Wolfgang Reinhard auch als „evangelische Bewegung“[3] bezeichnet. Die Rückbesinnung auf das Evangelium bildete dabei das verbindende Element der Bewegung, die dadurch ein gemeinsames Bewusstsein erhielt und durch die Reformation als Phase der Institutionalisierung abgelöst wurde.

2. Die Reformation und der Buchdruck

Eine „zufällige Revolution“[4] nennt der Reformationshistoriker McCulloch die von dem Augustinermönch durch die Veröffentlichung der 95 Thesen gegen den Ablaß am 31. Oktober 1517 ausgelöste evangelische Bewegung. Dass nicht eine aufsehenerregende Provokation beabsichtigt war, sondern ein Anstoß zu einer scholastischen Debatte, sehe man an der lateinischen Sprache der Thesen, die sich somit nicht an eine breitere Rezpientenschicht wandten, sowie ihrer generellen Konformität mit der kirchliche Theologie, die nicht grundsätzlich kritisiert wurde. Luther hatte seine Rechtfertigungslehre bereits 1517 in seiner Schrift über die Bußpsalmen dargelegt, die jedoch schließlich wenig bewirkte. Der Protest gegen das theologisch eher marginale Problem des Ablasses entzündete eine landesweite Diskussion. Ein Grund dafür lag sicherlich in der Popularität der Forderungen und der entsprechenden Aufnahmebereitschaft. Der Ruf nach einer Reformation war schon länger hörbar und die Systemkritik verschmolz mit chiliastischen und prophetischen Strömungen.[5] Für die Reformation von großem Nutzen waren dabei der allgemeine Antiklerikalismus sowie die Geistesströmung des Humanismus.

Der wichtigste Grund für die große Resonanz auf die 95 Thesen war jedoch deren landesweite Verbreitung durch den Buchdruck. Der Zeitgenosse Friedrich Myconius schrieb dazu in seiner historia reformationis: „Aber ehe 14 Tage vergangen waren, hatten diese Thesen das ganze Deutschland und in vier Wochen fast die ganze Christenheit durchlaufen, als wären die Engel selbst Botenläufer und trügen sie vor aller Menschen Augen. [Sie] wurden bald verdeutscht, und dieser Handel gefiel nun jedermann sehr gut.“[6]

Die Wirkungen des Buchdrucks wurden zum ersten mal in der Geschichte erst in Verbindung mit der Reformation in ihrer ganzen Tragweite offensichtlich. Myconius schilderte überschwänglich die schnelle Verbreitung, die ihm als Wunder erschien. Gleichzeitig erwähnt er eine weitere reformatorische Neuheit, nämlich die Publizierung in Landessprache, was eine Popularisierung des Mediums zur Folge hatte.

Dabei war die Technik des Drucks mit beweglichen Lettern nicht völlig neu, sondern im Reich bereits zu Beginn des 16. Jahrhunderts etabliert und Deutschland bereits mit einem Netz von Druckereien überzogen, deren Zentrum vorallem in Süd-Mitteldeutschland lag.[7] Es gab noch keine staatliche Kontrolle des neuen Mediums, sodass es oft zum unautorisierten Nachdruck kam. Dies war wichtig für eine schnelle aber auch unkontrollierbare Ausbreitung, wie es sich 1518 herausstellte.

Dabei war die Beziehung zwischen Reformation und Buchdruck keineswegs zu einem einseitigen Nutzen, sondern symbiotisch.[8] Die Rezipienten von Druckschriften kamen nämlich bisher aus einem relativ schmalen, gebildeten und städtischen Milieu, sodass dem Buchmarkt rasch Grenzen wuchsen. Die Reformation veränderte die Druckindustrie völlig. Der Absatz konnte enorm erhöht werden, als begonnen wurde auf deutsch zu publizieren und die Kosten für Druckwerke zu senken. Es kam zur Herausbildung einer reformatorischen Öffentlichkeit (Wohlfeil), die in zunehmendem Maße Druckmedien rezipierte. Als Folge entwickelten sich neue Druckerzentren in Nord-Ostdeutschland. So wurde die evangelische Bewegung in Verbindung mit dem Buchhandel rasch gesellschaftlich relevant.

Doch nicht nur Zeitgenossen waren über das neue Medium und seine Verbreitung, die wie durch Engelshand erfolgte, verwundert, sondern auch die Nachwelt. So schrieb der Dresdner Hofprediger Johann Andreas Lucius in seiner 14. Predigt über den Buchdruck, der „Anno 1440, noch nicht 80 Jahre zuvor, erfunden worden, ohne Zweifel zu dem Ende, damit das Evangelium möge desto eher ausgebreitet und gleich als mit Flügeln in die Welt fortgebracht werden.“[9] Die erstaunlichste Eigenschaft des Buchdrucks war offensichtlich die Schnelligkeit mit der Informationen verbreitet werden konnten. Diese war jedoch auch ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Reformation. So musste es gelingen, innerhalb kurzer Zeit eine genügend große Anhängerschaft zu gewinnen, ehe der katholische Rückschlag erfolgte. Zudem war Luther auf die Gunst Friedrichs des Weisen angewiesen, die auch zeitlich begrenzt sein konnte.[10] Dabei musste nicht nur eine neue Theologie verbreitet werden, sondern ein neues Weltbild in den Köpfen der Menschen verankert werden.[11] Diese als ideologischer Kampf geführte Auseinandersetzung wurde zur ersten Massenbewegung der Geschichte, die durch den Buchdruck in Gang gesetzt wurde, sodass von einer „Medienrevolution“ gesprochen werden kann.[12] Andererseits wird jedoch vom „Primat der mündlichen Kommunikation“ ausgegangen.[13] Wie ist dieses Paradox zu erklären?

3. Das Verhältnis von mündlicher und schriftlicher Kommunikation in der reformatorischen Propaganda

Die enge Verknüpfung und das Abhängikeitsverhältnis zwischen Reformation und Buchdruck , die Entstehung eines neuen Typus, des Bibel-lesenden Laien, und die enorme Bedeutung von Luthers Schriften für die deutsche Sprache lassen leicht die Vermutung aufkommen, es handele sich bei der Reformation um ein primär literarisches Ereignis. Dieser Annahme begegnet Scribner mit der Frage: „How many could read?“[14] Als Antwort darauf gibt er die Schätzung an, dass etwa 10-30% der Bevölkerung in der Stadt und etwa 5% der Menschen auf dem Land lesen konnten, wodurch mitnichten von einer Masse an literati ausgegangen werden kann. Die mit der Neuzeit einsetzende Kommunikationsrevolution, die auf der Erfindung des Buchdrucks beruhte war ein allmählich sich vollziehender Prozess. Im frühen 16. Jahrhundert stand diese Entwicklung erst am Anfang und so kann von einem Nebeneinander von oraler und schriftlicher Kommunikation ausgegangen werden. Dabei muss die Bedeutung der ersteren laut Scribner als höher und wichtiger eingeschätzt werden, denn das primäre Kommunikationsmittel der Reformation war die Predigt.[15]

Es fand jedoch keine, nach heutigen Maßstäben vorgenommenen strikte Trennung der beiden Sphären statt. Wenzel schreibt über diese Zeit des Umbruchs: „Beziehungsaspekt und Informationsaspekt sind noch nicht vollständig getrennt. [...] Die Handschrift, die als Botschaft eines Sprechers aufgenommen wird, bewahrt noch einiges von der Ereignishaftigkeit mündlicher Kommunikation, und dies gilt weiter für den frühen Buchdruck“.[16] Dabei wird das Gegenüber aus dem Buchstaben lebendig, oder umgekehrt: Der Geist der Schreibers wird zu Schrift gebannt. Es gibt noch keine klare Trennung von Sprecher und Schreiber, körpergebundener Wahrnehmung und bildlicher Vergegenwärtigung, Boten und Botschaften.[17] In dieser Vorstellung liegt auch Luthers Annahme begründet, dass Christus aus dem Wort des Evangeliums hervortritt, was einen kontemplativen Umgang mit Schrift zur Folge hatte.

Diese Ununterscheidbarkeit der Kommunikationsformen lässt sich an Luthers Briefen exemplifizieren. Diese waren insgesamt den Vorgaben der Rhetorik verpflichtet. So stand auch das politische Sendschreiben in der Tradition der oratio, der öffentlichen Rede.[18] Formal als Dialog konzipiert richtete sich dies jedoch an eine breite Öffentlichkeit auf deren Meinungsbildung Luther einzuwirken beabsichtigte. Auch die gedruckten Predigten Luthers deuten auf eine Verschriftlichung von mündlicher Kommunikation hin. So werden auch die reformatorischen Hauptschriften als sermones (von lat. sermo = Sprache, Rede) bezeichnet.[19]

Die gedruckten Medien wirkten also vorallem unterstützend, als Zusatz und neben der mündlichen Kommunikation. Dennoch fand eine mittelbare Verbreitung der reformatorischen Ideen hauptsächlich durch die Printmedien statt.[20] Denn Prediger forderten durchaus die Schriften Luthers an, um daraus die wichtigsten Ideen zu lernen. Ebenso vermittelten Lesekundige die Schriften und Flugblätter durch lautes Lesen oder in Diskussionen an ihre Umgebung und wirkten somit als „Multiplikatoren“.[21] Vorallem durch eine allgemeine Rezeption der Schriften Luthers konnte die Bewegung, die immer in Gefahr war, in einzelne Strömungen zu zerfallen ihre Einheitlichkeit bewahren.[22]

4. Die Schriften Martin Luthers

Die Schriften Luthers waren dabei das „Urmedium der Bewegung“.[23] Luthers theologischer Neuansatz betraf neben der Betonung der alleinigen Autorität der Schrift vorallem die Bewertung der Gerechtigkeit Gottes und die Rechtfertigung der Menschen, die durch gute Taten allein kein Heil erlangen könnten. In seinen Schriften wurden nicht nur diese zentralen Ideen der Reformation dargelegt, sondern damit auch ein reißender Absatz erzielt. Wenn in einer Auflage vermutlich im Durchschnitt 1000 Stück gedruckt wurden, wären 1521 schon 500.000 Exemplare auf dem Markt erschienen, was ungefähr der Zahl der Lesekunigen in Deutschland entsprach (Vgl. Abb. 1).[24] Bis 1525 waren mehrere Millionen Lutherschriften im Umlauf. Der Reformator war damit nicht nur der am meisten gelesene Autor seiner Generation, sondern auch der produktivste Schriftsteller des 16. Jahrhunderts.[25] So schrieb er beispielsweise 1520 innerhalb von fünf Monaten drei seiner bedeutendsten Schriften zur Reformation, die sogenannten reformatorischen Hauptschriften.

An den christlichen Adel deutscher Nation von des christlichen Standes Besserung lautete der Titel seiner ersten Schrift, die als die populärste gilt und deren erste Auflage von 4000 Stück innerhalb von vier Tagen vergriffen war.[26] Sie war in deutscher Sprache verfasst und richtete sich vorallem an den Kaiser und die Fürsten.[27] Luther griff darin auf schon bekannte Elemente des Antiklerikalismus zurück, die in ähnlicher Form schon von den deutschen Reichsständen Antichrist bezeichnet und gegen ihn der Vorwurf erhoben, eine Bedrohung für die Regierung des Reiches zu sein. Das Laienpriestertum und die Lehre von den zwei Reichen wurde ebenfalls propagiert. Otto Clemen schrieb über die Popularität der Schrift: „Nun trat einer auf, der fasste das alles zusammen in Worten, die jeder verstehen konnte und jeder verstehen musste, einer, der den Mut hatte, das Kind beim Namen zu nennen und vor aller Welt ein Programm der Reform zu entwerfen.“[28]

Die Schrift De captivitate babylonicae ecclesiae war in lateinischer Sprache verfasst und richtete sich an den Klerus. Luther betonte hier nochmals die Autorität des Evangeliums. Durch eine neue Sakramentenlehre und die Thematisierung der Transsubstantation, die später zum Bruch mit Zwingli führte wurden theologische Neuerungen formuliert.

In der dritten Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen begegnet Luther dem Problem der Notwendigkeit von guten Werken, die für das ewige Heil ja nicht von Bedeutung sind. Er definierte auch den Begriff der christlichen Freiheit neu: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemand untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“[29] Das Paradox löst sich, wenn man von zwei Naturen des Menschen, der inneren und der äußeren, ausgeht. Der Begriff der Freiheit wurde jedoch teilweise nicht immer im Sinne Luthers interpretiert, was sich beim Ausbruch des Bauernkrieges zeigen sollte.

Luther war sich der Bedeutung des Buchdrucks wohl bewusst. So äußerte er sich in einer seiner Tischreden von 1531:

„Der Buchdruck ist die letzte und zugleich größte Gabe, denn durch sie sollte nach Gottes Willen dem ganzen Erdenkreis die Sache der wahren Religion am Ende der Welt bekannt und in allen Sprachen verbreitet werden. Sie ist die höchste unauslöschliche Flamme der Welt.“[30]

Neben Endzeitvorstellungen klingt hier wieder die heilsgeschichtliche Bedeutung des Buchdrucks an, die ihm von Luther zugemessen wurde. Dass das neue Medium vorallem von Protestanten genutzt wurde ist jedoch ein deutsches Paradigma. Die europäische Perspektive zeigt andere Beispiele. So wurde die Reformation in Schottland ohne den Buchdruck eingeführt und in Frankreich waren es die Altgläubigen, die die Presse beherrschten.[31]

Zu den wichtigsten Leistungen Luthers zählt sicherlich auch eine neue Bibelübersetzung.[32] Während seinem Aufenthalt auf der Wartburg übertrug er das Neue Testament aus der griechischen Übersetzung des Erasmus ins Deutsche. Das nach seinem Erscheinungsmonat als Septembertestament bekannte Werk erlebte eine große Nachfrage, die vorallem durch die Stellung begründet war, die Luther der Heiligen Schrift zugemessen hatte. Neu waren die vorzügliche sprachliche Gestaltung, die Vorreden und Randglossen Luthers, sowie die Illustrationen Cranachs. Im Jahr 1534 folgte auch das Alte Testament, womit die Lutherbibel komplett war. Sie war mit ungefähr 500.000 zu Lebzeiten Luthers verkauften Exemplaren der bis dato größte Bucherfolg der Geschichte. Durch die große Verbreitung konnte das von Luther verwendete sächsische Kanzleideutsch, sowie seine Ausdrucksweise zum Vorbild für die entstehende deutsche Schriftsprache werden.

[...]


[1] Wolfgang Schmitz, Reformation und Gegenreformation in der Entwicklung von Buchdruck un Buchhandel, Hamburg 1999, S.253.

[2] Duden, hg. von Wermke ua., Band 5, 9. Auflage, Mannheim 2007, S. 850.

[3] Wolfgang Reinhard, Reichsreform und Reformation 1495 – 1555, in: Gebhardt. Handbuch der deutschen Geschichte, Bd. 9, hg. von Wolfgang Reinhard, Stuttgart 2001, S. 279.

[4] Diarmaid MacCulloch, Die Reformation, 1490-1700, München 2003, S. 176.

[5] Vgl. ebd., S. 56.

[6] Zitiert nach: Werner Lenk, Martin Luthers Kampf um die Öffentlichkeit, in: Martin Luther. Leben, Werk, Wirkung, hg. von Günter Vogler, Berlin 1986, S.55.

[7] Vgl. ebd., S. 58.

[8] Vgl. Scott Dixon, The Reformation in Germany, Oxford 2002, S. 60.

[9] Zitiert nach: Otto Clemen, Die lutherische Reformation und der Buchdruck, Leipzig 1939, S. 2.

[10] Vgl. Werner Lenk, Martin Luthers Kampf um die Öffentlichkeit, S.55.

[11] Vgl. ebd., S. 54.

[12] Wolfgang Reinhard, Reichsreform und Reformation, S. 279.

[13] Ebd. , S. 280.

[14] Robert W. Scribner, How many Could Read? Comments on Bend Moeller’s “Stadt und Buch”, in: Stadtbürgertum und Adel in der Reformation, hg. von Wolfgang J. Mommsen, Stuttgart 1979, S. 25.

[15] Vgl. Ders., For the sake of the simple folk, Cambridge 1981, S. 2.

[16] Horst Wenzel , Mediengeschichte vor und nach Gutenberg, Darmstadt 2008, S. 184. (Wenzel bezieht sich hier auf Walter Ong, Information and/or Communication, 1996.)

[17] Vgl. ebd., S. 188 ff.

[18] Vgl. ebd., S. 200.

[19] Vgl. Lenk, Werner, Martin Luthers Kampf um die Öffentlichkeit, S. 62.

[20] Vgl. Scott Dixon, The Reformation in Germany, S. 60.

[21] Bernd Möller, Deutschland im Zeitalter der Reformation, Göttingen 1999, S. 63.

[22] Vgl. ebd., S. 67.

[23] Wolfgang Reinhard, Reichsreform und Reformation, S. 279.

[24] Vgl. Bernd Möller, Deutschland im Zeitalter der Reformation, Göttingen 1999, S. 62.

[25] Vgl. Scott Dixon, The Reformation in Germany, S. 69.

[26] Vgl. Wolfgang Schmitz, Reformation und Gegenreformation in der Entwicklung von Buchdruck un Buchhandel, S.260.

[27] Vgl. Diarmaid MacCulloch, S. 183.

[28] Otto Clemen, Die lutherische Reformation und der Buchdruck, S. 10.

[29] Zitert nach: Stephan Füssel, Gutenberg und seine Wirkung, S. 113.

[30] Zitiert nach: Wolfgang Schmitz, Reformation und Gegenreformation in der Entwicklung von Buchdruck un Buchhandel, S.260.

[31] Vgl. Pettegree, Andrew, Hall, Mattew, Buchdruck und Reformation – Eine Neubetrachtung, in: Bücher, Drucker, Bibliotheken in Mitteldeutschland um 1500, hg. von Enno Bünz, Leipzig 2006, S. 348.

[32] Vgl. Wolfgang Schmitz, Reformation und Gegenreformation in der Entwicklung von Buchdruck un Buchhandel, S.261.

Details

Seiten
34
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668087453
ISBN (Buch)
9783668087460
Dateigröße
2.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307936
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Institut für Geschichte
Note
1,3
Schlagworte
reformation medien propaganda zeiten buchdrucks

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