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Steuerungsinstrumente Integrierter Stadtentwicklung

Seminararbeit 2015 14 Seiten

Jura - Öffentliches Recht / VerwaltungsR

Leseprobe

Gliederung

I. Einführung

II. Integrierte Stadtentwicklung
2.1 Was ist integrierte Stadtentwicklung?
2.2 Warum integrierte Stadtentwicklung?

III. Steuerungselemente Integrierter Stadtentwicklungspolitik
3.1 Steuerung durch Normen
3.2 Steuerungsinstrumente innerhalb der Verwaltung
3.3 Steuerung durch kommunale Planung
3.4 Steuerung durch Bürgerbeteiligung
3.5 Finanzielle Steuerung

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis

I. Einführung

Eine kurzsichtige und fehlerhafte Stadtentwicklungsplanung wirkt sich nachteilig für die jeweils betroffene Kommune aus. Sie verursacht unnötige Kosten, welche die häufig sowieso schon klammen Stadtkassen weiter belasten, die Kommune verliert an Attraktivität und kann teilweise nicht mehr ihrer wichtigsten Aufgabe nachkommen: Die Bedürfnisse ihrer Bürger durch Sicherstellung einer ordnungsgemäßen Verwaltung zu befriedigen.

Eine effektive und dauerhafte Stadtentwicklung ist für Kommunen in Deutschland daher essentiell. Diese wird allerdings durch eine Vielzahl von Problemen, wie beispielsweise den immer stärker eingeschränkten finanziellen Handlungsspielräumen der Kommunen, dem demografischen Wandel, der Energiewende, Umwelt- sowie Infrastrukturprobleme[1] und nicht zuletzt der Versorgung von Flüchtlingen, als derzeit drängendste Aufgabe, erschwert – und die deutschen Kommunen so vor immer größere Herausforderungen gestellt. Eine Antwort darauf bildet die „integrierte Stadtentwicklung“, welche als ganzheitliches Planungskonzept versucht, die unterschiedlichen Belange zu berücksichtigen. In einem ersten Schritt wird sich die Arbeit daher zunächst theoretisch mit dem Konzept der „integrierten Stadtentwicklung“ auseinandersetzen.

Auch eine „integrierte Stadtentwicklung“ kann allerdings nicht planlos erfolgen. Um lenkend auf die Stadtentwicklung einzuwirken, stehen Stadtplanern verschiedene Steuerungsinstrumente zur Verfügung. Auf diese Steuerungsmöglichkeiten wird in dem zweiten Abschnitt eingegangen und ihre Wirksamkeit anhand praktischer Beispiele aus Speyer belegt.

II. Integrierte Stadtentwicklung

2.1 Was ist integrierte Stadtentwicklung?

Integrierte Stadtentwicklungskonzepte erlangten erstmals ab den 1960er Jahren, aufgrund von starkem Bevölkerungswachstum, Wohnungsmangel und zunehmender Motorisierung[2] in Deutschland Bedeutung. Damals lag dem Konzept die Vorstellung zugrunde, dass eine stärkere Verwissenschaftlichung der Planung eine bessere Entscheidungsgrundlage hervorbringen sollte.[3] Unter dem Eindruck veränderter Rahmenbedingungen für die Kommunen – hauptsächlich geprägt durch den demographischen Wandel, der Berücksichtigung von Umweltschutzzielen und einer zunehmenden Finanznot – erlebte die integrierte Stadtentwicklung in den 1990er Jahren bis heute einen erneuten Aufschwung. Rein instrumentell betrachtet ist dabei integrierte Stadtentwicklung weiterhin ein Instrument zur Umsetzung feststehender politischer Ziele mit dem sämtliche Aspekte eines Problem bearbeitet werden.[4] Allerdings liegt der Schwerpunkt, im Gegensatz zur ursprünglichen Vorstellung, gegenwärtig darauf, den aktuellen, komplexen, miteinander zusammenhängenden Herausforderungen umsetzungs- und lösungsorientiert zu begegnen.[5] Die aktuellen europäischen Ziele sind dabei maßgeblich in der „Leipziger Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt“ definiert, wonach „Baukultur in einem umfassenden Sinne zu verstehen ist, als Gesamtheit aller die Qualität des Planens und Bauens beeinflussenden kulturellen, ökonomischen, technischen, sozialen und ökologischen Aspekte.“[6]

Kennzeichen einer integrierten Entwicklung ist nunmehr die Einbeziehung von zahlreichen Akteuren aus der Bevölkerung, jenseits von Politik und Verwaltung, die als Träger der Entwicklung in die Planungsprozesse mit einbezogen werden sollen.[7] Der vorhandenen Gestaltungswillen der Bürger soll so genutzt werden und bei der Stadtplanung und -entwicklung Berücksichtigung finden. Weitere Merkmale sind eine vernetzte Organisationsstrukturen sowie eine Orientierung der Projekte, Strategien, Maßnahmen und Ziele an den tatsächlich vor Ort bestehenden Problemen.[8]

Demzufolge stellt sich integrierte Stadtentwicklung als eine kooperative und gemeinschaftliche Leistung dar, „die neben der partizipativen und intersektoralen Bearbeitung von Problemen auch die gemeinsame und themenübergreifende Problem- und Zieldefinition beinhaltet“.[9]

2.2 Warum integrierte Stadtentwicklung?

Eine integrierte Stadtentwicklungspolitik beruht auf der ganzheitlichen Betrachtung eines städtischen Teilraumes, entweder auf Ebene der Stadt oder nur eines Teilgebiets der Gemeinde.[10] Sie dient dazu städtebauliche, funktionale oder sozialräumliche Defizite und Anpassungserfordernisse für einen Stadtteil aufzuzeigen und zu bearbeiten.[11] Dabei beschränkt sie sich nicht auf die baulich-räumliche Entwicklung des jeweiligen Gebiets sondern zielt insbesondere auch auf die Verbesserung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, kultureller und ökologischer Belange ab.[12] Durch diese ganzheitliche Strategie sollen die Wettbewerbsfähigkeit und das Innovationspotential von europäischen Städten erhöht werden.[13] Gleichzeitig kann im Rahmen der integrierten Stadtentwicklung aber auch einzelne Schwierigkeiten vor Ort zielgerichtet angegangen werden. Integrierte Stadtentwicklung ist näher am Bürger und dessen Bedürfnissen als dies im Rahmen einer Planung „von oben“ durch die Verwaltung möglich wäre.[14] Schließlich werden durch die Beteiligungsprozesse Entscheidungen transparenter und dadurch Konflikte entschärft, was insgesamt zu Lösungen führt, die von einer breiten Bevölkerungsmehrheit getragen werden.[15]

Nachteil der integrierten Stadtentwicklung ist die hohe Abstimmungserfordernis, die sich aus der Vielzahl an Personen ergibt, die in den Entwicklungsprozess mit einbezogen werden. Um eine effektive integrierte Stadtentwicklung zu gewährleisten, ist es daher notwendig, den Prozess steuernd zu begleiten. Auf die verschiedenen Steuerungsinstrumente, welche hierzu zur Verfügung stehen soll im folgenden Abschnitt ausführlich eingegangen werden.

[...]


[1] Vgl.: BMVBS/BBSR, 2009, S. 19 ff.

[2] Henn & Behling, 2010, S. 7.

[3] BMVBS/BBSR, 2009, S. 17; vgl. auch Henn & Behling, 2010, S. 8.

[4] Werner, 2012, S. 61.

[5] BMVBS/BBSR, 2009, S. 18.

[6] Leipzig Charta, 2007, S. 316.

[7] Drilling & Schnur, 2012, S. 15; Henn & Behling, 2010, S. 13; Werner, 2012, S. 13.

[8] Henn & Behling, 2010, S. 13.

[9] Werner, 2012, S. 62.

[10] Henn & Behling, 2010, S. 13.

[11] MWEBWV, 2012, S. 7.

[12] Henn & Behling, 2010, S. 13; BMVBS/BBSR, 2009, S. 6; Fahle & Burg, 2014, S. 100.

[13] Werner, 2012, S. 13.

[14] Vgl. BMVBS/BBSR, 2009, S. 23.

[15] Herz, et al., 2013, S. 12.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668060180
ISBN (Buch)
9783668060197
Dateigröße
498 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v307967
Institution / Hochschule
Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer (ehem. Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer)
Note
Schlagworte
integrierte stadtentwicklung stadtplanung stadtentwicklungspolitik bürgerbeteiligung

Autor

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Titel: Steuerungsinstrumente Integrierter Stadtentwicklung