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Peter Bichsel: San Salvador

Seminararbeit 2004 15 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

INHALT

EINLEITUNG

1. „SAN SALVADOR“
1.1 Inhalt und Gliederung
1.2 Strukturskizze
1.3 Erzählweise
1.4 Arbeitsanregung zur Textinterpretation

2. VERGLEICH: „MUSIKDOSEN“

3. FAZIT

LITERATUR

EINLEITUNG

„San Salvador“ erschien zuerst 1964 im Band „Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen“. Dieser Band enthielt 21 Kurzgeschichten des damals noch unbekannten Schweizer Autors Peter Bichsel und wurde völlig unerwartet zum großen Erfolg sowohl bei Literaturkritikern als auch auf dem Buchmarkt.

Bichsels Motive in diesem Buch sind „Sachverhalte aus dem Alltag kleiner Leute, er schildert unscheinbare Situationen, er vergegenwärtigt Zustände, er erzählt geringfügige Vorgänge, er veranschaulicht kaum wahrnehmbare Stimmungen, er zeigt Reaktionen“.[1]

Bichsel zeigt Menschen wie es Tausende gibt, niemand weiß, woher sie kommen und wohin sie gehen. Sie hinterlassen keine Spur. Eine Biographie von ihnen existiert nicht. Wenige haben einen Namen, oder wo ein Name genannt wird, ist er so unauffällig, daß er bald in Vergessenheit gerät.[2]

Auch aus diesem Grund sind Bichsels Kurzgeschichten für die Schule ideal, denn sie spiegeln viele Merkmale einer Kurzgeschichte wider, wie offener Anfang, offenes Ende, keine individualisierten Charaktere.

Vorherrschendes Thema im vorliegenden Band sind dabei anonymisierte Menschen, die von „einer großen Einsamkeit befallen“[3] sind und sich nicht verständigen können – auch dann nicht, wenn sie miteinander sprechen. „Sie leben und warten jeder für sich allein“.[4]

Auch dies ist ein Thema, was sich in der Schule zu behandeln lohnt, da es sich mit den alltäglichen Erfahrungen in unserer Gesellschaft und in unseren Beziehungen zu anderen Menschen leider nur zu häufig deckt. Hilfreich ist dabei, dass sich Bichsels alltägliche Charaktere in alltäglichen Situationen befinden und so die Übertragung bzw. Abstraktion relativ leicht fällt.

In der vorliegenden Ausarbeitung soll unter anderem das Thema der Isolation und Sprachlosigkeit näher beleuchtet werden, und zwar zunächst an der Kurzgeschichte „San Salvador“ und anschließend auch noch im Vergleich mit der Geschichte „Musikdosen“, die beide im oben erwähnten Band erschienen.

Dabei sollen die Geschichten an sich sowie Möglichkeiten der Annährung im Schulunterricht untersucht werden.

1. „SAN SALVADOR“

1.1 Inhalt und Gliederung

In der Kurzgeschichte „San Salvador“ von Peter Bichsel geht es um einen Mann namens Paul, der an einem Mittwochabend bei sich zu Hause auf die Kinder aufpasst und auf die Rückkehr seiner Frau Hildegard aus dem Kirchenchor wartet.

Die Kurzgeschichte lässt sich inhaltlich in sechs Abschnitte[5] gliedern.

Im ersten Abschnitt probiert Paul zunächst einen neuen Füllfederhalter aus, den er sich gekauft hat, und schreibt damit verschiedene Dinge auf ein Blatt Papier, wie seinen Namen, Adressen, Wellenlinien. Danach nimmt er sich ein neues Blatt, auf das er die zwei Kernsätze der Geschichte schreibt: „Mir ist es hier zu kalt“ und „ich gehe nach Südamerika“.[6] Anschließend beobachtet er, wie die Tinte eintrocknet und unterschreibt dieses Blatt noch.

Der zweite Abschnitt ist dadurch gekennzeichnet, dass Paul einfach nur dasitzt.

Anschließend werden einige Tätigkeiten Pauls beschrieben, die offensichtlich dem Zeitvertreib dienen sollen:

Später räumte er die Zeitungen vom Tisch, er überflog dabei die Kinoinserate, dachte an irgend etwas, schob den Aschenbecher beiseite, zeriss den Zettel mit den Wellenlinien, entleerte seine Feder und füllte sie wieder.[7]

Dabei denkt er an die Rückkehr seiner Frau Hildegard.

Im nächsten Abschnitt nimmt der Leser teil an Pauls Gedanken, der darüber spekuliert, wie Hildegard, seine Frau, wohl reagieren würde, wenn sie nach Hause käme und ihr Ehemann tatsächlich fort wäre. Er stellt sich genau vor, wie sie die Mitteilung läse, erschräke, seine Hemden zählen würde, in den „Löwen“, offensichtlich Pauls Stammkneipe, telefonieren würde. Zum Schluss würde sie „lächeln und verzweifeln und sich damit abfinden, vielleicht“.[8]

Nach diesen Spekulationen sitzt Paul wieder eine Zeit lang nur da. Er setzt mitnichten seine Auswanderungspläne in die Tat um, sondern macht völlig sinnlose Dinge. Er liest die Gebrauchsanweisung für seinen neuen Füller erneut, was ja für sich allein schon recht überflüssig ist, da ein Füller kein besonders kompliziertes Gerät ist, aber dann liest er auch die französische Übersetzung der Anleitung und vergleicht die englische mit der deutschen. Währendessen denkt er sowohl an seine Auswanderungsträume als auch an die Realität: Er „dachte an Palmen, dachte an Hildegard“.[9]

Die Kurzgeschichte endet damit, dass Hildegard wie erwartet um halb zehn nach Hause kommt, nach den Kindern fragt und sich, ebenfalls wie von Paul erwartet, die Haare aus dem Gesicht streicht: Alles ist beim Alten geblieben.

[...]


[1] Reich-Ranicki, Marcel: Literatur der kleinen Schritte. Deutsche Schriftsteller heute. München: Piper 1967. S. 91.

[2] Meier, Regula A.: Peter Bichsels Kurzprosa in “Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen“. In: Stefan Grunwald (Hrsg.): Theorie und Kritik. Zur vergleichenden und neueren deutschen Literatur. Festschrift für Gerhard Loose zum 65. Geburtstag. Bern: Franke 1974. S. 141-148. S. 147.

[3] Ebd.

[4] Reich-Ranicki, M.: Literatur der kleinen Schritte. S. 94.

[5] Abschnitt eins: Z. 1-11

Abschnitt zwei: Z. 12

Abschnitt drei: Z. 13-25

Abschnitt vier: Z. 26-37

Abschnitt fünf: Z. 38-44

Abschnitt sechs: Z. 45-47

(Zeilenangaben, auch bei den Zitaten, nach der Ausgabe von Walter 1972)

[6] San Salvador, Z. 5-6.

[7] San Salvador, Z. 13-16.

[8] San Salvador, Z. 33-34.

[9] San Salvador, Z. 43-44.

Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638320085
Dateigröße
542 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v30831
Institution / Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,3
Schlagworte
Peter Bichsel Salvador Seminar Kurzgeschichten Jahrhunderts

Autor

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Titel: Peter Bichsel: San Salvador