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Die Kommunikationsmodelle und -theorien nach Paul Watzlawick. Ein Überblick

Zusammenfassung 2015 7 Seiten

Medien / Kommunikation - Interpersonale Kommunikation

Leseprobe

Inhalt

1. Regeln der Kommunikation nach Watzlawick

2. Axiome

3. Die Selbsterfüllende Prophezeiung

4. Paradoxe Kommunikation und Doppelbindung

5. Stärken und Schwächen der Theorie

6. Vier Schritte zur Problemlösung

Watzlawick

- Ist gegenüber dem Sender-Empfänger –Modell dynamisch und interaktiv
- Erste Ansätze dieser Kommunikationstheorie gehen auf Bateson zurück:
- Er beschäftige sich mit der Reaktion von Menschen auf andere Menschen
- Nicht nur das Verhalten von A auf B ist wichtig, sondern auch dessen Verhalten auf A: soziale Kommunikation verläuft kreisförmig
- W. widmet sich in seinem Buch vorwiegend dem pragmatischen Aspekt der Kommunikation: dieser befasst sich mit Auswirkungen von Kommunikation auf das Verhalten der Kommunikationsteilnehmer
- Der begriff Kommunikation hat bei W. die gleiche Bedeutung wie zwischenmenschliches Verhalten: denn nicht nur Worte, auch nonverbale Signale üben Einfluss auf andere Teilnehmer aus
- Menschliche Interaktion versteht W. als ein System, das auf Regeln beruht; diese hat er in fünf Axiomen zusammengefasst
- W. geht davon aus, dass diese bei erfolgreicher Kommunikation berücksichtigt, bei gestörter nicht eingehalten werden
- Der Mensch beginnt vom ersten Tag an, diese Regeln zu lernen, obwohl diese Regeln selbst (das Kalkül der menschlichen Kommunikation) ihm kaum jemals bewusst werden
- Kommunikationsstörungen weisen also immer auf eine meist nicht bewusste Verletzung der Regeln im zwischenmenschlichen Bereich hin
- Auch psychische Probleme erklärt W. durch Kommunikationsstörungen zwischen dem Symptomträger und seiner sozialen Umwelt
- In der Metakommunikation sieht er ein Mittel um Störungen zu beheben

1. Regeln der Kommunikation nach Watzlawick

Nach Watzlawick besitzt Kommunikation ein pragmatisches Kalkül -ein formales System, in dem wir rechnen können- als Grundlage. Interaktion ist ein System, das auf Regeln beruht. Bei erfolgreicher Kommunikation werden diese Regeln eingehalten, bei gestörter nicht berücksichtigt. Diese Regeln menschlicher Interaktion hat er in fünf Axiomen zusammengefasst.

1. Die Unmöglichkeit, nicht zu kommunizieren
2. Der Inhalts- und der Beziehungsaspekt der Kommunikation
3. Die Interpunktion der Kommunikationsabläufe (Jede Kommunikation ist Ursache und Wirkung)
4. Jede menschliche Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten
5. Kommunikation ist symmetrisch und komplementär

2. Axiome

1. Man kann nicht nicht kommunizieren

- Kommunikation findet nicht nur durch Worte statt, sondern auch durch nichtsprachliche Phänomene
- Jedes Verhalten hat Mitteilungscharakter: für Verhalten gibt es kein Gegenteil und keine Verneinung
- Auch wenn man sich von jemanden abwendet vermittelt man eine Botschaft, selbst, wenn man schweigt
- Alles hat Mitteilungscharakter

Störungen

- Zu Bsp.: Zugfahrt: Frau A sitzt mit verschränkten Armen im Abteil, Herr B. steigt zu und möchte sich unterhalten. Wenn er Frau A. versteht, wird er sie nicht ansprechen, tut er dies jedoch kann sie der Situation nicht physisch ausweichen aber sie kann auch nicht nicht kommunizieren: sie kann folgendes tunt:

1. Sie kann die Kommunikation doch annehmen, gegen ihren Willen: widerwillige Annahme einer nichtgewollten K.
2. Sie kann die K. abweisen
3. Sie kann die K. entwerten: Man beraubt Aussage ihrer Bedeutung: Widersprüchlichkeit, häufiger Themenwechsel, Verdrehung von Tatsachen, absichtliches Missverstehen, Unkonzentriertheit; tut man dies gezielt und über längere Zeit entwertet man den Gesprächspartner selbst
4. Sie kann Symptome vortäuschen um nicht kommuniziere zu müssen: Symptom als Kommunikation: man ist so nicht selbst verantwortlich für den Abbruch
5. Bei allen vier Kommunikationsformen handelt es sich um misslungene Kommunikation, da die Botschaft von Frau A. nicht beachtet wurde

2. Jede Kommunikation hat eine Inhalts- und einen Beziehungsaspekt

- Inhaltsaspekt: vermittelt Infos und Daten
- Beziehungsaspekt: bestimmt, wie der Sender diese vom Empfänger verstanden haben möchte, er liefert also einen Hinweis darauf, wie der Sender die Beziehung zwischen sich und dem Empfänger versteht: in einer Mitteilung liegt eine persönliche Stellungnahme zum anderen
- Beziehungen werden selten bewusst und ausdrücklich definiert: meist indirekt über Gestik, Mimik, Tonfall, etc.
- Da der Beziehungsaspekt dem Empfänger vermittelt, wie eine Kommunikation zu verstehen ist. bezeichnet man ihn auch als Metakommunikation
- Er kommentiert die Daten und gibt Hinweise auf ihre Interpretation: er beeinflusst den Empfänger somit stärker als der Inhaltsaspekt
- Außerdem bestimmt er diesen
- Inhaltsaspekt: was wird gesagt, verbale Vermittlung, sprachliche Kommunikation
- Beziehungsaspekt: wie soll es aufgefasst werden, wie wird es gesagt?: wird nonverbal vermittelt, nichtsprachliche Kommunikation: Gestik, Mimi, Tonfall, Körpersprachen
Störungen
- Stimmen Inhalts- und Beziehungsaspekt nicht überein ist die Kommunikation misslungen
- Bei einer Diskrepanz wird dem Beziehungsaspekt mehr glauben geschenkt

4. Kommunikation bedient sich digitaler und analoger Modalitäten

- Auf dem gebiet der menschlichen Kommunikation gibt es zwei Grundsätzlich verschiedene Weisen (Modalitäten) in denen etwas dargestellt oder mitgeteilt werden kann
- Digitale Kommunikation: durch Sprache, Inhaltsaspekt, beruht auf semantischen Übereinkommen, wird allerdings bedeutungslos, wenn die Beziehung zum zentralen Thema der Kommunikation wird
- Analoge Kommunikation: nicht sprachlich, Beziehungsaspekt, können mehrdeutig sein, besitzt eine größere Allgemeingültigkeit: bloßes hören einer fremden Sprache führt nicht zum verstehen, Gesten helfen dagegen dabei
- Digitale Kommunikation ist in zwischenmenschlichen Situationen immer von analoger begleitet
Störungen:
- Da analoge Mitteilung oft mehrdeutig sind, können sie vom Empfänger falsch verstanden werden
- Zu Kommunikationsstörungen kann es bei der Übersetzung zwischen beiden Arten kommen
- Besteht eine Diskrepanz zwischen analogem und digitalen Aspekt ist die Kommunikation misslungen

5. Kommunikation verläuft entweder symmetrisch oder komplementär

- Je nachdem ob die Beziehung zwischen den Partner auf Gleichheit oder Ungleichheit beruht
- Symmetrisch: Beziehungen beruhen auf Gleichgewicht: Partner streben nach Gleichgewicht und versuchen Unterschiede zwischen sich zu mindern, nehmen gleichrangige Positionen ein
- Sie kommunizieren auf gleicher Ebene: alles wird zurückgegeben: Komplimente, Schimpfwörter
- Komplementär: beide Partner haben hierarchisch unterschiedliche Positionen, Primärposition, Sekundärposition
- Bedeutet aber nicht gut oder schlecht, stark oder schwach
- Beruht auf einer privaten oder gesellschaftlichen Übereinkunft keiner der Partner zwingt dem anderen die komplementäre Beziehung auf, der eine verhält sich vielmehr so, dass die ein bestimmtes Verhalten des anderen voraussetzt bzw. verursacht
- Basieren auf sich gegenseitig ergänzenden Unterschiedlichkeiten
- Bei gesunden Beziehungen wirken beide Muster zusammen: abwechselnd oder auf verschiedenen Gebieten
Störungen
- Ergeben sich durch symmetrische Eskalation und starre Komplementarität
- SE: Bedürfnis eine bisschen gleicher als der andere zu sein: beide wetteifern um dieses Privileg: beginnt, wenn Beziehungssysteme ihre Stabilität verloren haben: Rivalitätskämpfe
- Extrem eskalierende Symmetrie führt zu einer Auflösung des Beziehungssystems durch Trennung, Scheidung, Totschlag, Selbstmord
- Starre Komplementarität: Beziehungsdefinition erstarrt, einer befindet sich immer in der Primär-, der andere in der Sekundärposition
- Stabilisiert sich dies, kann es zu Abhängigkeit, Unmündigkeit, Fremdbestimmung kommen; es kommt zu einer Entwertung der Selbstdefinition

3. Kommunikationsabläufe werden unterschiedlich strukturiert

- Für den unvoreingenommenen Beobachter ist Kommunikation ein ununterbrochener Austausch von Mitteilungen
- Doch jeder Kommunikationsteilnehmer legt ich unvermeidlich seine eigene Struktur und Gliederung der Abläufe zugrunde
- Diese Strukturierung nennt W. Interpunktion von Ereignisfolgen
- Interpunktion meint hier die Interpretation von Ursache und Wirkung
- Denn jeder Teilnehmer eines Streites legt den Beginn nach seiner eigenen Parteilichkeit jeder sieht sein Verhalten immer nur als Reaktion auf das des anderen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Natur einer Beziehung ist folglich bedingt durch die Vorstellung von Kommunikationsabläufen, die jeder Partner der Situation zugrunde liegt

Störungen

- Situationen werden also immer subjektiv wahrgenommen und jeder Kommunikationsteilnehmer interpretiert die Abläufe nach seiner subjektiven Wahrnehmung
- Doch grade diese widersprüchlichen Interpunktionen sind Auslöser vieler Beziehungskonflikte
- W. geht davon aus, das Interpunktionskonflikte mit der tief verwurzelten und meist unerschütterlichen Überzeugung zu tun haben, dass es nur eine Wirklichkeit gibt: die Welt wie ich sie sehe. Und das jede Auffassung, die von meiner abweicht, ein Beweis für die Irrationalität des Betreffenden oder seine böswillige Verdrehung der Tatsachen ist
- Entgegen der subjektiven Wahrnehmung der einzelnen Kommunikationsteilnehmer hat menschliche Interaktion weder einen Anfang noch ein Ende: sie ist vielmehr kreisförmig: die Frage nach den Ursachen demnach müßig: denn hier ist jedes Verhalten Ursache und Wirkung
- Die unterschiedliche Interpunktion eines Kommunikationsablaufes führt zwangsläufig zu sich wiederholenden Verhaltensfolgen: gegenseitige Beschuldigungen und Schuldzuweisungen halten diesen interaktiven Kreisprozess aufrecht und hindern an der Lösung des Konflikts
- Wir sehen Konflikte im Alltag als linear an und gehen von einfachen Ursache-Wirkungs-Beziehungen aus, daher kommt es zu diesen Problemen

[...]

Details

Seiten
7
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668072060
ISBN (Buch)
9783668072077
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v308568
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
Schlagworte
kommunikationsmodelle paul watzlawick überblick

Autor

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