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Bill Gates: Digitales Business - im Konflikt mit der Soziologie von Marx und Engels

von Stephan Enzinger (Autor) Christina Bäck (Autor)

Seminararbeit 2000 24 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Wissenswertes über den Autor

Einleitung

Digitale Nervensysteme
Papierloses Büro
Autonome Systeme
Reflexe
Koordination

Informationsarbeit & Knowledge Workers

Knowledge Management & IQ des Unternehmens

Internet & E-Commerce

Web Lifestyle

Web Workstyle

Zusammenfassung & Kritik

Soziologie von Marx & Engels

Quellenangaben & Literaturverzeichnis

WISSENSWERTES ÜBER DEN AUTOR

Bill Gates wurde am 28. Oktober 1955 geboren. Schon mit 13 Jahren programmierte er Computer-Software. 1973 begann Bill Gates sein Studium an der Universität von Harvard, wo er seinen Freund, den jetzigen Microsoft-Geschäftsführer Steve Ballmer kennenlernte. Während seiner Harvard-Zeit begann Gates bereits mit der Entwicklung der BASIC-Programmiersprache für den damals ersten Computer, den MITS-Altair. Diese Arbeit veranlasst Gates dazu, 1977 Harvard zu verlassen, um seine ganze Zeit und Aufmerksamkeit seiner Idee von "einem Computer auf jedem Schreibtisch und in jedem Haushalt" zu widmen. Zu Beginn der achtziger Jahre machte gates aus Microsoft, das sich damals noch mit Computerprogrammiersprachen beschäftigte, eine vielseitige Softwarefirma. Dieser Übergang wurde mit der Einführung von MS-DOS eingeleitet, dem Betriebssystem für den neuen IBM-Personalcomputer 1981. Gates führte mit Microsoft auch Information technology and business are becoming inextricably interwoven.

Anwendungssoftware wie das Textverarbeitungsprogramm Microsoft Word ein.

Zusätzlich zu seiner Passion für Computer ist Gates an der Biotechnologie interessiert. Gates gründete unter anderem die Corbis Corporation, die sich als bedeutendes Unternehmen in der Stock-Fotografie-Branche etabliert hat. Auch Teledesic, eine Organisation, die sich mit der bidirektionalen Breitbandübertragung durch Satelliten auseinandersetzt, gehört zu einer seiner Investitionen. Bill Gates und seine Frau Melinda Gates haben ihre Bemühungen auf Innovationen in der Ausbildung, in der Technologie und in der Weltgesundheit fokussiert. Sie haben mehr als sechs Milliarden Dollar in die Unterstützung von Projekten mit diesem Thema eingebracht.1

Am 14. Januar 2000 kündigte Bill Gates seinen Rücktritt vom Posten des Vorstandsvorsitzenden (CEO) an. Nachfolger wird sein geschäftsführender Vizepräsident für Verkauf und Marketing, Steve Ballmer. Gates, der weiterhin als Präsident des Unternehmens amtieren wird, will künftig als leitender Softwarearchitekt fungieren: "Ich kehre zu dem zurück, was ich am meisten liebe: mich auf Zukunftstechnologien zu konzentrieren."2

EINLEITUNG

Die Gesellschaft erlebt seit einigen Jahren einen radikalen Wandel. Der Trend geht weg vom Streben nach Qualität oder nach Umstrukturierung,

wie sie in den 80er und 90er Jahren postuliert wurden, vielmehr stehen heute das Optimieren der Geschwindigkeit von Arbeitsprozessen und das Vereinfachen des Zuganges zu Informationen im Vordergrund. Neue Technologien wie Internet, e-mail, Datenbanken und standardisierte Informationssysteme führen nicht nur zu Veränderungen in der Arbeitswelt, sondern leiten, ähnlich der industriellen Revolution, tiefgreifende Reformen im sozialen Leben ein. Die Businesswelt wird sich in den nächsten zehn Jahren stärker verändern als dies in den letzten 50 Jahren der Fall war.3

Business is going to change more in the next ten years than it has in the last fifty. Bill Gates

Wie die neuen digitalen Medien, die einen effizienten information flow erst Information Flow möglich machen, und warum dieser so unerlässlich für eine erfolgreiche Geschäftstätigkeit ist, illustriert Bill Gates in seinem Bestseller „Business @ The Speed Of Thought - Using A Digital Nervous System“. Etliche praktische Beispiele zeigen den Erfolg der Strategie des Einsatzes sogenannter digitaler Nervensysteme im Geschäftsleben. Das Internet verstärkt die von Gates beschriebenen Trends, erleichtert den Kontakt mit dem Kunden und verkürzt die erforderliche Reaktionszeit des Unternehmens noch mehr. Reaktionszeit Die Digitalisierung hält in allen Bereichen des modernen Lebens Einzug, Digitalisierung digitale Museen, Bibliotheken, Nachschlagewerke oder Multimedia-CD- ROMs sind bereits gang und gäbe. Erst durch das Portieren analoger Daten wie Zahlen, Texte, Töne oder Bilder in digitale Form werden solche Anwendungen realisierbar. Im Gegensatz zu papiergebundenen Medien zeigen sich die Vorteile des Bereitstellens von Informationen in bitorientierter Form vor allem in der einfacheren Inanspruchnahme auf der Empfängerseite, außer einem Endgerät wie dem PC und einem Internetzugang sind meistens keine weiteren Kriterien zu erfüllen, um Einblick in die Informationen zu erlangen. Während bei einer gedruckten Publikation eine große Anzahl von Exemplaren angefertigt werden müssen, genügt es, Inhalte in digitaler Form einmalig im Internet zu veröffentlichen. Doch die Digitalisierung übt nicht nur großen Einfluss auf den Lebensstil des privaten Endbenutzers aus, auch und vor allem Unternehmen können und müssen die neue Informationstechnologie adaptieren, um im modernen Markt des e-Business mit anderen Firmen konkurrieren zu können.

In einem Unternehmen werden täglich eine unüberschaubare Menge an Daten gesammelt. Um das Ziel des Unternehmens, den ungenutzten Datenschatz zu heben, zu erreichen, ist vor allem schneller und komfortabler Zugriff auf die Daten, die in digitaler Form in Datenbanken vorhanden sein müssen, notwendig. Erreichen kann man eine möglichst rasante und effiziente Kommunikation und Verteilung von Daten, Informationen und Aufgaben vorrangig durch die Installation eines sogenannten digitalen Nervensystems.

DIGITALE NERVENSYSTEME

Im Zeitalter des Information-Overflow ist es für ein Unternehmen notwendig, die wichtigsten Kennzahlen und Meldungen im Auge zu behalten, um auf etwaige Veränderungen in Echtzeit, von Bill Gates als „@ the Speed of Thought“ tituliert, reagieren zu können. Die digitale Infrastruktur ist in Aufbau und Funktionsweise dem menschlichen Nervensystem nachempfunden. Das digitale Nervensystem sorgt für einen einheitlichen Informationsfluss zur richtigen Zeit an die richtige Stelle innerhalb einer Organisation. Es stellt eine Verbindung der neuesten Personal-Computer, dem Internet und moderner Kommunikationstechnologie dar und unterscheidet sich von einem reinen Computernetzwerk dadurch, dass es seinen Benutzern unmittelbar genaue und vielfältige Informationen liefert.4

PAPIERLOSES BÜRO

Als einen wichtigen Entwicklungsschritt auf dem Weg zum digitalen Nervensystem erwähnt Bill Gates die Idee des papierlosen Büros, das auf die langsame und unflexible Arbeit mit Papieren und gedruckten Formularen verzichtet und vollelektronisch funktioniert. In fast allen Büros stehen Personal Computer, die durch Netzwerke untereinander und mit dem Internet verbunden werden. Trotz dieser wichtigen Voraussetzungen, ein papierloses Büro zu schaffen, verdoppelt sich der Papierverbrauch weiterhin alle vier Jahre. Studien belegen, dass 95% aller Informationen in den Vereinigten Staaten werden in Papierform festgehalten werden, im Vergleich zu gerade 1%, die elektronisch gelagert werden. Die Papierberge wachsen schneller als die digitale Technologie sie eliminieren kann.5 Auch Microsoft als modernes Unternehmen setzt schon seit Jahren auf elektronische Formen der Information und Kommunikation. Beispielsweise stellte der enorme Papierverbrauch, der die Firma zum Entsorgen tausender veralterter Formulare und Verkaufsberichte zwang, nur ein Symptom eines weit größeren Problems dar: die Abläufe in der Verwaltung waren zu zeitintensiv und zu kompliziert. Da jeder Arbeitsplatz bei Microsoft, wie oben erwähnt, über die nötigen technischen Requirements verfügt, wurden Maßnahmen getroffen, Systeme als Ersatz für die Papierberge einzuführen, mit denen man viel leichter arbeiten konnte und die durch elektronische Mittel und e-mail präzisere Methoden darstellten, um Arbeitsabläufe zu rationalisieren. Auch eine Vielzahl an Papierformularen sind, da sie meist eingescannt und mit einem Texterkennungsprogramm vektorisiert werden, bevor sie zur weiteren Verarbeitung in eine Datenbank kommen, eine kontraproduktive Fehlerquelle, die durch direkte Integration der Daten, die durch Erfassung mittels digitaler Formulare schon im elektronischen Format vorliegen, eliminiert werden können und müssen.6

Es ist ernüchternd, (...) in welchem Ausmaß die Geschäftsabläufe von Aktenordnern abhängig gewesen sind. Michael Hammer, James Chompy

Grafische Benutzeroberflächen und bessere Analyse-Tools sowie nicht zuletzt e-mail ermöglichen die Integration von Daten der unterschiedlichsten Form und eine schnelle und zweckorientierte Kommunikation zwischen den einzelnen Organen eines digitalen Nervensystems.

Digitale Nerven überwinden Zeit und Raum, koordinieren ein perfektes Zusammenarbeiten und befähigen zu produktivem und kreativem Schaffen.

Genauso wie die menschlichen Nerven muss auch das digitale Pendant über die wichtigsten, überlebensnotwendigen Grundoperationen, Reflexe und ein koordiniertes Zusammenspiel der einzelnen Komponenten verfügen, damit eine reibungslose Kooperation möglich ist. Jedes Geschäft, ungeachtet welcher Branche, sollte die folgenden Kernbestandteile (Autonome Systeme, Reflexe und Koordination der Muskeln) beinhalten.

AUTONOME SYSTEME

Autonome Systeme sind Operationsprozesse, die in einem Unternehmen unbedingt laufen müssen, wenn es überleben will. Hierzu zählt das Kerngeschäft der Firma, sei es nun die Entwicklung und Herstellung von Produkten oder die Bereitstellung von Dienstleistungen. Auch eine Anzahl von administrativen Verfahren wie zum Beispiel das Rechnungswesen und das Personalwesen gehören zu diesen grundlegenden Operationen, die das Unternehmen im Hintergrund und ununterbrochen durchführen muss.

REFLEXE

Reflexe werden benötigt, um in einer Krise möglichst schnell und adäquat auf ein unerwartetes Ereignis oder auf schlechte Neuigkeiten zu reagieren. Gerade die modernen Kommunikationstechniken ermöglichen es, die Verzögerungen bei einzelnen Prozessen zu minimieren, wodurch rasch Gegenmaßnahmen eingeleitet werden können, um das Ausmaß des Schadens zu minimieren. Schlechte Nachrichten haben höhere Priorität als gute, weswegen sie unbedingt mit der maximalen Geschwindigkeit transferiert werden müssen. Eine entscheidende Eigenschaft eines guten Managers ist, die Entschlossenheit, mit der er auf schlechte Nachrichten reagiert. Er geht ihnen nicht aus dem Weg, sondern sucht nach ihnen. Er will wissen, was falsch läuft, bevor er zur Kenntnis nimmt, was gut läuft. Das Ignorieren der schlechten Nachrichten ist ein Weg in den Niedergang. Man muss sich intensiv mit diesen schlechten Mitteilungen auseinandersetzen, nur so wird man auch Lösungen für zielorientiertes zielorientiertes und schnelles Handeln finden, damit sie sich nicht in den Verkaufszahlen Handeln niederschlagen. Sobald man von einem Problem erfahren hat, muss jeder einzelne Mitarbeiter im Unternehmen aktiv werden. Digitale Nervensysteme fungieren als Frühwarnsystem, indem sie verstreute Einzelinformationen Frühwarnsystem sammeln und zu einem zentralem Gesamtbild zusammenführen. Erst per e-mail ist es möglich, alle Mitarbeiter in kürzester Zeit von schlechten Nachrichten in Kenntnis zu setzen und den ganzen verfügbaren Intellekt eines Unternehmens zu mobilisieren.7

Weiters glätten e-mails die hierarchische Struktur einer Organisation und hierarchische senken die Hemmschwelle der Mitarbeiter, einem hohen Vorgesetzen über Struktur negative Entwicklungen zu berichten oder ihn anderweitig zu kontaktieren. Ein gutes e-mail-System stellt sicher, dass schlechte Botschaften schnell reisen können, aber Mitarbeiter müssen in der Lage sein, dem Vorgesetzten, der selbst konsequent empfänglich für schlechte Nachrichten sein und entsprechend handeln muss, diese Information auch zu schicken. Alte Unternehmensstrukturen und -kulturen, in denen die Palastorganisation verwendet wird, können fraglos ein echtes Hindernis für den reibungslosen Austausch von schlechten Nachrichten darstellen. Manager der mittleren Führungsebene werden zum Handeln veranlasst, anstatt Informationen zu filtern. Auch Bill Gates betont, dass er sich die Zeit nimmt, jede e-mail seiner Mitarbeiter zu lesen und zu bearbeiten. Da ein psychologischer Impuls das Versenden von guten Mitteilungen beim Zusammenbrauen von schlechten Nachrichten bewirkt, wird Bill Gates beim Erhalt einer guten Neuigkeit so skeptisch, dass er mit einer nachfolgenden schlechten Nachricht rechnet.

Die Kunst besteht darin, aus schlechten Botschaften gute zu machen, ein Vorgang, der erreicht wird, indem man negative Botschaften als Anstoß für Veränderungen und konstante Verbesserungen der Produkte ansieht. Unzufriedenheiten und Beschwerden der Kunden müssen in ständigen Feedback-Schleifen abgefragt werden und stellen einen wesentlichen Bestandteil des “product improvements” dar. Elektronische Rückmeldungen “product vom Kunden sollen Unternehmen dazu veranlassen, ständig Design, improvement” Organisation und den Inhalt von Internetseiten zu verbessern und zu verfeinern. Etliche Formulare auf Internetseiten holen automatisch sowohl demographische Daten der Kunden als auch ihre Beurteilung und Meinung über bestimmte Produkte, Dienstleistungen und Services ein.Dem Kunden wird es so leicht wie möglich gemacht, Feedback zu geben. Feedback Man muss sich allen Veränderungen stellen und sich den Kunden öffnen. Digitale Nervensysteme befähigen Unternehmen also dazu, aufgrund von unvorteilhaften Meldungen nicht gleich den Kopf zu verlieren, sondern den Effekt ins Gegenteilige zu verwandeln. Kritik von außen hilft somit, die Produktivität der Firma und die Qualität der Produkte oder Dienstleistungen zu steigern, vorausgesetzt, die Reflexe des digitalen Nervensystems sind vorhanden und werden auch genutzt.

KOORDINATION

Koordination beschreibt das Zusammenspiel der einzelnen Organe und Muskeln des Unternehmens. Daher soll ein digitales Nervensystem nicht nur effektive Kommunikation mit den Kunden und Feedback von Nicht- Mitarbeitern forcieren, auch die Synchronisation innerhalb der Firma ist von großer Bedeutung.

Ein digitales Nervensystem dient zwei vorrangigen Zielen. Zum einen erweitert es die individuellen analytischen Fähigkeiten in der gleichen Art, wie Maschinen physische Fähigkeiten erweitern, indem es Daten sammelt, sie erfasst, statistisch aufbereitet, und Einsicht aus verschiedenen Blickwinkeln gewährt. Zum anderen fungiert es als Verbindung der individuellen Kraft, um eine institutionelle Intelligenz und die gemeinsame Fähigkeit zum Handeln zu schaffen.8

Unbeantwortet bleibt die Frage des kontinuierlichen Arbeitsplatzabbaues durch das Nervensystem, zwar können sicherlich viele Mitarbeiter ihre Arbeitskraft kreativeren Aufgaben widmen, ein Großteil der Arbeitsplätze wird jedoch der Rationalisierung der Arbeitsprozesse und des Workflow zum Opfer fallen. Andererseits fungieren die neuen technischen Möglichkeiten laut einer Aussage von Edward Strasser, Internetprojektleiter des Österreichischen Institutes für Telekommunikation, und allen voran das World Wide Web als Job-Motor und damit als Quelle vieler neuartiger Berufsbilder, deren Potential noch lange nicht ausgeschöpft werden wird.9

Zusammenfassend versucht ein digitales Nervensystem also zugunsten des Kunden aus individuellen Vorzügen korporative zu machen.

[...]


1 http://www.speed-of-thought.com/looking/about.html, 14. März 2000

2 Microsoft Encarta 2000 Plus

3 Gates, Bill: Digitales Business - Wettbewerb im Informationszeitalter, 1. Auflage, Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München 1999, Seite 13

4 Gates, Bill: Digitales Business, Seite 15

5 ebenda, Seite 60

6 Gates, Bill: Digitales Business, Seite 68ff.

7 Gates, Bill: Digitales Business, Seite 182

8 Gates, Bill: Digitales Business, Seite 42f.

9 Kreuzinger, Nina: Dem Internet gehört die Zukunft - In: News Zukunft, Sonderheft 10/2000, Seite 138

Details

Seiten
24
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638118651
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v3090
Institution / Hochschule
Fachhochschule Oberösterreich Standort Hagenberg – Studiengang Medientechnik und -design
Note
Sehr gut
Schlagworte
Bill Gates Digitales Business Marx Engels

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