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Lidl & Co. Woher kommen die billigen Preise?

Hausarbeit 2015 21 Seiten

VWL - Mikroökonomie, allgemein

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 ORGANISATIONEN IM BEREICH ARBEITSBEDINGUNGEN

3 FALLSTUDIE LIDL - KLEIDUNG
3.1 ARBEITSBEDINGUNGEN IN DER BILLIG-KLEIDUNGSINDUSTRIE
3.2 BANGLADESCH
3.3 ARBEITSRECHT IN BANGLADESCH
3.4 ARBEITSBEDINGUNGEN
3.5 DIE GÜNSTIGEN PREISE
3.6 FAZIT KLEIDUNGSINDUSTRIE
3.7 FAZIT

4 DAS IMAGEPROBLEM DER UNTERNEHMEN
4.1 WAS BEDEUTET IMAGE?
4.2 WERBUNG IN DER KRITIK
4.3 VORGEHENSWEISEN VON DEN UNTERNEHMEN GEGEN DAS SCHLECHTE IMAGE
4.4 FAZIT

5 WARUM KAUFEN WIR TROTZDEM BEI LIDL UND CO.?

6 GESAMTFAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 Einleitung

Das Thema der vorliegenden Fallstudie „Arbeitsbedingungen: Lidl & Co.: Wo kommen die billigen Preise her?“ ist im Alltag allgegenwärtig. Wer kennt sie nicht, die prägnanten Slogans und Werbespots weltweit bekannter Unternehmen wie Aldi und Lidl und Co., die in der Öffentlichkeit Reinheit und Professionalität suggerieren? Sie alle repräsentieren auf den ersten Blick Ideale wie Qualität und Fairness und überzeugen die Kunden mit ihrer vermarkteten Geschäftspolitik. Doch wie sieht die Realität hinter den Kulissen der großen Labels aus?

Um diese Frage zu beantworten, befasst sich diese Fallstudie im Folgenden mit den Arbeitsbedingungen von Zuliefererbetrieben verschiedener international agierender Marken. Das Hauptaugenmerk dieser Untersuchungen liegt auf den gezahlten Löhnen und den Konditionen in den Produktionsstätten.

Anhand des Beispiels des Unternehmens LIDL, repräsentativ für weitere DumpingKetten, die Zuliefererbedingungen im Bereich der Discounter thematisiert. Da die Arbeitsrechte in den Produktionsländern nicht selten in globaler Kritik stehen, wird sich des Weiteren mit der Thematik von Gewerkschaftsgründungen beschäftigt. Negative Presse veranlasst außerdem die Unternehmen zu gezielter Werbung gegen Antiwerbung, die an gegebener Stelle näher betrachtet wird.

Schließlich stellt sich die Frage, was die Kunden dazu bewegt in Discountern einkaufen zu gehen, obwohl die Vermutung nahe liegt, dass die günstigen Preise aus mangelhaften Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern resultieren. Anhand dieser umfassenden Untersuchungen wird es möglich schlussendlich die Frage zu beantworten: Wo kommen die günstigen Preise her?

2 Organisationen im Bereich Arbeitsbedingungen

An dieser Stelle werden nun Organisationen in ihren Funktionen, sowie deren Absichten und Ziele erläutert, da diese im weiteren Verlauf der Hausarbeit immer wieder erwähnt werden. Obwohl viele Hersteller damit werben Mitglied in zumindest einer dieser „Überwachungsinstanzen“ im Bereich der Arbeitsbedingungen zu sein, so fehlt vielen Organisationen, beziehungsweise Zusammenschlüssen, die nötige Transparenz und Durchschlagskraft um Qualitätsnachweise für den Kunden liefern zu können.

Die International Labour Organization (ILO)1 ist der wohl bekannteste und einflussreichste Verband der sich mit der Thematik der Arbeitsbedingungen beschäftigt. Es handelt sich hierbei um „eine Sonderorganisation der Vereinigten Nationen und (…ist…) damit beauftragt, soziale Gerechtigkeit sowie Menschen- und Arbeitsrechte zu befördern.“2 In ihren Richtlinien versucht die ILO eine Quantifizierung von Arbeitsbedingungen zu schaffen. Zu diesen zählen beispielsweise die 48-Stunden-Woche sowie ein existenzsichernder Lohn. Diesem Verbund treten nicht einzelne Konzerne oder Firmen bei, sondern die jeweiligen Produktionsländer, was bisher zirka 120 Ländern getan haben.3 Diese Staaten verpflichten sich durch den Beitritt zu der Umsetzung der Richtlinien und müssen regelmäßig über das geltende Arbeitsrecht und den Arbeitsschutz Bericht erstatten. Im Zuge dessen versucht die ILO den Mitgliedstaaten Hilfestellung zu leisten, an welchen Stellen die Richtlinien besser umgesetzt werden sollten.4 Eine ebenso bedeutende Funktion der ILO sind die in regelmäßigen Abständen publizierten Veröffentlichungen rund um das Thema der Arbeitsbedingungen in Billiglohnindustrien. Aufgrund des ausschließlich freiwilligen Beitritts zur Organisation ist es allerdings schwierig das Zuwiderhandeln gegen Richtlinien mit Sanktionen zu ahnden, wodurch deren Umsetzung (fast) genauso freiwillig bleibt.

Die Business Social Compliance Initiative (BSCI)5 ist ein Zusammenschluss „zur Verbesserung von Arbeitsbedingungen in der globalen Handelskette.“6 Sie verbinden über 700 Firmen in allen Wirtschaftssektoren und produzierenden Ländern.7 Die Idee dieses Verbundes ist der Anstoß zur Selbstkontrolle anhand von Maßzahlen, orientiert an den Richtlinien der ILO. Durch den ebenfalls freiwilligen Beitritt zu dieser Organisation wird versucht möglichst viele Unternehmen auf ein vergleichbares Level an Arbeitsbedingungen zu heben. Dieser Standard soll dann durch die Erfahrung vieler Unternehmen kontinuierlich verbessert werden.8 Trotz dieser einleuchtenden Taktik bleibt ein Restzweifel an der Effektivität bestehen, da sich die Unternehmen selbst kontrollieren. Allein aus dieser Tatsache heraus kann es zu irrationalen Fehlbewertungen kommen, wodurch ein Unternehmen versuchen könnte zu profitieren. Es fehlt an dieser Stelle an neutralen, unabhängigen Instanzen.

Gute Erfolge erzielt in den letzten Jahren die Fair Wear Foundation (FWF)9 mit ihrem Sitz in Amsterdam. Diese Organisation ist eine international anerkannte, unabhängige Initiative zur Überprüfung von Arbeitsstandards.10 Durch den freiwilligen Beitritt eines Textil- oder Kleidungsunternehmens lässt es Vertreter der FWF seine eigenen, sowie die Arbeitsbedingungen in den Zuliefererfirmen überprüfen und zertifizieren. Durch diese Überprüfung versucht diese Organisation die Leben der Arbeiter durch bessere Arbeitsbedingungen, wie höhere Löhne oder bessere Arbeitsteilung, zu verbessern. Wie der Name der Organisation bereits verrät, bewegen sich diese Überprüfungen hauptsächlich in den Zuliefererfirmen für die Textil- und Kleidungsindustrie. Durch die unabhängige Kontrolle lässt sich nachhalten, dass Unternehmen, welche der Fair Wear Foundation beigetreten sind auch meist gute Arbeitsbedingungen für ihre Angestellten eingerichtet haben, was das Logo als zusätzliches Werbeinstrument, und somit die ganze Initiative, sowohl für Kunden, als auch für Unternehmen sehr attraktiv macht. Durch diesen beidseitigen Nutzen hat es die FWF geschafft in den letzten Jahren zu einer bedeutenden Organisation für bessere Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie zu werden und gute Erfolge zu erzielen.

Eine andere Art und Weise das Problem der schlechten Arbeitsbedingungen anzugehen versucht die Clean Clothes Campaign (CCC)11 zu realisieren. Diese Kampagne versucht durch hauptsächlich Öffentlichkeitsarbeit das Thema in die Gedanken der Menschen zu rücken. Aus diesem Grund publizieren sie viele Erfahrungsberichte von Mitgliedern welche die Problemzonen besucht haben. Des Weiteren lässt sich diese Organisation immer wieder Aktionen einfallen, welche für Aufmerksamkeit sorgen, beispielsweise eine Art Fackellauf für adäquate Arbeitsbedingungen. Diese beispielhafte Aktion ist natürlich eine Nachempfindung des olympischen Fackellaufs und durch die Sommer-Olympiade 2012 in London natürlich sehr zeitgemäß.12

Wie alleine an dieser kurzen Zusammenstellung zu sehen ist, gibt es einige unterschiedliche Organisationen welche sich mit dem Thema der Arbeitsbedingungen, vornehmlich in Dritte-Welt-Ländern beschäftigen. Auch durch die harte und andauernde Arbeit, so unterschiedlich sie von Organisation zu Organisation auch sein mag, ist man mittlerweile auf dem jetzigen Standard an Produktionsbedingungen. Kaum auszumalen wie diese ohne den Einsatz der Institutionen aussehen würden.

3 Fallstudie Lidl - Kleidung

Wer heute einen Discounter wie Lidl, Aldi und Co. Betritt, kann die Werbetafeln der Dauer-Niedrig-Preise kaum ignorieren. Überall werden unvorstellbar günstige Verkaufspreise für Gemüse und Textilien angepriesen; Werbeslogans wie „Lidl lohnt sich“13 sind aus Anzeigeblättern nicht mehr wegzudenken. Doch wer profitiert am Ende tatsächlich von der Firmenpolitik der Discounter? Im folgenden Abschnitt gilt es herauszuarbeiten wie sich das Vertriebskonzept der Unternehmen gestaltet, sodass schlussendlich die Frage beantwortet werden kann: „Wo kommen die billigen Preise her?“

In der Öffentlichkeit wird nicht selten die Hypothese vertreten, dass die niedrigen Verkaufspreise aus geringen Löhnen in den Produktionsländern resultieren. Diese Annahme gilt es im Folgenden anhand des Beispiels Lidl auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Hierzu wird die Ausarbeitung im Teilbereiche der Textilzuliefererindustrie Bangladeschs untersucht.

3.1 Arbeitsbedingungen in der Billig-Kleidungsindustrie

Deutsche Discounter wie Lidl, Aldi und Co. schaffen es oft unfassbar günstige Preise für Aktionswaren wie Kleidung aufzurufen. Viele Menschen fragen sich nicht wie diese Preise zustande kommen, sondern nutzen das günstige Angebot. Was aber steckt hinter diesen Produkten? Wie und vor allem von wem, zu welchen Bedingungen, werden sie hergestellt? Diesen Fragen gilt es im folgenden Abschnitt auf den Grund zu gehen und zu untersuchen, ob es den Zulieferern besser gehen müsste. Abschließend gilt es zu summieren, wie die günstigen Preise zustande kommen.

Die Herstellung der mehr als preiswerten Kleidungsstücke erfolgt zu großen Teilen in Bangladesch, weshalb sich dieser Teil der Fallstudie auf die Arbeitsbedingungen in den Zuliefererfirmen Bangladeschs bezieht.

3.2 Bangladesch

Die Volksrepublik Bangladesch ist ein relativ kleines Land in Süd-Asien, welches mit seiner Fläche, die rund ein Drittel Deutschlands beträgt, zwischen Burma und Indien liegt. In dieser kleinen Region rund um die Hauptstadt Dhaka leben allerdings 161 Millionen Menschen, was ungefähr das Doppelte der Einwohnerzahl Deutschlands ist. Nur sieben Länder weltweit haben mehr Einwohner. Charakteristisch für Bangladesch ist das tropische Klima Süd-Asiens in dem zu größten Teilen flachen Land. Das geschätzte Bruttoinlandsprodukt der Volksrepublik liegt bei zirka 282.5 Milliarden US-Dollar. Im Vergleich bedeutet dies Platz 44 weltweit. Aufgrund der großen Anzahl von Bengalen überrascht es nicht, dass sich das Bruttoinlandsprodukt auf sehr viele Menschen verteilt. Insgesamt sollen in Bangladesch mehr als 75 Millionen Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, was dem Staat einen regen Austausch mit umliegenden Ländern ermöglicht. Ungefähr 45% dieser Arbeitskräfte arbeiten in der Landwirtschaft und 30% in der Industrie, wodurch die wichtige Stellung der (Kleidungs-)Industrie in dem Land dargestellt wird.14 Immerhin gilt Bangladesch als zweitgrößter Textilproduzent der Welt hinter China.15 Die offizielle Arbeitslosenquote lag 2011 bei ungefähr 5%, wobei ungefähr 40% der Bevölkerung unterbeschäftigt sind, was bedeutet, dass sie nur wenige Stunden in der Woche zu sehr niedrigen Gehältern arbeiten. Bangladesch erwirtschaftete 2011 geschätzte Exporteinnahmen von knapp 24 Milliarden US-Dollar, wobei die größten Abnehmer die Vereinigten Staaten von Amerika (22.1%) und Deutschland (14.1%) sind. Die Exportprodukte sind hauptsächlich Kleidungsstücke sowie auch ein Teil Nahrungsmittel. Der Export Bangladeschs ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen.16

Aus dieser kurzen Zusammenfassung der aktuellen Daten zu Bangladesch ist bereits abzuleiten, warum dieses Land einen so attraktiven Handelspartner für Deutschland darstellt. Zum einen gibt es dort einen massiven Überhang an Arbeitskräften, was sinkende Löhne und somit auch niedrigere Preise mit sich bringt. Der große Anteil an Kleidungsstücken bei den Exportgütern zeigt deutlich, dass Bangladesch in ihrer Produktion, und somit auch in ihrer Industrie, abhängig von ihren Auftragsgebern ist. Diese Zusammensetzung zeigt deutlich wie es möglich ist günstige Preise in Bangladesch zu erzielen. Die hauptsächlich sehr geringen Löhne sind vermutlich das Resultat der immer enger angezogenen Preisschraube. Die Arbeiter als schwächstes Glied der Produktionskette haben keine Ansprüche auf irgendwelche Rechte, da jegliche Anspruchshaltung sofortige Konsequenzen nach sich ziehen kann und wird.

3.3 Arbeitsrecht in Bangladesch

Obwohl die Volksrepublik Bangladesch Mitglied der International Labour Organisation ist, bedeutet dies nicht, dass auch alle Richtlinien dieser Non- Governmental-Institution auch umgesetzt wurden. Trotz der staatlichen Bemühungen um die faire Behandlung von Angestellten in den Industrien Bangladeschs gibt es eine große Anzahl erpresserischer und krimineller Organisationen, welche Angst und Schrecken unter den Arbeitern verbreiten.

[...]


1 Im Folgenden wird die Abkürzung verwendet

2 Wikipedia: Internationale Arbeitsorganisation

3 Katzenberger, Paul 2010

4 International Labour Organisation: Homepage

5 Im Folgenden wird die Abkürzung verwendet

6 Business Social Compliance Initiative: Homepage (eigene Übersetzung)

7 Business Social Compliance Initiative: Homepage

8 Business Social Compliance Initiative: Prinzipien

9 Im Folgenden wird die Abkürzung verwendet

10 Fair Wear Foundation: Homepage

11 Im Folgenden wird die Abkürzung verwendet

12 Clean-Clothes-Campaign: Homepage

13 LIDL Homepage

14 CIA-Factbook: Bangladesch

15 Katzenberger, Paul 2010

16 CIA-Factbook: Bangladesch

Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668082526
ISBN (Buch)
9783668082533
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v309917
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
2
Schlagworte
Lidl VWL Uni Betriebswirt

Autor

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