Lade Inhalt...

Wie bewerte ich einen Aufsatz? Auf der Suche nach gerechten Beurteilungsverfahren

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 24 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitende Worte .... 2
1.1 Einführung .... 3
1.2 Was ist unter dem Begriff „Aufsatz“ zu verstehen? .... 4

2. Leistungsmessung und Leistungsbeurteilung .... 5

3. Bezugsnormen .... 6

4. Die klassischen Aufsatzkriterien .... 8

5. Drei Gütekriterien zur Leistungsmessung .... 9

6. Beurteilungsverfahren ... 10
6.1 Mehrfachbeurteilung nach globalem Ersteindruck ... 10
6.2 Der Vergleich anhand einer Textkollektion .... 10
6.3 Der Einsatz von Kriterienkatalogen .... 11
6.3.1 Zürcher Textanalyseraster .... 12
6.3.2 Linguoskop Schreiben .... 12
6.4 Portfolioarbeit (Das Anlegen von Schreibmappen) .... 14
6.5 Benotung durch künstliche Intelligenz .... 16

7. Resümee .... 17
7.1 Auswertung der einzelnen Bewertungsverfahren ... 17
7.2 Mein persönliches Fazit ... 19

8. Literaturverzeichnis ... 21

1.Einleitende Worte

In dieser Hausarbeit befasse ich mich mit dem breitgefächerten Themengebiet der Aufsatzbeurteilung in der Schule. Da mir dieses Aufgabengebiet als angehende Lehrerin einer Grundschule noch bevorstehen wird und ich es nur passiv aus der Schülerperspektive wahrgenommen habe, möchte ich mir persönlich erste Einblicke in das Thema gewähren und lasse Sie, lieber Leser, daran teilhaben. Ich halte die Aufsatzbeurteilung für einen wichtigen Faktor im Deutschunterricht, da das Beurteilen eines Aufsatzes durch ein gerechtes, faires und leicht anwendbares Verfahren, sowohl dem Schüler, als auch dem Lehrer Aufschluss über das bisherige Können geben kann und so gegebenenfalls Fördermaßnahmen für Schüler ergriffen werden können. Der Autor Oswald Beck bezeichnet die Aufsatzbeurteilung als die ,,wohl schwierigste und zugleich verantwortungsvollste Aufgabe im Rahmen der Aufsatzarbeit.“1 Doch wie bewertet man fair und gewissenhaft, sodass die Leistung des Schülers gemessen und anhand einer Note festgehalten werden kann? Welche Kriterien spielen dabei eine wichtige Rolle? In der Theorie würde man sagen, dass ein Lehrer objektiv, zurückhaltend und nur das korrigieren soll, was als falsch bezeichnet werden kann, wie z.B. die Rechtschreibung eines Wortes oder das Tempus eines Verbs.2 Mit diesen kritischen Fragen und Überlegungen bin ich nicht alleine, denn viele Kritiker vor mir haben sich mit dem Thema der Aufsatzbeurteilung befasst. Dabei wird besonders die Herangehensweise der Aufsatzbeurteilung an den Pranger gestellt. Bereits 1925 erkannte W. O. Döring3, dass eine Lehrkraft zu unterschiedlichen Zeiten bei der Bewertung des ein und denselben Textes zwischen verschiedenen Notengraden schwanke.4 Dabei ist zu folgern, dass nicht bloß viele verschiedene Aspiranten bei der Beurteilung schwanken, sondern auch ein einziger Aspirant zu unterschiedlichen Zeiten dazu neigen kann.5 Auch Gottfried Schröter6 fand in einer Untersuchung heraus, dass nicht nur bei Lehrkräften vage Berechnungen der Noten festzustellen sind, sondern auch gegensätzliche Kommentare in den Beurteilungen zu lesen sind.7 In den 60er Jahren geriet das Problem der Aufsatzbeurteilung in Wallungen und Kritiker regten mit Verbesserungsvorschlägen an.8 Eine Beurteilung bezieht sich immer auf Beurteilungskriterien die für jede Lehrkraft individuell bestimmt werden.9 Deshalb ist es wichtig ein universelles Bewertungssystem zu finden, welches einen geeigneten Satz von Kriterien beinhaltet, der sich bei allen Aufsätzen gleich anwenden lässt10 und „über den sich alle Beurteiler wegen seiner sachlichen Notwendigkeit leicht einigen könn[t]en.“11

1.1 Einführung

Der Schwerpunkt meiner Hausarbeit liegt auf den von mir ausgewählten Beurteilungsverfahren, die von Lehrkräften angewandt werden bzw. angewandt werden könnten. Sie werden von mir analysiert, um letztlich im Resümee festhalten zu können, welches dieser als besonders geeignet und sicher gesehen werden kann. Doch um einen Schüleraufsatz erst einmal mithilfe eines Beurteilungsverfahren beurteilen zu können, sollte der Aspirant prüfen, „welchem Beurteilungstyp er angehört.“12 Als Lehrkraft möchte man gerecht handeln und seinen Schülern Wissen und Techniken bezüglich des Schreibens vermitteln, das sie in ihrer zukünftigen Schullaufbahn gebrauchen werden. Dass dieses Thema nicht leicht zu händigen und kritisch betrachtet wird, sollte ehemaligen Schülern und Lehrkräften bestens bekannt sein. Um die einzelnen Verfahren mit ihren Kriterien verstehen zu können, müssen wir zunächst verinnerlichen, wie der Begriff „Aufsatz“ zu erläutern ist. Die Voraussetzung damit eine Aufsatzbeurteilung stattfinden kann, liegt in den Vorgängen des Messens, Beurteilens und Bewertens. Sie unterscheiden sich in ihrer Vorgehensweise, sind dennoch abhängig voneinander. Noch bevor eine Bewertung stattfindet, ist zu entscheiden, welche Norm zu wählen ist. Dabei kann unter der subjektiven, der interpersonalen und der objektiven Norm unterschieden werden. Näheres dazu erfahren Sie im Laufe dieser Ausarbeitung. Um die klassischen Aufsatzkriterien Inhalt, Aufbau und Sprache nicht aus den Augen zu verlieren, werde ich mich hier auf sie beziehen. Sie reichen bis in die Rhetorik der Antike zurück und sind fester Bestandteil der Aufsatzkriterien.13 Sie legen fest wie ein Text inhaltlich und syntaktisch aufgebaut ist. In dem darauffolgenden Abschnitt werden die Gütekriterien aufgelistet, die zu einer verallgemeinerten Leistungsmessung beitragen

sollen, damit ein Verfahren als möglichst gerecht, sachlich und genau betrachtet werden kann. Es folgen die bereits erwähnten Beurteilungsverfahren. Diese habe ich mit Bedacht ausgewählt. Zunächst handelt es sich bei der Mehrfachbeurteilung nach globalem Ersteindruck, dem Vergleich anhand einer Textkollektion und dem Einsatz von Kriterienkatalogen um die ältesten und bekanntesten Verfahren. Dabei gehen aus den Kriterienkatalogen zwei weitere Abspaltungen hervor: Das Zürcher Textanalyseraster und das Linguoskop Schreiben sind als eine Art Schablone zu sehen, die vorgegebene Kriterien beinhaltet und sich in der Theorie auf sämtliche Texte übertragen lassen soll. Dennoch möchte ich es nicht bei Altbewährtem belassen und ziehe neuere, teils noch nicht (in Deutschland) ausgereifte Verfahren hinzu, um das Gebiet der Aufsatzbeurteilung breiter zu fächern. Diese sind die Portfolioarbeit und die Benotung durch künstliche Intelligenz in Form eines elektronischen Programms.

1.2 Was ist unter dem Begriff „Aufsatz“ zu verstehen?

Konrad Duden definiert den Begriff Aufsatz14 als eine Niederschrift zu einem „bestimmten Thema unter Berücksichtigung bestimmter formaler und stilistischer Prinzipien“15, folglich im Deutschunterricht.16 Der Aufsatz gilt als Prozess des schriftsprachlichen Gestaltungsaktes, in dem der Schreiber Stellung zu einem ihm aufgegebenen Sachverhalt nimmt17 oder eine „Information erarbeitet oder weitergibt“18. Das sich daraus resultierende Ergebnis sollte sach- und gegenstandsangemessen sein, inhaltlich umfassend und gedanklich geordnet, um anschließend bewertet werden zu können.19 Damit eine Aufsatzbeurteilung gerecht verlaufen kann, sollten die Schüler noch vor Beginn der Schreibaufgabe über die Aufgaben- und Zielstellung informiert sein.20 Als Voraussetzung gilt demnach, die Zielkriterien für den anstehenden Aufsatz zu definieren und für die Schüler offen darzulegen.21 Doch bevor ein Urteil bezüglich der Aufsatzbeurteilung gefällt werden kann, erfolgen die Schritte des Messens22 und des Beurteilens.22 Um genauer auf die Begriffe » „Messen“, „Beurteilen“ und „Bewerten“ «23 eingehen zu können, möchte ich einmal offenlegen, wie der Begriff Leistung24 zu definieren ist.

2. Leistungsmessung und Leistungsbeurteilung

Allgemein wird darunter „die in bestimmter Zeit verrichtete Arbeit, auch das dadurch geschaffene Arbeitsergebnis“25 verstanden und ist sowohl ohne ein Bezugsfeld inhaltlich nicht definierbar als auch in pädagogischer Hinsicht nicht exakt messbar.26 Demnach steht der Lehrkraft eine große Bewerkstelligung bevor, die sie in drei Schritten vollzieht.27 Der erste Schritt bezieht sich auf » „das Messen“ beziehungsweise „exakte Schätzen“ «28 des bisherigen Leitungsstandes der Schüler.29 Positive und negative Merkmale werden im Text objektiv aufgegriffen und gewichtet.30 Dabei sollte immer derselbe Maßstab gewählt werden, um die Ergebnisse verschiedener Texte nicht zu verfälschen.31 Eine Verbalbeurteilung kann dem Schüler Aufschluss geben über Defizite oder Ursachen seiner Fehlerleistung.32 Das „Beurteilen“33 ist stark auf den Schüler gerichtet, da dies der wesentliche Teil im Vorgang der Aufsatzbeurteilung ist.34 Es handelt sich dabei um die eigentliche pädagogische Maßnahme, die den Schüler über seine Defizite und Fehler aufklärt.35 Sie liegt in einer verbalen Form vor oder kann in einem Dialog zwischen Lehrkraft und Schüler erfolgen.36 Der Prozess des Beurteilens kann in zwei Kategorien klassifiziert werden.37 Sie kann die Funktion des Förderns erfüllen, wie bereits im Satz zuvor beschrieben und dient dem Schüler als Rückmeldung.38 Durch die fördernde Beurteilung gewinnt der Lehrer an Erfahrung in Bezug auf das Einschätzen von Schülerleistungen und kann gegebenenfalls eine bessere Unterrichtsplanung durchführen, damit Kompetenzen besser gefördert werden können und im nach hinein

Aufsatzbewertungen ein besseres Ergebnis erzielen.39 Sie kann bereits vor dem Entwurf eines Textes oder bei der Überarbeitung angewandt werden.40 Jürgen Baurmann41 sieht diese Art der Beurteilung als „Kern aller Beurteilungen“42, da sie entscheidend zur Besserung von Schülerkompetenzen und Lehrstrategien führen kann.43 Die zweite Kategorie des Beurteilens gilt als die bewertend-prüfende44, die ebenfalls Aufschluss über erreichte Kompetenzen gibt und nach Ende des Schreibens der Schüler erfolgt.45 Der dritte und letzte Schritt, „das Bewerten, Zensieren oder Benoten“46, ist ein schwerer Schritt für den Reflektant, da dieser über die zu fällende Note entscheiden muss.47 Die Einordnung erfolgt durch ein angelegtes Wertsystem, in der Regel eine Punkte- oder Notenskala.48

3.Bezugsnormen

Wenn eine Bewertung stattfindet, findet diese nur in Bezug einer Norm statt.49 Diese Norm legt genau fest, was als positiv oder negativ zu bewerten ist.50 Dabei ist zwischen drei Bezugsnormen zu differenzieren.51 Die „subjektive“52, auch als „intrapersonale“53 oder „intrasubjektive Norm“54 zu bezeichnen, beinhaltet die Leistungsfortschritte, welche unter Berücksichtigung von bisherigen Leistungen benotet werden.55 Mit dieser Norm wird man einzelnen Schülern gerecht, weil man an bereits bewertete Leistungen anknüpfen kann.56 Dennoch kann nach dieser Norm kein Benotungsmodell aufgebaut werden, da es bezüglich unbekannten Schülern, deren frühere Leistungsnachweise nicht gegeben sind, zu ungerechten Bewertungen führen würde.57

[...]


1 zitiert nach Beck in Weber 1973, S. 35
2 vgl. Lehmann 1951, S. 40
3 Woldemar Oskar Döring (* 24. Oktober 1880 in Leipzig; † 20. September 1948 in Lübeck) war ein deutscher Philosoph, Psychologe und Jurist. Wikipedia 2014
4 vgl. Wagner 1995, S. 22
5 vgl. ebd. S. 22f.
6 Gottfried Schröter (* 17. Dezember 1925 in Rädchen, Kreis Glogau) ist ein deutscher Lehrer, Zensurenforscher und Professor für Pädagogik. Wurde 1988 an der Universität pensioniert. Wikipedia 2014
7 vgl. Wagner 1995, S. 23
8 vgl. ebd.
9 vgl. ebd.
10 vgl. ebd.
11 ebd.
12 Weber 1973, S.18
13 vgl. Baurmann 2006, S. 131
14 Beck 1979, S. 41 Hervorh. d. Verf.
15 Duden 2013
16 vgl. Duden 2013
17 vgl. Beck/ Hofen 2003, S. 6
18 ebd.
19 ebd.
20 vgl. Beck, Oswald 1979, S. 42
21 vgl. ebd.
22 vgl. Beck 1979, S.59 Hervorh. d. Verf.
23 Beck 1979, S. 59f. [sic]
24 Hervorh. d. Verf.
25 Duden 2013
26 vgl. Beck 1979, S. 57
27 vgl. Beck 1979, S. 59
28 ebd.[sic]
29 vgl. ebd.
30 vgl. ebd.
31 vgl. ebd.
32 ebd.
33 ebd. [sic]
34 vgl. ebd.
35 vgl. ebd.
36 vgl. ebd.
37 vgl. Fix 2006, S. 188
38 vgl. ebd.
39 vgl. Fix 2006, S. 189
40 vgl. ebd.
41 Didaktiker der deutschen Sprache und Literatur an der Bergischen Universität in Wuppertal. (Buchrücken von Schreiben – Überarbeiten – Beurteilen 2006)
42 zitiert nach Baurmann in Fix 2006, S.189
43 vgl. ebd.
44 vgl. ebd.
45 vgl. ebd.
46 Beck 1979, S. 60 [sic]
47 vgl. ebd.
48 vgl.ebd.
49 vgl. Sacher 2009, S. 87
50 vgl. ebd.
51 vgl. Beck 1979, S. 60
52 ebd. [sic]
53 ebd. [sic]
54 Beck 1974, S.13 [sic]
55 vgl. Beck 1979, S. 60
56 vgl. ebd.
57 vgl. Beck 1979, S.61

Details

Seiten
24
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668088214
ISBN (Buch)
9783668088221
Dateigröße
983 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310026
Note
1,5
Schlagworte
Deutsch Bewertung Noten Klassenarbeiten Ungerechte Noten gerechte Bewertungen Hausarbeit im Studium Aufsatz Unfaire Noten

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Wie bewerte ich einen Aufsatz? Auf der Suche nach gerechten Beurteilungsverfahren