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Sport und Apartheid in Südafrika

Die Rolle des Sports vor, während und nach der Apartheid

Hausarbeit 2015 21 Seiten

Sport - Sportgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2 Fundament der Apartheid - Entstehung des Rassismus in Südafrika

3 Von Unterdrückung zur Isolation - Der Weg zum Sportboykott
3.1 Die Rolle des Schulsports
3.2 Der Sportboykott

4 Der Weg zu einer neuen Identität – Das neue Gesicht des südafrikanischen Sports

5 Zusammenfassung

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Am 11. Juni 2010 begann in Südafrika die 17. Fußballweltmeisterschaft, die erste auf dem afrikanischen Kontinent. Vor 85.000 Zuschauern im Soccer City-Stadion von Johannesburg traf die südafrikanische Mannschaft auf die Auswahl Mexikos. In der 55. Spielminute machte sich die Nummer acht Südafrikas mit dem Ball am Fuß auf Geschichte zu schreiben „Und jetzt geht’s los. Da ist Tshabalala. Und er macht das Tor. Tshabalala macht das Tor für Südafrika. Bafana, Bafana führt im Eröffnungsspiel gegen Mexiko.“ (YouTube.com) Dieses Tor eröffnete die Weltmeisterschaft 2010, ein Turnier, das ein halbes Jahrhundert zuvor in Südafrika undenkbar gewesen wäre. Diese Fußballweltmeisterschaft ging als Meilenstein in die jüngere Sportgeschichte Südafrikas ein, eine Geschichte die mehrere Jahrzehnte nur durch den Begriff „Apartheid“ definiert werden konnte Apartheid prägte die südafrikanische Nachkriegsgeschichte und zog sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche des kulturellen Lebens. Die weiß-europäische Regierung Südafrikas etablierte eine staatlich organisierte Rassentrennung, die fortan alle Aspekte der Kultur bestimmte.

Dem Sport wurde dabei eine besondere Rolle zuteil. Er wurde zum zentralen Druckmittel, um international auf die Missstände aufmerksam zu machen und instrumentalisiert, um das Feuer des Aufbruchs gegen die Rassenpolitik der südafrikanischen Regierung zu entfachen.

Diese Arbeit zeigt die zwiespältige Rolle des Sports sowohl als Sprachrohr für Gegner der Rassentrennung, als auch als Instrument ihrer Befürworter. Dadurch wurde Sport zunächst zu einem Spiegelbild allgemeiner politischer Entwicklung und wandelte sich mit anhaltender Dauer der Apartheid immer mehr zum gesellschaftlich aussagekräftigen Apparat, der in der Lage war eigene Akzente gegen diese Art der Unterdrückung zu setzen.

Das zweite Kapitel behandelt die Anfänge des südafrikanischen Rassismus in der Kolonialzeit. Diese führte nach der Unabhängigkeit zur Apartheid und in ihr spielte Sport nur eine untergeordnete Rolle.

Im dritten Kapitel folgt eine Darstellung der politischen Strömungen des aparten Südafrika in der Nachkriegszeit. Die politischen Strömungen ließen den Sport von einem vernachlässigten Kulturaspekt zu einem Instrument des Widerstands werden, der schließlich im Sportboykott seinen Höhepunkt fand und somit zur sportlichen Isolation des Landes führte. Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit Südafrikas Weg aus der Apartheid, der mit Hilfe des Sports zur Fußballweltmeisterschaft 2010 führte und das neue Südafrika international vollends rehabilitieren sollte.

2 Fundament der Apartheid - Entstehung des Rassismus in Südafrika

Obwohl Apartheid erst nach dem Krieg gesetzlich verankert wurde, war die Rassentrennung in der Praxis bereits seit mehreren Jahrzehnten aktiv. Daher kann man auch im Kontext des Sports den Beginn der Rassenideologie und die Legitimation ebendieser nicht ignorieren.

Mit der Eröffnung eines Standpunkts durch die Vereenigde Ostindische Compagnie1 zur Verproviantierung von Schiffen und zur Versorgung erkrankter Reisender um 1652, waren die ersten Schritte der Kolonialisierung am Kap der Guten Hoffnung getan.

Obwohl diese Kolonie des niederländischen Königreichs nicht auf Basis einer rassistischen Gesellschaft errichtet wurde, waren erste Tendenzen bereits zu Beginn erkennbar. So war es zum Beispiel nur Personal der Kompanie vorbehalten Land zu besitzen. Außerdem wurden auf Anordnung der VOC Zentrale schwarze Sklaven nur aus anderen Kolonien wie Madagaskar importiert und die ansässige schwarze Bevölkerung als nicht angemessen bezeichnet. Des Weiteren verzichtete man darauf wirtschaftliche oder politische Möglichkeiten für Schwarze2 zu kreieren, egal ob diese nun Sklaven waren oder nicht. Dadurch, dass sich die schwarze Bevölkerung der Region in kleinen Gruppierungen (Sklaven, Nicht-Sklaven, Gemischt Rassige) aufteilte, war es ihnen kaum möglich sich zu mobilisieren oder gar politisch zu organisieren. Bereits hier kam es also zu einer aktiven Rassentrennung, die das Selbstverständnis einer europäischen Überlegenheit vermittelte. (vgl. Giliomee & Elphik 1979, 371-377) Durch die Expansion der Landwirtschaft nordwärts, die einhergehende Versklavung der dort ansässigen Khoikhoi und die steigende Nachfrage nach Arbeitskräften, erhöhten sich die Zahlen der schwarzen Arbeiter und Sklaven am Kap rapide. Gleichzeitig war die Zuwanderung neuer Siedler aus den Niederlanden gering im Vergleich zu anderen Kolonien wie z.B. in Amerika. Die ansässigen burischen3 Farmer sahen durch diese Entwicklung ihre Vormachtstellung bedroht. Daher gab die Regierung am Kap 1794 bekannt, dass kein Sklave „may jostle or otherwise behave in an ill-disposed way towards a European even if he was of the meanest rank.“ (Giliomee & Elphik 1979, 542).

Die zahlenmäßige Überlegenheit schürte dabei nicht nur die Angst vor Aufständen, sondern auch vor rassenübergreifenden Beziehungen und der einhergehenden sogenannten Bastardisierung der Kolonie. Um einer solchen Entwicklung vorzubeugen, sah sich die Kolonieführung gezwungen die Rassentrennung zu forcieren. 1765 verabschiedete man daher erste aktiv-diskriminierende Gesetze, die es freien schwarzen Frauen u.a. verbot Kleidung zu tragen, die denen der burischen Frauen ähnelten. (vgl. Giliomee & Elphik 1979, 542) Es folgten Gesetze, die das Tragen eines Passes zur Identifizierung vorschrieben. Diese Ausweispflicht existierte bereits ab 1708 für Schwarze auf den Arbeitsfeldern, wurde aber 1790 ausgeweitet auf Farbige, die die Stadt verlassen wollten (vgl. Giliomee & Elphik 1979, 382).

Begünstigt durch die von Treckburen4 initiierten Aufstände gegenüber der VOC, nutzte Großbritannien diese, um sich 1806 die Kontrolle über das Kap zu sichern. 1815 wurde die Abtretung der Region an das britische Königreich auf dem Wiener Kongress offiziell. Durch die Übernahme der Briten änderte sich auch die Rassenpolitik. So wurden Khoikhoi vor Sklaverei bewahrt und Arbeiter durften Beschwerden gegen Vorgesetzte einreichen. Nichtsdestotrotz wurde diese Freiheit eingeschränkt, indem Khoikhoi gesetzlich als landlose Arbeiter galten und bei Kontrollen Pässe von Arbeitgebern oder Beamten vorzeigen mussten. Großbritannien schien die Grundprinzipien der niederländischen Rassentrennung fortzusetzen, wenn auch mit lockerer Hand. (vgl. Giliomee & Elphik 1979, 382) Dies änderte sich mit Ende des Sklavenhandels 1807 und der Befreiung aller Sklaven 1833. Dass es sich hierbei nicht um eine wirkliche Befreiung handelte, wurde besonders durch die 1828 einsetzende Ordinance 50 deutlich. Obwohl diese die Rechtsgleichheit aller Einwohner proklamierte, wurden mehrerer Gesetze erlassen, die diese wieder außer Kraft setzten. Trotzdem zeigten die Briten, getrieben von der europäischen Idee der Aufklärung, Interesse an einer politischen und kulturellen Weiterentwicklung der als unzivilisiert geltenden Welt der Khoikhois. Ziel war es, dieses afrikanische Ureinwohner Volk in eigene kulturelle Abläufe zu integrieren und sie somit zu zivilisieren. Auch Sport spielte dabei eine entscheidende Rolle. Britische Offiziere führten Sport in der Kap Region ein und 1808 gab es bereits das erste Kricket Spiel zwischen einer Militärauswahl und einer Mannschaft von Einwohnern. (vgl. Van der Merwe 1988, 29-30)

Allerdings waren solche Spiele nicht gleichzusetzen mit Homogenität der Rassen. Vielmehr handelte es sich um informelle Veranstaltungen, die Ausnahmen vom normalen Ablauf des sozialen Lebens bedeuteten. (vgl. Booth 1998, 13-14) Die Privilegien, die die Zivilisierungsmission der Briten mit sich brachte, wurden schließlich unter der einsetzenden Industrialisierung der Kap Region begraben. Diese führte zu einer Arbeiter-Problematik, die sich schnell zu einer Ureinwohner-Problematik entwickelte. Die Führung der südafrikanischen Kolonie sah die Lösung für mangelnde Arbeitskräfte in der Rekrutierung der Einheimischen. Sklaverei war jedoch verboten, also zwangen politische Maßnahmen, wie Steuerforderungen für Behausungen und Regularien, die unabhängigen Tagelöhner in die Arbeit. Stand der Beginn der britischen Kolonialherrschaft noch im Kontrast zu viktorianischen Prinzipien, brachte die voranschreitende Industrialisierung rassistische Ideologie und Segregation zurück ins Rampenlicht. (vgl. Booth 1998, 15)

Anders als die Gleichberechtigung der Rassen, erlangte Sport gegen Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr Aufmerksamkeit in der Kap Region. Südafrika wurde Gründungsmitglied für das International Rugby Board in 1890 und den Imperial Cricket Council 1909. Obwohl Sport von vielen Regierungen als Bindeglied zwischen den Klassen proklamiert wurde, waren damit in erster Linie reiche und arme Weiße gemeint. Sozialdarwinismus verhinderte aber den Sport zwischen den Rassen, da eine Niederlage im Sport gleichbedeutend einer Niederlage der weißen Herrschaftsrasse gewesen wäre. (vgl. Booth 1998, 19)

Auf dieser Grundlage verweigerte man 1885 in mehreren Provinzen Schwarzen den Zutritt zu öffentlichen Sportplätzen. Ein Beispiel für erste gezielte Diskriminierung eines Athleten war der Kricket Spieler Krom Hendricks, der von einer Reise der südafrikanischen Auswahl nach England ausgeschlossen wurde. (vgl. Booth 1998, 21)

1903 rief die Regierung die South African Native Affairs Commission ins Leben, die eine politische Richtlinie für den zukünftigen Umgang mit den eingeborenen Rassen entwerfen sollte. Diese kam zu dem Ergebnis, dass territoriale Trennung in Form von Reservaten, Gesetze zur Bewegungseinschränkung und separate politische Institutionen5 für Schwarze dringend notwendig sein. Dieser Bericht diente folgenden südafrikanischen Regierungen als Blaupause für ihre Rassenpolitik. Die Vorschläge wurden in den folgenden Jahrzehnten Stück für Stück in Gesetze umgewandelt, wie z.B. der Native Land Act von 1913 und der Natives Urban Area Act von 1923. (vgl. Booth 1998, 21)

Dabei war diese Art der Rassendiskriminierung in erster Linie der Versuch die vier bestehenden Kolonien am Kap unter einer politischen Agenda zu vereinen. Denn obwohl man sich zuvor in den Burenkriegen erbitterte Kämpfe um Territorien geliefert hatte, so entdeckte man nach der Eingliederung der Burenrepubliken in die britischen Kolonien 19026 schnell den gemeinsamen Nenner, nämlich die sozialdarwinistische Fahne der überlegenen weißen Rasse weiter hoch zu halten. (vgl. Booth 1998, 20)

1910 wurden alle Teile der britischen Kolonialkolonie zur selbstregierenden Südafrikanischen Union unter der South African Party des ersten Premierministers Louis Botha vereint, wobei Spannungen zwischen Buren und Briten bestehen blieben. Aus ebendiesen Spannungen ging die Nationalen Partei hervor, die die Überlegenheit der weißen Afrikaaner gegenüber der Schwarzen propagierte und eine besondere Rolle während der Apartheid spielen sollte. (vgl. Booth 1998, 20)

Diese Einstellung begründete man mit dem wissenschaftlichen Gebiet der sozialen Anthropologie, in dem Wissenschaftler sich mit der Frage nach dem Zusammenleben verschiedener Rassen beschäftigten. Ein Ergebnis war die Theorie, dass die räumliche Trennung von Schwarzen und Weißen auch dem Schutz afrikanischer Kulturen diene und somit nicht ein „black European, but a better native, with ideas and a culture of his own“ (Booth 1998, 22) werden würde.

Liberale nutzten diese Theorie und gründeten insgesamt 26 Einrichtungen deren Ziel es war, die Annäherung der Farbigen an europäische Kultur unter Berücksichtigung und Prävention ihrer eigenen afrikanischen Lebensart zu erreichen. Auch Sport kam dabei eine wichtige Rolle zuteil. Ein Beispiel war die Gründung des Bantu Sports Club in Johannesburg. Hier fanden u.a. Fußballspiele zwischen Weißen und Schwarzen statt. Trotzdem hatten diese Veranstaltungen wenig Wettkampfcharakter und noch weniger Bezug zur rassistischen Realität. Dies wurde besonders deutlich bei Betrachtung von Profiwettkämpfen. So rieten z.B. südafrikanische Offizielle vor einem Rugby Spiel von Südafrika gegen Neuseeland, dass das neuseeländische Team auf ihren Vize-Kapitän Nathaniel ‚Ranji‘ Wilson aufgrund seiner dunklen Hautfarbe verzichten solle. (vgl. Booth 1998, 23)

[...]


1 Im Folgenden als VOC abgekürzt.

2 Im Folgenden wird der Begriff „Schwarzer“ und „Farbiger“ gleichbedeutend verwendet, obwohl Farbiger während der Apartheid auch Inder und andere Ethnizitäten einschloss. Im Fokus dieser Arbeit steht aber eindeutig der Sport schwarzer Südafrikaner. Es bleibt zu beachten, dass diese Begriffe nicht politisch korrekt sind, sondern zur Zeit der Apartheid geprägt wurden und somit in dieser Arbeit Verwendung finden.

3 Als Buren (von afrikaans: Boere, wörtlich Bauern), in ihrer Sprache Afrikaaner, veraltet Kapholländer oder Weißafrikaner, werden etwa seit Ende des 18. Jahrhunderts die Afrikaans sprechenden europäisch stämmigen Einwohner Südafrikas und Namibias bezeichnet.

4 Treckburen waren autark lebende halbnomadische Bauern, die auf der Suche nach ertragreicherem Ackerland zu Trecks in das östliche Landesinnere aufbrachen, um bessere Weidegründe zu finden, und andererseits dem Regime der Niederländischen Ostindien-Kompanie auf dem Kap zu entgehen.

5 Diese Institutionen waren nicht dafür vorgesehen von Schwarzen geführt zu werden. Vielmehr sollten diese weiße Repräsentanten wählen, die ihre Interessen in der Regierung vertreten sollten.

6 Der Oranje-Freistaat und die Südafrikanische Republik wurden in die britischen Kolonien Oranjefluss-Kolonie und Transvaal umgewandelt. Afrikaaner erhielten alle Rechte britischer Staatsbürger.

Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668083615
ISBN (Buch)
9783668083622
Dateigröße
423 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310037
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover – Institut für Sportwissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
Sport Apartheid Südafrika Weltmeisterschaft 2010 Sportboykott Mandela

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Titel: Sport und Apartheid in Südafrika