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Temporal Value Asymmetry und die indirekte Kompensation von Ereignissen

Was es uns wert ist, dem Nachbarn beim Umzug zu helfen

Praktikumsbericht / -arbeit 2010 7 Seiten

Psychologie - Kognitive Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Zusammenfassung

2 Einleitung

3 Methoden
a) Stichprobe
b) Materialien
c) Versuchsablauf
d) Design

4 Ergebnisse

5 Diskussion

6 Literaturverzeichnis

1 Zusammenfassung

Caruso, Gilbert und Wilson (2008) postulierten in „A Wrinkle in Time“ das Vorhandensein einer Temporal Value Asymmetry (TVA). Damit meinten sie den Umstand, dass zukünftige Ereignisse eine stärkere Bewertung bei Versuchspersonen auslösen als vergangene im gleichen Abstand zur Gegenwart und dass diese zukünftigen Ereignisse auch stärker kompensiert werden. Als Erklärung hierfür benennen sie eine unbewusste stärkere affektive Reaktion in der Zukunftsbedingung ausgehend von einem verstärkten Handlungsimpuls bezüglich zukünftiger Ereignisse. Die Autoren wiesen die TVA für Fälle direkter Kompensation nach. Die Hypothese unseres im Rahmen des Experimentalpraktikums durchgeführten Experiments sagte das Auftreten der TVA auch für Situationen indirekter Kompensation voraus. Um die Fragestellung zu untersuchen, führten wir eine schriftliche Befragung unter Psychologiestudenten durch, die sich vorstellen sollten, jemand habe die Reifen ihres Autos zerstochen und sie sollten dem Täter Sozialstunden zuweisen. Entsprechend der TVA-Theorie gingen wir davon aus, dass die Versuchspersonen in der Zukunftsbedingung mehr Sozialstunden vergeben würden. Die Datenauswertung bestätigte die Hypothese nicht, es wurde keine TVA für unser Experiment gefunden. Die Frage ist, ob sich dies aus der Konzeption unserer Untersuchung ergeben hat, oder ob es sich um einen neuen Befund handelt. Möglicherweise ist die indirekte Kompensation von Ereignissen nicht affektiv vermittelt oder löst keinen Affekt aus. Um die Frage klären zu können, wird am Ende der Interpretation der Ergebnisse ein Vorschlag zur Konzeption weiterer Forschung gegeben.

2 Einleitung

„Vorfreude ist die schönste Freude!“ - Das Sprichwort kennt jeder und weiß, dass diese alltagspsychologische Feststellung auch oftmals zutrifft. Wie Caruso, Gilbert und Wilson (2008) in einem ihrer Experimente zum Thema „A Wrinkle in Time“ feststellten, ist diese Annahme auch empirisch überprüfbar: Studenten waren bereit, mehr für die Verlängerung zukünftiger Ferien zu bezahlen als für vergangene. Das hinter der Annahme vom „Knick in der Zeit“ stehende theoretische Modell wird als Temporal Value Asymmetry (TVA) bezeichnet. Caruso et al. (2008) verstehen darunter die Tendenz, zukünftige Begebenheiten anders zu bewerten als vergangene. Sowohl die Bewertung zukünftiger als auch vergangener Ereignisse nimmt mit dem Abstand zur Gegenwart ab, jedoch schneller bei vergangenen Ereignissen. So entsteht eine asymmetrische Bewertungsstruktur, die in einer erhöhten Wichtigkeit zukünftiger Ereignisse für den Bewertenden zum Ausdruck kommt.

Die Autoren untersuchten jedoch nicht nur die Auswirkungen der TVA auf reale Ereignisse, sondern ließen ihre Versuchspersonen (VPn) sich Situationen vorstellen, in denen sie sich oder andere mit Sachleistungen für eine Begebenheit in Zukunft oder Vergangenheit belohnen sollten. Beispielsweise sollten sie sich vorstellen, sie würden einem Nachbarn beim Umzug helfen und könnten sich dafür eine Belohnung aussuchen. Wie vermutet sprachen sich die VPn eine höhere Belohnung zu, wenn das vorgestellte Ereignis in der Zukunft stattfinden sollte. Auch wenn andere kompensiert werden sollten, zum Beispiel bei der Zuweisung von Schmerzensgeld für ein Opfer eines Verkehrsunfalls, trafen die Voraussagen der TVA zu: die Kompensation fiel in der Zukunftsbedingung höher aus.

Für das Auftreten der TVA bieten sich verschiedene Erklärungen an, die von Caruso et al. (2008) postuliert wurden. Zunächst ist es möglich, dass eine rationale Bewertung des Geschehenen erfolgt. Erstens ist Wissen über die Zukunft immer unsicherer als Wissen über die Vergangenheit und die TVA könnte eine Möglichkeit sein, diese Unwissenheit auszugleichen. Zweitens können Entscheidungen, die in der Gegenwart getroffen werden, die Zukunft noch beeinflussen, die Vergangenheit jedoch nicht mehr. Die dritte, von Caruso et al. (2008) favorisierte Erklärung ist rational nicht zugänglich. Sie besagt, dass reale oder vorgestellte zukünftige Ereignisse einen größeren Handlungsimpuls als vergangene Ereignisse und damit eine affektive Reaktion auslösen, die die VPn zukünftige Ereignisse überkompensieren lässt, ohne sich dessen bewusst zu sein. Der Affekt wird von der VPn also wahrgenommen und als interne Information darüber ausgewertet, wie die Situation, die ihn ausgelöst hat, zu bewerten ist. Evidenz für diese Erklärung kann in der Beobachtung gesehen werden, dass sich die TVA nur im Vergleich zwischen VPn (Between-Subjects-Design) und nicht innerhalb einer Versuchsperson (Within-Subjects-Design) zeigt.

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Details

Seiten
7
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668090675
ISBN (Buch)
9783668090682
Dateigröße
531 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310111
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Psychologisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
Temporal Value Asymmetrie Kompensation Moral

Autor

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Titel: Temporal Value Asymmetry und die indirekte Kompensation von Ereignissen