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Eignet sich die Satire als Mittel der Vergangenheitsbewältigung? Analyse des Films „Schtonk!“

Seminararbeit 2014 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Satire und Komik
2.1 Grundlegendes zur Satire
2.2 Grundlegende Komiktheorien mit Bezug zur Satire

3. Die Darstellung der Geschehnisse um die gefälschten Hitler-Tagebücher mittels der Satire am Filmbeispiel „Schtonk!“
3.1 Historische Umstände
3.2 Analyse der Darstellung der Geschehnisse anhand von Filmausschnitten
3.3 Wirkungsweise: Satire als Mittel der Vergangenheitsbewältigung?

4. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die nachfolgende Hausarbeit befasst sich mit der Frage, ob sich die Satire als Mittel der Vergangenheitsbewältigung eignet. Die Klärung der Frage bezieht sich auf das Filmbeispiel „Schtonk!“. Die Bezeichnung Vergangenheitsbewältigung wurde hierbei bewusst gewählt, da sie zum einen durch ihre Konnotation eine Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit andeutet und zum anderen die Folge eines Tabubruchs darstellt. Beides trifft auf den Inhalt des Films „Schtonk!“ zu. Die von Helmut Dietl produzierte Realsatire beschäftigt sich mit der Thematik der gefälschten Hitler-Tagebücher und deren Veröffentlichung im Magazin „Stern“. Der Film, dessen Drehbuch von Helmut Dietl und Ulrich Limmer stammt, erschien 1992, neun Jahre nach dem vom Magazin „Stern“ verursachten Medienskandal. Die Wahl des Titels „Schtonk!“ steht nicht in direkter Verbindung mit der Jahrhundertfälschung. Viel mehr ist das Wort als eine Hommage an Charlie Chaplin gedacht, dessen Lieblings- und Kunstausdruck in der Hitlerparodie „Der Große Diktator“ „Schtonk“ war. Zusätzlich ist es eine Variation vom Wort Schtunk, was jiddisch ist und übersetzt „Eine riesengroße Sauerei“ bedeutet, was man wiederum auf das Ereignis übertragen könnte.[1] Die Hausarbeit unterliegt einer Gliederung, die für den ersten Teil eine Beschäftigung mit den grundlegenden Theorien zur Satire vorsieht. Hierfür gilt es herauszuarbeiten, was Satire überhaupt bedeutet, wie sie auftritt und welche Funktionen sie übernimmt. Zusätzlich werden die grundlegenden Komiktheorien nach Knop aufgeführt und überdies auf die Satire übertragen. Auch wird angeschnitten, ob sich die Satire von der sonstigen Comedy abgrenzen lässt.

Da es sich beim Filmbeispiel, um die Bewältigung eines in der Vergangenheit stattgefundenen Ereignisses handelt, werden die historischen Umstände in einem eigenen Unterpunkt erläutert. Dies dient als Vergleichsmaterial für die Darstellung der Geschehnisse im Film, sowie als Inhaltsorientierung für den Film. Die zuvor erörterten Theorien finden bei der Analyse bestimmter Filmausschnitte Anwendung. Es geht hierbei um die Darstellung der Ereignisse mittels der Satire. Des Weiteren wird versucht zu begründen, warum etwas komisch erscheint. Der letzte Gliederungspunkt bezieht sich auf die Eingangsfrage, ob sich die Satire als Mittel der Vergangenheitsbewältigung, auf das Filmbeispiel „Schtonk!“bezogen, eignet.

2. Satire und Komik

2.1 Grundlegendes zur Satire

In diesem Abschnitt werden grundlegende Theorien zur Satire aufgeführt. Bei der Klärung der Frage, was Satire überhaupt bedeutet und der damit einhergehenden Beschäftigung mit dem Wortursprung, stellt sich heraus, dass es sich bei dem Forschungsgegenstand zunächst um sehr vieles handeln könnte.

Entlehnt aus 1. satira (älter: satura), zu 1. satura (lanx) 'Allerlei, Gemengsel, Fruchtschüssel', zu 1. satur 'satt, gesättigt, reichlich, Gedichte, die sich mit den verschiedensten alltäglichen, historischen (usw.) Gegenständen ironisierend auseinander setzten. Also ungefähr 'Potpourri'. Adjektiv: satirisch. Täterbezeichnung: Satiriker.[2]

Um diese sehr weitläufige Definition etwas einzugrenzen, wird Bezug auf eine zweite, sich im Laufe der Zeit veränderte, aber nur mäßig eingeschränkte Definition genommen.

Das „Satirische“ meint den Gesamtbereich, der literarischen, bildlichen, filmischen usw. Äußerungen, die moralische Verfehlungen, bestimmte Sitten und Gebräuche, persönliche Eigenheiten, Überzeugungen usw. kritisch, polemisch und spöttisch in der Absicht auf Besserung oder auch lediglich der witzigen Wirkung halber thematisieren.[3]

Zehrer macht die Ungenauigkeit der Definition deutlich, indem er sie wie folgt beschreibt: „Irgendwer benutzt irgendwelche Form um irgendetwas mit irgendeiner Absicht zu thematisieren“[4].

In der Sprachwissenschaft spricht man von der Satire als einen „künstlerischen Kommentar zum Zeitgeschehen“[5], der sowohl Spott, als auch Feindseligkeit beinhalten kann. Dieser „künstlerische Kommentar“ lässt sich, wie die weite Definition und die Erwähnung eines Gesamtbereiches bereits andeutete, nicht auf eine Ausdrucksform reduzieren. So ist diese Art des Komischen viel mehr eine „gesellschaftliche Übereinkunft“[6] als eine Gattung. Der Verweis auf das Zeitgeschehen ist überdies ein Hinweis, dass die Satire der inneren Bedingtheit unterliegt, dass sie zeitgebunden sein sollte, um funktionieren zu können. Es gibt ein Verfallsdatum der Komik, welches eintritt, sobald kein ersichtlicher Bezug und keine innere Verbundenheit zwischen Komikprodukt und Rezipienten mehr vorhanden ist. So lässt sich die Komik auch als ein Zeitdokument, sowie als ein Zeitverweis sehen.[7] Das notwendige Vorhandensein einer inneren Verbundenheit verdeutlicht die große Bedeutung des Rezipienten, da Komik erst durch diesen, wenn er Humor, also „die allgemeine Fähigkeit Komisches wahrzunehmen“[8], besitzt, zu Stande kommen kann. Das Lachen ist wiederum ein Effekt und ein Beweis für das Komische, welches subjektiv wahrgenommen wird. Dies beschreibt auch Schäfers Einschätzung, dass es sich bei der Komik, um ein „bipolares Kontextphänomen“[9] handelt.

Haller versucht einen Unterschied zwischen der Satire und der sonstigen Comedy herauszuarbeiten. Er ist folgender Auffassung:

Comedy dient zur Entlastung. Sie lullt ein und kehrt den Streß des Lebens unter den Teppich aus Plastikzuckerwatte. Glosse und Satire machen genau das Gegenteil: Sie decken auf, sie zeigen den Kaiser ohne Kleidung (...).[10]

Somit werden der Satire gewisse Eigenschaften unterstellt, die bei der Comedy vorrangig nicht aufzufinden sind. Besonders im Feuilleton wird die Satire als eine wertvolle Form des Komischen angesehen. Gemeint sind Eigenschaften wie Politischer Bezug, Kritik, Tiefsinnigkeit und die Infragestellung von Machtverhältnissen. Es wird der Versuch unternommen „mit moralischem Anspruch auf zugespitzte und verzerrte Weise auf Missstände hinzuweisen“[11]. Die Satire dient also als eine Art „Korrekturmechanismus verfestigter und disfunktional gewordener Bindungen“[12]. Oder in Tucholskys Worten ausgedrückt: „Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist: Er will die Welt gut haben, sie ist schlecht, und nun rennt er gegen das Schlechte an.“[13]

Ähnlicher Auffassung ist Heine. Für ihn ist die Satire eine Angriffswaffe.[14]

Die Entfaltung der Wirkungskraft der Satire hängt stark vom Rezipienten ab. Auch bei der sonstigen Comedy gehört immer eine gewisse Denkleistung dazu, eine Pointe zu verstehen. Bei der Satire ist dies jedoch ausgeprägter. Sie verlangt als Voraussetzung Vorwissen und einen kritischen Verstand beim Rezipienten.[15] So wird die scharfe Form der Ironie als die reflektierteste und intelligenteste Form des Komischen beschrieben. Kästner schreibt der Satire zusätzlich noch eine pädagogische Funktion zu, wobei dann davon ausgegangen werden muss, dass bei dem Satiriker ein Wissensvorsprung gegenüber dem Rest der Welt vorherrscht.[16] Zehrer unterteilt die Satire in zwei Gruppen. Zum einen in die Moralsatire (auch Lehr- oder Aufklärungssatire genannt), zum anderen in die Individualsatire. Ersteres strebt „den Erhalt oder eine Verbesserung der Verhältnisse an“[17], also das Zeigen des Kaisers ohne Kleider, da der Satiriker über den Wissensvorsprung verfügt, dass der Kaiser für alle nackt zu sehen ist. Zweiteres dient lediglich dem Ausdruck eines Unbehagens, aber ohne darauf abzuzielen, dass eine Verbesserung folgen muss. Der Satiriker deutet beispielsweise nur an, dass er einen nackten Kaiser hässlich findet.

Schiller nimmt eine Unterteilung unter einem anderen Gesichtspunkt vor. Für ihn gibt es zum einen die spottende, scherzhafte Form und zum anderen eine pathetische, ernsthafte Form der Satire, was also besagt, dass Satire und Komik nicht immer zusammenhängen müssen.[18] So kann eigentlich nur diese zweite Form deutlich von der Comedy abgegrenzt werden.

[...]


[1] http://www.zeit.de/1992/12/ein-schiff-wird-kommen (Aufgerufen am 13.03.15)

[2] Zehrer (2002, S.55). Aus Kluge (1995, S.705).

[3] Brunner & Moritz (1997, S.304-305).

[4] Zehrer (2002, S.56).

[5] Vgl. Stephan (1964, S.11).

[6] Zehrer (2002, S.17).

[7] Vgl. Zehrer (2002, S.10).

[8] Zehrer (2002, S.29).

[9] Zehrer (2002, S.68).

[10] Zehrer (2002, S.5). aus Haller (1999, S.1).

[11] Vgl. Knop (2007, S.45).

[12] Bronacker (2003, S.284).

[13] http://www.sudelblog.de/?p=206 (Aufgerufen am 10.03.15)

[14] Zehrer (2002, S.66).

[15] Vgl. Stephan (1964, S.11).

[16] Zehrer (2002, S.66).

[17] Zehrer (2002, S.67).

[18] Homann (1977, S.92).

Details

Seiten
15
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668084582
ISBN (Buch)
9783668084599
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310178
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,7

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