Lade Inhalt...

Der Burgundische Vertrag unter Kaiser Karl V. Habsburgische Hausmachtspolitik

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 21 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kaiser Karl V
2.1 Kindheit und Jugend
2.2 Aufstieg zum König
2.3 Der Weg zum Kaiser

3 Die Herrschaft Karls V. in den Niederlanden vor dem Burgundischen Vertrag
3.1 Die Beziehung Karl V. zu den Niederlanden
3.2 Seine Hausmachtpolitik

4 Das Zustandekommen des Burgundischen Vertrages im Jahr 1548

5 Die Inhalte des Burgundischen Vertrages

6 Ausblick: Die Bedeutung des Burgundischen Vertrages

7 Zusammenfassung

8 Bibliographie
8.1 Quellenverzeichnis
8.2 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kaiser Karl der V. gehört eindeutig zu den großen Herrschern, die auch weit über dem deutschem Raum bekannt sind. Auf interessante und kuriose Art mit nur 17 Jahren zum König ernannt und zwei Jahre später mit 19 zum Kaiser gewählt. Mit seinem Wahlspruch „ plus ultra “ in die politische Welt einmarschiert machte er recht schnell Bekanntschaften mit einer Fülle von Problemen.[1] Er begegnete diesen Problemen mit guten Beratern und seiner religiösen Ehrfurcht. Einen sehr hohen Stellenwert für ihn hatte die dynastische Politik, bei der er auch sehr erfolgreich war. Unter seiner Herrschaft kam das Haus Habsburg zur seiner ersten großen Machtstellung innerhalb Europas und weitete dies sogar territorial mit Karls Hausmachtpolitik sehr weit aus.[2] Ein typisches Merkmal für die Hausmachtpolitik der Habsburger ist der Burgundische Vertrag von 1548.

Der Burgundische Vertrag wird in der Forschung vor allem im Hinblick auf die Beziehungen zwischen den Niederlanden und dem Heiligen Römischen Reich und der Trennung bzw. Autonomie der Niederlande untersucht. Aber auch in der Hinsicht der Entwicklung des burgundischen Reichskreises und als Beispiel für die Durchsetzung der habsburgischen Hausmachtpolitik stellt sie ein besonders wichtigen Punkt dar, so zum Beispiel bei Johannes Arndt.[3]

In dieser Hausarbeit werden im ersten Kapitel die Geschehnisse verdeutlicht, die der Frage nachgehen soll, wie Karl von Gent mit nur 19 Jahren zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt wurde. Erst dann wird einem klar, in welcher Beziehung er zu den Niederlanden steht und welchen Absichten er folgt.

Des Weiteren werden Karls Intentionen beim Zustandekommen des Burgundischen Vertrages mehr beschrieben. Um jedoch den Sinn hinter seine Vorhaben zu verstehen muss man zuvor einen Einblick über die Situation der Niederlande vor dem Burgundischen Vertrag und das große Interesse an einer mächtigen Hausmachtpolitik gewinnen.

Anschließend wird mit zu Hilfenahme einer Quelle die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Burgundischen Vertrag stattfinden.

Im letzten Kapitel soll ein Ausblick gewährleistet werden, bei dem die Folgen und Auswirkungen des Burgundischen Vertrages auf die territoriale Entwicklung der Niederlande übertragen wird.

2 Kaiser Karl V.

2.1 Kindheit und Jugend

Karl V. wurde schon als Neugeborener mit Titeln und Ehren überhäuft. Er erfuhr ein tiefen Einfluss durch die Ritterliche Tradition, die auch noch dadurch verdeutlich wurde, dass sein Vater ihm noch vor dem ersten Lebensjahr zum Mitglied des Ordens vom Goldenen Vlies schlug und an ihm das Herzogtum Luxemburg abtrat. Er verlor seinen Vater im Alter von sechs Jahren. Seine Mutter Johanna, die später als la Loca (die Wahnsinnige) in die Geschichte eingehen sollte, verkraftete dessen Tod nicht. Ihr Vater Ferdinand übernahm die Vormundschaft, um das Erbe des Karls zu verwalten, der nun Graf von Flandern und Herrscher der Niederlande wurde.[4] Die Gemütssituation seiner Mutter Johanna, die als krank und regierungsunfähig eingestuft wurde, brachte ihm nach dem Tod seines Großvaters Ferdinand auch die Königreiche Spaniens ein, über die er dann mit recht jungen 16 Jahren herrschte.[5] Karl genoss eine sehr gute religiöse und politische Erziehung von namenhaften Persönlichkeiten seiner Zeit. Die religiöse Erziehung ab neun Jahren erhielt er von Adrian von Utrecht, einem gelehrten der burgundischen Geisteswelt, der auch durch seine strenge Frömmigkeit und seine Teilnahme an der Gemeinschaft der Brüder vom gemeinsamen Leben hervorstach und Karls Leben in Form der sogenannten devotio moderna, der Frömmigkeit als Lebenshaltung, enorm beeinflussen sollte. „Diese Frömmigkeit, die das Tagwerk trägt und heiligt, hat Karl offenbar von seinem Lehrer Adrian übernommen. Zum Wesen seiner Religion gehörte die Abneigung gegen dogmatische Formulierungen.“[6]

Sein politischer Erzieher, der ihn in die Sitten und Gebräuche des Hofes einführen sollte, war der Willhems von Croy, Herr von Chièvres und ein Mann aus burgundischem Adel. Dieser beeinflusste Karl V. am nachhaltigsten. Er teilte die Meinung von Karls Vater, Philipp der Schöne, dass eine Anlehnung an Frankreich Vorteile bringen würden. Dies war auch die Meinung des burgundischen Hochadels, dem jedoch die proenglische Initiative der Erzherzogen-Regentin Margarete, der Schwester des Vaters, gegenüber stand.[7] Sie wollte den Einfluss des alt burgundischen Adels vermindern und den Handel mit England stabilisieren.

Chièvres führte nicht nur als Reichskämmerer die Staatsgeschäfte, sondern war auch sehr stark daran interessiert den mit Gesellschaft und Jagd beschäftigten Karl zu vertreten. Der Tod seines Großvaters Ferdinands des Katholischen im Jahre 1516 führte Karl V. zur Wahrnehmung seiner dynastischen und anspruchsvollen Rolle.

2.2 Aufstieg zum König

König Ferdinand, übernahm mit der Abmachung von 1506, der Erklärung von Johanna als einsatzunfähig, die Regentschaft über Spanien und Kastilien.[8] Man weiß, „[...] das der Alte Löwe in Aragon noch eine Ehe einging, nur um noch einen legitimen Erben zu bekommen, dem er Aragon vermachen konnte. Daneben dachte er daran, seinem zweiten Enkel, eben dem Infanten Ferdinand, die spanischen Reiche zuzuwenden, um die Personal-Union zwischen Spanien und Burgund zu hintertreiben, die er schon und deswillen für verderblich hielt, weil er unter Chièvres Einfluss bei Karl die pro-französische Partei für herrschend hielt.“[9] Jedoch starb er im Januar 1516 ohne sein Vorhaben erreicht zu haben. Karl wurde über Nacht König der beiden spanischen Reiche und musste sich nun dem Hofe vorstellen und seine Regentschaft antreten. Zuvor wurde Kardinal Ximenez de Cisneros von Karl mit der Regentschaft beauftragt. Der Bruder von Karl, Erzherzog Ferdinand, der sein Leben in Spanien verbrachte und vom Großvater Ferdinand als heimlicher Nachfolger aufgebaut wurde, sollte Spanien mit der Ankunft Karls verlassen.[10] Dies geschah jedoch in einer Geschlossenheit unter gemeinsamem Einvernehmen.[11] „Denn die Gefahr, daß sich adlige Gruppierungen für den im Lande auf gewachsenen Prinzen und gegen den als landfremd empfundenen neuen König bilden würden, war groß und sollte vermieden werden.“[12]

Noch bevor Karl seine lange Reise nach Spanien antreten konnte, musste er den französischen König Franz I. für ein nicht Angriffsvertrag überzeugen. Er musste sich nämlich sicher gehen, dass es bei seiner Abwesenheit nicht zu einem Angriff kam. Unter diesen Gedanken wurde der vertrag von Noyon abgeschlossen, indem auch ein demütigender Artikel vorhanden war, dass Karl ein jährlichen Tribut von 100.000 Dukaten zu zahlen akzeptierte. Der 17 jährige Karl trat also nun in einer überzeugten Ruhe und Sicherheit seine erste große Reise an, die ihm nach einem Zwischenstopp in England über die See nach Spanien führen sollte.[13]

In Spanien eingetroffen, besuchte er seine in Tordesillas in einer Burg eingesperrte Mutter, die er seit seiner Kindheit nicht mehr gesehen hatte. Wie auch erwähnt, wurde die Mutter Johanna, die nachdem Tod ihres Ehemannes zur Königin von Spanien ernannt wurde, als einsatzunfähig deklariert. Der Großvater Karls hatte die Regentschaft übernommen, den Titel als Königin behielt weiterhin jedoch Johanna, die Wahnsinnige. Also war Hauptgrund der Zusammenkunft in Tordesillas rein politisch.[14] Genauso politisch war das Ausrufen Karls zum neuen König von Spanien. Karl bzw. seine Berater taktierten strategisch und versuchten weder dem Königstitel und die Rechte der Johanna von Kastilien, noch der Gunst der spanischen Adeligen zu schaden. Dies kann man deutlich bei der Messe des verstorbenen Großvaters Ferdinand in Brüssel erkennen. Dieser Akt kann als Staatstreich oder auch als Vereinigung der Iberischen Halbinsel gewertet werden.[15] „Denn während der Messe trat ein Herold vor und rief dreimal in französischer Sprache Folgendes aus, wobei es von großer Wichtigkeit ist, daß in den beiden gedruckten Relationen zwei verschiedene Versionen gebracht werden: Gemäß der kastilischen Fassung rief er ‚der christlichste König Ferdinand ist gestorben’, in der lateinischen Version heißt es ‚Ferdinand der Katholische, König der Spanier, ist gestorben’. Gleichzeitig wurde eine Fahne mit den Wappen der Iberischen Länder zu Boden gesenkt. Nachdem die Fahne wieder aufgerichtet worden war, rief der Herold nach der kastilischen Version ‚Es leben die Katholischen Könige Dona Juana und Don Carlos’, nach der lateinischen Version ‚Es lebe Karl, König der Spanien’ (Hispaniarum).“[16]

[...]


[1] Vgl. Schorn-Schütte 2000, S. 7.

[2] Vgl. Majoros 2000, S. 12.

[3] Vgl. Arndt 1958, S. 32-41.

[4] Vgl. Alvarez 1977, S. 16.

[5] Vgl. Rassow 1963, S.10.

[6] Ebd., S.12.

[7] Vgl. Kohler, Alfred: Karl V. Kaiser, in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 191-211 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118560093.html.

[8] Vgl. Rassow 1963, S. 14.

[9] Ebd.

[10] Vgl. ebd., S. 15.

[11] Vgl. Schorn-Schütte 2000, S. 13.

[12] Ebd., S. 13 f.

[13] Vgl. Alvarez 1977, S. 19 ff.

[14] Vgl. ebd., S. 25.

[15] Vgl. Kohler 1999, S. 57.

[16] Ebd.

Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668087576
ISBN (Buch)
9783668087583
Dateigröße
540 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310324
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen – Historisches Institut
Note
1,8
Schlagworte
Der Burgundische Vertrag Kaiser Karl V. Hausmachstpolitik

Autor

Zurück

Titel: Der Burgundische Vertrag unter Kaiser Karl V. Habsburgische Hausmachtspolitik