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Der Unglaubwürdige. Christian Wulff und sein Umgang mit den Medien

Essay 2012 5 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Der Unglaubwürdige. Christian Wulff und sein Umgang mit den Medien

In der Bundesrepublik Deutschland genießt das Grundrecht „Pressefreiheit“ eine besondere Bedeutung. Jede Verletzung dieses Rechts ist gleichzusetzen mit einer schwerwiegenden Attacke auf die Freiheit der Bundesbürger, unabhängige und überparteiliche Medien sowie das Recht, eine entsprechende Berichterstattung zu erhalten. Diesen Grundsatz verletzte Christian Wulff, seinerzeit Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland und damit erster Mann im Staate. So weitete sich die Diskussion um einen Privatkredit zur Medienaffäre aus. Weiterhin wurde versucht einen Artikel über Wulffs Halbschwester zu unterdrücken. Der Bundespräsident legte mehrmals ein dilettantisches Verhalten und Verhältnis zu den Medien an den Tag, welches zu einem Bruch zwischen ihm, den Köpfen der Berichterstattung sowie der Bundesregierung führte. Aufgrund des Charakters der Medien, die Öffentlichkeit zu informieren, kann argumentiert werden, dass sein Verhalten auch zur Entfremdung mit den Bundesbürgern führte.

Durch die Ausgabe der Bild -Zeitung vom 13. Dezember 2011 wurde bekannt, dass Christian Wulff von Edith Geerkens, einer befreundeten Unternehmergattin, im Oktober 2008 ein Darlehn über eine halbe Million Euro erhalten hatte. Das Geld fand Verwendung in der Finanzierung eines Familienhauses. Bezweifelt wurde unterdessen, dass die geliehene Summe von Edith Geerkens selbst stammte. Vielmehr wurde vermutet, dass ihr Unternehmergatte Egon Geerkens als Kapitalgeber auftrat. Diese geschäftliche Beziehung verschwieg Wulff im Rahmen einer Befragung im niedersächsischen Landtag. Weiterhin wurde der Kredit zu marktunüblichen Konditionen, mit lediglich vier Prozent, verzinst. Die Diskussion um den umstrittenen Kredit weitete sich im Januar 2012 zu einer Medienaffäre um Bundespräsident Christian Wulff aus.

Auslöser für die Medienaffäre war ein Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in der Ausgabe vom 01. Januar 2012. In diesem wurde berichtet, dass Wulff bereits einen Tag vor Veröffentlichung der Kreditaffäre, am 12. Dezember 2011 versucht hatte, die Berichterstattung zu unterbinden. Mit Anrufen bei Kai Diekmann, Chefredakteur der Bild -Zeitung und Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Axel Springer Verlages wollte der Bundespräsident die Publikation der Nachricht verzögern oder gar stoppen, so seine Kritiker, um negativer Publicity vorzubeugen. Der stellvertretende Chefredakteur der Bild -Zeitung, Nikolaus Blome, ist davon überzeugt, dass der Anruf „ganz klar das Ziel hatte, diese Berichterstattung zu unterbinden“ (jok/dpa-AFX/dapd 2012). Wulff und seine Sprecher halten dagegen, dass man mit diesen Anrufen lediglich die Absicht verfolgte, die Berichterstattung um einige Tage zu verschieben, da sich das Staatsoberhaupt derzeit auf einer Auslandsreise befunden hatte. Weiterhin soll Wulff zugesagt haben, den Sachverhalt mittels einer Pressekonferenz aufklären zu wollen. Mit dem bekannt werden dieser Vorgehensweise zog Wulff die mediale Aufmerksamkeit gänzlich auf sich und hat seither eine gestörte Beziehung zu den Medien, insbesondere der Printmedien.

Christian Wulff hat mit seiner taktierenden Vorgehensweise seine Glaubwürdigkeit innerhalb der Bevölkerung aufs Spiel gesetzt und am 17. Februar mit seinem Rücktritt die Konsequenzen für sein Handeln tragen müssen. Betrachtet man, dass Wulff seinerzeit das Amt des Bundespräsidenten inne hatte, so bekommt der Sachverhalt eine weitreichendere Qualität. Im Zuge der Affäre versammelten sich erstmals Bürger zu Demonstration, die den Rücktritt des Bundespräsidenten als Ziel verfolgten. Aussagekräftig wurde dem Bundespräsidenten die Zustimmung entzogen und es sprach sich innerhalb der aufkochenden Debatte oftmals eine Mehrheit für den Rücktritt ihres Staatsoberhauptes aus. Weiterhin rückten im Zeitverlauf zunehmend Politiker und Parteifreunde von der Person Wulff ab und distanzierten sich zunehmend. Bundeskanzlerin Angela Merkel schwieg beharrlich zu den Vorwürfen und vermied die direkte Kontaktaufnahme zu dem, von ihr ins Präsidentenamt gehobenen Christian Wulff.

Mit seiner Umgangsweise hat Wulff dem Amt des Bundespräsidenten den bisher schwersten Schaden in seiner Geschichte zugefügt. Sein Umgang mit den Medien und die versuchte Unterdrückung der Berichterstattung über einen unliebsamen Kredit sind für einen Mann in einer derartigen Position beschämend. Bis zum heutigen Tag herrscht Uneinigkeit darüber, ob Wulff mit seiner Handlung gegen das Grundgesetz verstoßen hat. Dazu kommt, dass die versuchte Medienbeeinflussung bei der Bild -Zeitung nicht den ersten Konflikt zwischen ihm und der Pressefreiheit darstellt. Auch die Zeitung Welt am Sonntag geriet mit einer unliebsamen Geschichte in das Visier der Unterdrückung. Im Sommer 2011 plante die Zeitung einen ausführlichen Bericht über die Familie Wulff. Weiterhin sollte die Öffentlichkeit über Christian Wulffs Halbschwester, Bettina Mertschat-Wulff, informiert werden. Auf Anfragen der Redaktion der Zeitung ließ Wulff über das Bundespräsidialamt mitteilen, dass es keinerlei „Auskünfte und Antworten zu Fragen gebe[...], die Jahrzehnte zurückliegende familiäre Angelegenheit[en] beträfen“ (N.N. 2012). Weiterhin intervenierte Wulff unmittelbar vor der bevorstehenden Veröffentlichung selbst und orderte einen Journalisten „am Samstag wenige Stunden vor Redaktionsschluss ins Schloss Bellevue“ (N.N. 2012). In einem persönlichen Gespräch drohte der Bundespräsident, im Falle einer Veröffentlichung die Zusammenarbeit mit der Zeitung zu beenden und eine Pressekonferenz einzuberufen, um seine Sichtweise darzustellen und der Welt am Sonntag damit entgegenzutreten. Mit dieser Drohung verletzte der Bundespräsident die grundlegenden Strukturen der Pressefreiheit und beschädigte das Verhältnis zwischen seiner Person und den Medien nachhaltig. Zudem empfand der einbestellte Journalist die Unterhaltung „als eisig und sehr heftig“ (N.N. 2012), wie der Chefredakteur der Welt -Gruppe, Jan-Eric Peters berichtete. Zudem unternahm Wulff weitere Schritte, um eine Berichterstattung über seine Halbschwester zu unterdrücken. Auch in diesem Fall wendete er sich an den Vorstandsvorsitzenden der Welt -Gruppe, Johann-Dietrich Wörner (N.N. 2012). Der Artikel wurde, allen versuchten Einflussnahmen durch den Bundespräsidenten zum Trotz, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Schlussendlich haben die Einschüchterungsversuche und die allgemeine Umgangsweise mit den Medien eine breite Debatte innerhalb der Bevölkerung über den Bundespräsidenten und sein Verhalten gegenüber der Presse aufkommen lassen. Diese Debatte bewegte Christian Wulff dazu, am 17. Februar 2012 seinen Rücktritt zu erklären und damit medial von der Bildfläche zu verschwinden. Wulff begründete seinen Schritt wie folgt: „Die Entwicklung der vergangenen Tage und Wochen hat gezeigt, dass [das] Vertrauen [einer breiten Mehrheit der Bevölkerung], und damit meine Wirkungsmöglichkeiten, nachhaltig beeinträchtigt sind“ (Wulff 2012).

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Details

Seiten
5
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668091757
Dateigröße
515 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310501
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
Schlagworte
unglaubwürdige christian wulff umgang medien

Autor

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