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Verschiedene Perspektiven auf Lernauffälligkeiten

Praktikumsbericht / -arbeit 2015 22 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhalt

1. Womit sich diese Arbeit auseinandersetzen will

2. Definitionen

3. Störungen der verschiedenen Wahrnehmungsbereiche

4. Die kindliche Perspektive

5. Die elterliche Perspektive

6. Die schulische Perspektive

7. Die „klassische“, außerschulische Hilfe

8. Behandelnde Perspektiven

9. Ein Lösungsansatz

10. Quellenangaben

1. Womit sich diese Arbeit auseinandersetzen will

In einer Zeit, in der immer mehr Kinder immer früher und immer häufiger wegen schuli- scher Probleme auffällig werden, wobei auch die Arten der Auffälligkeiten immer stärker Variieren, sei es in ihren Ausprägungen oder in ihrer Intensität, scheint es sinnvoll, die Kindern nicht nur als Schüler, Patienten, Klienten oder schlicht als dysfunktional zu be- trachten, als störend und anzupassen, sondern vielmehr als Symptomträger, respektive deren Auffälligkeit als Symptom tiefer sitzender Störungen, denen es sorgfältig auf den Grund zu gehen gilt.

Als problematisch empfinde ich hierbei, dass eben diese Ursachen nicht ohne Weiteres erkennbar sind, wohl aber die Symptome. Und in dem Wunsch, möglichst schnell wieder eine Funktionalität herzustellen, wird all zu schnell diagnostiziert, mediziniert, medikamen- tiert oder therapiert. Betroffene Kinder werden nicht selten regelrecht von Therapieform zu Therapieform geschleppt. Von der Ergo zur Logo, von der Nachhilfe zur Krankengymnas- tik, nur, damit bei ausbleibendem oder zu geringem Erfolg jemand ADHS ruft. Ein Arzt mit Diagnosebereitschaft ist dann schnell gefunden und schon wird „medikamentös einge- stellt“. Das ist natürlich Schwarzmalerei, soll aber hier und da vorgekommen sein…

In dieser Arbeit werde ich den Versuch unternehmen, die unterschiedlichen Sichtweisen auf betroffene Kinder offen zu legen, Symptome und Ursachen in Verbindung zu bringen und so eine mögliche Verbesserung für alle Beteiligten aufzuzeigen. Und natürlich in der Folge die Situation für das Kind zu optimieren...und nicht umgekehrt. Was nicht gleichbe- deutend mit Untätigkeit dem Kind gegenüber sein soll, natürlich sind die verschiedene n Behandlungsformen nicht per se sinnlos, nur sollten sie indiziert sein und gegebenenfalls sinnvoll kombiniert werden.

Dies zu ermöglichen bedeutet für mich neben ausreichender Kommunikation untereinander in erster Linie die Wahrnehmungen der verschiedenen Beteiligten, deren Aufklärung, und das Wissen um jeweils die Position des Anderen.

In einem Wort : die Perspektiven.

2. Definitionen

Um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen und meine weiteren Ausführungen so präzise wie möglich zu machen, halte ich eine Definition der von mir verwendeten Arbeitsbegriffe sowie eine kurze Übersicht über mögliche Störungsbilder für sinnvoll.

Lernen

„...ist eine Veränderung im Erleben und Verhalten eines Individuums, die durch wiederhol- te Erfahrung in der Interaktion mit der Umwelt zustande kommt.“ (Wörterbuch zur Päda- gogik,dtv.)

Abgrenzung Lernauffälligkeiten/ Lernschwierigkeiten/ Lernstörung

Zunächst einmal sind Lernauffälligkeiten generelle Auffälligkeiten im schulbezogenen Alltag des Kindes. Irgendetwas ist nicht, wie es soll, es gibt Rückmeldungen seitens der Schule oder bei den Hausaufgaben kommt es mehr oder weniger Regelmäßig zu Konflikten. In dem Versuch, die Ursachen zu lokalisieren gibt es nun zwei „Großrichtungen“: Der Begriff Lernschwierigkeiten umschreibt temporär, situativ oder reaktiv auftretende Beeinträchtigungen des Lernens oder des Lernverhaltens. Der Begriff Lernstörung hingegen umschreibt, dass der Prozess des Lernens an sich beeinträchtigt ist, d.h. dass die zum Lernen notwendigen Voraussetzungen in irgendeiner Form dauerhaft oder über einen längeren Zeitraum hin ungünstig verändert sind.

Leistungsstörungen

… sind die akuten Folgen länger andauernder Lernstörungen, von Stress und Überforderung und bestimmen, zusammen mit Selbstwert- und Verhaltensstörungen, das Bild einer negativen Lernstruktur.

Lern- und Verhaltensstörungen

...stehen in engem Zusammenhang und sind ein sicherer Indikator dafür, dass eine fort- geschrittene, bzw. chronifizierte Störung mit erheblicher Schädigung des Selbstwertge- fühls vorliegt.

Legasthenie/ Dyslexie

„...Legasthenie (Lese- Rechtschreibschwäche) bezeichnet eine umschriebene Störung im Erlernen der Schriftsprache, die nicht durch eine allgemeine Beeinträchtigung der geisti- gen Entwicklungs-, Milieu- oder Unterrichtsbedingungen erklärt werden kann. Vielmehr ist Legasthenie das Ergebnis von Teilleistungsschwächen der Wahrnehmung, Motorik und/ oder der sensorischen Integration, bei denen es sich um anlagebedingte und/ oder durch eine äußere, schädigende Einwirkungen entstandene Entwicklungsstörung von Teilfunktionen des zentralen Nervensystems handelt.“ (Wissenschaftlicher Beirat des BVL; Hannover)

Dies entspricht im Wesentlichen der Definition der WHO, die seit 1986 die Lese- Rechtschreibschwäche unter dem Begriff Dyslexie in den Katalog der internationalen Klassifikation der Diagnosen (ICD 10) aufgenommen hat.

Dyskalkulie

„Diese Störung besteht in einer umschriebenen Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten, wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie oder Differential- und Integralrechnung benötigt werden“ (ICD 10).

Basale Fähigkeiten/ Voraussetzungen für ungestörtes Lernen

Damit beziehe ich mich auf eine intakte, sensorische Integration, die in der Regel bis zum 8. Lebensjahr abgeschlossen ist.

Sensorische Integrationsstörungen

...haben zur Folge, dass das Gehirn nicht hinreichend in der Lage ist, Sinnesreize/ - ein- drücke zu verarbeiten, zu ordnen und so zu verknüpfen, dass das Kind eine intakte Infor- mation über sich selbst und seine Umwelt erhält. Also ist es auch nicht in der Lage, „sinn- volles“ Verhalten zu erzeugen (d.h. eine dem/ den Reiz/ en entsprechende Reaktion).

Basale Fähigkeiten/Voraussetzungen für ungestörtes Lernen

...sind die grundlegenden Variablen des Lernens, die Betz/Breuninger als den „Fundus der basalen Fähigkeiten“ bezeichnet. Die Entwicklung der kindlichen Wahrnehmung/ sen- sorischen Integration nach J.Ayres benennt diesen Fundus als supra - modale Wahrneh- mungsqualität, d.h. das Zusammenspiel aller Sinne; bzw. komplette, sensorische Integra- tion, z.B. Gleichgewicht - Selbstwahrnehmung - visuelle Wahrnehmung ➙ ermöglicht Le- sen, Denken usw.) Die Entwicklung dieser Fähigkeiten verläuft in einer bestimmten Rei- henfolge, der jeweiligen Nervenreife und den Sinnesangeboten entsprechend. Mit Sinnesangeboten beziehe ich mich auf das spielerische Lernen von Kindern, die eigentlich mit Freude und einem normalerweise sicherem Gefühl für die Wahl ihrer nötigen Sinnesnahrung die erforderlichen Grunderfahrungen sammeln.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grundsätzlich könnte man sagen: Nicht Gehandeltes kann nicht gedacht werden Die Integration der Sinne und das Gehirn

Die verschiedenen Sinneswahrnehmungen unseres Körpers und die Funktion des Orga- nismus können als korrelatives System begriffen werden. Generell unterscheidet man zwei Arten von Systemen, lineare, also geschlossene Systeme und nicht - lineare, offene Systeme, denen auch der menschliche Organismus zugeordnet wird. Diese nicht - linea- ren, offenen Systeme reagieren, im Gegensatz zu den linearen, äußerste sensibel auf ihre Anfangsbedingungen. Schon kleinste Abweichungen in der Bildung der basalen Grundla- gen werden durch Rückkopplung verstärkt und potenzieren so in kürzester Zeit ihre Be- deutung für die Stabilität des gesamten Systems. So können bereits winzige Veränderun- gen der Situation zu unvorhersehbaren Veränderungen führen(→Chaostheorie). Die abgeschlossene, sensorischer Integration ermöglicht also die Korrelation, das Zu- sammenspiel aller Sinne. Dieser Prozess ist automatisiert, also unabhängig von der Intel- ligenz. Eine „schlechte“ sensorische Integration, also eine Störung der Verarbeitung von Empfindungen entzieht dem betroffenen Kind die Option einer sinnvollen Reaktion, was bei der im Regelfall ja normalen Intelligenz zu Frustration führt, was sich wiederum nega- tiv auf die natürliche Motivation zur Interaktion auswirkt.

Eine Anmerkung zu der Entwicklung der Wahrnehmungsintegration

„Sieben oder acht Jahre des Sichbewegens und Spielens sind notwendig, um einem Kind die sensomotorische Fähigkeit zu vermitteln, die als Grundlage für seine intellektuelle, soziale und persönliche Entwicklung dienen kann.“ (Jean Piaget) Ein Kind lernt also in den ersten sieben oder acht Jahren seinen Körper und seine Umwelt kennen, indem ihm alle von aussen einwirkenden Eindrücke eine sinnliche Wahrneh- mungsinformation geben. Dabei benutzt jedes Kind einzelne Entwicklungsstufen ver- gleichbar mit Bausteinen für ein Fundament, auf das es weitere, komplexere Entwick- lungsstufen aufbauen kann. Es ist ständig damit beschäftigt, seine Fähigkeiten zu vervollkommnen und damit höhere, geordnete Funktionen zu entwickeln. Dies geschieht unter anderem dergestalt, das es bestimmte Handlungen immer wieder und solange übt, bis es jedes sensorische und motorische Element, das darin enthalten ist, zu meistern gelernt hat. Man nennt diesen Vorgang auch den Prozess der Organisation, d.h. das Einordnen von Empfindungen und Eindrücken im gesamten Nervensystem. Jede Störung dieses Prozesses bedeutet eine massive Beeinträchtigung des Systems, das von grundsätzlicher Bedeutung für jeden weiteren Lernprozess ist.

3. Störungen der verschiedenen Wahrnehmungsbereiche

Im Folgenden werde ich kurz auf einige der beobachtbaren Verhaltensweisen von Kindern mit umschriebenen Störungen in der sensorischen Integration eingehen.

Tast - und Berührungswahrnehmung

Über die Rezeptoren der Haut ermöglicht die Tast - und Berührungswahrnehmung dem Individuum, ein genaues Bild über die Ausdehnung und die Grenzen des eigenen Körpers zu entwickeln. Dies geschieht in der Regel in den ersten 2 ½ Jahren. Störungen in dieser Entwicklung äussern sich auf zweierlei Art:

Überempfindlichkeit…

...führt zu Missempfindungen bei Berührungsreizen, die als unangenehm oder sogar schmerzhaft, aber als nicht genau lokalisierbar gespürt werden. Dadurch kommt es zu einer Verzögerung der Entwicklung des Körperschemas, ein negatives Körpergefühl be- einträchtigt psychische und soziale Bildungen und Bindungen. Indikatoren für eine sol- che Störung sind das Vermeiden von Körperkontakt und Nähe, von bestimmten Materiali- en wie z.B. Sand, Ton oder Fingerfarben. Oft reagiert das Kind auch negativ auf Geräu- sche und Gerüche, da eine sensorische, korrelative Verbindung mit dem Gehör - und Ge- ruchssinn besteht.

Unterempfindlichkeit…

...äussert sich in einer verminderter Wahrnehmung von Berührungsreizen. Es werden, um überhaupt „fühlen“ zu können, ungewöhnlich intensive, starke Reize benötigt. Beobacht- bare Zeichen von Unterempfindlichkeit sind z.B.- Schmerzunempfindlichkeit beim Arzt oder Zahnarzt. Auch suchen die Kinder auffällig oft grobe und starke Reize beim Toben und Rangeln mit Anderen.

Bewegungs - und Lagewahrnehmung

Diese ermöglicht über die Rezeptoren der Knochen, Muskeln, Gelenke und Sehnen (→Bewegungs - und Halteapperat), genaue Informationen über Richtung und Geschwin- digkeit von Bewegungen, Muskel - und Kraftleistungen. Bei einer Störung der Empfin- dung und Wahrnehmung des eigenen Körpers in der Raumlage kommt es zu erheblichen Beeinträchtigungen der Bewegungsmöglichkeiten und zweckgerichteten Bewegungspla- nung. Das äusserlich erkennbare Bild einer solchen Störung sind Schwierigkeiten in der Koordination komplexer Bewegungsabläufe wie z.B. Schwimmen, Fahrradfahren oder feinmotorischen Anforderungen wie dem Binden einer Schleife. Ausserdem treten Prob- leme beim Malen, Basteln und später beim Schreiben auf; die Stifthaltung fällt schwer, Begrenzungslinien werden übermalt und der Umgang mit Material und Werkzeugen wirkt ungelenk. Es kommt überdies zu Körperorientierungsstörungen, d.h. verschiedene, gleichzeitige Bewegungen können nicht imitiert (koordiniert) werden (z.B. rechte Hand zum linken Ohr, linke Hand zur Nase, etc.). Entfernungen wie hoch, tief, weit oder nah können nur schlecht eingeschätzt werden, das Sortieren und Einordnen von Objekten verschiedener Größe fällt ebenfalls schwer. Auch wird die Wahrnehmung von Formen be- einträchtigt, Gegenstände unter einem Tuch können nicht „erfühlt“ werden und Gesehe- nes kann nur schwer unterschieden werden. Die Folgeerscheinungen hiervon sind wie- derum Störungen im Erfassen und Behalte geometrischer Formen oder Schriftzeichen. Die gesamte optische Merkfähigkeit ist eingeschränkt und die generelle Arbeitsweise wirkt verlangsamt.

Gleichgewichtswahrnehmung

...findet über die Rezeptoren des Innenohrs statt und ermöglicht die korrekte Reaktion auf die Schwerkraft, reguliert die Stellung des Kopfes zum Körper und sorgt dafür, dass die- ser bei jeder Bewegung im Gleichgewicht, also ausbalanciert, bleibt. Die Gleichgewichts- wahrnehmung ist eines der wichtigsten Basissysteme für viele Funktionsbereiche des Gehirns. Störungen hier können alle anderen Entwicklungsbereiche beeinflussen, insbe- sondere die Raum - Lagewahrnehmung und die Wahrnehmungsverarbeitung des Gehörs - hier besonders die Merkfähigkeit für Gehörtes.

...findet über die Rezeptoren des Innenohrs statt und ermöglicht die korrekte Reaktion auf die Schwerkraft, reguliert die Stellung des Kopfes zum Körper und sorgt dafür, dass die- ser bei jeder Bewegung im Gleichgewicht, also ausbalanciert, bleibt. Die Gleichgewichts- wahrnehmung ist eines der wichtigsten Basissysteme für viele Funktionsbereiche des Gehirns. Störungen hier können alle anderen Entwicklungsbereiche beeinflussen, insbe- sondere die Raum - Lagewahrnehmung und die Wahrnehmungsverarbeitung des Gehörs - hier besonders die Merkfähigkeit für Gehörtes.

...findet über die Rezeptoren des Innenohrs statt und ermöglicht die korrekte Reaktion auf die Schwerkraft, reguliert die Stellung des Kopfes zum Körper und sorgt dafür, dass die- ser bei jeder Bewegung im Gleichgewicht, also ausbalanciert, bleibt. Die Gleichgewichts- wahrnehmung ist eines der wichtigsten Basissysteme für viele Funktionsbereiche des Gehirns. Störungen hier können alle anderen Entwicklungsbereiche beeinflussen, insbe- sondere die Raum - Lagewahrnehmung und die Wahrnehmungsverarbeitung des Gehörs - hier besonders die Merkfähigkeit für Gehörtes.

...findet über die Rezeptoren des Innenohrs statt und ermöglicht die korrekte Reaktion auf die Schwerkraft, reguliert die Stellung des Kopfes zum Körper und sorgt dafür, dass die- ser bei jeder Bewegung im Gleichgewicht, also ausbalanciert, bleibt. Die Gleichgewichts- wahrnehmung ist eines der wichtigsten Basissysteme für viele Funktionsbereiche des Gehirns. Störungen hier können alle anderen Entwicklungsbereiche beeinflussen, insbe- sondere die Raum - Lagewahrnehmung und die Wahrnehmungsverarbeitung des Gehörs - hier besonders die Merkfähigkeit für Gehörtes.

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Details

Seiten
22
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668094574
ISBN (Buch)
9783668094581
Dateigröße
3.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v310724
Institution / Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg) – Erwachsenenbildung
Note
Unbenotet
Schlagworte
verschiedene perspektiven lernauffälligkeiten

Autor

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