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Die Gattung Satire im Kontext der deutschen Literatur

Eine Einführung

Hausarbeit 2015 15 Seiten

Didaktik - Deutsch - Gattungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Satire im Kontext der deutschen Literatur – eine Einführung
1.1 Aktueller Forschungstand

2. Die Entstehungsgeschichte der Satire
2.1 Die Entstehung des Begriffs
2.2 Ein Abriss der Entwicklungsgeschichte
2.2.1 Die Entstehung in der Antike
2.2.3 Die Satire im 18. und 19. Jahrhundert
2.2.4 Die Satire im 20. Jahrhundert

3. Die Satire in Abgrenzung zu anderen Begriffen

4. Die Satire als Gattung und Schreibart
4.1 Die Satire als Gattung
4.1.1 Die römische Verssatire
4.1.2 Die menippeische Satire
4.2 Die Satire als Schreibart
4.3 Die Satire als Haltung
4.4 Funktion, Verwendung und Wirkungsabsicht

5. Die Identifikation der Satire

6. Der Fokus der Satire heute

7. Satire darf zwar alles, aber nicht alles ist auch Satire

Literaturverzeichnis

1. Die Satire im Kontext der deutschen Literatur – eine Einführung

Die Satire ist heute im alltäglichen, wie auch im literaturwissenschaftlichen Gebrauch ein weit verbreiteter und bekannter Terminus. Die Satire wird in verschiedenen Textformaten und Medien verwendet und dient der Kritik und Auseinandersetzung mit verschiedensten aktuellen Themen. Sie gehört zu den wirksamsten Formen der literarischen Polemik und wurde doch lange Zeit mit Argwohn betrachtet, der durch die Vorstellungen der Ästhetik aus der Weimarer Klassik bestimmt war. Erst im 20. Jahrhundert wurde ihr auch im deutschen Raum vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt und verschiedene Ausarbeitungen und Kommentare über die Satire wurden verfasst. Dabei findet sich ihr Ursprung als literarische Gattung schon in der Antike. Dort entstand die älteste ihrer Untergattungen, die menippeische Satire[1]. Seit der Antike haben sich der Gebrauch und die Darstellung jedoch vielseitig verändert und weitere Untergattungen sind entstanden. In der folgenden Ausarbeitung werden zu Beginn der grundlegende Begriff der Satire und ihre Entstehungsgeschichte in Deutschland erläutert, um dann zu einer für diese Hausarbeit übergreifenden Definition zu gelangen. Dabei werden verschiedene Autoren, wie Jürgen Brummack, zitiert, die in der Entwicklung der Vorstellung von der Satire heute kennzeichnend waren. Die Ausführungen über die unterschiedliche Verwendung, Funktion und Wirkung der Satire soll dann anhand der im Voraus geklärten Grundlagen erfolgen. 1991 schrieb Kurt Tucholsky unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel einen Artikel mit dem Titel „Was darf die Satire?“. Die Antwort des Artikels lautet: „Alles“.[2] Im folgenden soll eine Anschlussfrage geklärt werden: Was ist die Satire und wie ist sie zu erkennen? Denn „Satire darf [zwar] alles, aber nicht alles ist Satire“[3].

1.1 Aktueller Forschungstand

In den 1940er Jahren begann vorerst im englischsprachigen Raum die Auseinandersetzung mit der Satire als Schreibart. Im deutschsprachigen Raum ergab sich dies erst in den 1960er Jahren durch verschiedene Literaten wie Jürgen Brummack oder Ulrich Gaier[4]. Im Fokus der Forschung der letzten Jahre stand die Satire hauptsächlich im Bezug auf einzelne Thematiken, wie zum Beispiel „The Simpsons, satire, and American culture“ (2012) von Matthew Henry, und die Satire im Bezug auf die Strafgerichtsbarkeit. In Kapitel 3.1.1 wird anschließend ausführlicher auf die Bedeutung der Satire heute eingegangen.

2. Die Entstehungsgeschichte der Satire

Um die Satire in ihrer heutigen Form begreifen und erfassen zu können ist es unumgänglich ihre Entstehung und Entwicklung durch die Jahrhunderte zu betrachten. Aufgrund dessen wird im Folgenden einleitend auf die Entstehung des Begriffs der Satire eingegangen, um dann anschließend eine allgemeine Entwicklungsgeschichte darstellen zu können. Dabei sollen bedeutende Epochen kurz erläutert werden.

2.1 Die Entstehung des Begriffs

Der Begriff Satire (lat. satura) bedeutet in seinem Ursprung eine mit vielen Früchten gefüllte Schale[5]. Der Begriff satura ist wiederrum eine Ableitung von dem Wort satur, was etwa „satt“ oder „voll“ bedeutet[6]. Um 200 v.Chr. tritt der Begriff zum ersten mal bei Ennius auf, der ihn für eine Sammlung von unterschiedlichen Gedichten auswählt. In der Spätantike, also im Übergang von der Antike zum Frühmittelalter, beginnen einige Autoren neben satura auch satyra und satira zu schreiben. In den folgenden Jahrhunderten setzt sich diese Bezeichnung in den europäischen Sprachen schließlich durch. So werden im Deutschen im 16. Jahrhundert Ausdrücke wie Scherz-, oder Strafgedicht vermehrt mit dem Fremdwort Satyra betitelt. Französische Einflüsse bewirken anschließend eine Durchsetzung der Bezeichnung Satyre in der deutschen Literatur und im 18. Jahrhundert ist der Begriff schließlich vollständig eingedeutscht. Eine letzte Veränderung gilt der Schreibung, die erst seit dem 19. Jahrhundert der heutigen entspricht[7]. Lange Zeit sah man die Herkunft des Wortes in dem griechischen Wort satyros gelegen. Diese Herleitung gilt jedoch heute als unwahrscheinlich, wodurch die Schreibweise Satyre falsch wurde und zur heute bekannten Orthographie verändert wurde[8].

2.2 Ein Abriss der Entwicklungsgeschichte

2.2.1 Die Entstehung in der Antike

Die in der Antike entstandene menippeische Satire ist die älteste Untergattung der Satire. Sie ist definiert durch die Verknüpfung von Vers- und Prosadichtungen, die Prosimetrum genannt wird. Die menippeische Satire ist nach dem Griechen Menippos von Gardara benannt, der kritische Schriften in Form von Spott und Komik verfasst haben soll[9]. Stefan Trappen (2006) schreibt dazu: „die menippeische S. ist oft Dialog (z.B. Lukians Toten- und Göttergespräche) oder als Lügengeschichte und Bericht seltsamer Reisen romanhaft“[10]. Eine weitere Untergattung der Satire, die zu dieser Zeit entstand, ist die römische Verssatire, die auf den römischen Dichter Lucilius zurückzuführen ist. Lucilius hatte als unabhängiger Schriftsteller Spottdichtungen über öffentliche Persönlichkeiten und aktuelle Geschehnisse verfasst. Die römische Verssatire hat einen ausgeprägten Kunstanspruch und wurde von Horaz und Juvenal verwendet und von ihnen jeweils mit unterschiedlicher Intensität formuliert[11].

2.2.2 Die Satire im 16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert, das gelegentlich auch als das satirische Jahrhundert bezeichnet wird, entwickelte sich die Satire im öffentlichen Raum zum gängigen Instrument der freien Meinungsäußerung[12]. Besonders die Zeit der Reformation bietet ein Umfeld voller Streitigkeiten um die christliche Lehre, die oft mit Hilfe der Satire ausgetragen werden[13]. Dabei richten sich die satirische Streitschriften und Flugblätter in dieser Zeit meist gegen die katholische Kirche[14]. Im Humanismus findet die lucilianische Satire vermehrt Einsatz in Schulbüchern und es entsteht die neulateinische lucilianische Satire. Die menippeische Satire wird wiederrum neu rezipiert und es entwickeln sich neue Satiren innerhalb dieser Gattung[15].

2.2.3 Die Satire im 18. und 19. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert ist die Satire ein wichtiger Teil der Literatur. Die Themenbereiche werden erweitert und fokussieren sich nicht mehr so stark auf die gesellschaftlichen Moralvorstellungen. Bei Georg Christoph Lichtenberg ist erstmals eine Ablösung des Satirischen von der Satire als Gattung zu beobachten[16]. Bekannte Satiriker sind in dieser Zeit Benjamin Neukirch und Albrecht von Haller[17].

Während im 19. Jahrhundert die Vorstellung des Satirischen ausgebreitet wird, nimmt hingegen die bewusste Differenzierung der Gattungen stark ab[18]. Die Satire steht in diesem Jahrhundert unter dem Vorbehalt der Ästhetik:

Die Satire war lange Zeit ein Stiefkind der deutschen Literaturwissenschaft. Während man ihr im angelsächsischen Raum schon verhältnismäßig früh größere Aufmerksamkeit gewidmet hatte, wandte man sich ihr hier nur zögernd und meist unter Vorbehalten zu, in denen die Skepsis, die die deutsche Ästhetik seit der Weimarer Klassik jeder Form von ‚littérature engagée’ entgegengebracht hatte, deutlich nachwirkte[19].

2.2.4 Die Satire im 20. Jahrhundert

Im 20. Jahrhundert ist die Satire vorrangig ein Medium der Kritik an Moral, Politik und Gesellschaft. Sie findet Verwendung in unterschiedlichsten Bereichen, in Zeitschriften, Karikaturen, Filmen und in literarischer Form. In dieser Zeit zählen Kurt Tucholsky und Erich Kästner zu den großen Satirikern im deutschen Raum. Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgen vor allem satirische Zeitschriften, wie die Neue Frankfurter Schule, für die Wiederbelebung der Satire[20].

[...]


[1] Vgl. Burkhard Meyer-Sickendiek: Satire. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Band 8. Hrsg. von Uesing, Gert. Tübingen 2007, S. 447-449.

[2] Vgl. Kurt Tucholsky: Was darf die Satire? In: Gesammelte Werke in 10 Bänden. Band 2. Hrsg. von Gerold-Tucholsky, Mary / Raddatz, Fritz. Reinbek bei Hamburg 1975, S. 42–44.

[3] Nada Weigelt: Satire darf alles, aber nicht alles ist Satire. Stuttgarter Nachrichten. 09.01.2015. URL: http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.meinungsfreiheit-satire-darf-alles-aber-nicht-alles-ist-satire.d64dd9a1-d719-4a6c-98db-f5777e08ab16.html (10.09.2015).

[4] Vgl. Jürgen Brummack: Satire. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Hrsg. von Müller, Jan-Dirk. Berlin 2003, S. 359.

[5] Vgl. Gero von Wilpert: Satire. In: Sachwörterbuch der Literatur. 8. Auflage. Stuttgart 2001, S. 717.

[6] Vgl. Brummack: Satire, S. 356.

[7] Vgl. Brummack: Satire, S. 356.

[8] Vgl. Gero von Wilpert: Satire. In: Sachwörterbuch der Literatur. 7. Auflage. Stuttgart 1989, S. 809.

[9] Vgl. Stefan Trappen: Satire. In: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Germanistik. 2. Auflage. Hrsg. von Brunner, Horst / Moritz, Rainer. Berlin 2006, S. 361–363.

[10] Ebd., S. 362.

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. Hermann Pongs: Satire. In: Kleines Lexikon der Weltliteratur. München 1967, Sp. 1593.

[13] Vgl. Trappen: Satire, S. 362.

[14] Vgl. Barbara Könneker: Satire im 16. Jahrhundert. Epoche – Werke – Wirkung. München 1991, S. 34-37.

[15] Vgl. Trappen: Satire, S. 362.

[16] Vgl. ebd.

[17] Vgl. Jürgen Brummack: Satire. In: Fischer Lexikon Literatur. Band 3. Hrsg. von Ricklefs, Ulfert. Frankfurt am Main 1996, S. 1724.

[18] Vgl. Trappen: Satire, S. 363.

[19] Könneker: Satire im 16. Jahrhundert, S. 9.

[20] Vgl. Trappen: Satire, S. 363.

Details

Seiten
15
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668097292
ISBN (Buch)
9783668097308
Dateigröße
672 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311115
Note
1,7
Schlagworte
gattung satire kontext literatur eine einführung

Autor

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