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Entwicklung und Wirken der Francke'schen Stiftungen Anfang des 20. Jahrhunderts

Facharbeit (Schule) 2014 27 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1. Persönliche Einleitung
2. Der Pietismus
3. Entwicklung der Francke'schen Stiftungen bis zur Weimarer Republik

2. Die Zeit der Weimarer Republik
1. Das administrative Aufgabenfeld
2. Finanzierung
3. Märzaufstand 1920

3. Der Nationalsozialismus
1. Aktenlage
2. Beeinflussung durch die Politik
3. Der zweite Weltkrieg

4. Schluss
1. Weitere Entwicklung der Francke'schen Stiftungen bis heute
2. Die Stiftungen heute
3. Nachwort

5. Anhang
1. Quellen
2. Bild- Anlagen

1. Einführung

1.1. Persönliche Einführung

In der folgenden Komplexen Leistung werde ich mich mit den Francke'schen Stiftung in Halle an der Saale und deren historischen Entwicklung insbesondere während der Weimarer Republik und des Nationalsozialismus beschäftigen. Mein Ziel ist es besonders die pädagogische Arbeit und die administrativen Tätigkeiten offenzulegen.

Ich habe dieses Thema gewählt, da ich eine familiäre Verbindung zur Stadt Halle pflege und daher auch an der Geschichte der Stadt interessiert bin. Für das Fach Geschichte zeige ich allgemein eine hohe Begeisterung.

Persönliche Bemerkungen zu der Arbeit stelle ich am Ende in den Nachworten zur Einsicht.

Jetzt möchte ich noch kurz mein Vorgehen erklären, welches ich bei dieser Facharbeit angewendet habe: Zunächst erstellte ich eine Gliederung, welche mir eine allgemeine Übersicht über die Anzahl der Gliederungspunkte gab. Dann begab ich mich zu meinen ersten Recherchen nach Halle/Saale. Diese blieb leider aufgrund von ungünstigen Öffnungszeiten erfolglos. Bei meinem zweiten Besuch konnte ich allerdings zur Recherche sowohl in die Bibliotheken der Francke'schen Stiftungen und in das Stadtarchiv Halle. Erstes blieb gänzlich resultatlos und zweites ergab auch nur mäßigen Erfolg.

Meine Facharbeit ist zeitlich chronologisch geordnet und daher erübrigt sich eine Begründung des Aufbaus.

1.2. Der Pietismus

Das Wort Pietismus entstammt dem lateinischen Wort „pietas“ - zu deutsch Frömmigkeit1 und beschreibt eine protestantische Bewegung, welche im 17. und 18. Jahrhundert entstand und die „[...] tätige Nächstenliebe die Orthodoxie zu überwinden sucht“2, also eine besondere Form des soziales Engagements zeigt. Aber auch in den anderen Bereiches den christliches Glaubens betätigen sich die Pietisten besonders.

Zunächst wurde das Wort in einer spöttischen Art verwendet. Belege hierfür finden sich besonders ausgeprägt im Raum von Frankfurt am Main in dem Jahr 1680. Ab dem August 1689 zeigte sich zusehends eine positive Ansicht der Pietismus-Bewegung. Im Leipziger Raum entstand durch die Studenten zunehmende Akzeptanz in der Gesellschaft, denn hier bekannten sich unter anderem Martin Born, ein Theologie-Student, und Joachim Göring, ein Kaufmann, beide aus Leipzig stammend, dazu, Pietisten zu sein3.

Im gleichen Jahr äußert sich auch der Leipziger Joachim Feller zu dem Pietismus: „Es ist jetzt stadtbekannt der Nam der Pietisten. Was ist ein Pietist? Der Gottes Wort studiert und nach demselben auch ein heilig Leben führt“4.

Ab dem Jahr 1690 etabliert sich der Pietismus so stark in der Gesellschaft, dass eine ganze Generation nach den pietistischen Prinzipien erzogen wurde. Dieser Generation gehörte auch Goethe an, welcher nach eigenen Angaben, sehr streng im Glauben erzogen wurde, sich dann aber dem Pantheismus zuwendete5.

Der Pietismus hatte sechs Anführer, die jeweils eine eigene Interpretation der Frömmigkeit lebten. Ich möchte diese kurz näher erläutern: Zum einen gab es den lutherischen

Pietismus, welcher von dem Theologen Philipp Jacob Spener vorangetrieben wurde und das Ziel hatte gemeinschaftsliebend und luthernah zu leben4,6 -7. Des Weiteren führte der Textschreiber und Laienprediger Gerhard Tersteegen der reformierten Pietismus an, dessen Ziel es war volksnah und besinnlich zu handeln4,8 -9. Im von Nikolaus Ludwig von Zinzendorf aufgebauten Herrnhuter Pietismus wurde versucht ein Leben mit beiden christliches Religionen, also Protestantismus und Katholizismus zu führen und trotzdem Weltperspektive zu halten4,10 -12. Außerdem existierte der schwäbische Pietismus, welcher von Ernst Bengel vorangetrieben wurde und sich kirchennah und tiefgründig zeigte4,13. Des Weiteren gab es den radikalen Pietismus, welcher von Konstantin von Buttlar und sich als separatistisch und häretisch präsentierte4,14.

Die letzte Form meiner Aufzählung ist der hallesche Pietismus, welcher von August Hermann Francke gegründet und bis zum Tode geführt worden war. Dieser zeigte sich als moralisch und weltverändernd4,15 -18. Sie war entscheidend für die Gründung der Francke'schen Stiftungen und dieser Erziehung tausender Waisenkinder in der Geschichte der Stiftungen3,17,19.

1.2. Entwicklung der Francke'schen Stiftungen bis zur Weimarer Republik

Nachdem August Hermann Francke seine Stiftung gegründet und innerhalb von 30 Jahren aufgebaut hat und diese in der Stadt etablierte, begann er Missionare in alle Welt zu entsenden. Diese hatten sowohl die Aufgabe, die im Ausland lebenden Menschen zum Pietismus zu bekehren, als auch die fremden Kulturen zu erforschen und mit Anschauungsmaterialien zurück zu kommen16 -17,19.

Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Gotthilf August Francke die Leitung der „Francke'schen Anstalten“17, wie sie damals noch hießen und initiierte starke Beziehungen zu der Kirche auf dem Gebiet der heutigen Vereinigten Staaten von Amerika20.

Diese kamen aufgrund Folgender Situation zustande: Die deutschen Protestanten baten 1734 den in London tätigen Friedrich Michael Ziegenhagen ihnen einen absolvierten Pastoren zu zusenden. Dieser wandte sich an den Sohn des bereits verstorbenen Studienkollegen August Hermann Francke, Gotthilf August Francke, welcher daraufhin im Jahre 1742 den Pastor Heinrich Melchior Mühlenberg, welcher in den heutigen USA eine Kirchenorganisation aufbaute. „Heute gilt er als Patriarch der lutherischen Kirche Nordamerikas“20,22 -23.

Die Francke'schen Stiftungen, wie sie von dem Jahr 1708 an offiziell hießen, hatten bereits aus Gründerzeiten eine gewaltige Anzahl an eigenen Betrieben und Einnahmequellen, dass die Nachfolger nie ein schweres hatten die Finanzen der Stiftungen im positiven Bereich zu halten. Geschäfte wie die Verlagsanstalt und die Apotheke brachten besondere Einnahmen, durch spezielle Sortimente, wie die bis dahin günstigste Bibel in deutscher Sprache17,19.

Die Prinzipien hatten sich nicht geändert. Nach wie vor wurden alle Kinder im pietistischen Glaubensbekenntnis erzogen und wuchsen in dem heute Gebäude auf, welches heute als „Historisches Waisenhaus“ bezeichnet wird17,19,24 -48. Warum dieses Gebäude nicht mehr als Waisenhaus funktioniert, werde ich Verlauf der Facharbeit noch erläutern.

Im Verlauf der Zeit, insbesondere gegen Ende des 19. Jahrhunderts bzw. am Anfang des 20. Jahrhunderts, entwickelte sich das Forschungs- und Schulwesen so stark, dass neue Schulgebäude notwendig waren und die Stiftungen von da an auch staatliche Subventionen erhielt17,19. Aber auch auf die Finanzierung komme ich laufe der Arbeit noch einmal zu sprechen.

2. Die Zeit der Weimarer Republik

2.1. Das administrative Aufgabenfeld

Seit 1892 war Wilhelm Fries der Direktor der Francke'schen Stiftungen und führte diese in den großen Aufschwung vor dem 1. Weltkrieg: Die Schülerzahlen verdoppelten sich bei nahe und alle Gebäude, die dem bedurften, wurden umfangreich saniert17,19,50 -51,55 -58.

Nach dem 1. Weltkrieg entstand am 9. November 1918 die Weimarer Republik59. Für die Francke'schen Stiftungen war dieses Ereignis, außer im Sinne des nationalen Stolzes, nicht von großes Belangen, da der neue Staat keine besondere Änderung in Bezug auf Förderung oder Zulassung vornahm17,19,50 -51,55 -59.

Nachdem Wilhelm Fries 1921 in den Ruhestand ging, wurde der bis dahin assistierende Pädagoge August Nebe neuer Direktor der Francke'schen Stiftungen und blieb es bis 1931. Über den darauf folgenden Direktor ist nicht viel bekannt, lediglich, dass er Walther Michaelis hieß17,19.

Warum über diesen Direktor so wenig zu erfahren ist, werde ich später genau erläutern.

2.2. Finanzierung

Wenn auch über das administrative Aufgabenfeld nicht allzu viele Informationen vorliegen, so liegen über die Finanzierung der Francke'schen Stiftungen in der Zeit der Weimarer Republik zumindest die Unterlagen von staatlicher Seite vor. In dem folgenden Text beziehe ich mich auf die Quellen 54 und 67.

In dem Text Tgb-Nr: I 10987 (Quelle 54) heißt es, das man zunächst prüfen will „[...] inwieweit es möglich ist, die eigenen Einnahmen der [Francke'schen] Stiftungen z.B. durch Erhöhungen der Pensionssätze […] zu erhöhen und die Ausgaben […] zu vermindern“. In dem daraufhin folgenden, nicht vorliegenden, Schriftverkehr werden die Preise ermittelt, Einnahmen vorgelegt, Erklärungen abgegeben und ähnliches.

Letztendlich wird ein Beschluss gefasst, welcher zwar rechtswidrig war, allerdings eine gute Lösung für beide Seiten darstellte. Es wird, wie jedes Jahr, die Rechnung des Jahres 1918 verwendet, welche in den Quellen, auf den 21. Februar 1919, datiert ist.

Wie diese Datierung zu Stande bedarf nur einer kurzen Erklärung: Die Rechnung war jedes Jahr die gleiche. Mir erschien jedoch diese aus dem Jahr 1919 am übersichtlichsten, weshalb ich sie exemplarisch für alle Jahre der Weimarer Republik, soweit nachvollziehbar, ausgewählt habe.

In der Rechnung werden variable Größen, wie die Schülerzahlen, jedes Jahr unverändert gelassen. Anderen Dokumenten war jedoch zu entnehmen, dass sich die Schülerzahlen tatsächlich nur geringfügig änderten, weshalb die Rechnung keine größeren Unstimmigkeiten aufweist.

Der endgültige Betrag für ca. 2.000 Stadtschüler beträgt 829.963,90 Reichsmark. Das bedeutet, dass für jeden Stadtschüler, der in den Schulen der Francke'schen Stiftungen untergebracht wird etwa 415 Reichsmark Zuschuss gewährt wird. Das entspricht einem heutigen Wert von etwa 134 Euro und ist damit im Vergleich zu den heutigen Privatschulen ein hoher staatlicher Finanzzuschuss68.

Insgesamt werden alle vier Schulen finanziell unterstützt, da diese Stadtschüler bei sich aufnehmen. Zur kurzen Erklärung des Wortes Stadtschüler: Stadtschüler ist eine Formulierung die in dieser Form häufig in den Unterlagen zu finden ist und die Gruppe Schüler betrifft, die nicht in den Francke'schen Stiftungen leben, und trotzdem deren Schulen besuchen.

2.3. Märzaufstand 1920

Zu nächst möchte ich das historische Ereignis per se beschreiben, um dem folgenden Text ein besseres Verständnis zu ermöglichen.

Der Märzaufstand von 1920 auch als Ruhraufstand bekannt, ist ein historisches Ereignis bei dem auf Grund des Lüttwitz-Kapp-Putsches zu vielen Revolten gegen die Weimarer Republik69 -71. „Der Anarchist Max Hoelz nutzte die unübersichtliche politische Lage im Deutschen Reich, um im sächsischen Plauen die Räterepublik auszurufen. Der von ärmeren Bevölkerungsschichten als 'Roter Robin Hood' verehrte Volksheld Hoelz kontrollierte mit rund 1.000 Anhängern bis Mitte April 1920 das Vogtland, ehe er vor einrückenden Einheiten der Reichswehr fliehen musste.“69.

Die Revolten wurden zu bewaffneten Revolutionen, welche in Angriffen gegen die Freikorps und Regierungstruppen endeten. Besondere Ausmaße hatte dieser Umsturzversuch in dem Ruhrgebiet: Etwa 50.000 bewaffnete KPD- und USPD-Anhänger, welche sich die 'Rote Ruhrarmee nannten, kämpften gegen die Reichswehr und die Sicherheitspolizei und eroberten schließlich das rheinisch-westfälische Industriegebiet. Die Revolution hatte allerdings den entscheidenden Nachteil, dass sie weder eine gemeinsame Organisation bzw. Führung haben, noch ein gemeinsames politisches Programm.

Nach gescheiterten Einigungsversuchen von der Regierung mit den Rädelsführern kam es ab 3. April 1920 zu einer brutalen Auflösung des besetzten Ruhrgebietes mit etwa 1.500 Toten. Der 6. April gilt als offizielles Ende der Aufstände, jedoch geht man davon aus, dass weitere kleine Kämpfe bis in die Mitte des Monats stattfanden69 -71.

Nun zu den Ereignissen in Halle: In den folgenden Ausführungen beziehe ich mich hauptsächlich auf die Quellen 51 bis 53. Wobei hierzu angemerkt sein sollte, dass dieses Dokument lediglich der endgültige Beschluss ist.

Zu Anfang des Dokumentes wird gesagt, dass „den Francke'schen Stiftungen […] der erlittene Sachschaden in Höhe von 16 265 M ersetzt [wird]. Die Mittel zur Deckung des Schadens trägt in Höhe von 7/12 [9.487,92 M] das Reich, von 4/12 [5.421,67 M] Preußen und von 1/12 [1355,41 M] die beteiligte Stadtgemeinde Halle a/S.“51

Im Dokument folgt die Begründung, welches zunächst die Umstände und den Ablauf schildert und dann bewertet, welche Umstände und aus welchen Gründen erstattet werden oder auch nicht.

Der „Ausschuss zur zur Feststellung von Entschädigungen für Aufruhrschäden“51, welcher aus 10 Personen bestand, entschied, dass „der Gebäudeschaden […] durch die eingereichten Rechnungen nachgewiesen worden [ist] und […] voll ersetzt werden [musste].“ Es handelt sich hierbei um 6.265,25 Reichsmark.

Bei den Schäden, die mutmaßlich durch die Truppen und deren Beherbergung entstanden war, entschied man statt den beantragten 13.353 Reichsmark, lediglich 10.000 Reichsmark genehmigt werden. Die Viertelmark , welche in den 16.265 Reichsmark fehlt, geht scheinbar unter oder wird abgerundet.

Als Begründung, warum das Reichsfinanzministerium, lediglich 10.000 Reichsmark erbringen muss wird folgendes angegeben:

Zunächst einmal wurde erklärt, dass es sich bei den Schäden weitest gehend nicht um Einquartierungsschäden handelt, wie von dem Direktorium der Francke'schen Stiftungen angegeben, denn diese müssten laut einem Gerichtsurteil nicht mehr erstattet werden. Die Gebäude der Francke'schen Stiftungen wären „Stützpunkte der Regierungstruppen“ gewesen und daher vor allem durch den starken Beschuss von den feindlichen Einheiten von den Dächer umliegender Häuser beschädigt worden.

Zu den inneren Schäden äußerte sich der Ausschuss so: „[...] So konnten sie [die stationierten Einheiten] auch die Gebäude […] nicht verlassen und waren gezwungen, zum Heizen und Kochen vorhandene Gegenstände […] zu benutzen. Insbesondere waren sie gezwungen, ihre Pferde in zwei Turnhallen unter-zubringen, wodurch der Fußboden derselben bedeutend beschädigt ist. Diese Beschädigungen sind daher zu ersetzen“52. Es wird also beschrieben, dass solche Schäden, welche „[...] durch die Abwehr der inneren Unruhen unmittelbar verursacht worden sind“, zu ersetzen sind. Unter den Aspekt der Einquartierungsschäden fallen lediglich Dinge welche „vermutlich gestohlen“ sind und müssen daher aufgrund des oben erwähnten Gerichtsbeschlusses nicht erstattet werden.

„Mögen bei diesen Diebstählen auch Behältnisse erbrochen sein, so ist dadurch der Tatbestand der offenen Gewalt nicht erfüllt, der v-oraussetzt, daß die Tat ohne Scheu vor der Öffentlichkeit verübt wird, in dem Bewußtsein der Täter, daß sich keine Autorität finden werde, die ihrem Tun Einheit gebietet und sie zur Rechenschaft zieht“52. Dieser etwas kryptisch formulierte besagt nichts anderes, als dass der Diebstahl so lange nicht als das gilt, solange kein Vorgesetztes ihn bestraft.

3. Der Nationalsozialismus

3.1. Aktenlage

Dieser Absatz ist einem Disclaimer gleichzusetzen.

Die Akten aus der Zeit nach 1933 sind vermutlich einer Aktenvernichtung zu Opfer gefallen, wie ich von dem Stadtarchiv Halle unterrichtet wurde. Meine Ausführungen zum Nationalsozialismus sind daher sehr spekulativ und aus der allgemeinen Situation von Halle bzw. ganz Mitteldeutschland zu dieser Zeit geschlossen. Die meisten Ausführungen beruhen allerdings auf Bildern, die mir vorlagen. Allerdings wurde mir nicht gestattet diese mit in die Facharbeit einzuarbeiten, weshalb ich in den folgenden Texten wenige Quellenangaben mache.

3.2. Beeinflussung durch die Politik

Prinzipiell ist davon auszugehen, dass auch die Francke'schen Stiftungen ebenso, wie alle anderen öffentlichen Einrichtungen unter dem Einfluss des nationalsozialistischdiktatorischem Regimes standen.

Davon kann man auch deshalb ausgehen, da sonst die Akten nicht vernichtet worden wären, das heißt, dass die Nationalsozialisten auf Grund der Angst vor juristischen Konsequenzen nach dem Ende des zweiten Weltkrieges die Akten mutmaßlich vernichteten.

Es gilt des Weiteren anzunehmen, dass durch den veränderten Pädagogik- und Lehrplan die Inhalte und Erziehungsmethoden eine starke Wandlung erlebten.

Ein Beispiel: Der Biologieunterricht wurde stärker in den Mittelpunkt des Lehrplans gerückt. Wobei auch die Inhalte stark moduliert wurde. Im Vordergrund stand die Rassenlehre und die sogenannte „Rassenhygiene“72,74.

Die erste größere Maßnahme, welche das Regime umsetzte war das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933, welches eine rechtliche Grundlage zur Entlassung von jüdischen, sozialistischen und pazifistischen Lehrkräften darstellte73,75.

Die zweite Rechtsumformung war das „Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen“ vom 25. April des selben Jahres. Womit eine „Rassensäuberung“ auch unter den Schülern möglich war73.

Und trotzdem der Lehrplan ab 1936 massiv, wie oben exemplarisch gezeigt wurde, verändert wurde, „blieb die Schule in ihren Grundzügen eine weitgehend traditionelle Bildungsinstitution, die dem revolutionären Anspruch des NS-Regimes kaum gerecht wurde“73. Daher wurden explizit nationalsozialistische Bildungseinrichtungen gegründet, welche allerdings nicht die Francke'schen Stiftungen betrafen.

3.3. Der zweite Weltkrieg

Der Großteil des zweiten Weltkrieg hatte logischer Weise keine Auswirkungen auf die Francke'schen Stiftungen, da diese Geschehnisse lange Zeit außerhalb von Halle stattgefunden haben.

Jedoch spielen die Gebäude der Francke'schen Stiftungen, wie auch im Märzaufstand 1920, eine tragende Rolle bei der Eroberung der Stadt.

Der Norden der Stadt ergab sich bereits beim Einmarschieren der US-amerikanischen Truppen am 15. April 1945 nach kurzen Widerstand. Auch der Rest der Bevölkerung von Halle wurde mit Flugblättern von den US-Amerikanern aufgefordert, sich zu ergeben und die Stadt friedlich an die Amerikaner zu übergeben. Der Bürgermeister Prof. Dr. Dr. Johannes Weidemann, welcher eine hohe Funktion innerhalb der SS hatte, lehnte dies jedoch ab.

Aufgrund einer Bürgermobilisierung durch Dr. Lieser, ergab sich auch das Zentrum, also die Altstadt und das Nördlich Stadtzentrum, der Stadt einen Tag später.

[...]

Details

Seiten
27
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668106499
ISBN (Buch)
9783668106505
Dateigröße
6.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311569
Note
Schlagworte
20. Jahrhundert Geschichte Franke'sche Stiftung

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