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Die große Säkularisation von 1803. Historische Entwicklung und konkrete Beispiele aus Passau

von Laura Smith (Autor)

Seminararbeit 2015 11 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Gliederung

1. Terminologische Klärungen
1.1 Säkularisierung - Säkularisation
1.2 Herrschaftssäkularisation - Vermögenssäkularisation

2. Säkularisationen vor

3. Historische Ausgangslage
3.1 Koalitionskriege
3.2 Der Sonderfrieden von Basel
3.3 Der Frieden von Campo Formio und Rastatter Kongress
3.4 Der Frieden von Lunéville

4. Der Reichsdeputationshauptschluss und seine Folgen

5. Die Herrschaftssäkularisation

6. Die Herrschaftssäkularisation im Hochstift Passau

7. Die Vermögenssäkularisation

8. Aufhebung des Franziskanerklosters St. Anna in Passau

9. Folgen der Säkularisation

Die Große Säkularisation von 1803 wurde durch die gesellschaftlichen und machpolitischen Ereignissen im Europa des 18. und beginnendem 19. Jahrhunderts entschieden in die Wege geleitet. Seine Konsequenzen haben die Kirche bis heute maßgeblich verändert.

1. Terminologische Klärungen

Um der Komplexität des Themas gerecht zu werden, bedarf es bereits vorab einer begrifflichen Klärung zentraler Begriffe, welche in diesem Kontext oft verwechselt werden können.

1.1 Säkularisierung - Säkularisation

Säkularisierung ist zu verstehen als Loslösung des Einzelnen und der Gesellschaft von kirchlichen Vorstellungen und Bindungen im ideellen Bereich. Also kann man hierbei auch von einer Verweltlichung sprechen.1

Säkularisation bezeichnet ein konkret geschichtliches Phänomen, nämlich die Aufhebung geistlicher Territorien, also Gebiete, welche von einem geistlichen Landesfürst regiert wurden, wie beispielsweise das Hochstift Passau. Weiter bedeutet Säkularisation auch die Enteignung kirchlichen Besitzes durch die staatliche Gewalt.2

1.2 Herrschaftssäkularisation - Vermögenssäkularisation

Zwei weitere Begriffe, welche es in diesem Kontext zu unterscheiden gilt, sind die Herrschaftssäkularisation und die Gütersäkularisation.

Die Aufhebung geistlicher Territorien, also Gebiete, welche durch einen geistlichen Landesfürsten regiert wurden wird als Herrschaftssäkularisation bezeichnet. Vermögenssäkularisation meint die Enteignung kirchlichen Besitzes durch die staatliche Gewalt. Herrschaftssäkularisation betrifft also die staatsrechtlichen und politischen Angelegenheiten, während die Gütersäkularisation die vermögensrechtliche Seite dieses Gesamtgebildes betrifft.3

2. Säkularisationen vor 1803

Nach dem bisherigen Beschreibung und terminologischen Klärung ergibt sich allerdings ein Problem: Bei der Säkularisation handelt es sich um ein konkret geschichtliches Phänomen, welches sich laut Überschrift im Jahre 1803 abspielt. Warum wird dann von der Großen Säkularisation gesprochen?

Der Begriff Säkularisation wurde erstmals im Jahre 1646 vom französischen Bevollmächtigten Heinrich von Orleans bei den Vorverhandlungen zum westfälischen Frieden erwähnt.4

Die Sache selbst ist allerdings älter und geht zurück bis in die Frühgeschichte des Christentums. Im Zuge der Christenverfolgungen ereigneten sich bereits im Römischen Reich vorformen der Säkularisation, nämlich durch den Entzug des Eigentums der christlichen Gemeinden. Hierbei kann allerdings lediglich von einer Vorform der Säkularisation gesprochen werden, weil nämlich die Kirche erst durch Konstantin den Großen die staatlich anerkannte Rechtsfähigkeit innehatte, Vermögensträger zu sein.5

In der folgenden Zeit kann von drei Säkularisationsschüben gesprochen werden:6

Der erste Säkularisationsschub wird in das 8. Jahrhundert verzeichnet. Der karolingische Hausmeier Karl Martell und dessen Nachfolger annektierten kirchliche Ländereien zur Finanzierung der fränkischen Heeresreform im Zuge der Araberkriege.

Das Zeitalter der Reformation und Aufklärung im 16. bis zum auslaufenden 18. Jahrhundert brachte weitere Säkularisationen mit sich. In den Gebieten evangelischer Landesherren wurden Klöster und Stifte aufgehoben und die Güter eingezogen. Aber auch der aufgeklärte katholische Landesherr, Joseph II. von Österreich, um ein Beispiel zu nennen, säkularisierte 1792 im Rahmen seiner Kirchenreformpläne über 700 Klöster in seinem Herrschaftsgebiet.

Die dritte Säkularisationswelle erfasste das erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts und wurde ausgelöst durch die Französische Revolution und der Expansionspolitik Napoleons. Im deutschen Sprachgebrauch wird sie als „die“ Säkularisation bezeichnet, daher spricht man auch von der großen Säkularisation.

3. Historische Ausgangslage

Machpolitisch befindet man sich im Vorfeld der Säkularisation in einem Europa, in welchem Koalitionen also Bündnisse verschiedener europäischer Mächte (beispielsweise Preussen, Bayern, Österreich, Russland), gegen den Machtrivalen Frankreich und dessen Verbündeten kämpften, da dieser eine immense Expansionspolitik betrieb. Diese Kriege nennt man aufgrund der verschiedenen Bündnisse daher Koalitionskriege.7

3.1 Koalitionskriege

Im Zuge der Koalitionskriege besetzten Truppen des französischen Heeres im Sommer 1794 das linksrheinische Deutschland.8 Die Annexion dieser Gebiete von Frankreich, welche für den Verlauf der Säkularisation von extraordinärer Relevanz sind, wird in folgenden Friedensverträgen manifestiert, auf welche nun kurz eingegangen wird.

3.2 Der Sonderfrieden von Basel

Das Königreich Preußen trat 1795 aus der Koalition gegen Frankreich aus und schloss einen Separatfrieden. Dieser Frieden wurde am 5. April in Basel geschlossen und beinhaltet folgende Abmachungen:

„Die Truppen der französischen Republik werden weiterhin den linksrheinischen Teil der königlichen Staaten besetzt halten. Jegliche, diese Provinzen betreffende endgültige Bestimmung wird bis zum allgemeinen Frieden zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich ausgesetzt.“9

Dies bedeutet nun, dass die ehemals deutschen linksrheinischen Gebiete bis zu einer staatsrechtlich gültigen Friedensverhandlung in französischer Hand bleiben.

Allerdings wurden geheime Zusatzartikel verfasst, welche unter anderem beinhalten, dass für das Königreich Preußen eine territoriale Entschädigung angedacht ist.10 Bereits im folgenden Jahr wird am 5. August 1796 eine geheime Convention zwischen Frankreich und Preußen verabschiedet, welche bereits in Erwägung zieht, man könne als territoriale Entschädigung für die am linken Rheinufer gelegenen preußischen Provinzen beispielsweise das „Bisthum Münster mit Einschluß des Landes Recklinghausen“11 hierfür verwenden.

[...]


1 vgl. Mülller 1980, S.13.

2 vgl. Eder 2008, S. 176.

3 vgl. Eder, S. 177.

4 vgl. RGG Bd.5 S.1280.

5 vgl. Müller 1980, S.14.

6 vgl. LTHK Bd. IX, S. 248ff.

7 vgl. Weitlauff 1998, S.15ff.

8 vgl. Becker 2003, S.22.

9 Hofmann 1976, S.319.

10 vgl. Hufeld 2003, S.38

11 ebd. S.44.

Details

Seiten
11
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668103481
ISBN (Buch)
9783668103498
Dateigröße
932 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311602
Institution / Hochschule
Universität Passau
Note
1,3
Schlagworte
säkularisation historische entwicklung beispiele passau

Autor

  • Laura Smith (Autor)

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