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Praktikumsbericht mit 8 Unterrichtsentwürfen in Politik und Deutsch (5.-12. Klasse Gymnasium)

Inkl. Essay zum Beutelsbacher Konsens

von Thomas Bäcker (Autor)

Praktikumsbericht / -arbeit 2013 48 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Persönliche Ausgangsbedingungen und Zielsetzung für das Praktikum

2 Beschreibung der Schule als Lernort
2.1 Schulform und Schulprogramm
2.2 Zusammensetzung der Schülerschaft und des Lehrerkollegiums
2.3 Schulgebäude, Ausstattung etc.

3 Hospitationsprotokolle
3.1 Ein Schultag in der Klasse 9
3.2 Eine Unterrichtsstunde unter besonderer Berücksichtigung der Phasen, der Sozial­formen und eingesetzten Methoden
3.3 Eine Unterrichtsstunde unter besonderer Berücksichtigung der Lehrer-Schüler-Inter­aktionen
3.4 Eine Unterrichtsstunde unter besonderer Berücksichtigung der individuellen Lernarbeit der Schüler
3.5 Eine Beobachtung eines Schülers in einer begrenzten Lernsequenz
3.6 Ein Unterrichtstag eines Lehrers
3.7 Eine schulische Besonderheit: Schulfest

4 Die eigenen Unterrichtsversuche
Politik (1. Stunde): Das Bundesverfassungsgericht
Politik (2. Stunde): Der Einfluss der Printmedien auf aktuelle Politik
Politik (3. Stunde): Sensibilisierung für die politischen Einstellungen Jugendlicher
Politik (4. Stunde): Welches Problem stellen Kartelle für den Nachfrager dar und wie können Nachfrager darauf reagieren?
Deutsch (5. Stunde): „Es war einmal“
Deutsch (6. Stunde): „Der Froschkönig“ und die Gebrüder Grimm
Deutsch (7. Stunde): „Kleine Fabel“ von Franz Kafka
Deutsch (8. Stunde): „Nachts schlafen die Ratten doch“ von Wolfgang Borchert

5 Essay zum Beutelsbacher Konsens
Literatur

6 Resümee

Quellen

1 Persönliche Ausgangsbedingungen und Zielsetzung für das Praktikum

Nach meinem Abitur im Jahre 2008 entschloss ich mich Lehramt für Gymnasien, an der Universität Koblenz-Landau, zu studieren. Die Fächerkombination Ethik und Politik war für mich eine geeignete und gut zusammen passende Paarung, da Politik mir als Schulfach sehr gelegen war und ich dem Unterrichtsgeschehen mühelos folgen konnte. Eine gut ausgeprägte Empathie, Verständnis und Mitgefühl für die Anliegen meiner Mitmenschen hat mich von klein auf ausgezeichnet. Auch bei Referaten und freiem Sprechen vor der Klasse merkte ich, dass ich keinerlei Berührungsängste verspürte. Ich war sehr souverän und konnte mit der Aufmerksamkeit gut umgehen. Des Weiteren habe ich gemerkt, dass ich gerne berate und helfe. Ich bin außerdem sehr pflichtbewusst und zuverlässig. Dazu kannte ich die Schule durch meine Laufbahn von der ersten bis zur dreizehnten Klasse sehr gut. Innerhalb des Lehrerkollegiums bemerkte ich den freundlichen Umgang untereinander. Die Arbeitsatmosphäre wurde von mir als sehr angenehm und positiv wahrgenommen. Lehrer muss also ein wirklich schöner Beruf sein und so fällte ich meine Entscheidung. Da ich selber das Gymnasium besuchte, wollte ich auch später dort unterrichten. So schrieb ich mich in den oben genannten Studiengang ein.

Die Fächerwahl habe ich nach Fähigkeit und Neigung getroffen. Das Politikstudium ging reibungslos voran. Ethik war manchmal recht kompliziert und die Abstraktheit mancher Texte machte mir etwas zu schaffen. Aber auch im Fach Ethik kam ich recht gut voran, so dass ich in Ethik meine Bachelor-Thesis schrieb. Während des Studiums kamen, entgegen der anfänglich sehr positiven und euphorischen Prognosen, zunehmend negative Nachrichten über den zukünftigen Stellenmarkt, bezüglich der Schulart und der Fächerkombination, ans Licht. Meine Motivation sank ins Bodenlose als ich erfuhr, dass Ethik in Rheinland-Pfalz kein anerkanntes Schulfach ist. Daher überlegte ich sofort nach Alternativen und erinnerte mich an ein früheres Praktikum zurück. Es war in einer Realschule mit integrierter Hauptschule. Ich dachte viel bezüglich meiner Zukunft nach und bemerkte, dass mir diese Schulart sehr zusagt. Mir ist bekannt, dass besonders in Ballungsgebieten chaotische Zustände herrschen können. Aber das schreckt mich nicht ab, in einer sogenannten Problemklasse zu unterrichten. Allerdings gibt es auch Vorzeigeklassen, die weniger pädagogisches Geschick verlangen. Jedoch bin ich bereit in jeder Klasse Unterricht zu geben und nach Möglichkeit Wissen zu vermitteln. Meine Überlegungen gipfelten in dem Entschluss, die Hochschule zu wechseln. Daher konzentriere ich mich im Praktikum auf die Sekundarstufe 1. Ich erwarte daher einen Einblick in die Arbeit eines Studienrats zu bekommen und mir didaktische Fähigkeiten, wie die Unterrichtsplanung, anzueignen. Außerdem hege ich großes Interesse an dem Verhalten dieser Altersgruppe. Ich frage mich welche Methoden besonders gut ankommen und wie ich eine gute Verbindung zu den SuS bekommen kann. Des Weiteren freue ich mich selber Unterricht zu halten und die Vorgaben meines Mentors zu erfüllen.

Obwohl ich fest entschlossen plane die Hochschule und die Schulart zu wechseln, bin ich durchaus davon überzeugt positive Erfahrungen zu machen. So kann ich mich an mein erstes Schulpraktikum erinnern, welches an einer Grundschule stattfand. Die Erfahrungen waren durchaus positiv und das Kollegium war sehr freundlich und zuvorkommend. Jedoch musste ich persönlich feststellen, dass das Alter der Grundschüler mir eher weniger zusagte. Das bemerkte ich am Unterricht und den verwendeten Methoden. Letztendlich kann ich sagen, dass mir die Real- und Hauptschule wirklich am meisten zusagt. Diese Überzeugung möchte ich nun im Praktikum vertiefen.

2 Beschreibung der Schule als Lernort

2.1 Schulform und Schulprogramm

Das R.-Gymnasium in W. ist eine Sekundarschule mit eigener Oberstufe. Es gibt das Angebot der Ganztagsschule, was durch eine schuleigene Mensa unterstützt wird. Die Schule besteht seit mittlerweile über 475 Jahren und wurde während dieser Zeit schrittweise verbessert und ausgebaut. Besonders hervorzuheben ist das ökologische Bewusstsein der Schule, welches durch die Inbetriebnahme einer Solaranlage 1998 unterstrichen wird. Des Weiteren wird jährlich ein Umweltpreis unter den Schülern verliehen, um deren ökologisches Verständnis zu schulen. Die Ganztagsschule umfasst mittlerweile 2 Klassen, welche auch den Nachmittag in der Schule verbringen. Als Fremdsprachen gibt es neben Englisch und Französisch, auch Latein und Griechisch. Die erste Fremdsprache wird aber der 5ten Klasse unterrichten, während die 2te Fremdsprache ab der 7ten Klasse unterrichtet wird. Der Unterrichtsbeginn ist um 8.00. Die letzte Stunde endet um 16.00.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Quelle: Homepage der Schule 2013)

Die Schule liegt in der Nähe des Hauptbahnhofs und ist somit auch für Schüler anderer Orte gut erreichbar. Auch die Innenstadt liegt in unmittelbarer Nähe. Neben der Schule befinden sich ein Park und ein großer Parkplatz, da die meisten Schüler der Oberstufe schon den Führerschein haben. Ein separater Lehrerparkplatz ist ebenfalls vorhanden. Dadurch ist die Schule für Lehrer und Schüler gleichermaßen gut erreichbar.

Die 5te und 6te Klassenstufe gilt als Orientierungsphase. Das R.-Gymnasium ist ein altsprachliches Gymnasium, daher beginnen alle Schüler mit Latein und Englisch in der 5ten Klasse. Englischkenntnisse aus der Grundschule sind hilfreich, werden aber nicht vorausgesetzt. Ab Klasse 8 beginnt verpflichtend Französisch oder Griechisch. Des Weiteren existiert das Angebot von Portugiesisch, Italienisch und Spanisch in der Oberstufe. Es ist ebenfalls möglich einen naturwissenschaftlichen Schwerpunkt zu wählen. Ein großes Spektrum an Arbeitsgemeinschaften ergänzt das vielseitige Angebot des R.-Gymnasium. Die humanistische Lehre steht im Mittelpunkt aller Unterrichtsfächer. Das R.-Gymnasium will den Schülern neben der Bildung, auch eine Orientierung, für ihr späteres Leben, vermitteln. Die Verantwortung gegenüber den Mitmenschen und der Umwelt steht dabei im Vordergrund.

In den Klassenstufen 8 bis 10 gibt es sogenannte Epochalfächer, welche nur halbjährlich unterrichtet werden. In der Klasse 8 betrifft das Religion, Ethik, Erdkunde, Chemie, Musik und Kunst. In der Klasse 9 sind davon lediglich Geschichte, Sozialkunde und Kunst betroffen. In Klassenstufe 10 sind Biologie, Physik, Kunst, Musik, Erdkunde und Religion davon betroffen.

Besonders hervorzuheben ist der Leistungskurs Griechisch, was ein seltenes Angebot ist. Dazu gibt es ein breit gefächertes Angebot an Leistungskursen, was jeden Fachbereich abdeckt.

Das R.-Gymnasium hat 4 Schulpartnerschaften. In Italien unterhält das R.-Gymnasium Verbindungen zu den Schulen in Busto Arsizio und Palermo. Dazu kommen Partnerschaften in Irland und der Schweiz. Besonders für den Schüleraustausch in der 8ten und 9ten Klasse sind diese Verbindungen hilfreich.

2.2 Zusammensetzung der Schülerschaft und des Lehrer­kollegiums

Das Lehrerkollegium setzt sich aus 64 Lehrkräften zusammen, welche sich über die verschiedenen Fachbereiche verteilen. Es gibt 24 Klassen in der Sekundarstufe 1 und 17 Stammkurse in der Sekundarstufe 2, auf welche sich die 855 Schülerinnen und Schüler verteilen.

2.3 Schulgebäude, Ausstattung etc.

Das Schulgebäude ist recht modern und wurde 1992 grundsaniert. Dazu wurde 2009 der Bau der Schulmensa vollendet, damit die Ganztagsschule verbessert wird. Die Ausstattung in den Naturwissenschaften ist umfangreich und vollständig. Genauer gesagt befindet sich zwischen zwei Sälen ein Materialraum, in welchem Versuchsanordnungen, Stoffe und Materialien untergebracht sind. Es existieren 5 Fachräume und eine Sammlung. In 2 der Räume sind Beamer installiert und es gibt ein computergesteuertes Messdatenerfassungssystem. Dazu gibt es mobile Beamer, Laptops, Fernsehgeräte und einen Medienraum, in welchem mehrere Computer zur Verfügung stehen. Des Weiteren liegt nebenan die Schulbücherei, welche nach Fachbereichen geordnet ist. Dazu gibt es eine Sporthalle, welche erst kürzlich erbaut wurde und einen Sportplatz.

3 Hospitationsprotokolle

3.1 Ein Schultag in der Klasse 9

Die Klasse 9 wird heute am 4.9.2012 von mir begleitet. Sie haben heute folgenden Unterrichtsverlauf zu absolvieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die ersten beiden Stunden hatte die Klasse Deutschunterricht bei Hr. P. Das Stundenthema war die Kurzgeschichte „Nachts schlafen die Ratten doch“ von Wolfgang Borchert. Nachdem Austeilen wurde die Kurzgeschichte von M. vorgelesen. Anschließend geht Hr. P. auf den Inhalt ein. Er verwendet die Methode „Close-Reading“. Dabei wird der Text langsam und Stück für Stück analysiert. Die Schüler werden so von Schlüsselstelle zu Schlüsselstelle geleitet und erkennen so die Bedeutung des Texts. Die Klasse ist sehr konzentriert und ruhig, was laut Hr. P. gewöhnlich ist.

Nachdem Hr. P. die Schlüsselstellen besprochen hat und mit den Schülern die Bedeutung erarbeitet hat, beginnen die Schüler ein alternatives Ende zu schreiben. Gegen Ende der zweiten Stunde verliest D. seine Version. Der Protagonist der Geschichte wird in D.s Fassung entführt und das Ende bleibt offen. Auch L. trägt ihre Version vor. In L.s Version wird der Protagonist zum Kaninchenstall geführt und erhält ein weißes Kaninchen. Ihr Ende ist harmonisch. Als Hausaufgabe sollen die Schüler sich über die Trümmerliteratur informieren.

In der Folgestunde ist wieder Hr. P. in der Klasse. Er ist der Klassenlehrer. Das Thema der Stunde ist der Bundestag. Die Stunde beginnt mit einem Lehrfilm. Dabei sollen die Schüler notieren, welche Funktionen er hat und wie er gewählt wird. Die Schüler tragen anschließend ihre Ergebnisse vor. Er hat also eine Artikulationsfunktion, eine Wahlfunktion, eine gesetzgebende Funktion und eine Kontrollfunktion. Danach werden die genannten Funktionen vertieft.

Die 4te Stunde ist das Fach Geschichte ebenfalls bei Herrn P. Es geht heute um den Ausbruch des ersten Weltkriegs und die Vorstimmung. Die Schüler assoziieren ihre Gedanken in einer Mind-Map. Danach wird ein Zeitungsartikel aus dem Jahre 1913 gelesen und die Mind-Map wird vervollständigt. Die Stimmung der dt. Bevölkerung war demnach recht euphorisch und auch im europäischen Umland war die Stimmung recht militärisch. Darauffolgend zeigt Hr. P. einen Film zum Ausbruch des ersten Weltkrieges. Eine Hausaufgabe gibt es, wie auch in Sozialkunde, nicht.

Die letzten beiden Stunden sind Sport bei Fr. D. Die Schüler werden in 4 Gruppen eingeteilt und spielen ein Volleyballturnier. Die Sportstunde verläuft ohne besondere Vorkommnisse.

3.2 Eine Unterrichtsstunde unter besonderer Berück­sichtigung der Phasen, der Sozialformen und eingesetzten Methoden Für diese Begutachtung habe ich eine Stunde von Herrn P. in seinem Politik Leistungskurs gewählt. Es war die 6te Stunde am 5.9.2012, in der Klasse 12.

Das Stundenthema behandelte „die Beitrittsverhandlungen der EU mit der Türkei“. Das Vorwissen der Schüler, ist wegen der Unterrichtseinheit „Europa“, bereits recht ausgeprägt. Die Klasse wurde in der vorigen Stunde in 2 Gruppen aufgeteilt und bekam Argumentationsunterlagen ausgeteilt, auf deren Grundlage die heutige Debatte aufbaut. Die Schüler verrücken die Tische zu zwei gegenüberliegenden Reihen. Die Contra-Seite darf die Debatte eröffnen. Die Sozialform in der Einstiegsphase ist die Gruppenarbeit und die Methode die politische Debatte, wobei zu sagen ist, dass es sich um keine klassische Einstiegsphase handelt.

Nachdem die Schüler 20min deB.iert hatten und nahezu alle Argumente genannt wurden, kommt es zur Hauptphase. Die Schüler sollen in Partnerarbeit definieren, was Europa ausmacht und für sie bedeutet. Die Zeit ist auf 10min festgelegt. Die Begriffsdefinition ist die Methode und die Partnerarbeit die Sozialform.

In der Fertigungsphase notieren die Schüler Adjektive, welche für sie charakteristisch sind, um Europa zu definieren, an die Tafel. Am Ende der Stunde ist die Tafel voller Adjektive und das Europa der Klasse nimmt Gestalt an. Die Zeit war mit 10min gut veranschlagt, weil die Tafel am Ende der Stunde vollkommen gefüllt war. Die Methode ist die Mind-Map Erstellung und die Sozialform ist das Plenum.

Der Lehrer hat sich sehr zurückgehalten und die Schüler haben die ganze Stunde selbständig gestaltet, lediglich die Methoden und die Phasen waren vorgegeben. Eine Debatte als Einstieg ist eine recht außergewöhnliche Methode, weil die Schüler sofort mitten im Thema sind. Allerdings lag das an dem Thema der vorigen Stunden. So wurden die Schüler auf die Debatte vorbereitet und die Argumente konnten davor verinnerlicht werden.

Die Phasen und deren Wechsel waren gut strukturiert und sehr überschaubar. Des Weiteren waren die Methoden sehr gut überlegt und ausgewählt. So konnten die Schüler sehr selbstständig arbeiten. Die Methoden der Debatte und der Mind-Map ermöglichen schülerzentrierten Unterricht. Auch durch die Sozialform Gruppenarbeit wird selbstständige Interaktion in der Klasse gefördert. Die Partnerarbeit, als Sozialform, erfordert ebenfalls die Interaktion der Schüler.

3.3 Eine Unterrichtsstunde unter besonderer Berück­sichtigung der Lehrer-Schüler-Interaktionen

Die bereits angeführte Stunde von Herrn P. in der Klasse 9 möchte ich benutzen, um die Lehrer-Schüler-Interaktionen zu untersuchen. Zu Beginn wird ein Film über den Bundestag gezeigt, was zugleich das Stundenthema ist. Hr. P. verteilt die Arbeitsaufträge und unterrichtet die Schüler den Film anzusehen. Die Schüler sollen die Funktionen des Bundestags aufzählen. Die Schüler sind zuerst etwas unruhig, reagieren auf einen ernsten Blick mit Konzentration. Während des Films werden vereinzelte Unterhaltungen geführt, welche aber sofort, durch einen Lehrer-Schüler Blickkontakt, beendet werden. Nach dem Film wird die Unterrichtssituation etwas entspannter und dazu sehr unruhig. Hr. P. bittet um Ruhe, was nach 2maligem Wiederholen der Bitte auch geschieht. Nun fragt Hr. P. nach den Funktionen des Bundestages, welche die Schüler aus dem Film entnehmen konnten. K. meldet sich und nennt die Wahlfunktion. Nun fragt Hr. P. in die Klasse, wer denn vom Bundestag gewählt wird. M. traut sich und erhält das Wort. Fragend nennt sie den Bundeskanzler. Bestätigend sagt Hr. P., dass die Wahl des Bundeskanzlers völlig richtig ist. Nun will Hr. P. die weiteren Funktionen genannt haben. Er gibt, an dieser Stelle, einen Impuls und macht durch seine Gestik sehr deutlich, dass er die Artikulationsfunktion meint. I. nennt die Artikulationsfunktion, sagt aber im selben Atemzug, dass er nicht weiß was das sei. Hr. P. beteuert beruhigend, dass das später geklärt wird. Nun erwähnt Hr. P., dass noch eine Funktion fehlen würde. K. nennt schließlich noch die legislative Funktion. Damit sind die wesentlichen Aufgaben des Bundestags erfasst. Die Schüler sind sehr konzentriert und verfolgen die Bewegungen ihres Lehrers. Durch seine laute und deutliche Aussprache zieht er die Aufmerksamkeit der Schüler auf sich, gleichzeitig gibt er Sicherheit und lobt bei richtigen Antworten. Vielmehr leitet er die Schüler zu richtigen Antworten und gibt viele verdeckte Hinweise, so dass die Schüler selbstständig auf die Lösungen kommen. So leitet er die Klasse, bei der Artikulationsfunktion, auf den Sachverhalt der Bundestagswahl. Also merken die Schüler, dass die Parlamentäre Wähler vertreten. Weiterführend vertreten sie die Bundesbürger. Hr. P. möchte nun auch noch die weiteren zwei Funktionen erklärt haben. Durch ein Lehrer-Schüler Gespräch werden auch die beiden Funktionen noch beschrieben. Hr. P. hat ein didaktisches Gespür und merkt, wann er Hilfestellung geben muss und wie viel er helfen muss. Des Weiteren legt er großen Wert darauf, dass die Schüler richtiges Wissen auffassen. Deshalb wird die Erarbeitungsphase im Klassenverband organisiert. Hr. P. trat in der Klasse wohlwollend und freundlich den Schülern gegenüber, dieses wird von Schülerseite auch anerkannt und gewürdigt, da Hr. P. nur wenige Male Blickkontakt halten musste oder um Ruhe bitten musste.

3.4 Eine Unterrichtsstunde unter besonderer Berück­sichtigung der individuellen Lernarbeit der Schüler

Eine Stunde zu finden, welche für diese Beobachtung geeignet ist, erforderte etwas Geduld von meiner Seite. In der zweiten Woche war ich zu Gast bei Fr.. Sie unterrichtet eine 11te Klasse in Deutsch. Momentan befindet sie sich in der Unterrichtseinheit „Identitätsfindung“ und hat in der Klasse 11 „Frühlingserwachen“ von Schiller behandelt. Die Schüler charakterisieren in Gruppenarbeit eine ausgewählte Person aus der Lektüre. Dabei ist der Kreativität keine Grenze gesetzt. Die Schüler verinnerlichen den Inhalt, die Bedeutung und die Personenkonstellation, durch die Umwandlung der Thematik in selbst gewählte Formen. In der freien Arbeitsphase, über mehrere Unterrichtsstunden, lernen die Schüler individuell. Sie können die Zeit selbst einteilen und auch die Form der Ausarbeitung ist ihnen frei gestellt. Die Klasse wurde zu Beginn der Phase in 4 Gruppen unterteilt. Jede Gruppe, bestehend aus 5 Schülern, hat die Möglichkeit die Lehrerin im Klassenraum aufzusuchen. Ergänzend sind 2 andere Räume geöffnet, um ungestörte Arbeit zu ermöglichen. Eine Gruppe habe ich genauer beobachtet. Auffällig war die Verteilung der Teilaufgaben unter den Gruppenmitgliedern. So kommen sie schneller voran. Individuell ist die Arbeit insofern, weil jede Gruppenarbeit ein Konstrukt aus den Beiträgen der Mitglieder ist. Die Methoden der Umsetzung werden von den Schülern selbstständig ausgewählt. Durch die Ergebnisse der Gruppenarbeiten werden die Ergebnisse der individuellen Lernarbeit dokumentiert und gleichzeitig den anderen Gruppen dargestellt. So können die Schüler exemplarisch vergleichen und ihr Ergebnis erweitern.

3.5 Eine Beobachtung eines Schülers in einer begrenzten Lernsequenz

Am 11.9.2013 richte ich mein Augenmerk auf C., einen Schüler der Klasse 7, während einer Geschichtsstunde. Es ist die 6te Stunde und die Klasse ist dementsprechend bereits ermüdet. C. sitzt in der ersten Reihe. Er sitzt links außen, sein Tischnachbar ist M.. Das Thema der Stunde lautet „Ausdehnung des römischen Weltreichs“. Die Stunde beginnt mit einem Film zur Entwicklung des Reichs in historischen Schritten. Dabei wird dessen zeitliche und räumliche Ausdehnung beschrieben. Der Arbeitsauftrag lautet, die Entwicklung nach Jahreszahlen zu dokumentieren. C. ist sehr aufmerksam und stört nicht. Konzentriert notiert er die Daten und Fakten. Nachdem Film werden die Notizen im Plenum verglichen. C. ist sehr aktiv und meldet sich kontinuierlich. C. scheint immer sehr gut mitzuarbeiten und wird daher nicht sofort drangenommen. Darauffolgend wird eine Aufgabe aus dem Geschichtsbuch erteilt. Die Schüler sollen beantworten, welche Probleme und Veränderungen das vergrößerte Reich mit sich bringt. Nach einer kurzen Unterhaltung mit M. beginnt C. zu schreiben. Gegen Ende der Arbeitsphase unterhält sich C. erneut mit M., er scheint fertig zu sein. Im Plenum werden die Arbeitsaufgaben besprochen. Die Klasse wird allgemein sehr unruhig und C. unterhält sich wieder mit M. und beginnt sich nach seinen Mitschülern umzudrehen. Des Weiteren dauert die Besprechung der Aufgaben recht lange, weil einige Schüler eine Diskussion über die Versorgungswege und Infrastruktur beginnen. Der Lehrer versucht nach Möglichkeit die damaligen Verhältnisse zu erklären, was C. sehr gelangweilt wahrnimmt. Es scheint, als wäre es für C. keine neugewonnene Erkenntnis, welche Unterschiede die Infrastruktur von damals zu heute hat. C. ist anscheinend unterfordert und sehnt das Ende der Stunde herbei. Auffällig ist das schnelle Tempo von C. Allerdings hat C. Schwierigkeiten aufmerksam und konzentriert zu bleiben, wenn er nicht direkt und aktiv beschäftigt ist. Störungen und Auffälligkeiten bleiben von ihm aber aus. Insgesamt hat C. ein gutes Arbeitsverhalten, weil er schnell und zuverlässig arbeitet und auch bei Desinteresse nicht stört.

3.6 Ein Unterrichtstag eines Lehrers

Gleich am ersten Tag, dem 3.9.2012, begleitete ich Hr. P.. Das war sehr hilfreich, um einen Eindruck der Schule zu bekommen und auch den Unterricht meines Mentors zu beobachten. Der heutige Arbeitstag, ein Montag, sieht für Hr. P. folgendermaßen aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hr. P. ist Klassenlehrer der Klasse 9 und führt außerdem einen Leistungskurs Politik als Tutor. Er ist Oberstudienrat und unterrichtet die Fächer: Politik, Geschichte und Deutsch. Er hat eine Vollstelle und ist dementsprechend ausgelastet.

Wie es vereinbart war, folge ich ihm in den ersten beiden Stunden. Die Reflexion der Stunde würde später stattfinden.

Die 8te Klasse erwartet ihren Lehrer schon und wir betreten die Klasse zum Klingeln. Hr. P. stellt mich vor und erklärt den Grund meiner Anwesenheit, während ich mich unauffällig hinten setze. Die heutige Stunde beginnt mit einer kurzen Begrüßung und Zusammenfassung der letzten Stunden in einem Lehrer-Schüler-Gespräch. Danach wird ein Text verteilt, unter welchem eine Arbeitsaufgabe steht. Die Schüler erhalten einen Text zum Lehnwesen und sollen anschließend Vorschläge unterbreiten, wie die Ländereien des Fürsten verteilt werden sollten. Im Plenum erstellt Hr. P. ein Tafelbild mit den SuS. Damit will er die Bedeutung des Lehnwesens, unter heutigen Ansichten, beleuchten. Es ist wichtig, dass sich die Kinder den Unterschied zu damals und die Bedeutung des demokratischen Fortschritts verdeutlichen. Die Stunde endet recht harmonisch und ein breites Schülerinteresse war festzustellen.

Die Folgestunde ist im Grundkurs 12 Politik. Das Thema der Stunde ist das Spannungsverhältnis zwischen Ökologie und Ökonomie. Die Grundlage zur Stunde ist ein Text über den Handel mit Emissionen. Nachdem Lesen des Texts, werden Beiträge gesammelt und die Schüler beteiligen sich recht vielzählig. In der Klasse macht sich Unmut breit. Die Schüler sind in der Mehrzahl gegen den Emissionshandel und für eine verpflichtende Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls. Abschließend wird ein Kurzfilm zur Existenzbedrohung Karibischer Inselstaaten gezeigt. Durch das Steigen der Meeresspiegel werden die Staaten, laut Prognose, im Meer verschwinden.

Hr. P. ist erleichtert über die Freistunde. Er reflektiert die Stunden und befragt mich zu meinem Eindruck. Ich entgegnete, dass er sehr souverän auftritt und einen guten Bezug zur Klasse hatte. Gemeinsam besprechen wir die Vorgehensweise des Praktikums und ich bekomme Stunden zugeteilt, welche ich selbst halten werde. Gewöhnlich nutzt Hr. P. die Freistunden zum Kopieren und zur mentalen Vorbereitung auf den folgenden Unterricht.

[...]

Details

Seiten
48
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668108776
ISBN (Buch)
9783668108783
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311636
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Zfl
Note
2,3
Schlagworte
praktikumsbericht unterrichtsentwürfen politik deutsch klasse gymnasium inkl essay beutelsbacher konsens

Autor

  • Thomas Bäcker (Autor)

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Titel: Praktikumsbericht mit 8 Unterrichtsentwürfen in Politik und Deutsch (5.-12. Klasse Gymnasium)