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Der Zusammenhang zwischen Kultur, Medien und Emotionen. Welche Rolle spielt Scham in einer Kultur?

Hausarbeit 2013 18 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0. Was gehört zur Kultur eines Landes?

1. Aufbau von Kultur und Zusammenhang mit Emotionen
1.1.Gesellschaft
1.2.Sozialisation
1.3.Kultur
1.4.Emotionen

2. Die Rolle der Medien
2.1.Funktion
2.2.Bezug zu Emotionen
2.3.Exemplarisches Beispiel Deutschland/Ägypten

3. Die Emotion der Scham
3.1.Unterscheidung Peinlichkeit/Schuld
3.2.Funktionen
3.3.Formen

4. Kultur Medien Emotionen

5. Literaturverzeichnis

6. Medienverzeichnis

0. Was gehört zur Kultur eines Landes?

Wenn es um interkulturelle Kommunikation geht, ist es die „Kommunikation“ an sich, welche meist als Erstes betrachtet wird. Grundlegender ist jedoch der Punkt der „Kultur“. Es ist herauszufinden, was alles unter diesen Begriff fällt, um die Kommunikation darüber oder dadurch besprechen zu können. Man muss die Grundsäulen verstehen, um deren Auswirkungen herauszukristallisieren. Während solch einer Überlegung stellte sich mir die Frage, ob auch Emotionen, deren Ausdruck und Empfinden, durch die Kultur eines Landes oder einer Bevölkerungsgruppe geprägt werden. Dies könnte auch im Gebiet der interkulturellen Kommunikation von Interesse sein. Sind Gefühle individuelle Faktoren oder werden sie auch durch die Masse bestimmt? Werden somit manche Verhaltensweisen erklärbar? Sind Handlungsrahmen also schon durch das Verständnis von Emotionen bestimmt? Kann man darauf in der Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen achten und aufmerksam mit Unterschieden umgehen?

In der vorliegenden Arbeit werde ich kurz darlegen, welche Rolle die Gesellschaft und die Sozialisation in einer Kultur spielen. Des Weiteren folgt eine kurze Einordnung der Emotionen in der Kultur. Die Klärung der Begriffe stellt eine anfängliche Grundlage zum Folgenden dar.

Im zweiten Punkt widme ich mich den Medien. Welche Rolle spielen sie in der Kultur eines Landes? Als Institution betrachtet, erreicht sie jeden Bürger und kann somit enormen Einfluss haben. Welche Funktionen übernehmen sie? Wie wirkt sich das auf das Empfinden von Emotionen in einer Gesellschaft aus? Hier werde ich auch kurz jeweils auf ein mediales Beispiel aus Deutschland und Ägypten eingehen. Dies ist als exemplarisch zu verstehen und deckt nicht die komplette Darstellung in den Medien ab.

Schließlich konzentriere ich mich auf das spezielle Gefühl der Scham. Es ist mit seinen Auswirkungen und Funktionen ebenso interessant für das Zusammenleben einer Masse. In der Kultur eines Landes kann es sogar eine bedeutende Rolle spielen und Handlungen der Gesellschaft bestimmen.

Die Überlegung solcher Fragen kann zum Verständnis zwischen Kulturen beitragen und somit die interkulturelle Kommunikation fördern.

1. Aufbau von Kultur und Zusammenhang mit Emotionen

Spricht man über das Feld der Kultur, so sind anfangs verschiedene Begrifflichkeiten zu erläutern. Die Gesellschaft, die Sozialisation, die Kultur und die Emotionen gehören dazu. Sie sind alle aufeinander bezogen und ergänzen sich jeweils. Es ist nicht möglich, sie scharf zu trennen. Sie wirken sich aufeinander aus und bedingen sich gleichzeitig. Um darüber also weiter zu diskutieren, bedarf es einer kurzen Darstellung dieser Zusammenhänge.

1.1. Gesellschaft

Die Gesellschaft bezeichnet die Bevölkerung eines Landes. In ihr oder durch sie werden Regeln des Verhaltens und Zusammenlebens aufgestellt. (vgl. Schwender 2001, S. 33) Diese gehen in das kollektive Gedächtnis der Menschen im jeweiligen Land über. Dadurch können sie jederzeit wachgerufen und bestimmte Entscheidungen getroffen werden. Doch nicht nur die eigenen Handlungen werden von der Gesellschaft beeinflusst. Auch die Beurteilung anderer wird an den gesellschaftlichen Regeln gemessen. So entsteht eine „Herausbildung von sozialen Typen und sozialen Grundmustern“ (Bartsch/Eder/Fahlenbrach 2007, S. 120), welche soziale Effekte hervorrufen und das Zusammenleben untereinander regulieren. Gleichzeitig ist dies also ein Merkmal der Kultur des Landes. „Gesellschaft und Kultur reproduzieren sich selbst.“ (Schwender 2001, 34) Das bedeutet, dass die Gesellschaft die Grenzen und Richtlinien für die Kultur aufstellt. Diese Kultur aber gleichzeitig jene über Jahre hinweg manifestiert. Auch die Emotionen spielen hier eine Rolle. Sie können über Akzeptanz oder Ablehnung entscheiden. „Demnach braucht jede Gesellschaft regulative Gefühle und Ideen zur Aufrechterhaltung ihrer sozialen Normen“. (Kühn 1997, S. 31) Das Lernen dieser Regeln und Normen kann als Sozialisation bezeichnet werden.

1.2. Sozialisation

Die Sozialisation bezeichnet die Weitergabe von bestehenden Handlungsmustern in einer Gesellschaft. Hierzu zählen unter anderem auch gesellschaftliche Kontextbedingungen. Sie gelingt einerseits durch die Weiterhabe von „kulturelle[n] Denktraditionen und Institutionen und andererseits dem mütterlichen Erziehungsverhalten.“ (Ulich/Mayring 2003, S. 141) Es spielen also die Eltern, oder Erziehungspersonen allgemein, eine Rolle bei der Sozialisation.

Diese wurden jedoch meist im gleichen Land sozialisiert und geben so anerkannte Muster weiter. Man kann letztlich nur das auch Ausleben, was man selbst schon gesehen oder erfahren hat. Das könnte man wiederum als Weitergabe der Kultur über Generationen nennen und behaupten, dass „alle Handlungsmuster und alle zwischenmenschlichen Phänomene ausschließlich kulturell geprägt sind“. (Schwender 2001, S. 33) Mit der Sozialisation wird also in einer Gesellschaft deren Kultur weitergegeben. Dazu zählt auch die Emotionalität. „Emotionen werden durch Erziehung- und Sozialisationsprozesse geformt, wodurch sie Merkmale annehmen, die kulturell spezifisch […] sind.“ (Friedlmeyer/Holodynski 1999, S. 258) Emotionen sind also gesellschaftlichen Prozessen unterworfen, die das Wissen darüber weitergeben. Wie man sie entwickelt, bewertet, einschätzt oder kontrolliert, gehört dazu. Auch hier ist also deutlich der Zusammenhang zwischen der Sozialisation, der Kultur und den Emotionen zu merken.

1.3. Kultur

Die Kultur soll eine Gesellschaft vereinen. Jene hat „eine gruppenspezifische Kultur, die sich im gemeinsamen Verhalten […] äußert.“ (Schwender 2001, S. 34) Sie wird durch die Sozialisation „und von Generation zu Generation“ (Schwender 2001, S. 34) weitergegeben. Sowohl die Gesellschaft als auch die Sozialisation dieser kennzeichnen also die Kultur, die sich in Handlungsmustern ausdrücken kann. Sichtliche Auswirkungen sind beispielsweise in Musik, Architektur, Kunst, Mode oder Speisen eines Landes zu sehen. Ebenso gilt dies aber auch für Emotionen. „Die Art und Weise, wie Personen die Intensität und Qualität ihrer eigenen Emotionen und die anderen regulieren, ist ebenfalls kulturspezifisch.“ (Friedlmeyer/Holodynski 1999, S. 254) Hier wirken ebenfalls Muster und Konventionen. Über die Beständigkeit dieser lässt sich diskutieren. Einerseits bringt sich „in der Kultur […] die Natur zum Ausdruck.“ (Jensen/Morat 2006, S. 142) Das bedeutet, dass die Ursprünglichkeit eines Landes so deutlich werden kann. Rituale und Traditionen äußern sich in der Kultur. Andererseits behauptetLuca:

„Die Kultur der Gesellschaft ist […] kein homogenes, stabiles Konstrukt, sondern vielmehr gekennzeichnet durch einen ständigen Widerstreit verschiedener Kulturen der sozialen Klasse, der ethnischen Zugehörigkeit, des Alters, des Geschlechts, die jeweils versuchen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen und Bedürfnisse zu artikulieren.“ (Luca 2003, S. 29)

Die Kultur ließe sich also verändern. Sie wird durch den ständigen Wechsel der Zusammensetzung der Gesellschaft und den wirkenden Kräften in ihr beeinflusst. Man könnte sich auf den Konsens beider Richtungen einigen. Die Kultur eines Landes beinhaltet die Überlieferungen der vorherrschenden Denkmuster und Handlungstraditionen. Gleichermaßen können diese aber durch stete Beeinflussung der soziologisch veränderten Rahmenbedingungen verändert und angepasst werden. Langfristig gesehen ist es möglich, die Kultur eines Landes so zu variieren. (vgl. Vester 1991, S. 103) Weiterhin kann hier die Frage gestellt werden, inwieweit der Einzelne dann noch eine Entscheidungsgewalt hat. Denktraditionen und der Umgang mit Emotionen können durch die Kultur konditioniert werden. Ein Beispiel wäre der Umgang mit der Liebe, welche in westlichen Ländern romantisch dargestellt wird, aber beispielsweise in primitiveren Ländern nicht. Die Vorstellung, welche Emotionen wertvoll und sozialisationswürdig sind, wird hier bestimmt. Man kann „Kultur […] verstehen als ein Modell für Verhalten, das in kognitiven wie kommunikativen Prozessen als kollektives Wissen erzeugt wird.“ (Schmidt 1994 a, S.25) Hier würde sie also nur hintergründig präsent sein und Vorschläge geben. Das Wissen hierüber kann jedoch erweitert und ausgebaut werden. Es bliebe zu diskutieren, inwieweit Kultur die „Freiheit der individuellen Lebensgestaltung als einen zentralen Wert“ (Mai/Winter 2006, S. 177) heraushebt.

1.4. Emotionen

Emotionen werden durch die Kultur bestimmt und deren Ausdrucksmöglichkeiten in der Sozialisation weitergegeben. Dies steckt im kollektiven Gedächtnis und ist als emotionales Wissen gespeichert. Es wird „sozio-kulturell und biografisch in Lernprozessen entwickelt.“ (Fahlenbrach 2010, S. 67-68) Emotionen sind mit Wertungen und Ausrichtungen kommunizierbar. Sie können so sozial bewusst konstruiert werden, um eine gewisse Kontrolle in der Gesellschaft zu garantieren. Dies ist bezogen auf „die Einschätzung eigener Emotionen als auch auf die Bewertung des emotionalen Verhaltens anderer in einer bestimmten Situation.“ (Fahlenbrach 2010, S. 68) Mit der bewussten Weitergabe und Entscheidung, welche Werte sozialisationswürdig sind, wird die Kultur bestimmt. Diese wiederum determiniert den Umgang, den Ausdruck, das Aufkommen und die Bewertung von Emotionen. Durch die kulturelle Codierung (vgl. Vester 1991, S. 98) ist dies vorhersehbar und -bestimmbar. Das „prägt dementsprechend auch die Moralvorstellung der Gesellschaft.“

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Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668103238
ISBN (Buch)
9783668103245
Dateigröße
439 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311641
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Germanistik
Note
1,3
Schlagworte
zusammenhang kultur medien emotionen welche rolle scham

Autor

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Titel: Der Zusammenhang zwischen Kultur, Medien und Emotionen. Welche Rolle spielt Scham in einer Kultur?