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Oskar Schindler und John Rabe. Deutsche Helden?

Ein Vergleich

Facharbeit (Schule) 2011 26 Seiten

Leseprobe

Gliederung der Facharbeit

1) Definition des Heldenbegriffs

2) Oskar Schindler und John Rabe - Deutsche Helden? Ein Vergleich.
2.1) John Rabe - der Retter mit dem Hakenkreuz
2.1.1) Das Massaker von Nanking
2.1.2) Lebenslauf von John Rabe
2.2) Oskar Schindler - der Mensch und sein Werk
2.2.1) Judenpolitik in Krakau und Płaszów von 1939-1945
2.2.2) Lebenslauf von Oskar Schindler
2.3) Vergleich zwischen John Rabe und Oskar Schindler
2.3.1) Unterschiede in der Popularität
2.3.2) Mitgliedschaft in der NSDAP
2.3.3) Motive des Handelns
2.3.4) Persönlicher und materieller Einsatz

3) Oskar Schindler und John Rabe: Deutsche Helden!

4) Quellenangaben
4.1) Literaturverzeichnis
4.2) Internetverzeichnis

1) Definition des Heldenbegriffs

„Der Held ist einer, der fünf Minuten tapferer ist, als der normale Mann“1. Mit diesem Zitat formulierte der amerikanische Schriftsteller und Philosoph Ralph Waldo Emerson was seiner Meinung nach einen Helden ausmache: Fünf Minuten länger durchhalten, als die Mitmenschen. Das klingt alles andere als anspruchsvoll. Beschäftigt man sich jedoch genauer mit dem Terminus Held und dessen Bedeutung, so fällt auf, dass zu diesem Begriff die unterschiedlichsten Definitionsversuche existieren und diese den Weg zum Heldentum auch weitaus schwieriger zu gestalten scheinen. Laut dem Grimmschen Wörterbuch ist ein Held „der durch Tapferkeit und Kampfgewandtheit hervorragende Krieger“2und dem Großen Brockhaus zufolge ist er ein „[a]ußergewöhnlicher Mensch, der durch seine Taten und sein Schicksal aus der Menge der anderen Menschen hervorragt und dieser so zum Vorbild werden kann.“3 Jedoch gibt es nicht nur die verschiedensten Deutungen, sondern auch die vielfältigsten Heldentypen, die sich im Laufe der Zeit hervortaten.

So waren dies in der Antike Charaktere wie Hektor, Achill oder Odysseus, während nach heutiger Auffassung historische Persönlichkeiten wie Mahatma Gandhi oder Mutter Teresa, aber auch fiktive Geschöpfe wie Batman oder Superman das Heldenbild prägen.

Kann ein Mensch jedoch ein Held sein, wenn er Mitglied in einer rassistischen und antisemitischen Organisation war? John Rabe und Oskar Schindler riskierten ihr Leben, um ihre Nächsten zu retten, waren beide jedoch Parteigenossen der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei Adolf Hitlers. Folglich gilt es die Heldentauglichkeit dieser beiden Protagonisten zu untersuchen, vor allem was die Motive und Hintergründe ihres Handelns betrifft.

Denn all die oben genannten Namen, ob erfunden oder nicht, haben eine Sache gemeinsam: Wichtig sind allen voran die Taten, die vollbracht werden. Diese sind es, die einen zum Helden werden lassen.

2) Oskar Schindler und John Rabe - Deutsche Helden? Ein Vergleich.

2.1) John Rabe - der Retter mit dem Hakenkreuz

2.1.1) Das Massaker von Nanking

Um das Wirken von John Rabe in China 4besser einordnen zu können, müssen zunächst die geschichtlichen Hintergründe belichtet werden. Zu dieser Zeit war die Außenpolitik Japans darauf ausgerichtet, den ostasiatischen Raum unter Kontrolle zu bringen. Somit versuchte die japanische Regierung, ihre Einflusssphäre von der Mandschurei aus zu vergrößern, welche seit dem dortigen Krieg von 1931-1933 zu einem Satellitenstaat Japans geworden war. Dies war die Ursache für den Beginn des Zweiten japanisch- chinesischen Krieges. Auslöser hierfür war jedoch ein von japanischen Militärs inszenierter Zwischenfall, den diese am 7. Juli 1937 als Vorwand nahmen, um eine Durchsuchung der chinesischen Stadt Wanping anzuordnen. Begründet wurde dies damit, dass die japanische Armee einen Soldaten vermisse5. Da sich die Chinesen jedoch weigerten, den Japanern Zugang zur Stadt zu gewähren6, kam es zu ersten bewaffneten Auseinandersetzungen. Die Japaner nutzten nun die Gelegenheit, brachen das seit 1933 bestehende Waffenstillstandsabkommen und fielen in China ein. Auf Grund der fehlenden Ausbildung und der mangelnden Ausrüstung der chinesischen Militärs konnte die japanische Armee noch vor Ende des Monats Peking erobern7. Mit dem weiteren Vormarsch der Japaner fiel am 12. November 1937 Shanghai. Am 12. Dezember 1937 besetzten japanische Truppen die damalige Hauptstadt Chinas, Nanking8. In den anschließenden sechs Wochen verübten japanische Soldaten hier ein Massaker von unfassbarem Ausmaß9. Während dieser Zeit wurden 200.000-300.000 Chinesen ermordet und etwa 20.000 Frauen und Mädchen vergewaltigt10. Zivilisten wurden ebenso wie Soldaten erschossen oder bei lebendigem Leibe verbrannt11, Frauen vergewaltigt und gepfählt12. Rund ein Drittel der Häuser in Nanking wurde in Brand gesetzt13. Im Jahre 1940 setzten die Japaner eine Marionettenregierung in China ein. Da es in Großteilen der Bevölkerung jedoch Widerstand gegen die japanischen Besatzer gab, verzichteten diese auf ein weiteres Vordringen ins Landesinnere und richteten ihren Blick auf Südostasien. Das Verhalten der Japaner in China lässt sich wohl am besten mit den Worten von Erwin Wickert, dem Herausgeber der Tagebücher von John Rabe, beschreiben: „Auch Rabes Tagebuch, die Berichte der Deutschen Botschaft [...] - sie alle nennen die japanischen Ausschreitungen „bestialisch“. Falsch! Das Tier gibt sich nach dem Kampf mit einem Rivalen seiner Art zufrieden, wenn er sich unterwirft und Demutshaltung einnimmt. Wo kommt es unter den wildesten Bestien vor, daß ein Tier allein oder in einer Meute seine Artgenossen überfällt und ein Blutbad unter ihnen anrichtet, sich die grausamsten Todesarten ausdenkt und sich gar einen Sport aus dem Töten und Quälen macht? Wo hat man je gehört, daß ein Tier ein anderes artverwandtes Tier nach der Vergewaltigung nicht nur umbringt, sondern noch in der widerlichsten Weise verstümmelt und schändet? Wenn sich die Japaner doch nur bestialisch verhalten hätten! Sie aber waren viel schlimmer; sie haben sich so benommen, wie sich nur Menschen benehmen können.“14

2.1.2) Lebenslauf von John Rabe

John Rabe kam am 23. November 1882 in Hamburg15 als Sohn eines Kapitäns zur Welt16. Nach Abschluss der mittleren Reife begann er eine kaufmännische Lehre bei einem Exportunternehmen in seiner Heimatstadt, um im Anschluss daran nach Afrika zu gehen. Hier arbeitete er von 1903 bis 1906. Aufgrund einer Malariaerkrankung musste er schließlich nach Deutschland zurückkehren. Im Jahre 1908 zog es ihn nach China, wo er, zusammen mit seiner Frau Dora17, fast durchgängig für dreißig Jahre blieb. Ab 1911 war er bei Siemens angestellt. Zu Beginn noch in Peking, wurde er 1932 in die damalige Hauptstadt Nanking versetzt, wo er Leiter der Siemensvertretung wurde. Dort gründete er im Jahre 1934 eine deutsche Schule. Im selben Jahr trat John Rabe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei bei und wurde wenig später auch in die Leitung der NSDAP Ortsgruppe in Nanking berufen.

Aufgrund des Einfalls japanischer Truppen in China im Jahre 1937 und der Belagerung Nankings seit dem 9. Dezember 1937 bot Siemens John Rabe die Rückreise nach Deutschland an. Er beschloss jedoch zu bleiben und gründete zusammen mit einigen wenigen Ausländern, die selbigen Entschluss trafen, das Nanking Internationale Komitee. Wegen seiner Zugehörigkeit zur NSDAP wurde er zum Vorsitzenden dieses Komitees gewählt. Rabe sollte Verhandlungen mit den Japanern führen, die damals noch mit dem Deutschen Reich verbündet waren. Man hoffte sogar, „Hitler [...] dazu zu bewegen, sich für die Chinesen einzusetzen.“18Das Komitee errichtete eine Sicherheitszone für Flüchtlinge und legte deren Fläche auf 3,86 km² fest. Unmittelbar danach wurden Gespräche mit der chinesischen und japanischen Seite geführt, um die Neutralität dieses Areals zu erwirken. Die chinesische Seite unterstützte dieses Begehren und versprach, alle militärischen Einrichtungen aus diesem Gebiet zu schaffen. Einige Zeit später willigte auch die japanische Seite unter der Bedingung ein, dass sich dort keinerlei chinesische Militärs aufhalten durften. Infolgedessen konnte der Sicherheitszone die Neutralität garantiert werden, in welcher ab dem 10. Dezember 1937 etliche Flüchtlinge Zuflucht vor den Massakern an der Zivilbevölkerung suchten. Etwa 250.000 Chinesen konnte so das Leben gerettet werden19. Rabe selbst brachte 600 Flüchtlinge auf seinem privaten Anwesen unter.

Am 23. Februar 1938 wurde John Rabe von der Firma Siemens gegen seinen Willen zurück nach Deutschland beordert. Hier wollte er die Öffentlichkeit auf die Straftaten und Verbrechen der japanischen Streitmacht in Nanking aufmerksam machen20. In seinem Glauben, die deutsche Regierung zum Handeln bewegen zu können, sendete er auch Adolf Hitler einige Briefe. All dies bescherte ihm jedoch Konfrontationen mit der Geheimen Staatspolizei, Gestapo. Rabe wurde verhört und inhaftiert. Erst nachdem Siemens eine Kaution bezahlte, kam er wieder frei. Zusätzlich musste er versprechen, über die Geschehnisse in Nanking zu schweigen21.

Während des Zweiten Weltkriegs war Rabe weiterhin bei Siemens beschäftigt und für kurze Zeit in Afghanistan tätig. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete er in Berlin, wo er auch das Kriegsende miterlebte22. In seinen letzten Jahren lebte Rabe in ärmlichen Verhältnissen und wurde von der chinesischen Militärmission mit Lebensmitteln unterstützt23. Selbige bot ihm eine Umsiedlung nach China an. Bedingung hierfür war, dass Rabe vor dem Kriegsverbrechertribunal über die japanischen Kriegsverbrechen aussagen sollte24. Dies lehnte Rabe jedoch mit der Begründung ab, dass das Urteil seines Erachtens „nur vom eigenen Volk getroffen werden kann“25.

Am 5. Januar 1950 starb John Rabe im Alter von 67 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls26. Bei seiner Beerdigung waren lediglich „seine Frau, die Kinder und ein paar Freunde“27anwesend. John Rabe liegt auf dem Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis- Friedhof in Berlin begraben28.

2.2) Oskar Schindler - der Mensch und sein Werk

2.2.1) Judenpolitik in Krakau und Paszów von 1939-1945

Wie auch im Falle John Rabes bedürfen auch die Umstände 29um Oskar Schindler besonderer Aufmerksamkeit, als sich dieser eine Fabrik inmitten des Generalgouvernements erwarb. Dieses beinhaltete nach dem deutschen Überfall auf Polen die Gebiete, die nicht direkt in das Reich eingegliedert, aber dennoch durch dieses kontrolliert wurden30. Da das Generalgouvernement allem voran als Reservoir für Zwangsarbeiter dienen sollte, erhielt Generalgouverneur Hans Frank die Anweisung, den Lebensstandart so gering wie möglich zu halten31. Als Hauptstadt wurde Krakau ernannt32. Die dort lebenden Juden wurden durch eine Reihe von Verordnungen ihrer sämtlicher Rechte beraubt33. Der Befehl zur Umsiedlung der jüdischen Bevölkerung erging im Herbst 194034. Am 3. März 1941 wurde das Ghetto Krakau im „heruntergekommenen Industriebezirk“35der Stadt errichtet. Hier wurden in einem Gebiet, welches vorher 3000 Bewohner hatte, 18.000 Menschen, meist Juden konzentriert. Bald breiteten sich Krankheiten und Hunger aus36.

[...]


1 Emerson, zitiert nach Krohn, URL: http://www.bk-luebeck.eu

2 Zitiert aus Universität Trier URL: http://urts55.uni-trier.de:8080/Projekte/DWB

3 „Der Große Brockhaus“, zitiert nach Theater Verband Tirol, URL: http://www.heldintirol.at/files/begriffe%202.pdf

4 Im folgenden Abschnitt stütze ich mich, wenn nicht anders angegeben auf König, URL: http://www.regis-net.de

5 Vgl. Hallo, S. 10

6 Vgl. Schwarz, URL: http://www.hausarbeiten.de

7 Vgl. Hallo, S. 10

8 Vgl. ebd., S. 14

9 Vgl. ebd., S. 14

10 Vgl. Wunderlich, URL: http://www.dieterwunderlich.de/massaker_nanking.htm

11 Vgl. Peschel, URL: http://www.kinofenster.de

12 Vgl. John Rabes Tagebuch in Wickert, S. 253

13 Vgl. Hallo, S. 14

14 Zitiert aus Wickert, S. 396

15 Im folgenden Abschnitt stütze ich mich, wenn nicht anders angegeben auf Hallo S. 14 ff.

16 Vgl. Urbansky, URL: http://www.j-zeit.de

17 Vgl. Widmann, URL: http://www.spiegel.de/

18 Zitiert aus Hallo, S. 28

19 Vgl. Wunderlich, URL:http://www.dieterwunderlich.de/John_Rabe.htm

20 Vgl. Wunderlich, URL:http://www.dieterwunderlich.de/John_Rabe.htm

21 Vgl. Hallo, S. 53

22 Vgl. ebd. S. 54

23 Vgl. Wickert, S. 401 ff.

24 Vgl. ebd., S. 404 f.

25 Zitiert aus John Rabes Tagebuch, in Wickert, S. 406

26 Vgl. Hallo, S. 54

27 Zitiert aus Wickert, S. 406

28 Vgl. Wickert, S. 407

29 Im folgenden Abschnitt stütze ich mich, wenn nicht anders angegeben auf Jewish Krakow URL: http://www.jewishkrakow.net/

30 Vgl. Crowe, S. 96

31 Vgl. Pierzchała, S. 119

32 Vgl. ebd., S. 117

33 Vgl. ebd., S. 168

34 Vgl. Crowe, S. 168 ff.

35 Zitiert aus Crowe, S. 173

36 Vgl. Crowe, S. 175

Details

Seiten
26
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668105218
ISBN (Buch)
9783668105225
Dateigröße
685 KB
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2015 (Dezember)
Note
1,3
Schlagworte
Oskar Schindler Schindler John Rabe Rabe NSDAP Helden Held Nanking Schindlers Liste Liste Warschau Ghetto Geschichte Deutsche Geschichte Vergleich Nazi Hitler

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