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Der Einsteinturm in Potsdam. Ein ewiger Pflegefall?

Hausarbeit 2014 13 Seiten

Design (Industrie, Grafik, Mode)

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Von der Skizze zum Turm
2.1 Mendelsohn als Architekt für den Einsteinturm
2.2 Der Bau
2.3 Rohbau- und Gebrauchsabnahme

3 Der Einsteinturm und sein Zerfall
3.1 Die ersten Komplikationen
3.2 Weitere Schäden

4 Ewiger Pflegefall?

5 Fazit

6 Literatur

1 Einleitung

Die Stadt Potsdam ist stolz, dass eine Ikone der klassischen Moderne auf ihrem Boden steht. Ein Unikat. Der Einsteinturm. Er ist eines der berühmtesten Werke des Architekten Mendelsohn und gehört heute zu den wichtigsten Bauwerken des 20. Jahrhunderts. Durch seine einzigartige, extravagante Form wird er zum Monument moderner Wissenschaft, zum Symbol für weltbildverändernde Erkenntnisse. Denn durch seinen Bau konnten wichtige Beiträge zur Sonnenforschung gebracht werden: Die Spektrallinien der Sonnenkorona konnten identifiziert, die Temperaturen der äußeren Sonnenhülle nachgewiesen und erste europäische Messungen und Nachweise von Magnetfeldern der Sonne erbracht werden. Erbaut wurde er 1920-1924 um die Rotverschiebung der Sonne nachzuweisen, die Einstein in seiner Relativitätstheorie hervorgesagt hatte. Diese minimale Verschiebung des Rots konnte jedoch zu dem Zeitpunkt noch nicht gemessen werden, da die Instrumente noch nicht genau genug waren. Dennoch erlangte der Turm große Bedeutung. Allerdings sind mit seinem Bau auch große Komplikationen verbunden.

Schwerpunkt dieser Hausarbeit ist es zu erklären, warum der Einsteinturm auch in Zukunft ein Pflegefall sein wird. Sie schildert auch die Geschichte des Turmbaus und gibt Antwort auf die Frage, warum das Bauwerk überhaupt ein Pflegefall geworden ist.

2 Von der Skizze zum Turm

Während Albert Einstein in den Jahren 1911 bis 1915 an seiner allgemeinen Relativitätstheorie arbeitete, veranlasste er die astronomische Fachwelt, seine Befunde experimentell zu prüfen. Der Astrophysiker Erwin Finlay Freundlich folgte diesem Anlass und hatte die Idee eines Observatoriums zur Prüfung der Rotverschiebung bei der Sonne aufgrund von Gravitationsfeldern. Dazu sollte die Sternwarte der sonnenphysikalischen Grundlagenforschung dienen. Das Observatorium sollte die Hülle für das Sonnenteleskop bilden.

2.1 Mendelsohn als Architekt für den Einsteinturm

Über seine Frau Luise lernte der Architekt Erich Mendelsohn seinen zukünftigen Partner Freundlich kennen, mit dem er während seiner Dienstzeit als Soldat 1915 in ständigem Briefkontakt blieb. Er berichtete Freundlich von seinen zahlreichen architektonischen Ideen und Phantasien. Am 2. Juli 1918 wurde Mendelsohn gebeten, die Außenarchitektur für den Einsteinturm zu gestalten. Wieder schickte Mendelsohn Freundlich, während seines Wehrdienstes, in Briefen Skizzen und Ideen zum Einsteinturm.

„[…] Ich habe mir die Sache folgendermaßen gedacht. Ein Betonturm von 15m Höhe trägt oben die kleine Kuppel von 1,5 - 2,0 Meter Durchmesser. Der Turm ist doppelwandig d.h. sein äusserer Mantel umfasst umfasst einen ganz isolierten Schornstein von vielleicht 500mm freier Öffnung und 500mm Wandstärke. Auf diesem einen Schornstein steht ein Coelostat (Heliostat), der mit Hülfe seiner Spiegel das Bild der Sonne senkrecht nach unten in ein unterirdisches Laboratorium wirft, so dann auf einem horizontalen Betonfundament (isoliert) Spalt, Kamera, Diffraktionsgitter zur Erzeugung des Spektrums montiert sind. Das unterirdische Laboratorium ist etwa 15m lang und nur so hoch und breit als unbedingt nötig, da es auf konstanter Temperatur gehalten werden soll. An das Laboratorium grenzen nur durch Fensterchen beziehungsweise Doppeltüren mit ihm verbunden, mehrere Räume und zwar 1) der Raum für den elektrischen Ofen, 2) der Raum für elektrische Bodenlampen; beide für sich gut ventiliert und mit Anschlüssen an die Starkstromanlage bzw. Luftpumpen versehen. Ferner liegt dort eine Dunkelkammer und ein Arbeitszimmer mit Ausgang an die Oberwelt. Am Fusse des Turmes steht nur ein kleines Häuschen, das vielleicht ein oder 2 Räume hat und nach unten in Laboratorium führt. Meine Skizze ist natürlich nur schematisch zu verstehen. […]“1

Als er aus seinem Wehrdienst am 7. November 1918 nach Berlin zurückkehrte, wollte Mendelsohn am liebsten gleich mit der Realisierung beginnen. Wegen der politischen und wirtschaftlichen Krise der letzten Kriegsmonate war die Realisierung des Einsteinturms jedoch noch nicht möglich. Die Finanzierung war dabei das größte Anliegen.

Nach dem Ersten Weltkrieg war das internationale Ansehen Deutschlands auf ein Minimum gesunken, doch Albert Einstein hingegen wurde im November 1919 eine große Berühmtheit. Um wenigstens das wissenschaftliche Ansehen zurückzuerlangen waren die Behörden bereit erst 150 000, später 200 000 Mark zu Verfügung zu stellen, um den Einsteinturm zu realisieren und um später von seiner Nutzung zu profitieren. Jedoch reichte dieser Betrag bei Weitem nicht aus. Ende 1919 rief Freundlich deshalb zur ÄAlbert-Einstein-Spende“ auf. Im folgenden Herbst wurden dadurch 1 300 000 Mark gesammelt.

2.2 Der Bau

Nun, als die Finanzierung des neuen Bauwerks gesichert war, konnte im Mai 1920 mit der konkreten Planung begonnen werden, die bis zum September andauerte. Der Telegraphenberg wurde als Bauplatz ausgewählt, der eine Höhe von 95 Metern hat und sich am Rand der heutigen Stadt Potsdam befindet. Aus forschungsbedingten Gründen wurde der Turm am Südhang des Berges, mit der Eingangsseite zu einem Hügel gebaut. Er ist exakt in Nord- und Südrichtung positioniert.

„Der ‘Turm‘ bekommt einen etwas dickeren Bauch, dadurch verändern sich naturgemäß alle Verhältnisse. Die Anordnung bleibt dieselbe“2

Die Außengestalt, sowie die Form des Turms, sind stark von Mendelsohns Einstellung zur Architektur geprägt. Trotz seines Diplomabschlusses, legte er keinen großen Wert auf genaue Richtlinien und architektonische Regeln. Technisches Zeichnen und Statik interessierten ihn nicht so sehr. Vielmehr verstand er sich als Künstler und Schöpfer. Deshalb gibt die Dynamik des Gebäudes eine anschwellende, hochsteigende, stufenförmig abwärtsfallende, rund schwingende und ausfließende Bewegung wieder.

„Das ist doch immer von Neuem wunderbar, wie das Simpelste durch warmes Gefühl, eine Biegung anders, eine Schwingung […], ein Umriss straffer die Erregung überträgt und Gradmesser für die eigentliche Leistung wird. Das Gesicht dem andern eindeutig zu machen, das ist Alles. Scheint aber auch ans Letzte zu greifen. Für mich ist es noch lange nicht fertig und ich will ständig durchträumt werden. […] Am Grundriß scheint mir nunmehr auch kaum noch etwas anders möglich. Grundriß und Aufriß sind eindeutig bestimt. Es wird nun Alles auf die räumliche Umsetzung, auf die Ausführung ankommen.“3

Diese extravagante Form brachte dem Architekten den Durchbruch zur Anerkennung. Die Berühmtheit verdankte das Gebäude jedoch auch einer in der Öffentlichkeit entstandenen Mystifizierung, die sich vor allem aus der Unterstellung ergab, dass es eine Verbindung zwischen der Architektur und der Relativitätstheorie gäbe.

Nach Mendelsohns Vorstellungen sollte der Einsteinturm in den modernen Wertstoff Stahlbeton gegossen werden mit einigen Ziegelelementen.

„Der Bau soll gemischt in Ziegel- und Betonmauerwerkausgeführt werden. Alle Fundamente, auch die der Instrumente in Cementbeton. Der gesamte Oberbau in Beton resp. Eisenbeton. Der Turm in Ziegelmauerwerk, die Fensterseite in Beton […] Die architektonische Gestaltung entspricht dem inneren Bedürfnis und hält sich an die formalen Bedingungen der Eisenkonstruktionen. Sie legt Wert

[...]


1 HUSE, NORBERT: BAUDENKMALE DER MODERNE. MENDELSOHN. DER EINSTEINTURM. DIE GESCHICHTE EINER INSTANDSETZUNG. STUTTGART: KARL KRÄMER VERLAG, 2000. S.32F

2 HUSE, NORBERT: BAUDENKMALE DER MODERNE. MENDELSOHN. DER EINSTEINTURM. DIE GESCHICHTE EINER INSTANDSETZUNG. STUTTGART: KARL KRÄMER VERLAG, 2000. S.36

3 HUSE, NORBERT: BAUDENKMALE DER MODERNE. MENDELSOHN. DER EINSTEINTURM. DIE GESCHICHTE EINER INSTANDSETZUNG. STUTTGART: KARL KRÄMER VERLAG, 2000. S.38

Details

Seiten
13
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668107694
ISBN (Buch)
9783668107700
Dateigröße
865 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311797
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
Schlagworte
Turm Designpädagogik Architektur Bau Einstein Albert Gebäude

Autor

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