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Analyse der Textproduktion. Kriterien und Kompetenzen von Texten

Hausarbeit 2015 18 Seiten

Didaktik - Deutsch - Gattungen

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Was ist ein Text?

3 Konstitutive Kriterien der Textualität nach de Beaugrande
3.1 Kohäsion
3.2 Kohärenz
3.3 Intentionalität
3.4 Akzeptabilität
3.5 Informativität
3.6 Situationalität
3.7 Intertextualität
3.8 Zwischenfazit

4 Mündlichkeit und Schriftlichkeit

5 Der Schreibprozess
5.1 Das allgemeine Modell der Textproduktion nach Hayes und Flower
5.2 Die Struktur des Schreibprozesses nach Ludwig
5.3 Die sozial-kommunikative Funktion und Einbettung des Schreibprozesses nach Arne Wrobel

6 Schreibaufgaben im Kontext von Kompetenzstufen und Textsorten
6.1 Kriterien für die Textsortenklassifikation
6.2 Der Schwierigkeitsgrad verschiedener Textsorten
6.2.1 Einfache Textsorten
6.2.2 Schwierige Textsorten
6.2.3 Komplexe Textsorten

7 Analyse eines Exempel

8 Fazit

9 Literatur

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit den Fragestellungen, was ein Text ist, wie er produziert wird und welche Kompetenzen dazu nötig sind.

Aus diesem Grund wird in zwei Punkten der Frage nachgegangen, was einen Text zu einem Text macht. Ist ein Text nur schriftlich oder gibt es auch mündliche Texte? Welche Kriterien muss ein Text erfüllen um als Text bezeichnet zu werden? Im darauffolgenden Kapitel wird der Unterschied zwischen der Mündlichkeit und der Schriftlichkeit erläutert, um den Unterschied zwischen diesen Medien aufzuzeigen. Als nächstes folgt die Vorstellung von drei verschiedenen Modellen zur Textproduktion, um den Prozess des Schreibens besser zu verstehen. Danach wird auf die Schwierigkeitsstufen verschiedener Textsorten eingegangen, denn jede Aufgabe erfordert andere Kompetenzen vom Schreiber. Im sechsten Kapitel wird darauf ein Exempel einer Schreibaufgabe analysiert, nämlich die Fantasiegeschichte „Die kleine Maus und der laufende Stein“. Abschließend folgt ein Fazit.

2 Was ist ein Text?

Oft werden Schreiben und Textproduktion synonym verwendet. Jedoch sind mit den beiden Begriffen zwei verschiedene Handlungen gemeint. Um einen Text zu produzieren ist es nicht immer nötig zu schreiben. Wir können auch mündlich einen Text produzieren. Genauso ist es nicht immer der Fall, dass wenn wir schreiben, wir auch einen Text produzieren. Dies ist zum Beispiel nicht der Fall, wenn wir Noten aufschreiben. „Für Sprechhandlungen, die aus ihrer primären Situation herausgelöst und für eine zweite Sprechsituation gespeichert werden, verwenden wir den Begriff Text.“1 Dabei muss das Scheiben für sich und das Schreiben für andere differenziert werden. Beim Sprechen geht ohne Zuhörer der Sinn verloren, es sei denn, es handelt sich um ein Selbstgespräch. Beim Schreiben ist dies nicht der Fall. Es werden viele Texte auch nur für einen selbst geschrieben, zum Beispiel Tagebucheinträge. Das Schreiben für andere wird nach Michael Becker-Mrotzek und Ingrid Böttcher in drei große Funktionsbereiche unterteilt:2

- Erkenntnis
- Praxis
- und Gemeinschaft.

Bei einem erkenntnisstiftenden Text werden neue Informationen mitgeteilt oder vorhandenes Wissen bearbeitet. Dies geschieht zum Beispiel bei einer Nachricht oder bei einer Argumentation. Bei einem praxisstiftenden Text wird der Leser zu einer Handlung aufgefordert, wie zum Beispiel bei einer Anleitung und bei einem gemeinschaftsstiftenden Text wird der Leser mit einbezogen, beispielsweise bei einer Erzählung, die den Leser mit einbindet. Meist werden zwei oder sogar alle Funktionsbereiche bei der Textproduktion verwendet. Auf einer liegt jedoch der Schwerpunkt.

Textlinguistisch wird ein Text definiert als „Ein aus Wörtern und Sätzen kohärent, d.h. zusammenhängend „gewebtes Werkstück“, in sich geschlossen, mit sprachlichen Kohärenzmitteln, dazu mit Anfangs- und Schlusssignalen (z. B. Überschriften, Anreden), einer Zusammenfassung, einer Unterschrift usw., und inhaltlich einheitlich, d.h. auf eine Referenzeinheit, einen „Wirklichkeitsausschnitt“ bezogen.“3

3 Konstitutive Kriterien der Textualität nach de Beaugrande

Es gibt nach de Beaugrande sieben Kriterien, die bestimmen, was ein Text ist und was nicht.4 Welche Kriterien das sind und ob sie überhaupt als Kriterien gelten können, wird im Folgenden dargestellt:

3.1 Kohäsion

Kohäsion ist „die Art, wie die Komponenten des Oberflächentextes, d.h. die Worte, wie wir sie tatsächlich hören oder sehen, miteinander verbunden sind.“5 Dies bedeutet, dass Kohäsion die grammatische Relation zwischen Einheiten des Textes ist. Bei der phonologischen Kohäsion sind dabei Rhythmus, Reim, Lautsymbolik, Intonation, sowie Pausenstruktur gemeint. „Morphologische Kohäsion findet sich vor allem bei Wortneubildungen, die durch den umgebenden Text motiviert und interpretierbar werden.“6 Zur syntaktischen Kohäsion zählen die Ellipse und die Junktion. Kohäsion reflektiert also die Zusammengehörigkeit von Oberflächeneinheiten eines Textes und beruht auf grammatischen Abhängigkeiten.

3.2 Kohärenz

In manchen Definitionen wird zwischen Kohärenz und Kohäsion nicht unterschieden. Im engeren Sinne jedoch wird unter Kohärenz der semantische Sinnzusammenhang verstanden. Somit kann Kohärenz auch ohne Kohäsion auftreten. Dies ist der Fall, wenn nebeneinanderstehende Sätze einen semantischen Sinn haben, es jedoch keine grammatische Relation gibt, wie zum Beispiel bei den Sätzen „Es regnet. Gib mir die Bibel!“7 Diese Sätze lassen mehrere Interpretationen zu, da keine Kohäsion vorhanden ist. Einerseits könnte der Sprecher sich mit der Bibel vor dem Regen schützen wollen oder er könnte die Bibel vor dem Regen schützen wollen. Kohärenz ist also unabhängig von Kohäsion. Sie bezieht sich rein auf die Kontinuität des Inhalts und die inhaltliche Zusammengehörigkeit von Textteilen. Allgemein kann Kohärenz in eine thematische Kohärenz, bei der es um die Makrostruktur, das Thema und den Inhalt geht, in eine grammatische Kohärenz, bei der es um die Mikrostruktur auf der Satz- und Wortebene geht, und in eine strukturelle Kohärenz gegliedert werden, bei der es um die Superstruktur und das Textmuster geht.8

3.3 Intentionalität

Nach de Beaugrande ist Intentionalität „die Einstellung des Textproduzenten, der einen kohäsiven und kohärenten Text bilden will, um die Absichten seines Produzenten zu erfüllen, d.h. Wissen zu verbreiten oder ein in einem Plan angegebenes Ziel zu erreichen.“9 Vater sieht in der Intentionalität jedoch eine Voraussetzung für jede Art von Kommunikation und nicht nur für Textualität. Er meint auch, dass obwohl Kohärenz und Kohäsion unabhängige Kriterien sind und nicht Teil eines anderen Textualitätskriteriums sein können, der Intentionalitätsbegriff auf diese beiden verweist und sie zu Kriterien macht, die an Intentionalität gebunden sind. Somit ist nicht klar, ob die Intentionalität überhaupt ein Kriterium für Textualität sein kann.

3.4 Akzeptabilität

Auch zur Akzeptabilität, die de Beaugrande als „eine Einstellung des Text-Rezipienten, einen kohäsiven und kohärenten Text zu erwarten, der für ihn nützlich oder relevant ist, z.B. um Wissen zu erwerben oder für Zusammenarbeit in einem Plan vorzusorgen“ bezeichnet, hat Vater eine andere Meinung. Für ihn ist die Akzeptabilität ebenfalls allgemein notwendig für erfolgreiches Kommunizieren und nicht nur ein Kriterium für Textualität.

3.5 Informativität

Informativität ist nach de Beaugrande „das Ausmaß der Erwartetheit bzw. Unerwartetheit oder Bekanntheit bzw. Unbekanntheit/Ungewißheit der dargebotenen Textelemente.“10 Nach Vater sollte die Informativität jedoch auf die „Erwartetheit bzw. Unerwartetheit von Zeichen aus einem dem Rezipienten bekannten Zeicheninventar“11 eingeschränkt werden, da ein Text wie zum Beispiel „Das große Lalula“ von Christian Morgenstern12 nicht sehr informativ ist, da die Wörter nicht bekannt sind und deshalb nicht mit Gewissheit gesagt werden kann, wovon der Text handelt.

3.6 Situationalität

Situationalität ist die Gesamtheit der Faktoren, die einen Text für eine kommunikative Situation relevant machen. Zum Beispiel ist der Satz „Ich habe langsam spielende Kinder umfahren.“13 nur durch die situativen Faktoren richtig interpretierbar. Durch sie weiß man, dass der Sprecher langsam die spielenden Kinder umfahren hat und nicht die langsam spielenden Kinder umfahren hat. Diese Logik entsteht allein durch die Situation, denn grammatisch ist dieser Satz nicht eindeutig.

3.7 Intertextualität

De Beaugrande definiert Intertextualität in zweifacher Weise: zum einen in Bezug auf die Textsorte und zum anderen in Bezug auf andere Texte. Nach der ersten Definition ergibt sich die Textsorte, aus einem Geflecht verschiedener Faktoren und Merkmale wie der Intention, Form, Situation etc. Nach der zweiten Deutung ist der Bezug zu anderen Texten wichtig. Dies ist häufig bei Kabarett-Titeln der Fall. Vater sieht jedoch nur die zweite Definition von Intertextualität als Kriterium für Textualität als wichtig an. Die erste Definition sei „ableitbar von der Intention des Textproduzenten, der gewählten Form, der Situation und anderen Merkmalen.“14

[...]


1 Becker-Mrotzek, Michael und Böttcher, Ingrid: Schreibkompetenz entwickeln und beurteilen. 4. Auflage. Berlin: Cornelsen 2012. S.13

2 vgl. Becker-Mrotzek, Michael und Böttcher, Ingrid: Schreibkompetenz entwickeln und beurteilen. 4. Auflage. Berlin: Cornelsen 2012. S.14

3 Beisbart, Ortwin und Marenbach, Dieter: Bausteine der Deutschdidaktik. Ein Studienbuch. Donauwörth: Auer Verlag GmbH 2003.

4 vgl. Vater, Heinz: Einführung in die Textlinguistik. Struktur und Verstehen von Texten. 3. überarbeitete Auflage. Müchen: Wilhelm Fink Verlag 1992. S.28-54.

5 Vater, Heinz: Einführung in die Textlinguistik. Struktur und Verstehen von Texten. 3. überarbeitete Auflage. Müchen: Wilhelm Fink Verlag 1992. S.29.

6 Vater, Heinz: Einführung in die Textlinguistik. Struktur und Verstehen von Texten. 3. überarbeitete Auflage. Müchen: Wilhelm Fink Verlag 1992. S.32.

7 Vater, Heinz: Einführung in die Textlinguistik. Struktur und Verstehen von Texten. 3. überarbeitete Auflage. Müchen: Wilhelm Fink Verlag 1992. S.40.

8 vgl. Fix, Martin: Texte schreiben. Schreibprozesse im Deutschunterricht. 2. Auflage. Paderborn: Verlag Ferdinand Schöningh GmbH & Co.KG 2006. S.76.

9 Vater, Heinz: Einführung in die Textlinguistik. Struktur und Verstehen von Texten. 3. überarbeitete Auflage. Müchen: Wilhelm Fink Verlag 1992. S.42.

10 Vater, Heinz: Einführung in die Textlinguistik. Struktur und Verstehen von Texten. 3. überarbeitete Auflage. Müchen: Wilhelm Fink Verlag 1992. S.46.

11 Ebd.

12 http://www.textlog.de/17374.html (Aufruf 27.03.15 16:22 Uhr)

13 Vater, Heinz: Einführung in die Textlinguistik. Struktur und Verstehen von Texten. 3. überarbeitete Auflage. Müchen: Wilhelm Fink Verlag 1992. S.47.

14 Vater, Heinz: Einführung in die Textlinguistik. Struktur und Verstehen von Texten. 3. überarbeitete Auflage. Müchen: Wilhelm Fink Verlag 1992. S.48.

Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668108189
ISBN (Buch)
9783668108196
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311800
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,3
Schlagworte
Text Kindertexte Kinder Schule Produktion

Autor

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