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Die Beziehung zwischen Goethe und Mendelssohn. Ein Überblick

Hausarbeit 2012 28 Seiten

Musik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung … 4

1. Das erste Treffen … 4

2. Die Zeit bis zum letzten Besuch … 7

3. Mendelssohns letzter Aufenthalt bei Goethe … 10

Schluss … 13

Bibliographie … 15

Von Mendelssohn vertonte Gedichte von Goethe … 16

Der Wandrer – Johann Wolfgang von Goethe … 17

Ich danke herzlich der Internationalen Mendelssohn-Stiftung, Frau Christiane Schmidt, für ihre Unterstützung.

Einleitung

Der folgende Text möchte einen Überblick über die Beziehung zwischen Johann Wolfgang von Goethe und Felix Mendelssohn Bartholdy geben. Der Kontakt erstreckte sich über neun Jahre, beide empfanden große Sympathie für einander. Zu Lebzeiten Carl Friedrich Zelters hat sich Mendelssohn mit Vertonungen von Gedichten Goethes zurückgehalten, da dies Zelters Gebiet war. Auch besaß Mendelssohn hohe Achtung vor Goethe und war von Stolz erfüllt, überhaupt Kontakt zu diesem haben zu dürfen.

Der vorliegende Text geht chronologisch vor und benutzt zur Einteilung und Orientierung das erste und das letzte Treffen. Im Anhang befindet sich zudem eine Liste von Mendelssohn vertonter Gedichte von Goethe.[1]

Felix Mendelssohn Bartholdys Sohn Karl Mendelssohn Bartholdy veröffentlichte 1871 „Goethe und Felix Mendelssohn Bartholdy“ nach einem Vortrag vom 8. März 1871 vor der „Gesellschaft für Geschichtskunde“.[2] Auf diesem Text, auf Vortrag von Horst Nalewski vom 24. Oktober 2009[3] und auf der Monographie „Mendelssohn. Leben Werke Dokumente“[4] von Arnd Richter aus dem Jahr 2000 baut der vorliegende Text auf.

Dazu wurden Briefe aus „Felix Mendelssohn Bartholdy. Sämtliche Briefe“ Band eins und zwei benutzt.[5]

1. Das erste Treffen

Felix Mendelssohn Bartholdys Vater Abraham Mendelssohn Bartholdy war seit seiner Jugend mit Carl Friedrich Zelter befreundet. Dieser hatte in „Zwölf Lieder am Klavier zu spielen“ ein paar Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe vertont, wodurch dieser neugierig wurde. Als nun Abraham Mendelssohn mit 21 Jahren in Frankfurt auf dem Weg zu Schiller war, um diesem Kompositionen von Zelter zu überbringen, lud ihn Goethe ein, um mehr über Zelter zu erfahren, dabei riet Abraham Mendelssohn Goethe, mit Zelter Kontakt aufzunehmen[6].

Neben dem Klavierunterricht und der sportlichen Ertüchtigung sollten alle Kinder von Abraham Mendelssohn auch Gesangsunterricht erhalten. Dieser wurde an der Berliner Singakademie erteilt, und dort erhielt auch Felix Mendelssohn bei Zelter Unterricht in Harmonielehre, Kontrapunkt und Komposition.

In einem Brief vom 26. Oktober 1821 kündigt Zelter Goethe einen Besuch mit Mendelssohn an: „Meiner Doris [Tochter] und meinem besten Schüler will ich gerne Dein Angesicht zeigen, ehe ich von der Welt gehe, worin ich’s freilich so lange als möglich aushalten will. Der letztere ist ein guter hübscher Knabe, munter und gehorsam.“[7] Als Mendelssohn Goethe das erste Mal begegnete, war er zwölf Jahre alt, und galt ähnlich Mozart als ein Wunderkind.[8] Briefe der Eltern und Fannys ermahnten Felix höflich und zurückhaltend zu sein, klug und überlegt zu antworten und sich alles haargenau einzuprägen, wäre ein Kontakt zu Goethe doch ein existentielles Erlebnis.[9] Da Goethe den meisten Besuchern gegenüber distanziert, einschüchternd und mit „ministerieller Würde“[10] auftrat, musste sich Mendelssohn geradezu fürchten. Doch es kam zu einer väterlichen Freundschaft, gespeist von Goethes Interesse an Mendelssohns Kunst, so dass dieser seine Schüchternheit schnell ablegte.[11]

In einem Brief vom 6. November schrieb Mendelssohn an seine Eltern: „Nach 2 Stunden kam Professor Zelter. Göthe ist da, der alte Herr ist da! Gleich waren wir die Treppe hinunter; in Göthens Haus. Er war im Garten, und er kam eben um eine Ecke herum; ist dies nicht sonderbar, lieber Vater, ebenso ging es auch dir. Er ist sehr freundlich, doch alle Bildnisse von ihm finde ich nicht aehnlich […] Jeden Morgen erhalte ich vom Autor des Faust und des Werther einen Kuß und jeden Nachmittag, vom Vater und Freund Göthe zwei Küsse.“[12]

Gleich nach seiner Ankunft musste Mendelssohn Goethe vorspielen, wovon Ludwig Rellstab berichte.[13] Zuerst gab Zelter eine einfache Melodie in Triolenbewegung vor, nach der Mendelssohn frei fantasierte. Er spielte aufbrausend und benutzte schwierige harmonische Kombinationen und kontrapunktische Sätze, woraufhin Zelter meinte: „Na, du hast wohl vom Kobold oder Drachen geträumt! Das ging ja über Stock und Block!“[14] Danach spielte Mendelssohn Fugen von Bach, welche Goethe besonders gern hörte, und das Menuett aus Don Juan. Als Goethe darum bat, auch die Ouvertüre daraus zu hören, meinte Mendelssohn, dass dies nicht machbar sei und spielte stattdessen die Ouvertüre aus Figaro. Goethe war begeistert von dem musikalischen Talent und dem offenen, bescheiden kindlichen Charakter Mendelssohns.

Er wurde immer heiterer und neckte Mendelssohn. „Bis jetzt hast du mir nur Stücke gespielt, die du kanntest, jetzt wollen wir einmal sehen, ob du auch etwas spielen kannst, was du noch nicht kennst. Ich werde dich einmal auf die Probe stellen.“[15] sprach Goethe und holte Noten von Mozart und Beethoven. Beide waren von den Komponisten selbst geschrieben und letztere sehr stark verschmiert und schwer zu lesen. Doch Mendelssohn spielte beim zweiten Versuch einwandfrei vom Blatt und konnte dabei auch noch Singstimme mitsingen und Kommentare abgeben.[16]

Nach der Aufführung des ersten Quartetts von Mendelssohn in Weimar, sagte Goethe angeblich den Musikern: „Die musikalischen Wunderkinder sind zwar hinsichtlich der technischen Fertigkeit heutzutage keine so große Seltenheit mehr; was aber dieser kleine Mann im Fantasiren und Primavistspielen vermag das grenzt an’s Wunderbare und ich hab es bei so jungen Jahren nicht für möglich gehalten.“[17] Als daraufhin Zelter nach Mozart fragte, den Goethe mit zwölf Jahren auch hörte, antwortete dieser: „Ja damals zählte ich selbst erst zwölf Jahr und war allerdings, wie alle Welt, höchlich erstaunt über die außerordentliche Fertigkeit desselben; was aber Dein Schüler jetzt leistet, mag sich zum damaligen Mozart verhalten wie die ausgebildete Sprache eines Erwachsenen zu dem Lallen eines Kindes.“[18]

Während seines Aufenthaltes spielte Mendelssohn täglich sechs bis acht Stunden außerhalb Goethes Haus u.a. beim Erbgroßherzog, bei der Großfürstin Maria Pawlowna von Russland und deren Prinzessinnen und danach noch ein wenig für Goethe. „Alle Nachmittag“, schrieb Mendelssohn in einem Brief an seine Eltern vom 10. und 12. November, „macht Goethe das Streichersche Instrument mit den Worten auf: ich habe dich heute noch gar nicht gehört, mach mir ein wenig Lärm vor; und dann pflegt er sich neben mich zu setzen, und wenn ich fertig bin, (ich phantasire gewöhnlich) so bitte ich mir einen Kuß aus, oder nehme mir einen.“[19] Mendelssohn war schnell zum Liebling des Hauses und darin verkehrenden Damen geworden. Täglich gab es Dichtwettbewerbe, bei denen Goethe den Schiedsrichter machte.[20]

Als Mendelssohn abreisen wollte, insistierte Goethe laut, so dass Zelter nachgab und Mendelssohn statt geplanter 14 Tage vier Wochen unterwegs und davon 16 Tage bei Goethe war.[21]

2. Die Zeit bis zum letzten Besuch

Zu Weihnachten 1821 schickten sich Mendelssohn und Goethe Briefe und Geschenke. So erhielt Mendelssohn u.a. ein Manuskript des Fausts, eine Federzeichnung von Goethe und ein von Adele Schopenhauer aus Papier geschnittenes Steckenpferd mit folgenden Versen von Goethe:

Wenn über die ernste Partitur
Quer Steckenpferdchen reiten,
Nur zu auf weiter Töne Flur,
Wirst manchem Lust bereiten
Wie Du’s gethan mit Lieb‘ und Glück.
Wir wünschen Dich allesammt zurück.[22]

Am 5. Februar 1822 schrieb Goethe an Zelter: „Auch Felix sag ein gutes Wort und seinen Eltern. Seit Eurer Abreise ist mein Flügel verstummt, ein einziger Versuch ihn wieder zu erwecken, wäre beinahe mislungen.“[23], woraufhin Mendelssohn an Goethe am 19. März schrieb: „Mit schwerem Herzen denk ich ans schöne Weimar zurück; wenn ich doch noch einmal hinkäme! Es sollte Ihrem Flügel nicht sehr angenehm sein mich bei ihm zu wissen und mein Getrommel auszuhalten.“[24]

Im Herbst 1822 kam es zu einem zweiten Besuch, bei dem Mendelssohn seine Eltern mitnahm. Mendelssohns Mutter berichtete: „Da er gewöhnliche Musik nicht liebt, war sein Piano seit Felix‘ Abwesenheit unberührt geblieben und er öffnete es ihm mit den Worten: „Komm‘ und wecke mir all‘ die geflügelten Geister, die lange darin geschlummert“. Und ein andermal: „Du bist mein David, soll ich krank und traurig werden, so banne die bösen Träume durch Dein Spiel, ich werde auch nie wie Saul den Speer nach Dir werfen.“[25]

Bis 1825 begegneten sich der Dichterfürst und der junge Komponist nicht persönlich. Aber während dieser Zeit hielt Zelter Goethe auf dem Laufenden über die Entwicklung Mendelssohns, wie z.B. in einem Brief vom 26. Dezember 1824: „Heute läßt mein Felix sein neuestes Doppelkonzert hören. Der Junge steht auf einer Wurzel, die einen gesunden Baum ankündigt. Das Eigene kommt immer mehr an den Tag und amalgiert sich gut mit dem Zeitgemäßen, aus dem es wie ein Vogel aus dem Ei heraussieht.“[26]

Mendelssohn und sein Vater fuhren 1825 nach Paris. Abraham Mendelssohn erhoffte sich dort von Cherubini eine Bestätigung, dass das musikalische Talent seines Sohnes für eine Laufbahn als Komponist und Dirigent ausreichend sei. Cherubini, dem man das dritte Klavierquartett in h-Moll op. 3 vorspielte, zeichnete den jungen Komponisten mit einem feinen Lächeln aus.[27] Von Paris und seinem Musikbetrieb war der nun mittlerweile 16 jährige Mendelssohn jedoch schwer enttäuscht.[28] Sowohl auf der Hinreise, als auch auf der Rückreise besuchten beide Goethe. Auf dem Hinweg erhielt Mendelssohn als Abschiedsgeschenk ein Silbermedaillon mit dem Bild Goethes von Bovy. Er schrieb am 13. März 1825 an seine Familie: „Ich komme eben vom Dîner bei Göthe zurück, wo es gar nicht steif herging. Das fürchterliche „Sie“, womit er mich gestern empfing, war heute wieder ins vormalige „Du“ verwandelt; wenn einem Göthe Champagner anbietet, und einschenkt, darf man ihn doch nicht ausschlagen? und beim Dessert langte er ein Papier mit einem rosa Bändchen umwickelt, aus der Tasche, und sagte mir, es mir über den Tisch reichend: er wollte mir auch eine Leckerei schenken. Ich fand ein rothes Kästchen, mit der Aufschrift: Herren Felix Mendelson. 1825; und darin Goethes wohlgetroffnes Portrait auf einer Silbermedaille von Bovy. Das heiße ich ein Geschenk!“[29]

[...]


[1] Wehner, Ralf (Hrsg.) (u.a.): Felix Mendelssohn Bartholdy. Thematisch-systematisches Verzeichnis der musikalischen Werke (MWV). Wiesbaden/ Leipzig/ Paris 2009.

[2] Mendelssohn Bartholdy, Karl/Lippert, Manja (Hrsg.): Goethe und Felix Mendelssohn Bartholdy. Leipzig 2008.

[3] Nalewski, Horst: Goethe hat ihn bewundert. Goethes Begegnungen mit Felix Mendelssohn Bartholdy. 1821-1830. Weimar 2009.

[4] Richter, Arnd: Mendelssohn. Leben Werke Dokumente. Zürich/Mainz 2000.

[5] Loos, Helmut (Hrsg.)/Seidel, Wilhelm (Hrsg.): Felix Mendelssohn Bartholdy. Sämtliche Briefe (Bd. 1/ 2). Kassel (u.a.) 2008.

[6] Nalewski 2009, S. 10.

[7] Zitiert nach: Mendelssohn Bartholdy 2008, S. 5.

[8] Richter 2000, S. 117.

[9] Mendelssohn Bartholdy 2008, S. 5 f.

[10] Ebenda, S. 7.

[11] Ebenda.

[12] Loos/Seidel 2008 Bd. 1, S. 75.

[13] Nalewski 2009. S, 14.

[14] Ebenda. Zelter wollte bei Mendelssohn keine Selbstsicherheit aufsteigen lassen, damit dieser nicht faul würde. Ähnlich dieser Bemerkung verhielt er sich stets bei Leistungen Mendelssohns.

[15] Zitiert nach: Ebenda, S. 15.

[16] Mendelssohn Bartholdy 2008, S. 8.

[17] Zitiert nach: Ebenda, S. 10.

[18] Zitiert nach: Ebenda.

[19] Loos/Seidel 2008, S. 77.

[20] Mendelssohn Bartholdy 2008, S. 12.

[21] Ebenda, S. 15.

[22] Zitiert nach: Ebenda, S. 17.

[23] Zitiert nach: Ebenda.

[24] Loos/Seidel 2008, S. 84.

[25] Zitiert nach: Mendelssohn Bartholdy 2008, S. 18.

[26] Zitiert nach: Ebenda, S. 20.

[27] Richter 2008, S. 99-101.

[28] Mendelssohn Bartholdy 2008, S. 21-24.

[29] Loos/Seidel 2008 Bd. 1, S. 142.

Details

Seiten
28
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668106796
ISBN (Buch)
9783668106802
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v311806
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Musikwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Johann Wolfgang von Goethe Goethe Felix Mendelssohn Bartholdy Kontakt Briefe Besuche Lieder Konzert-Ouvertüre Nr. 3 Meeresstille und glückliche Fahrt

Autor

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