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Vietnamkrieg im Film. Der letzte große Combat-Movie „Full Metal Jacket“

Hausarbeit 2012 27 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Moderne Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Krieg im Film

3. Kategorien des Vietnamfilms

4. Full Metal Jacket

5. Vietnamkrieg im Film in den 90er Jahren bis heute

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Platoon, Full Metal Jacket, Apocalypse Now. Das sind häufig die Antworten, wenn man fragt, was für den Zuschauer Vietnamkriegsfilme beziehungsweise Filme mit Vietnamkriegsinhalt sind. In diesen Filmen sieht man Szenarien vom Krieg, kämpfende GIs gegen den Vietcong, Explosionen, musikalische Hintergrunduntermalung. Aber natürlich werden auch die Schrecken des Krieges, der Einfluss auf das Seelenleben der Soldaten und die Sinnlosigkeit des Krieges gezeigt. Dennoch zeigt die Vietnamthematik im Film einiges mehr auf. Das Genre ist ziemlich breit gefächert und kann man nicht nur auf die sogenannten Combat-Movies wie „Apocalypse Now“ oder „Full Metal Jacket“ beschränken. In dieser Hausarbeit sollen auch die anderen Gattungen dieses Filmgenres vorgestellt und erläutert werden. Wurde in den Filmen das Vietnamtrauma der USA verarbeitet und wie wurde dies überhaupt dargestellt? Dabei sollte man den Begriff des „Vietnamtraumas“ näher erläutern, da dieser zwei Bedeutungen besitzt. Zum einen die Kriegsneurosen, welche die Heimkehrer mit in die Zeit nach dem Krieg nehmen und zum anderen das angeschlagene Selbstwertgefühl der Nation USA, immerhin war Vietnam der erste Krieg, in dem die USA involviert war, den man nicht gewinnen konnte, dazu noch gegen einen militärisch und technisch unterlegenen Gegner (vgl. Reinecke, S. 12)

Dennoch zeigt sich, dass die Filme von Stanley Kubrick, „Full Metal Jacket“, oder Oliver Stone, der mehrere Filme mit Vietnamthematik drehte, unter Anderem „Platoon“ oder „Geboren am 4. Juli“, der breiten Masse am ehesten mit der Vietnamthematik in Filmen in Verbindung gebracht werden. „Full Metal Jacket“ gilt als der letzte große Combat-Movie, Stanley Kubrick arbeitete 10 Jahre an Drehbuch und an der Fertigstellung des Films. Heraus kam ein sehr intensiver Film, der sich nicht nur mit dem Kampf im Feld beschäftigt, sondern insbesondere auch mit der Ausbildung der Soldaten. Im Zuge dieser Hausarbeit soll der Film intensiv betrachtet und eigeordnet werden. Was war die Intention Stanley Kubricks diesen Film zu machen? Dies soll unter die Lupe genommen werden.

Auch heute gibt es in den Medien, in Film und Fernsehen, Einflüsse von der Vietnamthematik. Diese sind jedoch bei weitem weniger ernsthaft, wie noch in den 1970er und 1980er Jahren. Oft wird der Vietnambackground eines Charakters dabei genutzt, um ihn als etwas verrückt darzustellen. Zuletzt nahm jedoch auch die Ernsthaftigkeit wieder etwas zu, da seit dem Anfang der 2000er Jahre auch einige größere Filme ins Kino kommen, bei dem wieder der Vietnamkrieg und die Soldaten in den Mittelpunkt rücken, wie zum Beispiel „Tigerland“ aus dem Jahr 2000 mit Colin Farrell in der Hauptrolle, oder auch „We were Soldiers“ mit Tom Hanks, die sich ernsthafter mit der Thematik auseinandersetzen als Serien wie „Die Simpsons“ oder Filme wie „Pulp Fiction“ oder „The Big Lebowski“, in denen Charaktere, die Vietnamveteranen spielen, teilweise ins lächerliche gezogen werden. Wie sich das Bild des Vietnamsoldaten in Filmen und Serien im Laufe der Zeit gewandelt hat soll thematisiert werden, ebenso wie die historische Wandlung des Genres „Vietnamfilm“.

2. Der Krieg im Film

Der Krieg hat im Film schon immer eine große Thematik gespielt, nicht nur im Kontext des Vietnamkrieges. So ziemlich alle modernen Kriege sind im Film opulent abgebildet, seien es die beiden Weltkriege, der hier behandelte Vietnamkrieg oder auch der erste Golfkrieg, in dem die USA involviert war. Und fast jeder Krieg wird im Film unterschiedlich repräsentiert, mal glorifizierender, ehrenhafter, mal sinnloser und unehrenhaft. In den USA ist die Darstellung der Amerikaner in den ersten beiden Weltkriegen zum Beispiel deutlich ehrenvoller, als die Darstellung der Soldaten im Vietnamkrieg. Dies hängt meist auch mit dem Ausgang des Krieges zusammen, denn einen Sieg kann man im Nachhinein immer besser verkaufen und auch darstellen, als eine Niederlage in einem Krieg, der von der Bevölkerung nicht unterstützt wurde. Grundsätzlich bilden Kriegsfilme aber eher eine nachdenkliche Einstellung ab, die sich kritisch mit dem Krieg auseinandersetzt. Allerdings ist dies auch sehr kritisch. So sagte Wim Wenders: „Im Akt des Filmemachens identifiziert man sich mit dem, was man auf die Leinwand bringt. Deshalb funktioniert ja Propaganda. Man kann sich nicht distanzieren von dem, was man zeigt. Tendenziell ist das, was man filmt, immer das, was man will. Eigentlich ist jeder Kriegsfilm ein Film für den Krieg.“ Diese Aussage zeigt, dass sich auch der Zuschauer intensiv mit dem Krieg im Film auseinandersetzen muss, unabhängig von der Färbung des Inhaltes, ob dieser nun Kriegsverherrlichend oder sich sehr kritisch gegenüber dem Krieg zeigt.

Der Kriegsschauplatz als Motiv besteht bereits seit dem Beginn des Einsatzes von visuellen Medien. Moderne Kriegstechniken und die visuellen Medien haben eine parallele Entwicklung genommen, der französische Philosoph Paul Virilio stellt daraus eine enge Beziehung her, führte beide Systeme zusammen und erkannte, dass das Auge eine Waffe auch im Krieg sei. Sinn dieser Filme und Aufzeichnungen wäre zu dokumentieren und dies weiterzugeben und letzendes auch zu erhalten, sowie die Bevölkerung zu informieren und somit auch die Heimatfront gegen den Feind zu stärken, die Moral hoch zu halten und die „Kriegsbegeisterung“ im eigenen Land aufrecht zu erhalten. Auch in Anbetracht dessen die Kriegsanleihen an den Mann zu bringen. Doch nicht nur für Propagandazwecke war das visuelle Medium wichtig, auch für die Kampfparteien selbst. Besonders in der Aufklärung wurden Kameras benutzt um feindliche Stellungen zu orten und den Einsatz beziehungsweise den Angriff besser planen zu können (vgl. Weigel-Klinck, S. 6).

Der Krieg im Spielfilm hat eine feste Rolle eingenommen, Blockbuster mit großen Staraufgebot und viel Budget werden gedreht um sie dann im Kino einem großen Publikum zu präsentieren. Mit historisch korrekter Abbildung hat das dann meist wenig zu tun, Einzelgeschichten, heroische Aktionen und Heldenpathos drängen sich oft in den Vordergrund. Doch sollte man auch unterscheiden, dass Kriegsfilm nicht gleich Kriegsfilm ist. Wie die Vietnamthematik in Filmen aufgegriffen wurde soll der folgende Part näher erläutern.

3. Kategorien des Vietnamfilms

Wie schon erwähnt gibt es nicht „den“ Vietnamfilm, sondern es ist ein vielfältiges Genre mit unterschiedlichsten Filmgattungen, die sich der Vietnamthematik angenommen haben. Neben Actionfilmen auch Dramen, Komödien, teilweise sogar Western. Auffällig ist aber, dass an sich während des Vietnamkriegs nur wenige Filme mit Vietnamthematik produziert worden sind. Der bekannteste Film, der zugleich auch als eine Art Propagandafilm pro Amerika gesehen werden könnte, ist „The Green Berets“ mit John Wayne in der Hauptrolle, sowie als Regisseur. John Wayne selbst lehnte das „Anti- Vietnam-Movement“ in den USA ab und wollte den Film als Gegenpart zu dieser Bewegung platzieren. Dementsprechend glorifizierend wurde der Einsatz der US-Soldaten gegen den Vietcong gezeigt. Dies wird an den klassischen Western angelegt, die US-Soldaten sollen die guten Cowboys darstellen, als Gegner der Vietcong in der Rolle der Indianer. Der Einsatz der US-Soldaten gegen den Kommunismus wird in diesem Film heroisiert. Jeder weitere große Film, der auch in Vietnam spielt, wie Platoon, Full Metal Jacket, Apocalypse Now stehen dazu in einem großen Gegensatz, da man sie im Allgemeinen eher als Anti-Kriegsfilme bezeichnet, die den Schrecken des Krieges aufzeigen und ihn nicht glorifizieren. Damit zeigt sich auch ein Unterschied zu den Filmen, die im 2. Weltkrieg spielen. Insgesamt ist das Genre deutlich breiter gefächert, da man den Krieg nicht glorifiziert, nicht als gerechtfertigt ansieht. Und vor allem, das man ihn nicht gewonnen hat ist ein Stigma, welches den Charakteren besonders in den frühen Vietnamfilmen Mitte der 1970er Jahre anzusehen ist. Sie werden nicht heldenhaft dargestellt, wie die Vertreter aus dem Zweiten Weltkrieg, die von mehr Ehre und Glorie fast schon überschüttet worden. Dies schränkt das Genre jedoch auch ein, denn für Filme, die Vietnamkrieg und Vietnamveteranen thematisieren, gibt es einen weitaus größeren Spielraum auch außerhalb des Kampffeldes beziehungsweise des Landes Vietnam.

Nicht alle Vietnamfilme spielen auch in Vietnam. Nicole Weigel-Klinck hat in ihrem Buch „Die Verarbeitung des Vietnamtraumas im US-amerikanischen Spielfilm seit 1968“ insgesamt 4 verschiedene Kategorien an Filmen definiert, die sich in irgendeiner Art der Vietnamkriegsthematik annimmt. Die erste Gruppe von Filmen wären die „Veteranen-Filme“. Diese beschäftigen sich mit der Heimkehr von Soldaten aus dem Krieg, die durch die Kämpfe und die Erfahrungen aus diesen eine Veränderung in ihrer Psyche durchmachten. Sie sehen sich einer fremden Welt gegenüberstehend und versuchen in dieser wieder einen Anschluss zu bekommen, welcher durch viel Geduld und gegenseitiges Verständnis auch gelingt und sie sich erneut sozial in ihrem Familiengefüge integrieren können. Dabei mussten sie natürlich auch einige Hürden nehmen, die ihnen anhaften, als die ersten Verlierer eines Krieges, in den die USA verwickelt waren, sowie als Kämpfer eines unrechtmässigen, ungerechtfertigten Einsatzes gegen den Willen der Bevölkerung. Beispiele dieser Filmkategorie sind „Coming Home“ oder „The Deer Hunter“, die meisten Filme kamen in den 70er Jahren raus, aber auch später gab es zum Beispiel mit „Geboren am 4. Juli“ von Oliver Stone, welcher 1989 in die Kinos kam, Filme die sich an diesem Thema orientierten. Diese Gruppe an Filmen sind nicht grundsätzlich reine Dramen oder spielen nur in den USA, die Elemente des Kampfes und Szenen in Vietnam sind im Großen und Ganzen eher selten.

Daran anschließend gibt es als zweite Kategorie die „Effects of war at Home“-Filme, diese kann man als Konterpart der „Veteranenfilme“ sehen, da es in dieser Gattung die Vietnamveteranen nicht schaffen, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Der Protagonist dagegen wird mit seinen Erfahrungen nicht fertig, er verbleibt in seiner Außenseiterrolle und beginnt, die Gesellschaft zu bekämpfen, die aus ihm das gemacht hat, was er ist. Ein Paradebeispiel für diese Kategorie von Filmen ist „Taxi Driver“ von Martin Scorsese und Robert DeNiro in der Hauptrolle. In diesem Film wird ein ehemaliger Vietnamveteran, der Außenseiter Travis, der keinen Anschluss mehr findet, ein Taxifahrer für die Nachtschicht. In seinen Schichten erlebt er viele kriminelle Tätigkeiten seiner Kunden und beschließt, dagegen vorzugehen. Nach und nach steigert er sich immer mehr in einen Wahn und beginnt blutig Selbstjustiz zu üben. Ein weiterer Film wäre der erste Rambo- Teil, Rambo: First Blood. In diesem Film wird der Protagonist John Rambo durch eine Gefängnisflucht und Guerillakampf in einem Wald in Amerika imaginär zurück nach Vietnam geführt und beginnt einen Ein-Mann-Krieg gegen die korrupte Polizei des Ortes. Letztendes gewinnt er den Kampf zwar, bricht jedoch vor seinem Ausbilder zusammen und gibt auf, bevor er noch größeren Schaden anrichtet.

Der zweite Rambo-Teil, Rambo II: Der Auftrag, spielt, trotz gleichem Protagonisten, in einer anderen Filmkategorie. Dieser Film kann man der Gruppe der „POW-Filme“ zuordnen, POW steht für „Prisoner of war“, also einer Person oder Personengruppe, die während der Kämpfe in Kriegsgefangenschaft geraten. Zumeist soll in dieser Filmkategorie ein Einzelkämpfer oder ein Eliteteam nach Vietnam (oder Vietnamveteranen in eine andere Krisenregion) geschickt werden, um in waghalsigen Aktionen Gefangene der US-Armee zu befreien und im Idealfall auch noch den Krieg im Alleingang zu gewinnen. Teilweise, wie im Film „White Ghost“, mehrere Jahre nachdem der Vietnamkrieg beendet wurde. In diesem Film wird 15 Jahre nach Kriegsende der Krieg doch noch gewonnen, da ein verschollener Marine Horden von Vietcong quasi im Alleingang den Garaus macht und schließlich am Ende wieder zurück in die Heimat kehren kann als gefeierter Held. Diese Filme sind meist weniger darauf bedacht das Kriegstrauma zu verarbeiten, sondern zielen eher darauf ab, die angekratzte Ehre der US- Armee wiederherzustellen. Man wollte die angekratzte Ehre der Nation wiederherstellen, in dem man gegen einen technisch und zahlenmäßig überlegenen Gegner doch noch gewinnt, also eine Umkehrung der historischen Fakten. Dabei wird die Realität verzerrt, da dem Vietcong eine Vielfalt moderner Waffen zur Verfügung steht, teilweise moderner als die des Befreiers. Rambo kämpft hauptsächlich mit seinem Bogen gegen die Maschinengewehre der Vietnamesen. Die „Prisoner of War“- oder „Rescue“- Filme kamen auch erst in den 80er Jahren richtig auf und hatten zumeist auch wenig Budget, so dass man sie unter die Kategorie der B-Movies einordnen kann, Filme mit wenig technischem Aufwand und dünner Story, die darauf abzielen möglichst viel Profit abzuwerfen. Zusätzlich muss man bedenken, dass diese Filme zu Zeiten des Kalten Krieges Hochkonjunktur hatten und man ständig bedenken musste, ob dieser nicht doch noch „heiß“ wird. So stehen die Vietcong meistens stellvertretend für das kommunistische, russische Regime, die oftmals auch in den Filmen zumindest erwähnt, wenn nicht sogar selbst auftauchen wie in Rambo II.

Die letzte Kategorie ist die hier schon angerissene Gruppe der „Combat- Movies“, zweifellos die bekannteste Art von Vietnamfilmen. Diese Filme spielen während der Zeit des Vietnamkrieges in Vietnam, sie zeigen Kampfhandlungen zwischen der US-Armee und dem Vietcong und das Leben im vietnamesischen Buschland. „Combat-Movies“ haben meist ein großes Budget und einen großen Produktionsaufwand, teilweise über mehr als ein Jahrzehnt, weshalb sie auch erst Mitte und Ende der 80er Jahren aufkamen und Erfolge feierten. Beispiele sind „Full Metal Jacket“, „Platoon“ und auch „Apocalypse Now“, die trotz der vielen Kampfhandlungen eher in die große Kategorie der Antikriegsfilme einzuordnen sind. Insgesamt wird diese Kategorie von Filmen als die Phase der „realistischen Vietnamfilme“ bezeichnet, eine Abbildung von Sequenzen, die so auch wirklich während des Vietnamkriegs abliefen oder zumindest hätten ablaufen können. „Platoon“ von Oliver Stone gilt dabei als erster realistischer Vietnamfilm, während „Full Metal Jacket“, beide 1987 in die US-Kinos gekommen, als letzter großer Combat-Movie gilt (vgl. Weigel-Klinck, S. 80). Insgesamt wird der Krieg in diesen Filmen als unheroisch, schmutzig, abstoßend dargestellt, sehen heißt Leben, der Feind ist jedoch unsichtbar und so ist auch der Tod meistens wenig ehrenvoll (ebd. S. 81).

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Details

Seiten
27
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668114531
ISBN (Buch)
9783668114548
Dateigröße
844 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312041
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Geschichtswissenschaften
Note
2.0
Schlagworte
Vietnam krieg film vietnamkrieg full metal jacket combat

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Titel: Vietnamkrieg im Film. Der letzte große Combat-Movie „Full Metal Jacket“