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Der Mindestlohn im Lebensmitteleinzelhandel

Hausarbeit 2015 14 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. DER GESETZLICHE MINDESTLOHN
2.1. HISTORIE UND ZIELE
2.2. DER NIEDRIGLOHNSEKTOR IN DEUTSCHLAND

3. NEUKONZEPTIONIERUNG DES MINDESTLOHNS IN 2015
3.1. DER BISHERIGE MINDESTLOHN
3.1.1. KONTROLLMAßNAHMEN UND REGULIERUNG
3.1.2. ANSPRUCHSBERECHTIGUNGEN, AUSNAHMEN UND ÜBERGANGSBESTIMMUNGEN

4. DER MINDESTLOHN IM LEBENSMITTELEINZELHANDEL
4.1. ARBEITNEHMERSTRUKTUREN VERGÜTUNG IM LEBENSMITTELEINZELHANDEL
4.2. AUSWIRKUNGEN AUF DIE BESCHÄFTIGUNG IM LEBENSMITTELEINZELHANDEL

5. DER POLITISCHE VERLAUF DER MINDESTLOHNDEBATTE
5.1. ARGUMENTE PRO MINDESTLOHN
5.2. ARGUMENTE CONTRA MINDESTLOHN

6. ZUSAMMENFASSUNG

7. FAZIT

8. QUELLENVERZEICHNIS
8.1. INTERNETQUELLEN
8.2. SONSTIGE

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

- NIEDRIGLOHNQUOTEN IN 17 EUROPÄISCHEN LÄNDERN 2014

- TARIFTREUE REGELUNGEN IN DEUTSCHLAND

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Mindestlohn im Einzelhandel“. Die Thematik wurde aufgrund aktueller Änderungen in diesem Sektor gewählt.

Im Anschluss an die Einleitung, im ersten Kapitel, beinhaltet sie einen theoretisch-analytischen Teil. Das zweite Kapitel befasst sich mit den allgemeinen Grundgerüsten des Mindestlohns und den neuen Gegebenheiten. Im dritten Kapitel wird das behandelte Thema am Beispiel des Lebensmitteleinzelhandels praktisch beleuchtet und Lösungswege aufgezeigt. Im letzten Kapitel der Arbeit folgen eine Zusammenfassung und ein Fazit.

Die Bedeutung des Mindestlohns hat in den letzten Jahren stetig zugenommen, was sich an vielen öffentlichen Diskussionen erkennen lässt. Durch den immer größer werdenden Druck der Bevölke- rung, die in Niedriglohnsektoren arbeitet, sah sich der Gesetzgeber in der Pflicht zu handeln. Auch im Hinblick auf den demografischen Wandel ist es wichtig die Kaufkraft und spätere Rente der Ar- beitnehmer zu erhalten.

Ziel dieser Arbeit ist es, die bestehenden Aspekte des Mindestlohns, speziell im Einzelhandel, zu beleuchten und dem Leser verschiedene Argumente zur eigenen Meinungsbildung aufzuzeigen.

2. Der gesetzliche Mindestlohn

„Das kleinste rechtlich mögliche, in der Höhe fixierte Arbeitsentgelt, bezeichnet man als Mindest- lohn. Die Festsetzung der Höhe kann erfolgen durch eine gesetzliche Regelung (gesetzlicher Min- destlohn), durch eine Festlegung in einem für allgemeinverbindlich erklärten Tarifvertrag (tariflicher Mindestlohn) oder indirekt durch das gesetzliche Verbot von Lohnwucher (arbeitsvertraglicher Mindestlohn)“.1

Bislang bestehen branchenspezifische Mindestlöhne, die in Deutschland weit verbreitet sind.2 Aber auch nationale, deutschlandweite und regionale Regelungen, beispielsweise in Kommunen oder Bundesländern existieren bereits. Ein Mindestlohn kann sich entweder auf das monatliche Arbeitsentgelt oder auf die stündliche Vergütung beziehen.3 Zum 01.01.2015 wurde für diese Thematik ein neues Gesetzt verabschiedet, was eine bundesweite Lohnuntergrenze vorgibt.

2.1. Historie und Ziele

Der Ursprung des Mindestlohns liegt in England. Winston Churchill war es, der nach einigen vorherigen Startschwierigkeiten erstmals eine staatliche Regelung traf.

Das im Jahre 1909 verabschiedete Gesetz betraf allerdings nur einen geringen Teil der Arbeit- nehmer. Die deutsche Arbeiterbewegung verfolgte diese Wandlung mit großer Aufmerksamkeit. 1873 gab es in Deutschland bereits den ersten Abschluss eines Tarifvertrages. Die Buchdrucker sind es damals gewesen, die die Arbeitgeber nach langem Arbeitskampf dazu bewegten. Aller- dings ist keiner dieser Verträge rechtlich abgesichert gewesen, was häufig dazu führte, dass der Arbeitgeber wiederholt versucht hatte, auch Gewerkschaftsmitglieder schlechteren Arbeitsbedin- gungen zu unterstellen. 1918, als die Wirtschaft am Boden gelegen hat, gelang es den Arbeitneh- mern, die nun großen Druck ausüben konnten, Tarifverträge mit Hilfe der Tarifvertragsordnung gesetzlich zu verankern.

Im Rahmen des Nationalsozialismus wurden diese erzielten Erfolge allerdings gekippt. Sie ersetz- ten die Tarifvertragsordnung durch festgesetzte Tarifverordnungen. Tarifvertragsordnung ist die Bezeichnung für das Gesetz, welches in der Weimarer Republik das Tarifvertragsrecht regelte, während die Tarifordnungen Rechtsverordnungen sind, mit denen die Nationalsozialisten die Ar- beitsbedingungen in ihrem Sinne, d. h. nach den Erfordernissen der Rüstungs- und Kriegswirt- schaft, festsetzten.4 Sie traten an die Stelle autonom vereinbarter Tarifverträge. Die Arbeitnehmer der Betriebe - jetzt Gefolgschaft genannt - wurden gezwungen, sich diesen diktierten Bedingungen zu unterwerfen.5

Nach dem Sturz der Diktatur im dritten Reich, gelang es den Beschäftigten allerdings wieder durch das Tarifvertragsgesetz von 1949 sich das Recht zu sichern, ihre Arbeitsbedingungen durch die Gewerkschaften aushandeln zu lassen sowie in Tarifverträgen zu regeln.6 Der Mindestlohn wurde noch vor einigen Jahren von vielen abgelehnt, da der Staat sich aufgrund der Tarifautonomie nicht in Verhandlungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern einmischen wollte. Im Jahr 2006 galten beispielweise Tarifverträge im Westen für 65 Prozent der Beschäftigten, im Osten allerdings nur für 54 Prozent. Jedoch schützen solche Regelungen nicht vor sogenannten Hungerlöhnen.7 In Niedriglohnsektoren, wie zum Beispiel dem Frisörhandwerk, erhielten Beschäftigte im Jahr 2007 3,82 Euro pro Stunde was zur Folge hatte, dass ca. 1,3 Millionen Menschen ihr Gehalt mit dem sogenannten Arbeitslosengeld II aufstocken mussten.8

In der SPD wurde der Mindestlohn nach dem Ausscheiden Gerhard Schröders, der immer einer der größten Kritiker gewesen ist, zu einem neuen Wahlversprechen. Die immer mehr, gerade im Osten Deutschlands, wachsenden Niedriglohnsektoren stießen die aktuelle Debatte immer stärker an, weshalb es aktuell zu dieser gesetzlichen Regelung gekommen ist.

Das primäre Ziel des Mindestlohns ist die Sicherung von Existenzen. Eingesetzte Arbeitsleistung muss dabei in einem, aus Sicht des Gesetzgebers, gerechten Verhältnis zur Entlohnung stehen. Laut der Bundesregierung sollen ab dem 01.01.2015 circa 3,7 Millionen Menschen von der neuen bundesweiten Lohnuntergrenze von 8,50 Euro profitieren.9

Auch die Tatsache, dass mehr und mehr Arbeitgeber aus Arbeitgeberverbänden austreten und sich somit der tariflichen Bindung entziehen, führte zu einem wachsenden Niedriglohnsektor, in dem viele Beschäftigte durch den Staat gefördert werden müssen.10 Auch im Rentenalter ist eine solche Absicherung durch den Staat unabdingbar gewesen. Abschließend gibt es also zwei Ziele zu nennen. Der Gesetzgeber möchte dem Arbeitnehmer eine gerechte Bezahlung ermöglichen, gleichzeitig kann der Staat durch den Wegfall der Bezuschussungen auch viele Ausgaben sparen. Im Jahr 2011 hat das Forschungsinstitut Prognos AG berechnet, dass ein Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro den Staat um mehr als sieben Milliarden Euro jährlich entlasten könnte.11

2.2. Der Niedriglohnsektor in Deutschland

Sobald ein Arbeitnehmer ein Drittel des durchschnittlichen Nettolohns unterschreitet, wird dieser dem Mindestlohnsektor zugeordnet. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung hat die Ungleichheit der Löhne in Deutschland seit 1990 stetig zugenommen.12 Begünstigt wurde dieser Vorgang durch die Arbeitsmarktreformen, sodass das Institut eine besonders starke Ungleichheit der Löhne in der unteren Hälfte der Lohnverteilung feststellt.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 - Niedriglohnquoten in 17 europäischen Ländern 201414

Wie in der zuvor abgebildeten Grafik zu sehen, musste jeder vierte Deutsche im Jahr 2010 von einem Niedriglohn leben. Nur ein Land innerhalb der EU, Litauen, trägt mehr Niedriglöhner. 40,1 Prozent der Teilzeitbeschäftigten und elf Prozent der Minijobber in Deutschland beziehen einen Niedriglohn.15 Als Minijob wird eine kurzfristige Beschäftigung bezeichnet, die bereits im Vorfeld befristet ist.16 Deutschland belegt mit 19,5 Prozent der Vollbeschäftigten, die einen Mindestlohn beziehen, den sechsten Platz im europäischen Vergleich.17

Frauen sind stärker von dem Niedriglohn betroffen, als Männer. 32,4 Prozent von ihnen arbeiten im Niedriglohnsektor, bei den Männern sind es 16,7 Prozent. In keinem anderen Land gibt es ei- nen solch hohen Unterschied.18 Gerade geringqualifizierte Arbeitnehmer müssen oft mit dem Nied- riglohn leben - hier sind es 44,5 Prozent. Arbeitnehmer mit Niedriglöhnen arbeiten vor allem in Kleinbetrieben. Der Anteil soll bei mehr als einem Drittel liegen. Besonders hoch sind die Quoten im Groß- und Einzelhandel, im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im Bereich der personenbe- zogenen Dienstleistungen, z.B. in der Pflege oder in Servicefunktionen.19

[...]


1 Für soziales Leben e.V.: Mindestlohn Definition - Was ist Mindestlohn?: online im Internet, URL: http://www.mindest-lohn.org/was-ist.html, Abruf am 08.02.2015

2 Vgl. Bovensiepen, Nina ; Hoffmann, Andreas: Geschichte des Mindestlohns - Die Karriere eines Ungeliebten: online im Internet, URL: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geschichte-des-mindestlohns-die-karriere-eines-ungeliebten-1.792702, Abruf am 06.02.2015

3 Vgl. Für soziales Leben e.V.: Mindestlohn Definition - Was ist Mindestlohn? :online im Internet, URL: http://www.mindest-lohn.org/was-ist.html, Abruf am 08.02.2015

4 Remppel, Norbert; IG Metall Duisburg-Dinslaken: Informationen Tarif - Nationalsozialismus, Tarifordnung: online im Internet, URL: http://www.vkl.de/tarif_geschichte.shtml, Abruf am 08.02.2015

5 ebenda

6 Vgl. ebenda

7 Vgl. Bovensiepen, Nina ; Hoffmann, Andreas: Geschichte des Mindestlohns - Die Karriere eines Ungeliebten: online im Internet, URL: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geschichte-des-mindestlohns-die-karriere-eines-ungeliebten-1.792702, Abruf am 06.02.2015

8 Vgl. ebenda

9 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales,Referat Öffentlichkeitsarbeit und Internet: Der Mindestlohn - Fragen und Antworten Welcher Zeitplan gilt für die Einführung des Mindestlohns? - Wer profitiert vom Mindestlohn?, Berlin 2015, S. 4 f.

10 Vgl. Bovensiepen, Nina ; Hoffmann, Andreas: Geschichte des Mindestlohns - Die Karriere eines Ungeliebten: online im Internet, URL: http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/geschichte-des-mindestlohns-die-karriere-eines-ungeliebten-1.792702, Abruf am 06.02.2015

11 DGB Bundesverband, Arm trotz Arbeit - Deutschland braucht den Mindestlohn, Von einem gesetzlichen Mindestlohn profitieren auch die öffentlichen Kassen und die Wirtschaft, Berlin 2013, S. 5

12 Vgl. Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Jeder vierte Deutsche arbeitet für einen Niedriglohn: online im Internet, URL: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/07/26/jeder-vierte-deutsche-arbeitet-fuer-einen-niedriglohn/, Abruf am 05.02.2015

13 Vgl. ebenda

14 Vgl. ebenda

15 Vgl. ebenda

16 Vgl. NEBENJOB-ZENTRALE, Nebenjob als kurzfristige „kurzfristige Beschäftigung“ oder „Saisonbeschäftigung“, online im Internet, URL: http://www.nebenjob.de/ratgeber_nebenjobs/ratgeber5.html, Abruf am 08.02.2015

17 Vgl. Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Jeder vierte Deutsche arbeitet für einen Niedriglohn: online im Internet, URL: http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/07/26/jeder-vierte-deutsche-arbeitet-fuer-einen-niedriglohn/, Abruf am 05.02.2015

18 Vgl. ebenda

19 ebenda

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668109803
ISBN (Buch)
9783668109810
Dateigröße
790 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312116
Institution / Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Essen
Note
2,0
Schlagworte
Wirtschaftspolitik Lebensmitteleinzelhandel Mindestlohn Gesetzlicher Mindestlohn Mindestlohndebatte Pro Mindestlohn Contra Mindestlohn

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