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Neurolinguistisches Programmieren. Methoden und pädagogisch-didaktische Möglichkeiten im NLP

Hausarbeit 2015 18 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in NLP
1.1 Entstehungsgeschichte
1.2 Drei Komponenten
1.3 Konzeptionelle Ausgangslage

2. Grundannahmen des NLP

3. Ausgewählte Methoden und Konzepte des NLP
3.1 Rapport
3.2 Kalibrieren und Pacing
3.3 Kongruenz
3.4 Reframing
3.5 Repräsentationssysteme
3.6 Meta-Modell der Sprache
3.7 Modelling

4. Chancen und Möglichkeiten des NLP im pädagogisch-didaktischen Bereich

5. Kritische Betrachtung des NLP-Konzeptes

6. Fazit und Ausblick

II. Literaturverzeichnis

III. Anhang

1. Einführung in NLP

Neurolinguistisches Programmieren (kurz: NLP) ist die Kunst und Wissenschaft von persönlicher Vervollkommnung und von erfolgreicher Kommunikation sowie von Höchstleistungen. Diese Kommunikationsfertigkeiten kann jedermann lernen, um die eigene Wirksamkeit, persönlich wie beruflich, zu erhöhen. (O’Connor & Seymour, 2002, S. 17) Mit NLP kann man beispielsweise mit dem Rauchen aufhören, negative Gewohnheiten verändern, seine Beziehungen zu anderen Menschen optimieren, gezielter Fragen stellen, auf die Körpersprache anderer Menschen zielbewusster eingehen u.v.m. – viele Anhänger verstehen es als „Psychologie für Gesunde“. NLP-Autoren betonen, in allen Bereichen, in denen es um Menschen und Kommunikation geht, haben sich diese Methoden bewährt.

Ausgehend von unterschiedlichen Versuchen, den Begriff NLP fassbar zu machen, sollen grundlegende Annahmen des Neurolinguistischen Programmierens dargestellt werden, bevor ausgewählte Methoden erläutert werden, die erfolgsversprechend im Bereich der Pädagogik erscheinen. Die zentrale Fragestellung der vorliegenden Arbeit lautet, welche pädagogisch-didaktischen Möglichkeiten im Rahmen des Neurolinguistischen Programmierens erreicht werden können, was im Kapitel Vier – dem Herzstück der vorliegenden Arbeit – behandelt wird. Es soll geklärt werden, welche Techniken und Motive des NLP für Lehrende und Lernende eine Erleichterung im Informationsprozess sind und welche Chancen diese erlauben. Anschließend wird ein Blick auf die empirische Überprüfung des Konzepts geworfen werden, was von Anhängern hochgelobt wird, von Kritikern jedoch sehr umstritten ist. Abschließend erfolgen ein persönliches Resümee sowie ein Ausblick zum Forschungsstand des NLP.

1.1 Entstehungsgeschichte

Anfang der 70er Jahre studierten die beiden amerikanischen Wissenschaftler Richard Bandler und John Grinder die damals drei erfolgreichsten amerikanischen Kommunikatoren in ihrer praktischen Arbeit: Die Familientherapeutin Virginia Satir, den Gestalttherapeuten Fritz Perls und den Hypnotherapeuten Milton H. Erickson. (Mohl, 2002, S. 9) Was Bandler und Grinder taten, nannte sich Modellieren – die Untersuchung und Beschreibung erfolgreicher Verhaltensweisen von Menschen, die in irgendeinem gesellschaftlichen Bereich hervorragende Fähigkeiten entwickelt haben.

Durch die anfängliche Fokussierung auf die therapeutische Beratungspraxis standen die zwischenmenschlichen Beziehungen für eine gelingende Beratung im Mittelpunkt. Aus diesem Grund sind die ersten Techniken des NLP im Wesentlichen Kommunikationsfähigkeiten, weshalb NLP in vielen Büchern als Kommunikationskunst beschrieben wird. Auch wenn ursprünglich nur als Modell für den therapeutischen Raum beabsichtigt, erkannten Bandler und Grinder, dass ihre Entdeckungen auch auf weitere Handlungsfelder übertragbar sind, u.a. im Verkaufsbereich, zum Selbstmanagement, beim Lehren und Trainieren, als Führungshilfe oder als Hilfe im Beratungs- und Coaching-Prozess. (Bachmann, 1993, S. 19)

Zu Beginn der 80er Jahre wurde NLP auch in Europa populär und ist heutzutage ein weltweit verbreitetes Verfahren, zu dem zahlreiche Verbände Aus- und Weiterbildungen anbieten. Beispiele sind der DVNLP[1] oder die EANLP[2].

1.2 Drei Komponenten

Leo Borek (2006, S. 44 ff.) zufolge lässt sich NLP auf vier Arten verstehen: Als Kommunikationskunst, als Modelling über seine Entstehung definiert, als grundlegende Einstellung und als Erklärungsversuch über seine Komponenten beschrieben. Die ersten beiden Definitionsversuche wurden unter dem Punkt ‚1.1 Entstehungsgeschichte‘ angesprochen. NLP als grundlegende Einstellung zu bestimmen, soll im Kapitel 2 verdeutlicht werden.

An dieser Stelle erfolgt eine Definition über das Wort selbst – drei Großbuchstaben, die einen Schlüssel zum Verständnis komplexer Prozesse darstellen. (Sawizki, 2011, S. 10)

Das Wort Neurologisch bezieht sich auf die Tatsache, dass der gesamte Lebensprozess eines Menschen durch neuronale Prozesse und biochemische Regelkreise im Gehirn gesteuert wird. NLP untersucht diese mentalen Prozesse, insbesondere solche, die dazu führen, dass Menschen ungewünschte Verhaltensweisen zeigen.

Der Ausdruck Linguistisch steht für unsere Erfahrungen in Form von Sprache, Denken, Imagination und Logik. Sprache ist insofern von Belang, da untersucht wird, wie mit ihr eine wirksame Kommunikation erzielt werden kann und wie sie hilft, mentale Muster zu untersuchen.

Der dritte Teil, das Wort Programmieren, charakterisiert eine wechselseitige Beziehung zwischen Neurologie und Sprache. Die menschliche Sprache wird als Programmierung unseres Körpers verstanden und über die Programmierung können umfangreiche interne Organisations- und Verarbeitungsprozesse in Gang gesetzt werden.

1.3 Konzeptionelle Ausgangslage

Da NLP einen ganzen Komplex moderner, ganzheitlich orientierter Kommunikations- und Verhaltenstechniken umfasst, ist es ziemlich schwierig, NLP auf einen Begriff zu bringen oder mit ein paar kurzen Worten zu erläutern. Zu Beginn meiner Auseinandersetzung mit diesem spannenden, aber hochkomplexen Thema habe ich mir die Frage gestellt: Was gehört überhaupt alles dazu?

Hilfreich für das Verständnis ist es, zu den Anfängen des NLP zurückzublicken. Nachdem es sich in den 70er Jahren verbreitete, wurden in NLP-Seminaren oft Seminarskripte ausgeteilt. Diese sollten den Erlebnischarakter bewahren und dem Leser es selbst überlassen, eine konkrete Definition zu finden, weil man die Fülle an Möglichkeiten nicht auf eine Weise festlegen wollte und damit die Möglichkeiten im NLP begrenzt hätte.

NLP ist ständig im Wandel, so schreiben Bandler und Grinder (1997, S. 228): „Wir fangen gerade erst an, die Menge an Möglichkeiten zu sichten, wie dieses Material genutzt werden kann. Und wir machen das sehr, sehr ernsthaft. […] Bis jetzt ist es uns noch nicht gelungen, die Vielfalt an Möglichkeiten zu erschöpfen, wie dieser Stoff kombiniert und angewendet werden kann. Und wir wissen auch nicht, wie die Grenzen für die mögliche Nutzung dieses Materials zu suchen sind.“

Durch eine von Dynamik geprägte laufende Verbreitung neuer Anwendungsfelder und -möglichkeiten im NLP wird es zunehmend komplexer. Da es aber unmöglich ist, eine Wissenschaft und ihre Praxis als Summe ihres momentanen Inhalts zu identifizieren, wird NLP vom Anwender oft als Sammlung wirkungsvoller Interventionsmuster beschrieben. Dabei geht es nicht nur um Methoden, sondern NLP ist auch als Prozess des Modellierens, Suchens und Findens von Mustern zu verstehen – es geht mehr um die Haltung von Neugierde und die Fähigkeit zu staunen, als um technisch vermittelbares Know-How. (Bachmann, 1993, S. 56)

Dennoch besteht heute die Gefahr, dass NLP als Modewort – in Kombination mit Superlearning, Mentalem Training, Ganzheitlichkeit und Vernetztheit – als Verkaufserfolg propagiert wird, weshalb Definitionsversuche, wie in den vorangegangenen Gliederungspunkten, wichtig sind, um den Begriff zu schützen.

2. Grundannahmen des NLP

Die Grundannahmen oder Postulate im NLP sind ein Grundbaustein für die zugrundeliegende Einstellung. Es kommt nicht darauf an, dass sich die Annahmen tatsächlich bewahrheiten, sondern dass durch die Akzeptanz dieser bessere Ergebnisse im Umgang mit Menschen erzielt werden können. (Borek, 2006, S. 29)

Zentrale Grundannahmen sind:

1. Jedes Verhalten ist Kommunikation.
2. Hinter jedem Verhalten steckt eine positive Absicht.
3. Es gibt keine Fehler, sondern nur Feedback.[3]
4. Menschen besitzen bereits alle Ressourcen, die sie für eine Veränderung benötigen.
5. Die Bedeutung der Kommunikation ist die Reaktion, die sie hervorruft, und nicht die Absicht des Kommunikators.
6. Alles, was ein Mensch kann, kann modelliert werden.
7. Wenn das, was du tust, nicht funktioniert, dann mach etwas anderes. (Borek, 2006, S.28)
8. Das Modell der Welt entspricht nicht der Realität. Wir reagieren auf die Welt über Sinnessysteme und schaffen uns so eine neurologische Landkarte.
9. Ist eine Grundannahme nicht mehr nützlich, ist es an der Zeit, sich eine neue zu überlegen.

(Sawizki, 2011, S. 22)

Hiermit soll deutlich werden, das NLP weit mehr ist als eine Sammlung von Techniken, sondern eine Einstellung für den Umgang mit sich und seiner Umwelt.

Nachfolgend sollten ausgewählte Methoden aus dem NLP vorgestellt werden, welche eine hohe praktische Relevanz im schulischen und berufsbildenden Bereich versprechen.

3. Ausgewählte Methoden und Konzepte des NLP

Zusammengefasst umfassen die Fähigkeiten des NLP eine genaue Wahrnehmung, den Wunsch, gute Beziehungen aufzubauen, eine hochwirksame Fragetechnik, das Vermögen direkt und indirekt zu kommunizieren, die Kunst des Umdeutens u.v.m.

Weitere Methoden, die der Ausführlichkeit wegen nicht behandelt werden können, im NLP aber einen hohen Stellenwert besitzen, sind das Ankern, Leading, Future Pacing, eine wohlgeformte Zielformulierung und die Time Line[4].

3.1 Rapport

Rapport ist ein Oberbegriff für alle Maßnahmen, mit denen ein guter Draht in zwischenmenschlichen Beziehungen hergestellt und aufrechterhalten werden kann. (Bachmann, 1993, S. 83)

Ein guter Kontakt zeichnet sich durch Harmonie, Synchronizität und Rhythmus aus, der äußerlich bei einer funktionierenden Kommunikation zu beobachten ist. Eine Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens und Respekts (Sawizki, 2011, S. 45) lässt sich durch Kalibrieren, Kongruenz sowie Pacing erreichen.

Um Rapport selbst zu erproben, ist es hilfreich, sich folgende Fragen zu stellen: „Wie sieht Ihr guter Draht zu Ihrem Gegenüber aus? Welche Übereinstimmungen entdeckt man (nonverbales Verhalten, Meinungsäußerungen)? Welche Brücken können geschlagen werden?“ (Miller, 1997, S. 162) Hinweise, um diese Fragen zu beantworten, liefert eine Beachtung von Gemeinsamkeiten, Sichtweisen, Vorhaben, Aussichten etc.

3.2 Kalibrieren und Pacing

Kalibrieren bezeichnet den Prozess, mit dem man sich auf die nonverbalen Signale seines Gegenübers einstimmt, die beim Gegenüber einen bestimmten Zustand anzeigen. Durch Kalibrieren kann die Reaktion des Anderen „gelesen“ werden, ohne über Verhaltensabsichten zu raten oder sich von Worten täuschen zu lassen. Dies weist Parallelen zu einer Intuition auf, die bewusst abläuft.

Wichtige Indikatoren des Kalibrierens sind Mimik, Körperhaltung, Bewegungen, Hautfarbe, Blickrichtung, Atmung und Sprachmelodie. Auf diese wird geachtet, während die beobachtete Person im jeweiligen Zustand ist, mit dem Ziel, die Indikatoren sich als Referenz einzuprägen.

Kalibrieren stellt auch die Grundlage für Listing Programs dar, bei denen Reaktionen (z.B. vom Auditorium) auf ein bestimmtes Verhalten (z.B. das des Lehrers) beobachtet werden.

Visuell kalibrieren lässt sich, indem man eine Person anschaut, sie sich einprägt und anschließend die Augen schließt. Danach ändert die zuvor beobachtete Person ihre Haltung und sobald der Beobachter die Augen öffnet, soll festgestellt werden, was die Person an ihrer Haltung veränderte.

Pacing (Spiegeln) geht einen Schritt darüber hinaus. Während Rapport übergeordnet für eine gute Kontaktaufnahme steht und Kalibrieren für das Beobachten, fokussiert Pacing das aktive Tun. (Sawizki, 2011, S. 45). Die Verhaltensweisen, die gespiegelt werden, sind dem Gesprächspartner oft nicht bewusst, obwohl die daraus resultierenden Wirkungen für eine gute Kommunikation jedoch sehr effektiv sind. (Bandler und Grinder, 1997, S. 101) Spiegeln erfolgt entweder bewusst, z.B. durch die bewusste Anpassung des Atemrhythmus an das Gegenüber, oder indirekt, was z.B. dadurch erreicht wird, dass man seine Hand im Atemrhythmus des Gegenübers hebt und senkt oder sein Sprechtempo daran anpasst.

3.3 Kongruenz

Kongruentes Verhalten ist ein Ziel im NLP. (Bachmann, 1993, S. 85) Kongruenz wird dadurch erreicht, indem verbale und nonverbale Elemente im eigenen Verhalten übereinstimmen, was auf Andere überzeugend und vertrauensbildend wirkt. Demzufolge steht nun nicht die interpersonale, sondern die intrapersonale Stimmigkeit im Mittelpunkt.

Stimmen Verhaltensäußerungen eines Menschen nicht überein, führt das zu Inkongruenz, was jegliche Kommunikation erschwert. Aus diesem Grund ist es wichtig, Inkongruenzen im Verhalten zu erkennen und diese zu beseitigen. Werden bei anderen Inkongruenzen beobachtet, so ist es hilfreich, diese darauf anzusprechen, um die Kommunikation zu erleichtern.

[...]


[1] DVNLP – Deutscher Verband für Neurolinguistisches Programmieren ist ein Interessenverband von NLP-Trainern und Anwendern in Deutschland mit circa 2.000 Mitgliedern.

[2] EANLP bedeutet European Association of Neuro-Linguistic Programming und ist der Dachverband aller nationalen NLP-Verbände auf europäischer Ebene.

[3] Diese Aussage lässt sich sehr gut mittels einer Anekdote erklären: Als Thomas Edison einmal von seinen Mitarbeitern gefragt wurde, ob es nicht deprimierend sei, dass er bis jetzt über 150 verschiedene Materialien für den Glühfaden ausprobierte, antwortete er, dass es ein großer Erfolg sei, da er nun wüsste, dass diese 150 Materialien nicht funktionierten. (Borek, 2006, S. 30)

[4] Begriffserklärungen siehe Anhang

Details

Seiten
18
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668114814
ISBN (Buch)
9783668114821
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312151
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,0
Schlagworte
neurolinguistik programmieren neurolinguistisches programmieren nlp

Autor

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Titel: Neurolinguistisches Programmieren. Methoden und pädagogisch-didaktische Möglichkeiten im NLP