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Umweltbewusstsein und umweltbewusstes Handeln

Essay zur Umweltsoziologie

von Natascha Schneider (Autor)

Essay 2007 8 Seiten

Soziologie - Allgemeines und Grundlagen

Leseprobe

„Global denken, lokal handeln“

Unsere Umwelt war schon immer durch das menschliche Handeln beeinflusst. Aufgrund aktueller Erkenntnisse zum globalen Klimawandel, werden die Eingriffe des Menschen seiner Umwelt gegenüber vor allem von den Medien in den Vordergrund gestellt. Dabei gehört nicht nur der Klimawandel zu den brennenden Problemen des 21. Jahrhunderts, sondern auch die Veränderungen in der Atmosphäre, sinkende Qualität und Verknappung von Böden und Trinkwasser, Artensterben, Urbanisierung sowie der Verkehr. Die Umweltpolitik versucht sich diesen Problemen zu stellen, um die Umwelt nachhaltig zu entlasten (Agenda 21). Dies kann aber nur gelingen, wenn die Bevölkerung die Problematik erkennt und sich auch aktiv an der nachhaltigen Umweltpolitik beteiligt. Besonders interessant finde ich es deshalb, mich mit dem Umweltbewusstsein und Umweltverhalten der Bürger auseinander zusetzen, weil gerade diese beiden Aspekte oftmals einen sehr starken Widerspruch erfahren. Außerdem möchte ich versuchen darzustellen, welche Auswirkungen das Verhalten der Bevölkerung auf die verschiedenen Umweltprobleme hat.

Das Umweltbewusstsein wird durch das Erkennen von Umweltproblemen ausgelöst, welches eng mit den Medien verknüpft ist. Die Medien (vor allem Fernsehen und Internet) erreichen sehr viele Menschen und informieren auch über globale (Umwelt-) Ereignisse. So gelingt es meines Erachtens nach mithilfe der Schlagzeilen, die häufig überspitzt dargestellt werden, in der Bevölkerung ein Bewusstsein für deren Umwelt hervorzurufen. Der Zuschauer, den die Nachricht erreicht, nimmt zwar wahr, dass auf der Welt Katastrophen geschehen, jedoch hat er zu viel Distanz zu diesen Ereignissen. Das Gesehene löst also nicht unbedingt eine Änderung in seinem Verhalten der Umwelt gegenüber aus. Die Gründe hierfür sind verschieden. So kann es zum Beispiel sein, dass er die „kleineren“ Umweltprobleme wie Abgase von Autos oder Verkehrslärm in seiner unmittelbaren Umgebung kaum wahr nimmt. Diese These kann durch das Ergebnis einer Umfrage des Jahres 2004 belegt werden. Dort gaben lediglich zehn Prozent der Bevölkerung an, von Autoabgasen oder Straßenverkehrslärm belästigt zu werden. Dies bestätigt auch, dass globale Umweltzustände als bedeutungsvoller empfunden werden, wie lokale.

Allgemein ist der Trend in Deutschland bezüglich des Umweltbewusstseins positiv zu beurteilen. Das Thema Umweltschutz gewinnt bei der deutschen Bevölkerung immer mehr an Bedeutung. Die Ursache liegt meiner Meinung nach zu einem großen Teil an den aktuellen Berichten der Klimaforscher über die Auswirkung der globalen Erwärmung. Ich bin der Ansicht, dass sich die Menschen aufgrund der starken Medienpräsenz mehr mit dem Klimawandel auseinandersetzen, beziehungsweise besser über dessen Ursache informiert sein wollen und dementsprechend dann auch handeln, denn „plötzlich“ betrifft das Problem, über das berichtet wird, die gesamte Erdbevölkerung. Ein weiterer Grund für das wachsende Umweltbewusstsein könnte auch die Sorge darstellen, dass die Naturzerstörung die Existenz der Menschheit gänzlich bedroht. Die Ängste der Menschen spiegeln sich auch in der Umfrage von Prof. Dr. Kuckartz wieder. So fordert die Mehrheit der Bürger den konsequenten Atomausstieg und will diesen sogar noch beschleunigen. Die Gründe für diese Sorgen sind sicherlich mit den Gefahren (Zwischenlagerung, Gau, Strahlung), die von einem Kraftwerk ausgehen, verbunden. Diesbezüglich ist sich die Bevölkerung nämlich aufgrund des Tschernobyl-Unglücks der möglichen Ausmaße bewusst.

Bisher gab es zwischen dem Umweltbewusstsein und dem eigentlichen Umweltverhalten immer eine große Kluft. Aus Umfragen geht hervor, dass die Menschen in Deutschland zwar allgemein ein hohes Umweltbewusstsein besitzen, das jeweilige Verhalten aber stark davon abweicht. Die Gründe hierfür sind individuell verschieden. Diekmann und Preisendörfer gingen mit ihrer „Low- Cost-These“ davon aus, dass das Umweltbewusstsein nur dann greift, wenn der Verbraucher Kosten einsparen kann und damit gleichzeitig wenig Aufwand verbunden ist. Anhand dieser These kann man viele Verhaltensweisen erklären. Jedoch greift jene Annahme nicht immer. Manche Verhaltensweisen sind sogar mit Mehrkosten verbunden. Ein klassisches Beispiel ist, wenn Elektrogeräte bei Abwesenheit auf „Standby-Modus“ geschaltet sind. Hierbei wird auch Energie verbraucht und verursacht somit Kosten. Das umweltfreundlichere Verhalten ist in diesem Beispiel sogar mit Einsparungen verbunden, was ein Beleg dafür ist, dass Umweltverhalten nicht zwangsläufig teuer ist, wie viele Menschen irrtümlich denken. Bei Menschen, die sich nicht umweltgerecht verhalten, stehen meistens persönliche Interessen im Vordergrund. Wer beispielsweise eine Flugreise in die Karibik plant und auch über die finanziellen Mittel verfügt, wird wohl kaum aus Rücksicht auf die Umwelt eine Reise mit der Bahn bevorzugen. Genauso verhält es sich mit der Nutzung des Autos. Auch hier haben die eigenen Vorteile Priorität.

Gleichermaßen verhält es sich so, dass nicht jeder, der umweltgerecht handelt, auch gleichzeitig umweltbewusst ist. Das stellte Preisendörfer in seiner „Vier- Felder-Tafel“ dar. Dementsprechend verzichten viele Menschen auf eine Flugreise, weil sie Flugangst haben oder es sich finanziell nicht leisten können und deshalb dazu gezwungen sind, entweder ganz auf den Urlaub zu verzichten oder andere Fortbewegungsmittel zu nutzen. Sie verhalten sich also nicht unbedingt deshalb so, weil sie sehr umweltbewusst leben. Preisendörfer hat diese Personengruppe „nicht einstellungsgebundene Umweltschützer“ genannt.

Wenn ein Umweltproblem, wie zum Beispiel die globale Erderwärmung, in den Medien besonders thematisiert wird, erkennt man anhand von Umfragen, dass das allgemeine Umweltbewusstsein der Bürger stark angestiegen ist. Aufgrund dieser Ergebnisse wird meiner Ansicht nach deutlich, wie stark die Bevölkerung von den Medien beeinflusst werden kann. Dies kann sich positiv auswirken, indem die Menschen besser über die globalen Probleme informiert sind und dadurch ihr Bewusstsein steigern. In einigen Fällen wird aus dem gesteigerten Umweltbewusstsein vielleicht auch bewirkt, dass sie sich künftig umweltgerechter verhalten. Die starke Medienpräsenz eines Themas kann aber nur vorübergehend das Interesse der Bevölkerung wecken. Oftmals wird nach einigen Wochen über das Thema nichts mehr in den Medien berichtet und die Thematik gerät in Vergessenheit. Ich empfinde es so, dass das „nicht berichten“ über ein Thema dann oft mit dem „nicht Vorhandensein“ von Problemen gleichsetzt wird. In diesem Fall tritt wahrscheinlich keine Änderung des Umweltverhaltens ein, was das Umweltproblem eher noch größer werden lässt. Zu Beginn der Medienberichtserstattung ist das Verlangen nach einer Besserung und Problemlösung sehr groß. Hier ist insbesondere die Umweltpolitik gefragt, deren Aufgabe es ist, Gesetze und Regelungen zu verabschieden, um die gegenwärtige Situation zu verbessern.

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Details

Seiten
8
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783668113275
ISBN (Buch)
9783668113282
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312499
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Soziologie
Note
2,7
Schlagworte
umweltbewusstsein handeln essay umweltsoziologie

Autor

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    Natascha Schneider (Autor)

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