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Funktions- und Bildungsräume in Kindertagesstätten. Elemente einer auf Selbsttätigkeit ausgerichteten Pädagogik

Ausarbeitung 2014 20 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Entwicklungsaufgaben in der Kindheit1.1 Der Begriff Bildung1.2 Konsequenzen für die Gestaltung von Räumen in Kitas

2. Neurobiologische Erkenntnisse zur Anregung von Bildungsprozessen2.1 Erkenntnisse der Hirnforschung2.2 Konsequenzen für die Arbeit in den Kitas

3. Bildungs- und Raumnutzungskonzepte ausgewählter pädagogischer Ansätze in Kitas3.1 Der Situationsansatz3.2 Die Reggio-Pädagogik3.3 Der INFANS-Bildungsansatz3.4 Der Ansatz der Montessoripädagogik

4. Der Raum als Bildungsraum4.1 Raumaufteilung nach Funktionen4.1.1 Bewegungsräume4.1.2 Ruheräume4.1.3 Raum für Rollenspiel4.1.4 Räume zur ganzheitlichen Kreativitätsförderung4.2 Akkustik, und Licht in Räumen

Fazit

Literatur

Einleitung

Seit im Jahr 2006 der Neue Sächsische Bildungsplan für die Kindertagesstätten (im Folgenden Kita genannt) erstellt wurde, stellen sich viele Einrichtungen auf die neuen Herausforderungen in Bezug auf Erziehung und Bildung der anvertrauten Kinder ein. Die Dresdner städtischen Einrichtungen haben auf ein offenes Konzept umgestellt und die Kitas der freien Träger folgen nach. Statt der althergebrachten Gruppenzimmer werden den Kindern Funktionsräume angeboten. Tägliche Angebote der Erzieher weichen selbstbestimmten Tätigkeiten der Kinder. Gruppenstrukturen werden teilweise oder ganz aufgelöst. Bildung wird neu betrachtet und die Verantwortung für das Lernen wird dem Lernenden selbst zurückübertragen(vgl. Sächsischer Bildungsplan, 2006: 5 ff.).In der vorliegenden Hausarbeit wird der Frage nachgegangen, wie durch Raumgestaltungskonzepte Bildungsprozesse der Kinder angeregt und unterstützt werden können. Im ersten Teil der Arbeit werden der Bildungsbegriff erläutert und neue Erkenntnisse der Hirnforschung zu Entwicklungsaufgaben von Kindern zusammengefasst. Es wird aufgeführt, inwieweit diese Erkenntnisse das neue Bildungsverständnis der Kita und die Gestaltung von Funktionsräumen als Lern- und Erlebenswelt stützen. In der Ausarbeitung wird aufgezeigt, wie verschiedene Konzeptformen Raumnutzungsvarianten entwickeln, um die Lust der Kinder am Lernen und ihre aktive Neugier, sich Wissen anzueignen, zu nutzen. Da meine Einrichtung sich konzeptionell neu orientiert soll geprüft werden, welche Konzepte modernen Anforderungen genügen. Da auch die Öffnung der Gruppenräume ein Thema in meiner Kita ist, wird untersucht, wie Räume sinnvoll in spezielle Funktionsräume umgewandelt werden können und was dabei beachtet werden sollte. Dies wird am Beispiel von vier ausgewählten Funktionsräumen aufgeführt.

1. Entwicklungsaufgaben in der Kindheit

Die Kenntnis der Entwicklungsaufgaben von Kindern ist die Voraussetzung dafür, entsprechende Bedingungen zu schaffen, um Kinder in ihrer Entwicklung bestmöglich zu fördern und zu unterstützen (vgl. Braun/Wetzel, 2010: 8).

1.1 Der Begriff Bildung

Bildung wird als Aneignung von Wissen und Fertigkeiten im sozialen, wirtschaftlichen und kulturellem Bereich betrachtet, welche die Selbstständigkeit und –bestimmung des Menschen fördert (vgl.Raithel/Dollinger/Hörmann, 2009:36). Im Bereich der Kita erhalten Kinder die Möglichkeit Sozial-, Sach- und Selbstkompetenzen zu entwickeln. Diese entwickeln sich nicht losgelöst voneinander sondern finden ganzheitlich statt. (vgl. Krenz/Rönnau, 1986: 10) Bildung als Anregung aller Kräfte muss frühzeitig beginnen und ist somit auch öffentliche Aufgabe der Kindertageseinrichtungen (vgl. Laewen/Andres, 2002: 38 f.). Folgende Bildungsbereiche werden besonders in und durch die Institution Kita gefördert:

- Entwicklung von Toleranz, Abbau von Vorurteilen- Entwicklung von gemeinschaftstauglichen Verhaltensweisen und konstruktiven Problemlösungsstrategien- Entwicklung und Festigung der eigenen Persönlichkeit- Entwicklung von Verarbeitungsstrategien bei Erlebnissen, Enttäuschungen, Beeinflussungen und Situationsveränderungen- Entwicklung von Konzentration, Ausdauer und ursächlichem Denken(vgl. Krenz/Rönnau, 1986: 10 f.)

Das Kind soll „Subjekt der eigenen Entwicklung werden“ (Braun/Wetzel, 2010: 11). Nur wenn Kinder die Möglichkeit erhalten, ihre eigenen Entwicklungsaufgaben zu erkennen und zu verwirklichen, wird die Bereitschaft für lebenslanges Lernen entwickelt und die notwendigen Fähigkeiten trainiert (vgl. ebenda). Aktivität ist das Grundprinzip der Bildung (vgl. Krenz/Rönnau, 1986: 30).

1.2 Konsequenzen für die Gestaltung von Räumen in Kitas

Auch wenn der Bildungsbegriff von einer Anregung der Kräfte des Kindes spricht und die moderne Forschung das Kind als eigenverantwortlichen Konstrukteur seiner eigenen Bildung betrachtet, ergeben sich Einflussmöglichkeiten für die ErzieherInnen der Kitas (vgl. Laewen/Andres, 2002: 43). Diese stehen vor der Herausforderung die Bildungsprozesse der Kinder zu ermöglichen, zu unterstützen und durch geeignete Maßnahmen in einem sicheren Umfeld herauszufordern (vgl. ebenda: 45). Die Gestaltung der Räume ist deshalb zentrale pädagogische Aufgabe, um die Kita als Bildungsstätte zu profilieren (vgl. ebenda: 51). Dabei geht Laewen von folgenden Voraussetzungen aus:

- Raum: Da die Kinder ihr Weltbild auf Grund ihrer Wahrnehmung konstruieren, nimmt die Gestaltung der Räume in den Kitas hohe Priorität ein (vgl. ebenda: 47).- Bewegung: Das Denken der Kinder hängt in der Kindheit primär mit Handeln zusammen. Die Konstruktion seiner Motorik stellt eine wichtige Entwicklungsaufgabe dar. Hierbei stellt die Ausprägung der grobmotorischen Fähigkeiten die Voraussetzung für die Ausprägung der Feinmotorik dar. Der Bereich Bewegung und Psychomotorik nimmt als nichtrationale Kommunikationsmöglichkeit einen zentralen Platz ein und muss deshalb bei der Planung von Räumen beachtet werden. (vgl. ebenda: 47 ff.)- Komplexität: Die Komplexität der Wahrnehmungen der Kinder unterstützt Bildungsprozesse. Orte für Kinder sollen Wahrnehmungsmöglichkeiten von Kultur anbieten, wie klassische Musik, moderner Kunst und weiterem, da sich nicht jedem Kind in der Familie der Zugang zu diesem Bereich erschließt. (vgl. Laewen/Andres, 2002: 50f.)

Braun spricht der Raumaneignung eine hohe Bedeutung zu. So betrachtet er Räume als Handlungs- und Aktionsraum, als Stimmungsraum und als Anschauungsraum (vgl. Braun, 2004: 28). „Aneignung steht als Begriff für die subjektive aktive Gestaltung und Veränderung von Räumen“ (Deinet, 2004: 7).

2. Neurobiologische Erkenntnisse zur Anregung von Bildungsprozessen

Ein Zitat von Konfuzius lautet:

„Du kannst auf drei Arten klug werden: Erstens durch das Nachdenken - das ist die Edelste. Zweitens durch Nachahmen - das ist die Leichteste.Drittens durch Erfahrung - das ist die Bitterste und Beste.“(vgl. Krenz, 2010: 137)

2.1 Erkenntnisse der Hirnforschung

Wolf Singer, Direktor des Max-Planck-Institutes für Hirnforschung in Frankfurt am Main fasst anlässlich eines Vortrages der Initiative „Mc Kinsey bildet“ die aktuellen Forschungsergebnisse zum Thema „Was kann ein Mensch wann lernen?“ zusammen:

- Kinder haben unterschiedliche Anlagen und Entwicklungsgeschwindigkeiten. Förderung muss deshalb individuell abgestimmt sein. Altersorientierte Systeme sollte man deshalb in Frage stellen. (vgl. Singer, 2002: 56)
- Hirnfunktionen werden in sensiblen Phasen ausgebildet. Deshalb muss Lernmaterial hierfür angepasst bereitstehen. Es erübrigt sich, Inhalte zu vermitteln, wenn entsprechende „Entwicklungsfenster noch nicht offen sind“ (vgl. Singer, 2002: 56).
- Erzieher und Eltern sollten deshalb auf die jeweiligen Interessen der Kinder achten und entsprechendes Material vorhalten. Dann sucht sich das Gehirn „die jeweils benötigte Information selbst“ (ebenda: 56 f.).
- Bei Nichtbeachtung dieser Erkenntnisse und einem nicht adäquaten Aufdrängen von Bildungsangeboten wird das Kind Zeit mit Verweigerung verschwenden und Probleme beim Herausfiltern von passenden Bildungsinhalten bekommen. (vgl. Singer, 2002: 57)
- Kinder sind ausreichend gespannt und wissbegierig, um sich Bildungsinhalte selbständig zu holen, was sie benötigen. Letztendlich entscheiden über den Lernerfolg die Anlagen und der Wille des Kindes und nicht die Ambitionen von Eltern und ErzieherInnen. (vgl. ebenda)

2.2 Konsequenzen für die Arbeit in den Kitas

ErzieherInnen müssen sich von der Ansicht trennen, den Kindern etwas beibringen zu können. Die Welt ist für Kinder von subjektiver Bedeutsamkeit und sie erobern sie eigenständig handelnd mit eigenen Methoden. Durch das Kommunizieren mit anderen Kindern und Erwachsenen über die eigenen Weltdeutungen und Erfahrungen wird das erworbene Wissen verallgemeinert. (vgl. Laewen, 2001: 39) Hierzu folgert Gerlinde Lill, dass verschiedene Bedingungen in der Kita erfüllt sein müssen:

- ErzieherInnen, die selbst neugierig und offen dafür sind, Anstöße von außen zuzulassen (vgl. Lill, 2001: 60),
- verschiedene , auch unbekannte Arbeitsmittel, Werkzeuge und Materialien, die einladend und offen zugänglich sind (vgl. Lill, 2001: 60),
- bestimmte Zuordnung in entsprechenden Räumen, in den auch einmal etwas aufgebaut liegen bleiben darf (vgl. ebenda),
- Variabilität in Bezug auf Spielmaterial und –gerät (vgl. ebenda)
- gezielte Anregungen zu Themen und Projekten (vgl. ebenda: 60)
- Wertschätzung und Dokumentation kindlicher Ergebnisse(vgl. ebenda),
- Einsatz unterschiedlicher Medien (vgl. ebenda: 61),
- Einbeziehung aktueller Ereignisse und Ideen der Kinder und deren Einbeziehung in die Planung (vgl. Bumann, 2008: 26).

3. Bildungs- und Raumnutzungskonzepte ausgewählter pädagogischer Ansätze in Kitas

Als eine wichtige Rahmenbedingung zur Anregung von Bildungsprozessen in der Kita wird der Aspekt der Raumgestaltung benannt (vgl. Beek/Buck/Rufenach, 2006: 6). Wie dies methodisch in ausgewählten Pädagogikkonzepten umgesetzt wird, wird im Folgenden untersucht.

3.1 Der Situationsansatz

Das Konzept des Situationsansatzes hat sich seit den 70er Jahren in vielen Kindereinrichtungen durchgesetzt (vgl. Bumann, 2008:33). Es wird im Allgemeinen im traditionellen geschlossenen Gefüge in altershomogenen oder altersgemischten Gruppenkonstellationen gearbeitet (vgl. Haberkorn, 1994: 135). Seit den 80er Jahren wird der aber zunehmend mit der Öffnung der Gruppen „der gelebte Situationsansatz“ praktiziert. Unter realen Bedingungen mit wirklichen Problemstellungen lernen und forschen die Kinder (vgl. Bumann, 2008:33). Die ErzieherInnen ermitteln die Themen der Kinder und unterstützen das eigenmotivierte Lernen durch die Schaffung fördernder Bedingungen und das Bereitstellen lernanregender Materialien (vgl. ebenda). Den Kindern wird mit diesem Ansatz Autonomie gewährt, Selbstbestimmung, Initiative und Selbstbewusstsein gefördert (vgl. ebenda: 37). Dennoch, schätzen Kritiker ein, wird das Menschenbild nur ungenügend ausgeführt und damit das Bild vom Kind nicht ausreichend definiert (vgl. ebenda: 73). So besteht die Gefahr, dass ErzieherInnen statt Themen der Kinder aufzugreifen, Themen bearbeiten, die sie für bedeutsam und als Themen der Kinder betrachten (vgl. ebenda: 45).

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Details

Seiten
20
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668114517
ISBN (Buch)
9783668114524
Dateigröße
668 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312626
Institution / Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,7
Schlagworte
Bildung Kita Funktionsräume Selbstbildung

Autor

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Titel: Funktions- und Bildungsräume in Kindertagesstätten. Elemente einer auf Selbsttätigkeit ausgerichteten Pädagogik