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Die Rolle des Pädagogen in der Kita. Pädagogische Begleitung von Bildungsprozessen und Lernprozessen in der Kindertageseinrichtung

Ausarbeitung 2015 10 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Pädagogische Begleitung von Bildungsprozessen
2.1 Selbstbildung im sozialen Kontext
2.2 Interaktionsmodelle
2.3 Pädagogischer Bezug
2.4 Einfühlung und Spiegelung und das Lernen am Modell
2.5 Die Hattie-Studie

3. Aspekte der Begleitung von Lern- und Bildungsprozessen in der Kindertageseinrichtung

4. Fazit

Literatur

Internetquellen

1. Einleitung

„Was Schüler lernen, bestimmt der einzelne Pädagoge.“ (Spiewak, 2013: 2). Kann man dies umzusetzen im Sinne von: Was Kinder in der Kita lernen, bestimmt der Pädagoge? Schenkt man der Studie von Hattie Glauben, kann man das so verstehen. Der Entwicklungspsychologe Piaget sieht den Lernprozess als Verarbeitungsprozess. Das Kind lernt, indem es sich handelnd mit Umwelt und deren Reizen auseinandersetzt und seine eigene Konstruktion dessen schafft (vgl. Dieckerhoff, 2010: 25). Widersprechen sich die Ansichten von Hattie und Piaget? Unter anderem mit dieser Frage befasse ich mich in der vorliegenden Arbeit. In meinen Ausführungen betrachte ich die pädagogische Begleitung von Bildungsprozessen. Danach stelle ich dar, welche Herausforderungen sich daraus für die Tätigkeit der Erzieher_innen in den Kindertagesstätten[1] ergeben.

2. Pädagogische Begleitung von Bildungsprozessen

Bildung ist unter der Betrachtung gesellschaftlicher Veränderungen und Ansprüche mehr als formelles Lernen in der Schule. Bildungsarrangements in Einrichtungen der Sozialen Arbeit erhalten Bedeutung zur Kompetenzentwicklung in Bezug auf die Lebens- und Zukunftsgestaltung der Menschen. Wie Bildungsprozesse ermöglicht werden können und welche Prinzipien vom Pädagogen in der Kinder- und Jugendhilfe beachtet werden müssen, wird im Folgenden dargestellt (vgl. ebenda: 24).

2.1 Selbstbildung im sozialen Kontext

Kinder gestalten ihre Lernsituationen selbsttätig. Dabei verknüpfen sie neue Erfahrungen immer mit vorhandenen. Sie setzen sich mit Bildungsangeboten und Inhalten auseinander und konstruieren eigene Denkmuster. Diese finden aber nicht nur in der eigenen Beschäftigung mit sich selbst statt, sondern auch immer im Austausch mit anderen (vgl. Dieckerhoff, 2010: 26). Bildungsprozesse stellen stets soziale und kommunikative Prozesse zwischen Kindern sowie zwischen Kindern und Erwachsenen dar und ermöglichen eine Ko-Konstruktion. Kinder sind auf eine positive Resonanz ihrer Bezugspersonen angewiesen. Hierdurch sind sie in der Lage, Ereignisse und Erfahrungen als sinn- und bedeutungsvoll bewerten. Ohne Kommunikation würden die Kinder von der Flut der Eindrücke überfordert (vgl. verlag-das-netz.de, 2008). Hieraus ergibt sich eine Verantwortung der Erzieher_innen, aktiv Lern- und Entwicklungsprozesse zu begleiten (vgl. Dieckerhoff, 2010: 28). Dies beinhaltet, die Selbstbildungsprozesse der Kinder anzuerkennen und zu gewährleisten, dass Bildungsinhalte an bereits erworbene Erfahrungen anschlussfähig sind (vgl. ebenda: 27) Die Rolle des Erziehers muss in diesem Sinne als Prozessbegleiter und Moderator verstanden werden und nicht als „Belehrer“ und „Beibringer“ (vgl. ebenda: 28).

2.2 Interaktionsmodelle

Kinder lernen durch soziale Interaktion. Sie sind in ihren Lernprozessen darauf angewiesen, sich wechselseitig zwischen Welt und Subjekt auszutauschen (vgl. ebenda: 26). Das Maß zwischen Anleitung und Selbstbildung zu finden, stellt eine Herausforderung für pädagogische Fachkräfte dar. Laewen und Andres stellen hierzu folgende Interaktionsmodelle dar:

- bloße Betreuung und Beaufsichtigung der Kinder durch die Pädagogen
- direkte Instruktionen der Pädagogen nach dem klassischen Schullernprinzip
- kindzentriert, der Pädagoge folgt den Aktivitäten der Kinder
- konstruktivistisch, der Pädagoge gestaltet den Bildungsprozess im Sinne der Ermöglichung von Schlüsselerfahrungen (vgl. Laewen/Andres, 2007: 37).

Untersuchungsergebnisse dieser vier Modelle ergaben, dass Interventionen des Pädagogen immer lernfördernder waren als die reine Betreuung im ersten Modell. Weiterhin ergaben sie, dass reine Instruktionen im zweiten Modell sich nachteilig auf die Entwicklung der sozialen Kompetenzen auswirken. Daraus ergibt sich eine notwendige Hinwendung zu den Initiativen der Kinder (vgl. Laewen/Andres, 2007: 38 f.). An diesen Erkenntnissen knüpfen moderne konzeptionelle Ansätze der Kindertagesbetreuung an. Sie beinhalten eine Begleitung der Bildungsprozesse von Kindern in dem Sinne, dass Situationen geschaffen werden, die an „mitgebrachte“ Interessen des Kindes anknüpfen, Platz für offene Fragen lassen und gemeinsame Denkprozesse ermöglichen (vgl. Dieckerhoff, 2010: 30 f.).

2.3 Pädagogischer Bezug

Als verstehende Betrachtungsweise wurde in der Weimarer Epoche im Bereich der Verwahrlosten-Pädagogik der Pädagogische Bezug von Hermann Nohl ins Gespräch gebracht. Er sieht diesen als Grundlage der Erziehung. Es solle eine Abwendung der Sicht erfolgen, dass der Zögling als Gegner unterworfen werden müsse. Vielmehr solle man den Schwierigkeiten habenden Menschen helfen, diese zu überwinden (vgl. Niemeyer, 2011: 1060 f.). Pestalozzi regte Ende des 18. Jahrhunderts an, die Prinzipien der häuslichen Erziehung der öffentlichen Erziehung nutzbar zu machen. Dies zielt einmal auf die Bindung zum Erwachsenen und andererseits die Miterzieher der Familie, die Geschwister (vgl. ebenda: 1063). Weiterhin ist trotz vieler kritischer Gegentheorien nach meinem Erachten die Sicht Thierschs auf die anvertrauten Kinder und Jugendlichen in „Lebensweltorientierte Lebenshilfe“ ein wichtiger Aspekt für eine pädagogische Blickrichtung, nämlich Menschen zu unterstützen, ihre Probleme mit sich selbst und für ihre eigene Person zu lösen und nicht die, die andere Menschen damit haben (vgl. ebenda: 1065).

2.4 Einfühlung und Spiegelung und das Lernen am Modell

Kinder benötigen für ihre Entwicklung zwischenmenschliche Beziehungen. Bindungen als neurobiologisch verankertes Geschehen beruhen auf Erfahrungen, dass andere Menschen ebenso fühlen, wie man selbst und so Einfühlungsvermögen entwickeln. Darauf basieren gelingende Beziehungen, auf die Kinder und Jugendliche angewiesen sind (vgl. Bauer, 2008b: 130 f.). Menschen reagieren unwillkürlich auf das Verhalten anderer und spiegeln so etwas zurück. Dieses Spiegelbild benötigen Kinder und Jugendliche, um sich wahrgenommen zu fühlen. Über dieses erkunden sie, wer sie sind und wie sie eingeschätzt werden. Obwohl dies unbewusst geschieht, ist dies ein wichtiger Vorgang der Bildung und Erziehung von Jugendlichen. Er kann positive, wie auch negative Entwicklungsvoraussetzungen in Gang bringen, ermutigend sein, weil man an das Kind glaubt oder auch entmutigend, wenn man dem Kind spiegelt, dass man ihm nichts zutraut (vgl. Bauer, 2008b: 134). Dies bedeutet nicht, dass Kritik verboten ist, sie muss aber stets eine Benennung von Entwicklungsperspektiven beinhalten (vgl. ebenda: 135). Mitte der neunziger Jahre wurde ein neurobiologisches System nachgewiesen, dass bewirkt, dass Individuen automatisch Verhalten nachahmen, welches andere Menschen in Form von Handlungen und Emotionen zeigen. Damit wurde die Theorie des Psychologen Banduro aus den sechziger Jahren, dass Kinder und Jugendliche vor allem am Modell lernen, wissenschaftlich bestätigt (vgl. Bauer, 2008a: 26 f.).

Beides, die Spiegelung des eigenen Verhaltens der Kinder und das Vorbild der anderen Menschen eröffnen eigene Entwicklungsmöglichkeiten. Für das pädagogische Fachpersonal bedeutet dies, beide Potentiale zu nutzen, einerseits mit Vorbildfunktion für menschliche Werte einzutreten und andererseits, das Verhalten der Kinder so zu spiegeln, dass diese in ihrer Entwicklung positiv angeregt werden (vgl. ebenda: 28 ff.).

[...]


[1] Kindertagesstätten werden im Folgenden mit Kita abgekürzt.

Details

Seiten
10
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668118133
ISBN (Buch)
9783668118140
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312629
Institution / Hochschule
Alice-Salomon Hochschule Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Pädagoge Kita Bildung Bildungsprozesse Rolle des Pädagogen

Autor

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Titel: Die Rolle des Pädagogen in der Kita. Pädagogische Begleitung von Bildungsprozessen und Lernprozessen in der Kindertageseinrichtung