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Die muslimische Kultur Süditaliens unter den Normannen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 25 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Der muslimisch dominierte Lebensraum Süditalien vor der Normannenherrschaft
2.1. Chronologischer Abriss der muslimischen Eroberung Siziliens
2.2. Aspekte der muslimischen Herrschaft
2.3. Sozio-kulturelle Besonderheiten

3. Der muslimisch dominierte Lebensraum Süditalien während der Normannenherrschaft

4. Der Alltag der Muslime zur Zeit der Normannenherrschaft

5. Abschließende Bemerkungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

ها تذكار للنفس يهيج / الأسى و صقلية ذكرت

ها عمار الظرف بنو كان و / خلت للتصابي ومنزلة

ها أخبار أحدث فاني / جنة من أخرجت كنت فان

ها أنهار عيدمو حسبت / البكاء ماء ملوحة لا ولو

ها ار أوز ستيين ابن بكيت / صبوة من ينعشر ابن ضحكت

// ها غفار ربك ال ز فما / الذنوب لديك تعظمن فلا

Ibn Ḥamdīs (Mein Sizilien, Verse)

Der sizilisch-muslimische Dichter Ibn[1] Ḥamdīs (etwa 1056-1133), der entweder in Syrakus oder in Noto zur Welt kam, beklagt im obigen Gedicht, wie sich sein verzweifelter Schmerz stetig wiederholte, wenn er im hohen Alter an „mein Sizilien“ und seine dortige Jugend zurückdachte. Er beklagt, dass er das Paradies – also die Mittelmeerinsel – verlassen, seine prächtigen Freunde und die jugendlichen Verrücktheiten zurücklassen musste, was ihm die folgenden Jahre so sehr erschwerte, dass er unzählige bittere Tränen vergoss, die imstande wären, ganze Flüsse zu füllen. Durch die Schleier der Vergangenheit leuchten die letzten Erinnerungen, die allerdings auch des Dichters baldigen Tod ankündigen.[2] Mit diesem Gedicht, das im modernen Sizilien sehr populär ist,[3] drückt der beinahe Achtzigjährige seine Nostalgie in Bezug auf seine ersten zwanzig Lebensjahre aus, die er auf der Mittelmeerinsel verbracht hatte. Über Spanien und Tunesien führte ihn sein Lebensweg zuletzt auf die Baleareninsel Mallorca, doch nirgendwo war er jemals glücklicher als auf Sizilien.[4] Ibn Ḥamdīs zählt zu einer Gruppe muslimischer Emigranten, die Sizilien im Zeitalter der normannischen Administration verlassen haben. Ein vergleichbares Beispiel wären Leben und Werk des Dichters ˁAbd al-Ḥalīm (gest. um 1332) für die Zeit der Herrschaft von Anjou und Aragon. Im Laufe der Zeit wurden immer wieder arabisch-stämmige Sizilianer aus ihrer Wahlheimat vertrieben und teilten ein ähnliches Schicksal wie der berühmte Dichter. Zwar waren die Normannen im Allgemeinen tolerante neue Herrscher, doch war eine friedliche Koexistenz aller Glaubensgemeinschaften möglich? Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden.

Ehe man sich jedoch einer – in diesem Falle partiellen – Untersuchung der muslimischen Kultur Süditaliens und Siziliens zur Zeit der Normannenpräsenz widmen kann, bedarf es zunächst einer Analyse der Frage nach der Adaption des Islam im Okzident während des Mittelalters[5] – konkret im 11. und 12. Jahrhundert. So zählt Ernest Renans Untersuchung[6] aus dem Jahre 1852 zu den ersten wissenschaftlichen Interaktionsbeobachtungen zwischen Vertretern des christlichen Abendlandes und des (jüdisch-)muslimischen Morgenlandes. Darin untersuchte er in erster Linie die Einflüsse der muslimischen Philosophietradition um Averroës (1126-1198) auf die europäischen Philosophien des Spätmittelalters wie auch der Frühen Neuzeit. Der Kampfbegriff des Averroismus[7] stammt hingegen aus der Schrift „De unitate intellectus contra Averroistas“ des Thomas von Aquin (1225-1274) aus dem Jahre 1270. Nach Renan widmete sich dieser Methode lange Zeit niemand mehr, ehe sich neuere Studien in den beiden Dekaden zwischen 1944 und 1964 regelrecht überschlugen.[8] Darüber hinaus vermitteln Norman Daniels und Montgomery Watts Monographien aus den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts ein konsistentes Gesamtbild.[9]

Die Dissertation von Wolfgang Jahn[10] beschäftigt sich zwar in aller Ausführlichkeit mit der Administration der Normannen in Süditalien, klammert allerdings den „muslimischen Aspekt“ weitgehend aus, weshalb sie für die vorliegende Arbeit nicht verwendet werden konnte. Dasselbe gilt im Grunde genommen auch für Evelyn Jamisons umfassendes Werk, dass die Muslime leider ebenfalls größtenteils ausblendet.[11] Die neuesten umfangreichen Monographien stammen von Alex Metcalfe und Jeremy Johns, aus deren Publikationen zum Teil die essenziellen Stellen der den Islam betreffenden Passagen in Julia Beckers Monographie gespeist wurden.[12] Wenngleich das Mittelalter die Muslime der arabischen Welt nur als „Sarazenen“ kannte[13] – was nach heutiger Definition stärker zu differenzieren wäre –, so soll statt der beiden Begriffe „Araber“ und „Sarazenen“ aufgrund des allgemeineren Charakters der Begriff „Muslime“ verwendet werden. Bevor nun im Folgenden die Ära der normannischen Administration betrachtet wird, sei ein exkursorischer Überblick zur arabischen Ära gestattet, um offensichtliche Parallelen der beiden Epochen zu elaborieren.

2. Der muslimisch dominierte Lebensraum Süditalien vor der Normannenherrschaft

2.1. Chronologischer Abriss der muslimischen Eroberung Siziliens

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts begannen Aghlabiden von Nordafrika aus südliche Teile Italiens zu erobern. 806 konnte die Insel Pantelleria eingenommen werden, 813 wurden Civitavecchia, Lampedusa und Ischia verheerend geschlagen. Der jahrelange Waffenstillstand zwischen Aghlabiden und Sizilien stand kurz vor der Aufhebung.[14] Was im ereignisreichen Jahr 827 geschah, wurde von Franco Cardini auf einen Satz reduziert: „Die Eroberung Siziliens durch den aghlabidischen Emir Ziyahad Alläh I. im Jahr 827 markierte den entscheidenden Wendepunkt für zwei Jahrhunderte muslimischer Seeherrschaft.“[15] Nach mehreren Jahren des wechselseitigen Erfolgs konnten die Muslime 878 schließlich das stark befestigte Syrakus einnehmen. 902 eroberten sie zuletzt die nordöstliche Küstenstadt Taormina, wodurch die sizilische Annexion abgeschlossen wurde.[16] In der Folge verbreitete sich der Islam in weiten Teilen der Insel. Gerade kulturell bereicherten die Muslime die folgenden Jahrzehnte sizilischer Geschichte in besonderem Maß. Denkt man beispielsweise an die ruhmreiche Geschichte Salernos auf dem Gebiet der Medizin im Hoch- und Spätmittelalter, so kann ein bedeutender Einfluss auf griechische und muslimische Einwirkungen dieser Zeit zurückgeführt werden.[17]

Kurz vor der endgültigen Eroberung Siziliens wurden die Muslime bis 880 beinahe vollständig aus Süditalien zurückgedrängt.[18] Die Aghlabidendynastie wurde kurz nach der Eroberung Taorminas durch den nordafrikanischen Berberführer Abu Abdallah asch-Schi’i (gest. 911) vertrieben, wodurch der in Tunesien erwachsenden Fatimidendynastie der Weg geebnet wurde.[19] Nachdem die Fatimiden in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts Sizilien als „Operationsbasis […] für Seeaktionen“[20] ausgenutzt hatten, etablierte einer ihrer Gouverneure, al-Hasan ibn Ali ibn-Abi-al-Husain al-Kalbi (gest. 964), eine eigene Dynastie, diejenige der Kalbiten. Es folgte eine Zeit der wirtschaftlichen Blüte. Sizilien war geprägt von regen Bautätigkeiten und einer steten Arabisierung des Landes.[21] Die knapp einhundertjährige Epoche der Kalbiten bedeutete jedoch auch das Ende der muslimischen Vorherrschaft. Während die im Maghreb zur führenden Macht aufsteigenden Ziriden ihre Ansprüche auf Unteritalien kundtaten, versuchten gleichzeitig die Byzantiner in unterschiedlichen Offensiven ihre ursprünglichen Besitztümer zurückzuerobern. Diese unruhige, fast schon chaotische Situation nutzten die Normannen aus, um zu Beginn der sechziger Jahre des 11. Jahrhunderts erstmals nach Sizilien überzusetzen. Es folgte die normannische Eroberung Siziliens und Unteritaliens, die an späterer Stelle in dieser Arbeit berücksichtigt wird. Zunächst sei zur Erfassung der Herrschaftsstruktur und der Politik der Kalbiten zum Ende der muslimischen Vorherrschaft ein kleiner chronologischer Schritt zurück gestattet, um Elemente zu identifizieren, die von den Normannen übernommen wurden.

2.2. Aspekte der muslimischen Herrschaft

Jeremy Johns skizziert die Herrschaftsstruktur der Kalbiten auf Sizilien am genauesten. Der wichtigste Terminus in diesem Kontext ist derjenige des Dīwān[22]. Die Etymologie des Begriffes ist unsicher, in jedem Fall handelt es sich um ein arabisches Lehnwort. Der erste Dīwān unter den frühesten Kalifen hatte die Funktion, Soldaten zu registrieren und deren Besoldung zu gewährleisten. Im 8. und 9. Jahrhundert wurde die Zuständigkeit umgedeutet und bezeichnete künftig vielmehr ein Büro mit administrativen Regierungsaufgaben.[23] Auf Sizilien war damit jedoch bereits ein Amt bezeichnet worden, auf dem in erster Linie Steuerangelegenheiten bearbeitet wurden. Obwohl die Muslime in der Mitte des 9. Jahrhunderts überall auf Sizilien funktionierende Steuersysteme vorfanden, sahen sie eine Notwendigkeit, die Fiskaladministration ähnlich wie in Ifrīqiya zu gestalten.[24] Die Quellenlage für das 9. Jahrhundert ist hier jedoch unbekannt, erst für den Beginn des 10. Jahrhunderts kann eine zentrale Steuerautorität in Palermo nachgewiesen werden, rekurrierend auf den Ṣāḥib al-khums im Jahr 913.[25] Diese als Dīwān bezeichnete Einrichtung befand sich im abgeriegelten Regierungsviertel der Stadt (al-Khāliṣa), das 937 von den Fatimiden begründet wurde.[26] Zuvor war dieselbe Einrichtung vermutlich im Regierungspalast (al-Qaṣr) zu suchen, wo die Byzantiner zuvor und die Normannen danach residierten.[27] Der hier verortete Dīwān kann als einzige, hauptverantwortliche Anlaufstelle in Finanzfragen für die gesamte Mittelmeerinsel verstanden werden. Sämtliche andere Dīwāni waren dem Dīwān von Palermo unterstellt.[28]

Weitere administrative Einrichtungen sowie die spezielle Rolle des Dīwān unter normannischer Administration werden im Verlauf der Arbeit (Kap. 4) nochmals angesprochen, zumal dann, wenn Sie von den Normannen in ihrer ursprünglichen Form weitergeführt wurden. Gerade im Kontext der Steuer- und Zollpolitik erscheint an dieser Stelle jedoch ein kurzer Ausblick auf die sozio-kulturellen Aspekte der muslimisch-christlich-jüdischen Insel vor der Normannenherrschaft sinnvoll.

2.3. Sozio-kulturelle Besonderheiten

Wie stellte sich ergänzend das gesellschaftliche Zusammenleben vor der Machtübernahme der Normannen dar? Hauptstadt der Muslime auf Sizilien war zweifelsfrei Palermo, das unter kalbitischer Rigide weiterhin zu einer Großstadt aufblühte. Unter muslimischer Herrschaft wurde den Juden und Christen Siziliens wie Süditaliens im Allgemeinen weitgehende Selbstständigkeit zugestanden.[29] Allerdings mussten sie sich als Andersgläubige kenntlich machen, indem sie spezielle Zeichen an Häusern und Kleidung anbrachten. In der Öffentlichkeit mussten Juden und Christen einem Muslim stets den Vortritt lassen,[30] ferner durften sie keine Waffen tragen oder Pferde reiten. Das Läuten von Kirchenglocken war ebenso verboten wie das Tragen von Kreuzen während einer Prozession und die Bibel durfte in Hörweite von Muslimen nicht laut vorgelesen werden.[31] Juristisch standen sie jedoch nahezu auf einer Ebene, da Christen, Juden und Zoroastrier[32] als organisierte Religionen – in der islamischen Welt fast allerorts Minderheiten – von der شريعة (Šarī’a) anerkannt wurden. Dies galt nicht für „Heiden“, die lediglich zwischen Bekehrung und Tod wählen durften.[33]

Gab es Regionen, in denen die Rechte der Ḏimmīs[34] nicht griffen,[35] wie im Val di Mazara, dem westlichen Verwaltungsbezirk[36] Siziliens, so erfolgte eine überdurchschnittlich hohe Konversion zum Islam[37], um dem Status der Leibeigenschaft möglichst unkompliziert zu entgehen.[38]

Noch vor der Herrschaftszeit der Normannen vollzogen die Muslime eine Optimierung der lokalen Landwirtschaft.[39] So sind Dattelpalmen, Zuckerrohr, Orangen und Zitronen, Reis, Baumwolle, Sumach, Pistazien, Papyrus und Melonen als Geschenke der Muslime zu begreifen. Ähnliches gilt für Seidenraupen. Daneben vermutet man heute eine innovative Fortentwicklung des Thunfischfangs auf Sizilien dank der Muslime. Die einsetzende und rasch ausufernde Gartenbaukultur ruhte in der Perspektive, Sizilien als eine Art irdischen Paradieses zu begreifen. Wasser und Gärten – in der Wüstenlandschaft der islamischen Welt äußerst selten und daher wertvoll – repräsentierten beinahe ein Sacrosanctum im modernen Sinne. So überzogen Bewässerungssysteme bald das ganze Land, die ursprünglich byzantinische Steuer auf Zugtiere wurde abgeschafft und die Wiederbewirtschaftung bislang brach liegender Felder steuerlich begünstigt. Im Umkehrschluss exportierten die Muslime wertvolles sizilianisches Holz und Getreide in das entlegene Nordafrika.[40]

Vor der Ankunft der Normannen, die etwa ab 1060/1061 von Unteritalien aus nach Sizilien vordrangen, schätzt man die Anzahl muslimischer Einwohner Siziliens auf 500.000.[41] Arabische Kunst und Baukunst aus der Zeit vor der Normannenherrschaft ist heute kaum mehr erhalten. Die bekannteste pränormannische Architektur findet sich in den Moscheegrundmauern bei San Giovanni degli Erimiti. Die Masse der Überreste stammt beinahe zur Gänze aus normannischer, nur äußerst selten aus staufischer Zeit. Von den einst 300 Moscheen und 150 Metzgereien[42] alleine in Palermo ist heute kaum noch etwas zu sehen, da sie zum Ende der Normannenzeit und während der Stauferzeit entweder zerstört oder – im Fall der Moscheen – zu Kirchen umfunktioniert wurden. Obwohl die Normannen im 1059 erteilten Auftrag Papst Nikolaus’ II. (990/5-1061) die „heidnischen“ Muslime für die Wiedergewinnung religionspolitischer Hoheitsgebiete, nicht zuletzt auch gegen die griechisch-byzantinische Oberhoheit, vertreiben sollten, konnte der Latinisierungsprozess der Insel nach französischen, lombardischen und ligurischen Einwanderungen erst gegen Ende der Stauferzeit abgeschlossen werden.[43] Wie war nun die Region, die so viele Jahrzehnte durch den Islam geprägt worden war, unter normannischer Herrschaft zu kategorisieren? Gab es eklatante Unterschiede im Alltag der sizilischen Bevölkerung oder beschränkte sich der Herrschaftswechsel im engeren Sinne nur auf die administrativen Ebenen?

3. Der muslimisch dominierte Lebensraum Süditalien während der Normannenherrschaft

In der Anfangszeit waren die Normannen jedoch dringend auf die griechischen und muslimischen Bauern, Handwerker, Verwaltungsbeamten und Soldaten angewiesen. Vornehmlich aus diesem Grund beließ man die Muslime bewusst in Amt und Würden, einzig der Emir[44] in Palermo musste die zuvor beanspruchte Residenz räumen, um dem normannischen Königshof Platz zu machen.[45] Ferner wurden die Muslime nicht dazu verpflichtet, Griechisch oder Latein zu erlernen, öffentliche Inschriften zeichneten sich in ihrer Gesamtheit durch eine Dreisprachigkeit aus[46]: Man äußerte sich demnach lateinisch, griechisch und arabisch, was auf ein Idealbild der Weltordnung Rogers II. zurückzuführen ist, der das Erdenrund in einer gleichmäßigen Aufteilung zwischen Lateinern, Byzantinern und Muslimen verstand. „Die historische Leistung der Normannenherrscher bestand darin, dass sie eine den politischen Notwendigkeiten gehorchende kluge Toleranzpolitik gegenüber den vielfältigen religiösen und ethnischen Gruppierungen ihres jungen Reiches an den Tag legten.“[47] Die kultur-politisch für das Mittelalter einzigartige Synthese hielt freilich nur für kurze Zeit.

Der Toleranzpolitik[48] folgte – neben der Möglichkeit zur freien Ausübung der jeweiligen Religion, wenngleich dies für Juden und Muslime mit einer typischen Sondersteuer pro Kopf[49] belegt war – eine Zeit der kulturellen Adaption. Die neuen Herrscher ließen sich von der verfeinerten Eleganz der muslimischen Kultur wissentlich beeinflussen und kleideten sich bald ähnlich, parfürmierten und verschleierten sich oder färbten ihre Hände mit Henna.[50] Friedrich II. war es schließlich, der als erster Staufer nach der Normannenherrschaft das Zeitalter der gegenseitigen Toleranz unfreiwillig in die Schranken wies. So war er selbst ein Freund des Islam und lernte vermutlich in seiner Jugend in Palermo, ein wenig Arabisch zu sprechen.[51] In seiner Krone befand sich ein schwarzer Stein, dessen Inschrift in arabischer Schrift anzeigte: Gott, Christus, Maria. Dabei handelt es sich um eine muslimische Interpretation der christlichen Trinität.[52] Doch konnte ihn diese Sympathie nicht davon abbringen, die muslimische Kultur sukzessive aus Süditalien und Sizilien zu vertreiben. Sein Sarkophag, der von arabesker Ornamentik umsäumt ist, sowie derjenige Rogers II. weisen in Symbolik und Beschriftung diese private Zuneigung konsequent auf. Dabei wird Rogers Sarg aus vulkanischem Porphyr von christlichen wie muslimischen Trägerplastiken gleichermaßen gehalten.[53] Doch wie gelangten diese Herrscher an die Macht und welche Konsequenzen hatte diese Entwicklung für die einstigen Machtinhaber und ihr Volk?

4. Der Alltag der Muslime zur Zeit der Normannenherrschaft

Robert Guiskard eroberte Süditalien mit ungekannter militärischer Härte.[54] Zeitgenossen wie der normannische Mönch und Chronist Gottfried Malaterra sprachen 1058 von drei üblen Schicksalsschlägen für die lokale Bevölkerung: der Ruhr, dem Hunger und an erster Stelle „d[em] Schwert der Normannen“.[55] Im Anschluss wollte das heterogene Bevölkerungsgemisch nicht recht miteinander auskommen. Malaterra nannte die dort ansässigen Langobarden ein „überaus neidisches Volk“. Der Langobarde Gisulf von Salerno (etwa 1030-1090/1) hingegen betrachtete die Normannen als „Barbaren“.[56] Doch wie verhielt es sich mit der muslimischen Bevölkerung in Süditalien? Im Gegensatz zur islamischen Stadt Palermo und Sizilien im Allgemeinen ist die muslimische Situation auf dem süditalienischen Festland weit weniger durchsichtig. Es gibt berechtigte Zweifel darüber, ob Muslime in Süditalien mit derselben Kopfsteuer belegt wurden wie Juden – ganz im Gegensatz zu Sizilien.[57] Dort erreichten die Hauteville mit ihrer Politik der Toleranz eine stetig wachsende Wirtschaft. Christen, Muslime und Juden lebten nahezu friedlich nebeneinander – keine unbeachtliche Leistung für die Großstadt.[58] Während der normannischen Eroberung Süditaliens fühlte sich die lokale Bevölkerung durch die neuen Herrscher besser vor sizilianischen oder sonstigen muslimischen Übergriffen geschützt – eine Leistung, die Byzanz in dieser Intensität zuvor nicht zu leisten im Stande gewesen war.[59]

Bis zum Jahr 1064 hatte Roger I. den Nordosten Siziliens erobert und erbeutete Reichtümer zunächst nach Süditalien zurückgebracht. Dort hatten sich er und sein älterer Bruder Robert Guiskard (1015-1085) – beide Söhne des Tankred von Hauteville (gest. etwa 1041) – zuvor Apulien und Kalabrien als Herrschaftsgebiete selbst zugewiesen. In der Folgezeit beruhte die Strategie weitgehend auf der Optimierung der Flotte, da sich militärische Operationen künftig vor allem davon abhängig machen sollten. 1071 belagerte Guiskard mit Soldaten und Belagerungsmaschinen die Stadt Palermo.[60] Nach fünfmonatiger Belagerung ergaben sich die Verteidiger unter der Zusage, Tributzahlungen an die neuen Herrscher abtreten zu wollen, woraufhin ihnen im Gegenzug religiöse Freiheit versprochen wurde. Muslimische Soldaten stellten fortan einen bedeutenden Anteil der normannischen Armee.[61] Ab 1075 übernahm Roger das militärische Ruder, doch auch unter seiner Führung dauerte es noch einige Jahre, ehe Sizilien vollkommen bezwungen wurde. Castrogiovanni fiel erst 1088 an die neuen Machthaber, Noto gar erst 1091.[62] Sizilien, seit dem 9. Jahrhundert in muslimischer Hand, war schließlich von den Normannen erobert worden.[63] Was den Byzantinern in drei Jahrhunderten nicht gelang, ermöglichten die Normannen in drei Jahrzehnten, paraphrasiert Thomas Frenz diese Aneignung.[64] Dabei modelliert er den Erfolg der Normannen in einer vierteiligen Abfolge von Ereignissen oder Einflüssen, die das Gelingen der Eroberung begünstigten. Erstens sei hier auf einen innermuslimischen Bürgerkrieg verwiesen, resultierend aus dem zerfallenen Emirat. Zweitens erhielten die Muslime aus Spanien und Nordafrika wegen dortiger Konflikte keine Hilfe aus dem eigenen Glaubenslager. Drittens sicherten die Normannen eroberte Gebiete militärisch ab, in der Regel durch Burgen oder Befestigungsanlagen, und viertens unterwarf man die dortige Bevölkerung keiner Zwangsbekehrung zum Christentum, was religiös motivierte Aufstände unterband.[65] Drei dieser vier Punkte, die Frenz postuliert, waren demnach bedingt durch einen irgendwie gearteten islamischen Bezug. Entgegen der Annahme, nach den gewaltreichen Eroberungszügen schlösse nun ein Zeitalter der Unterdrückung an, beruhigte sich die Lage rasch und Sizilien wandelte sich zu einem ruhigeren Herrschaftsgebiet als Unteritalien selbst.[66]

Im Unterschied zur aghlabidischen Eroberung zog die normannische keine Massenansiedlungen nach sich. Eine der daraus resultierenden Konsequenzen war die nur langsam fortschreitende Latinisierung der Insel. Wenn sich die Griechen schon schwer in die neue Herrschaftsstruktur integrieren ließen, so waren die Muslime noch widerspenstiger.[67] Beachtlich erscheint im Gegensatz die Tatsache, in welch geringer Anzahl die Normannen das fremde Reich zu regieren vermochten.[68] Durch die geschickte Synthese von nord- und südeuropäischen, griechischen, römischen und muslimischen Aspekten gelangte Roger I. zu ungeahnter Einflusskraft: „[…] vom armen landlosen Abenteurer zu einem der erfolgreichsten Herrscher der damaligen Welt“, lautet das positive Urteil von Finley et al.[69] Aufgrund der unzureichenden Sprachkenntnisse des Grafen von Sizilien bedurfte es einer Vielzahl griechischer und arabischsprachiger Verwaltungsbeamter, um beispielsweise in der Urkundenanfertigung auf deren Vorwissen zurückgreifen zu können. Landschenkungen, die Ausstellung und Kontrolle von Landregistern und Hörigenlisten waren ebenso zu gewährleisten wie die Konversion muslimischer Sizilianer zum Christentum, sollten sie offiziellen Tätigkeiten in Rogers Diensten nachgehen wollen.[70]

Ehe Roger II. nach seines Vaters Tod im Jahr 1101 die Geschicke des Reiches in die Hand nahm (vermutlich ab 1113), regierte zunächst seine Mutter, die dritte Frau seines Vaters, Adelheid von Savona (1072-1118). Das regnum Rogers II. entwickelte sich dank der Geschicklichkeit des jungen Herrschers weiter und entfernte sich von den nordeuropäischen Vorbildern. Er vereinte Sizilien und Süditalien zu einem Reich, das bis an die Grenzen des päpstlichen Staates reichte.[71] Strukturell bediente sich Roger in den obersten Führungsriegen seiner Exekutive immer öfter griechisch-orthodoxer Spezialisten, um dem lateinischen Papst provokativ entgegenzutreten. So betrachtete Roger die Regelung kirchlicher Angelegenheiten entschieden als ein „Vorrecht des Königs kraft der ererbten Apostolischen Legation.“[72] In unteren Ebenen beschäftigte er hingegen nicht selten Muslime als Verwaltungsbeamte.[73] Aus seiner Amtszeit finden sich Münzen, auf denen in kufischen Schriftzeichen „Verteidiger des Christentums“, also Nasir an-Nasraniyya zu lesen ist, eine fatimidische Kalifentradition.[74] Auch in außenpolitischen Fragen spielte der Islam stets eine besondere Rolle. Im Kontext der Kreuzzüge schürte Roger II. bewusst Zwistigkeiten unter nordafrikanischen Muslimen, was seine Gebietsgewinne an der Küste von Tripoli bis Kap Bon und landeinwärts bis nach Kairouan zur Folge hatte.[75] Rogers Expansionslust wurde 1133/1134 auf einem Mantel illustriert, der Löwen (= Christen) zeigt, die Kamele (= Muslime) attackieren.[76] Ein arabisch verfasster Saum beschreibt die Herkunft des Mantels, der später als staufischer Krönungsmantel verwendet wurde.[77] Kritiker gehen davon aus, dass der Mantel nicht von Roger verwendet wurde, da er in den Quellen erst ab 1246 auftaucht und eine vormalige Erwähnung zu erwarten wäre.[78]

Durch zunehmende Abwanderungen der muslimischen Eliten sowie den Rückgang der griechischen Gemeinden wurde unter Rogers Herrschaft jedoch auch eines klar: dass die Toleranzpolitik keine echte Vermischung der Kulturen hervorgebracht hatte. „Das Normannisch-Arabische war eine künstliche Schöpfung des aufgeklärten Despotismus“[79] und hatte letztlich zur Folge, dass sich die Beziehungen allmählich verschlechterten. Bemerkenswert ist der Versuch einiger Muslime, sich durch die Anpassung ihres Namens an die Normannenherrscher anzunähern, um sich selbst potenzielle Vorteile zu verschaffen. Üblich waren Namensbildungen wie „Roger Achmet“ oder „Roger Chamuth“.[80] Darüber hinaus beherbergte Roger auch muslimische Prominenz, beispielsweise den aus Córdoba stammenden Geographen Sharīf al-Idrīsī[81] (um 1100-1166) und den sizilischen Dichter Muḥammad Ibn Ẓafar[82] (1104-1170/1172), der den Beinamen as-Ṣiqillī trug, was auf Sizilien referiert.

„Die Bewährungsprobe für Rogers II. Erfolge kam unter seinem Sohn Wilhelm I.“ (1122-1166), der 1154 seine Regentschaft übernahm.[83] Drei Jahre zuvor hatte ihn sein Vater bereits zum Mitregenten ernannt.[84] Während seiner Herrschaft wurde die Praxis der Zuweisung bebaubaren Landes nachgewiesen, was sich noch bis in die Regentschaft Wilhelms II. hineinzog.[85] Die Tatsache, dass Wilhelm im September 1164 eine Urkunde für das Kloster S. Maria al-Ġadīr als griechisch-arabische Bilingue ausstellte, verweist womöglich auf den gesellschaftlichen Charakter des Klosters. Die darin enthaltene Erlaubnis zur Bebauung eines bestimmten Landstrichs wurde zweifelsfrei bewusst in diesen selteneren Sprachen verfasst, stellt das Dokument doch die einzige Bilingue Wilhelms dieser Art dar.[86] Im arabischen Text wird das Land konkret als „Dīwān-Land“ bezeichnet, stammte also aus dem königlichen Demanium.[87]

Am Begriff دیوان‎ (Dīwān) soll im Folgenden ein bereits bekannter Bereich erläutert werden, in dem muslimische Beamte unter normannischer Administration besonders häufig eingesetzt wurden. In den Jahren 1144/1145 wurde in Sizilien der Dīwān at-taḥqīq al-maˁmūr[88] eingerichtet. Es existiert allerdings eine bis dato ungeklärte Kontroverse, welche Tätigkeiten en détail im Dīwān ausgeführt wurden.[89] Das Konzept stammte aus dem fatimidischen Ägypten, in dem der Dīwān at-taḥqīq etwa 1107 etabliert wurde. Hauptaufgaben[90] dort und auch in Sizilien waren beispielsweise das Erstellen und Aktualisieren von Steuerlisten zu Land und Menschen, das Zusammentragen und Archivieren von Unterlagen der Administration, die Koordination der Regalien und Vergleichbares mehr. Geographisch ging es zunächst nur um Sizilien und Kalabrien, nicht etwa um ganz Süditalien.[91] In erster Linie kann davon ausgegangen werden, dass die bereits erwähnten Landzuweisungen des Königs über die administrative Tätigkeit im Dīwān Gestalt annahmen. Dort entstanden die Urkunden, die für die Gültigkeit der Zuweisung vonnöten waren.[92] Ein ähnlich weitgefächertes Aufgabenspektrum kam dem Emir der Emire, dem ammiratus ammiratorum, zu. Er versteht sich als höchster Minister und oberster Beamter unter dem König im normannischen Italien. Seine Position wäre mit der des Großwesirs im Orient vergleichbar. Die sprachgeschichtliche Entwicklung machte aus dem ammiratus im Verlauf des 12. Jahrhunderts den admiratus, was nach einer Begriffsverengung zum Namensgeber für den heutigen Admiral wurde, der allerdings „nur noch“ das Oberkommando über die Flotte besitzt.[93]

Die nordafrikanischen Eroberungen des Vaters gingen ab 1156 sukzessive verloren, Konflikte mit den Kaisern in Ost und West wie auch mit dem Papst eröffneten zu viele Fronten zur gleichen Zeit. 1160 gelang dem Baron Matthias Bonellus ein erfolgreicher Aufstand, der von Teilen der Aristokratie gestützt wurde. In einer Serie von Aufständen, die Wilhelm bis dato stets unterdrücken konnte, wiegelte sich der Mob gegenseitig zu derartiger Tatkraft, dass es sogar gelang, Wilhelm und seine Familie 1161 gefangen zu nehmen. Kurze Zeit später entkam der König den Häschern mithilfe des Klerus und der Bevölkerung von Palermo und beendete auch diesen Aufstand. Doch in der Zwischenzeit erlitten die Muslime Ostsiziliens unter den Adligen ein folgenschweres Schicksal, das zu verstärkter Emigration führte: Die Aufständischen hatten Läden muslimischer Besitzer geplündert, die Palasteunuchen[94] getötet, die Frauen aus dem Harem entführt, muslimische Besitztümer und Grundstücke zerstört, ja sogar ganze ländliche Siedlungen dem Erdboden gleichgemacht.[95] In der Folge erhielten Normannen aus Großbritannien strategische Führungspositionen – meist mit klerikalem Kontext –, um die Latinisierung der Insel voranzutreiben. Wilhelm I. verlor zunehmend an Einfluss. Als er 1166 starb, sollen lediglich muslimische Frauen[96] den Tod des Herrschers beweint haben – wobei es sich selbstverständlich um eine Hyperbel handelt. Da Wilhelms Sohn Wilhelm II. zu diesem Zeitpunkt erst dreizehn Jahre alt war, regierte zunächst erneut die Mutter des Thronfolgers, Margarete von Navarra (1128-1183). Nach Wilhelms Amtsantritt im Jahre 1172 beruhigte sich die Lage in Sizilien zwar, jedoch nur, weil die Barone, die auch die Zwischenzeit dominiert hatten, zunehmend an Einfluss gewannen. Die Unlust Wilhelms I. – der Meinung seiner Chronisten nach – angemessen zu regieren sowie die Manipulierbarkeit Wilhelms II. brachten in der Retrospektive dem Vater den Beinamen „der Böse“, dem Sohn den eher spöttischen Beinamen „der Gute“ ein.[97] Wenngleich die Überlieferung zu Wilhelm II. im Kontext seiner Islam-Politik quantitativ geringer ausfällt als bei seinen Vorgängern, so lässt sich dem vorletzten Normannenkönig Siziliens eine Regentschaft orientalischer Art nachsagen, was ihn jedoch wenig von Vater, Groß- oder Urgroßvater unterschied. Neben afrikanischen Leibwächtern beschäftigte Wilhelm II. auch arabische Hofdichter und muslimische Konkubinen.[98] Interessant ist im Kontext der Popularität des jungen Königs seine Erwähnung im Decamerone des Giovanni Boccaccio (1313-1375). Dort konstruiert der Schriftsteller eine Liebesbeziehung zwischen einem fiktiven Abkömmling des Königs und einer muslimischen Prinzessin. Das Liebesglück endet jedoch gewohnt tragisch.[99]

Nachdem Wilhelm 1189 im Alter von nur 36 Jahren ohne eigenen Erben verstarb, „erwählte“ das Volk Wilhelms illegitimen Neffen Tankred von Lecce (1138-1194) zum neuen König. Unter seiner Herrschaft begann ein Bürgerkrieg gegen die verbliebenen Muslime, was erneute Emigrationen[100] und damit den punktuellen Zusammenbruch der Landwirtschaft nach sich zog.[101] Das Verhältnis zwischen muslimischen und nichtmuslimischen Bewohnern Siziliens war dauerhaft geschädigt. Bereits 1194 verstarb Tankred und hinterließ keinen geeigneten Erben. Heinrich VI. (1165-1197) – Kaiser des Heiligen Römischen Reiches – landete kurz darauf mit seiner Flotte in Messina, wo er von der christlichen Bevölkerung begeistert empfangen wurde. Er übernahm kurzerhand die Geschicke des Inselreiches, starb jedoch ebenfalls unverhofft nach kurzer Herrschaftszeit. Da Friedrich II. (1194-1250), nächster und erster staufischer König Siziliens, zu diesem Zeitpunkt erst drei Jahre alt war, folgte eine Ära der Anarchie.[102] Obwohl Papst Innozenz III. (1160/1161-1216) als Fürsprecher des Mündels viel Einfluss hätte haben müssen, störte eine Reihe deutscher Adliger[103] die Ruhe in Unteritalien. Als es 1197 zu einigen ethnisch-motivierten Aufständen kam, beteiligten sich die verbliebenen Muslime an Plünderungen und marodierten durch die Straßen der süditalienischen Städte.[104] Profiteure des entstandenen Chaos waren die deutschen Adligen. Friedrich II. kehrte nach zwölf Jahren Abwesenheit im Jahr 1220 nach Unteritalien zurück und begann sofort mit der Rückeroberung seiner Regalien: die deutschen Adligen wurden vertrieben, die unrechtmäßig errichteten Burgen und Anwesen der Zwischenzeit geschliffen und der zu großem Einfluss gelangte muslimische Anführer Ibn ˁAbbād nachhaltig bekämpft.[105] In den Assisen von Capua widerrief er alle seit 1189 (dem Todesjahr Wilhelms II.) erteilten Privilegien.[106] Durch sein Liber Augustalis geriet die Freiheit der Religionswahl, die Juden, Muslimen, Franken und Griechen zur Regierungszeit Rogers I. noch freigestellt wurde, zunehmend auf einen Weg der autoritären Latinisierung.[107] Als er im Jahr 1235 zum zweiten und letzten Mal in deutsche Gestade reiste, um seinen Sohn Heinrich in die Schranken zu weisen, führte er ein prachtvoll-fremdländisches Gefolge mit sich, das neben exotischen Tieren auch Araber und Äthiopier vorzuweisen hatte, was ihn unter den Deutschen als morgenländischen Potentaten erscheinen ließ. Stupor mundi nannten ihn die Zeitgenossen, als christlichen Friedenskaiser in der Nachfolge seiner normannischen Vorfahren sah er sich selbst.[108]

5. Abschließende Bemerkungen

Wenngleich im Rahmen einer Hauptseminararbeit nicht alle Aspekte des Untersuchungsgegenstandes gleichermaßen Berücksichtigung finden können, so konnte in der vorliegenden Ausführung kenntlich gemacht werden, dass die Situation muslimischer Sizilianer zur Zeit der normannischen Administration in weiten Teilen nicht ungleich dem Leben christlicher Bewohner in der Zeit der muslimischen Herrschaft war. „Religionsfreiheit“ im modernen, verfassungsrechtlichen Sinn gab es freilich nicht, eine Politik der Toleranz durften Andersgläubige jedoch in beiden Epochen erwarten. Die normannischen Eroberer benötigten lediglich drei Jahrzehnte, um sich die Insel anzueignen und sie einer über die Maßen effektiven Verwaltung zu unterziehen – bedenkt man, dass die „Nordmänner“ stets eine ethnische Minderheit darstellten. Eine Assimilation im Sinn der spanischen Reconquista oder der südamerikanischen Conquista gab es in Unteritalien nicht. Muslimische Beamte wurden in den unteren und mittleren Verwaltungsebenen eingesetzt, was allerdings oftmals eine Konversion zum griechisch-orthodoxen oder lateinischen Christentum voraussetzte. Kulturell bereicherten sich die Normannen ohne Abneigung an muslimischen Bekleidungs- und Landwirtschaftstraditionen, Arabisch wurde dritte Amtssprache und viele Normannenherrscher begeisterten sich individuell für die orientalischen Einflüsse.

Militärische Operationen im nördlichen Afrika, innergesellschaftliche Intrigen und die Bereitschaft zu antimuslimischen Aufständen schufen jedoch sukzessive eine islamophobe Atmosphäre, was in mehreren muslimischen Emigrationen mündete – wie es beispielsweise dem eingangs zitierten Dichter Ibn Ḥamdīs widerfahren war. Als sich die Herrschaftszeit der Normannen mangels geeigneter Nachkommen ihrem Ende neigte, war der point of no return – wie es ein moderner Anglizismus bezeichnet – bereits überschritten. Mit der Machtübernahme Friedrichs II. begann die flächendeckende Latinisierung Süditaliens und Siziliens.

Die einst so einflussreiche Präsenz der Muslime ließ sich in den Folgejahren noch an zahlreichen Spuren festmachen. Die islamische Kunst – gerade aus normannischer Schaffenszeit – hielt sich teilweise bis in die Gegenwart. Der modernisierte Ackerbau wurde nicht wieder zurückgeführt, einmal eingeführtes Obst – an erster Stelle die heute für Italien so berühmten Zitrusfrüchte – hielten sich über alle folgenden Jahrhunderte. Und gerade auf sprachlicher Ebene konnten sich Arabismen im Italienischen ebenfalls bis in die heutige Zeit erhalten. Ein bekanntes Beispiel wird hier durch die sizilische Kleinstadt Caltagirone markiert, die lediglich die Italisierung des arabischen Qalˁat al-Ghiran[109] darstellt.[110]

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Zimmermann, Albert; Cremer-Ruegenberg, Ingrid; Vuillemin-Diem, Gudrun (Hrsg.): Orientalische Kultur und europäisches Mittelalter (= Miscellanea Mediaevalia 17), Berlin; New York 1985.

[...]


[1] Vorab sei darauf verwiesen, dass das Arabische im Fließtext dieser Arbeit sowohl im Original, in der phonetischen Transkription als auch in der Übersetzung vorkommt. Die aus dem Koran zitierten Suren und Verse bleiben hingegen, der muslimischen Tradition (Sure 3, Vers 7) folgend, unübersetzt.

[2] Interpretation des Verfassers.

[3] Vgl. die Weise „Sicilia mia“, wie sie beispielsweise von Etta Scollo interpretiert wurde.

[4] Zur nostalgischen Dichtung vgl. Granara, William: „Ibn Ḥamdīs and the Poetry of Nostalgia“, in: Menocal, Maria Rosa; Scheindlin, Raymond; Sells, Michael (Hrsg.): Literature of Al-Andalus, Cambridge 2000, S. 180-183.

[5] Zum Forschungsstand vgl. u. a. Allaire, Gloria: „Noble Saracen or Muslim Enemy? The Changing Image of the Saracen in Late Medieval Italian Literature“, in: Blanks, David; Frassetto, Michael (Hrsg.): Western Views of Islam in Medieval and Early Modern Europe. Perception of Other, Bloomsburg 1999, S. 173-184; Altaner, Berthold: „Zur Geschichte der anti-islamischen Polemik während des 13. und 14. Jahrhunderts“, in: HJb 56 (1936), S. 227-233; Cardini, Franco: Europa e Islam. Storia di un Malinteso, Roma; Bari 1999; Daniel, Norman: Islam and the West. The Making of an Image, Oxford 31997; Watt, William Montgomery: Der Einfluss des Islam auf das europäische Mittelalter, Berlin 2001 sowie den 17. Band der Miscellanea Mediaevalia: Zimmermann, Albert; Cremer-Ruegenberg, Ingrid; Vuillemin-Diem, Gudrun (Hrsg.): Orientalische Kultur und europäisches Mittelalter, Berlin; New York 1985 und die darin enthaltenen Aufsätze. Weitere Titel folgend im Fußnotenapparat der vorliegenden Arbeit.

[6] Renan, Ernest: Averroès et l’Averro ї sme. Essai historique, Paris 1852.

[7] Vgl. hierzu Hödl, Ludwig: „Averroes, Averroismus. II. Lateinischer Averroismus“, in: LMA, Bd. 1, München 1980, Sp. 1292-1295.

[8] Cabanales Rodríguez, Dario: Juan de Segovia y el problema islámico, Granada 1952; D’Alverny, Marie-Thérèse: „La connaissance de l’Islam en occident du IXe au milieu du XIIIe siècle“, in: L’Occidente e l’Islam nell’alto medioevo: Settimane di studio del centro italiano di studi sull’alto medioevo, VII (1964/1965), S. 577-602; Daniel, Islam and the West; Thery, Gabriel: Tolède: grande ville de la Renaissance médiévale. Point de junction entre les cultures musulmane et chrétienne. Le circuit de la civilisation méditerranéene, Oran 1944; Villard, Ugo Monneret de: Lo studio dell’Islam in Europa nel XII e nel XIII secolo (= Studi e Testi, 110), Città del Vaticano 1944. In erster Linie verfolgen all diese Studien einen ähnlichen Blickwinkel, nämlich die Frage nach dem Beitrag des Islams zur Entwicklung des westeuropäischen Denkens sowie die Auswirkungen dieses neuen Nachbarn auf das christliche Abendland. Siehe Southern, Richard W.: Das Islambild des Mittelalters, Stuttgart 1981, S. 9.

[9] Daniel, Norman: The Arabs and Medieval Europe, London 1975; Watt, Der Einfluss des Islam.

[10] Jahn, Wolfgang: Untersuchungen zur normannischen Herrschaft in Süditalien (1040-1100) (= Europäische Hochschulschriften, Reihe 3: Geschichte und ihre Hilfswissenschaften, Band 401), Frankfurt a. M. et al. 1989.

[11] Jamison, Evelyn M.: Studies on the History of Medieval Sicily and South Italy, hrsg. v. Dione Clementi und Theo Kölzer, Aalen 1992.

[12] Becker, Julia: Graf Roger I. von Sizilien. Wegbereiter des normannischen Königreichs, Tübingen 2008, speziell S. 122-127; Johns, Jeremy: The Royal Dīwān. Arabic Administration and Norman Kingship in Sicily, Cambridge 2002; Metcalfe, Alex: Muslims and Christians in Norman Sicily. Arabic-Speakers and the End of Islam (Culture and Civilization in the Middle East), New York 2003.

[13] Rotter, Ekkehart: Abendland und Sarazenen. Das okzidentale Araberbild und seine Entstehung im Frühmittelalter, Berlin/New York 1986, S. 1. Auf derselben Seite zitiert der Autor den amerikanisch-libanesischen Arabisten – ja sogar den Begründer der amerikanischen Arabistik – Philip Khuri Hitti (1886-1978) im Kontext der Problematisierung des Begriffes „Sarazenen“ folgendermaßen: „The occurance of the word ‚Saracens‘ in the title left no doubt about the obsolete character of the work.“ Leider fehlt hier jegliche Referenz für eine indirekte Übernahme.

[14] Schlicht, Alfred: Die Araber und Europa: 2000 Jahre gemeinsamer Geschichte, Stuttgart 2008, S. 42.

[15] Cardini, Europa und der Islam, S. 33.

[16] Schlicht, Die Araber und Europa, S. 42.

[17] Vgl. beispielsweise die mathematisch-naturwissenschaftliche Ausbildung Adelard von Baths zu Beginn des 12. Jahrhunderts, ehe er seine Bildungsreise in den Orient fortsetzte. Stohlmann, Jürgen: „Orient-Motive in der lateinischen Exempla-Literatur des 12. und 13. Jahrhunderts“, in: Zimmermann, Albert; Cremer-Ruegenberg, Ingrid; Vuillemin-Diem, Gudrun (Hrsg.): Orientalische Kultur und europäisches Mittelalter (= Miscellanea Mediaevalia 17), Berlin; New York 1985, S. 123-150, hier S. 127f.

[18] Nur wenige Orte konnten sich der byzantinischen Rückeroberung widersetzen, beispielsweise Agropoli südlich von Salerno.

[19] Schlicht, Die Araber und Europa, S. 43.

[20] Ebd.

[21] Schlicht, Alfred: Geschichte der arabischen Welt, Stuttgart 2013, S. 112f.

[22] Nicht zu verwechseln mit der homonymen Bezeichnung für das gesammelte Werk eines Dichters. Vgl. hierzu Hebel, Hans-Peter: Arabische Kultur und europäisches Mittelalter, München 2013, S. 243-246.

[23] Johns, The Royal Diwan, S. 14.

[24] Ebd., S. 22.

[25] Amari, Michele: Storia die musulmani di Sicilia, Bd. 2, Catania 21935, S. 169-171. Vgl. ferner Dachraoui, Farhat: Le Califat Fatimide au Maghreb: histoire politique et institutions, Tunis 1981, S. 334.

[26] Johns, The Royal Diwan, S. 24. Vgl. ferner Wiet, Gaston (Hrsg.): Ibn Ḥawqal: Configuration de la terre, Bd. 1, Paris 1964, S. 121.

[27] Johns, The Royal Diwan, S. 24.

[28] Ebd., S. 29.

[29] Diese feine Hierarchisierung schloss sich trotz der Gleichheit aller Gläubigen vor Gott im islamischen Glauben nicht aus, wenngleich die Vervollkommnung der Seele in erster Linie in Frömmigkeit zu suchen ist. Vgl. hierzu Sure 6, Vers 165: رَحيم لَغَفورٌ وَإِنَّ العِقاب سَريعُ رَبَّكَ إِنَّ ۗ آتاكُم ما في لِيَبلُوَكُم دَرَجاتٍ بَعضٍ فَوق بَعضَكُم وَرَفَعَ الأَرضِ خَلائِفَ جَعَلَكُم الَّذي وَهُو / Zum Begriff derﮐﻔﺄ(kafā’a), also der Ebenbürtigkeit von Muslim(in) und Nicht-Muslim(in) in der Ehe vgl. Brunschvig, R.: „Métiers vils en Islam“, in: Studia Islamica, XVI (1962), S. 41-60, hier S. 55-60. Mittelalterliche Quellen regelten für dieser Praxis entsprechende Mischehen auch die Religionszugehörigkeit der Kinder. So schreibt Ibn Ḥauqal, dass der Sohn einer solchen Ehe dem Vater als Muslim, die Tochter jedoch der Mutter als Christin folgen solle. Vgl. Ibn Ḥauqal كتاب صورة الأرض, 973, hrsg. v. J. H. Kramers, Leiden 21938/39, S. 129.

[30] Grunebaum, Gustav Edmund von: Der Islam im Mittelalter, Zürich/Stuttgart 1963, S. 218.

[31] Finley, Moses I.; Mack Smith, Denis; Duggan, Christopher: Geschichte Siziliens und der Sizilianer, München 1986, S. 74.

[32] Hierbei handelt es sich um eine von Zarathustra gestiftete baktrische Religion ohne eine eigene Zentralschrift (Bibel, Thora, Koran), die eschatologischen Monotheismus und kosmogonischen Dualismus vereint. Vgl. Boyce, Mary: Zoroastrians. Their religious beliefs and practices, London 2007.

[33] Grunebaum, Islam im Mittelalter, S. 228. Darüber hinaus sollte man jedoch von der Annahme Abstand nehmen, die Ebenbürtigkeit sei mit Freundschaft gleichzusetzen. In Sure 5, Vers 51 heißt es hierzu eindeutig: الظّالِمينَ القَومَ يَهدِي لا اللَّهَ إِن ۗ مِنهُم فَإِنَّهُ مِنكُم يَتَوَلَّهُم وَمَن ۚ بَعضٍ أَولِياءُ بَعضُهُم ۘ أَولِياءَ وَالنَّصارىٰ اليَهودَ تَتَّخِذُوا لا آمَنوا الَّذينَ أَيُّهَا يا /.

[34] ذمة (Ḏimma) bezeichnet eine Institution des islamischen Rechts, das den Status christlicher und jüdischer Schutzbefohlener (Ḏimmī) festlegt. Vgl. hierzu Hoyland, Robert G.: „Introduction“, in: Hoyland, Robert G. (Hrsg.): Muslims and Others in Early Islamic Society, Aldershot 2004, S. xiii-xxx, hier S. xiv. Vgl. ferner Løkkegaard, Frede: Islamic Taxation in the Classic Period, Kopenhagen 1950, S. 84.

[35] Dies hing mit Konversionsproblemen und ungeklärten Abgabepflichten zusammen. Vgl. hierzu Muscato Daidone, Concetta: Avola. Storia della città. Dalle origini ai nostri giorni, Siracusa 2011, S. 72.

[36] Darüber hinaus gab es den nordöstlichen Val Demone sowie den südöstlichen Val di Noto. Die Dreiteilung Siziliens war eine Innovation aus der muslimischen Besatzungszeit und hielt sich bis ins Jahr 1818, als die vorläufige Einteilung in sieben Provinzen erfolgte. Heute sind es neun Provinzen mit insgesamt 390 Gemeinden. Vgl. Arnold, Charles (Hrsg.): Die Inseln des Mittelmeers. Ein einzigartiger vollständiger Überblick, Hamburg 2008, S. 134.

[37] Eine Abkehr vom Islam ebenso wie die wechselseitige Konversion von Judentum zu Christentum und umgekehrt war in muslimischen Regierungsbezirken strikt verboten. Vgl. ˁUbaid, Abū: Kitāb al-amwāl, hrsg. v. Muḥammad Ḥāmid al-Fiqqī, Kairo 1353 (1934), S. 180f.

[38] Lehmkuhl, Helga: „Das mittelalterliche Sizilien“, in: Carnabuci, Brigit (Hg.): Sizilien. Griechische Tempel, römische Villen, normannische Dome und barocke Städte im Zentrum des Mittelalters, Ostfildern 72013, S. 40-55, hier S. 42.

[39] Als Meisterleistung betrachtet man heute das „Wunder“ einer zweiten Ernte, dass die Muslime dem idealen Klima der Insel abgewonnen hatten. Vgl. hierzu Houben, Hubert: Die Normannen, München 2012, S. 74-79.

[40] Lehmkuhl, „Sizilien“, S. 42.

[41] Ebd. Das wäre immerhin ein Drittel der gesamten Bevölkerung Siziliens, wovon wiederum 300.000 allein in Palermo lebten. In der Mitte des 11. Jahrhunderts waren es bereits zwei Drittel. Vgl. Houben, Die Normannen, S. 74ff. Der Großteil der Muslime entsprang wahrscheinlich zuvor erfolgten Konversionen. Vgl. Amari, Michele: Biblioteca arabo-sicula, Turin 1880, S. 51. Ganz allgemein sei darauf hingewiesen, dass sämtliche Zahlenangaben in den folgenden Abschnitten stets der Sekundärliteratur entnommen sind und häufig unrealistisch wirken. In der Regel ist hier von übernommenen Übertreibungen auszugehen. Als Vergleichsgröße seien sie jedoch dennoch gestattet.

[42] Schlicht, Die Araber und Europa, S. 44.

[43] Lehmkuhl, „Sizilien“, S. 42.

[44] Bis ins Jahr 1053 regierten die Kalbiten Sizilien. Der letzte kalbitische Emir war Hasan as-Samsam, ehe das Emirat 1053 in mehrere kleine Fürstentümer zerfiel. Hauptauslöser für diese Entwicklung waren Konflikte zwischen sunnitischen und schiitischen Teilen der Kalbiten. Als die Normannen 1061 unter Roger I. in Sizilien eintrafen, fanden sie diese zersetzte Struktur bereits vor. Einer der Emire, Ibn al-Thumna, unterstützte die Normannen in der Hoffnung, seine eigenen Interessen durchsetzen zu können. Vgl. hierzu Metcalfe, Muslims of Sicily, S. 293.

[45] Lehmkuhl, „Sizilien“, S. 43.

[46] Ebd.

[47] Ebd.

[48] Trotz aller Toleranz empfahl es sich für die muslimische Elite der pränormannischen Ära, zum Christentum zu konvertieren, um gewohnte Privilegien nicht zu verlieren. Vgl. Falkenhausen, Vera von: „Il popolamento: etnìe, fedi, insediamenti“, in: Musca, Giosuè: Terra e uomini nel Mezzogiorno normanno-svevo. Atti delle settime giornate normanno-sveve (= Atti. Centro di Studio Normanno-Sveve 7), Bari 1987, S. 39-73, hier S. 52f.

[49] Zur Kopfsteuer vgl. Baynes, Norman Hepburn; Moss, H. St. L. B.: Byzantinum, Oxford 1948, S. 82, Fußnote 3; Metcalfe, Muslims of Sicily, S. 295-297.

[50] Lehmkuhl, „Sizilien“, S. 43.

[51] Quellen, die ein fließendes arabisches Sprachvermögen verkünden – zu nennen wären hier Ibn Said (1214-1286) und Ricordano Malispini (ca. 1220-1282) –, entstammen alle einer posthumen Schaffenszeit. Hubert Houben ist deshalb geneigt, dem Staufer lateinische, italienische, deutsche und franzöische, jedoch eher spärliche arabische und griechische Sprachkenntnisse zuzutrauen. Vgl. Houben, Hubert: Kaiser Friedrich II. (1194-1250). Herrscher, Mensch und Mythos, Stuttgart 2008, S. 112.

[52] Im Widerspruch zu Markus 12, 28 und 1. Korinther 8, 5, in denen in der christlichen Lehre die Trinität fußt, verurteilt der Koran in Sure 5, Vers 116 diese Vorstellung, indem er fragt: ؟ اللَّهِ دون مِن إِلٰهَينِ وَأُمِّي اتَّخِذوني لِلنّاسِ قُلت أَأَنت مَريَم ابن عيسَى يا اللَّهُ قالَ وَإِذ // Dem setzt er Sure 112, Verse 1-4 entgegen, wo von der alleinigen und ewigen Göttlichkeit Allahs berichtet wird: // أَحَدٌ اللَّهُ هُوَ قُل / الصَّمَدُ اللَّه / يولَد وَلَم يَلِد لَم / أَحَدٌ كُفُوًا لَ يَكُن وَلَم /.

[53] Diese Imitation der Grablege Papst Innozenzʼ II. (vor 1088-1143) könnte als „Aushöhlung der Lehnsabhängigkeit durch die Enteignung wesentlicher Requisiten der päpstlichen Repräsentation“ gedeutet werden. Vgl. Houben, Hubert: Roger II. von Sizilien. Herrscher zwischen Orient und Okzident (= Gestalten des Mittelalters und der Renaissance, hrsg. v. Peter Herde), Darmstadt 1997, S. 134.

[54] Bünemann, Richard: Robert Guiskard 1015-1085. Ein Normanne erobert Süditalien, Köln et al. 1997, S. 54.

[55] Ebd., S. 182.

[56] Ebd., S. 183.

[57] Ebd., S. 188.

[58] Zu diesem Zeitpunkt gilt Córdoba als die einzig größere Stadt in der bekannten Welt. Mit ebenfalls mehreren Hunderttausend Einwohnern stellt die Metropole mit ihrer vergleichbaren Toleranzpolitik ein spanisches Spiegelstück zu Palermo dar. Zur allgemeinen Geschichte Córdobas vgl. Muñoz Molina, Antonio: Stadt der Kalifen. Historische Streifzüge durch Córdoba, Reinbeck 1994.

[59] Bünemann, Robert Guiskard, S. 194.

[60] Finley et al., Geschichte Siziliens, S. 79f.

[61] Ebd., S. 80.

[62] Parallel zur Eroberung Siziliens und in den darauffolgenden Jahren wurde auch der Süden Italiens nach und nach normannisch: Bari (1071), Salerno (1077), Amalfi (1131), Neapel (1139).

[63] Eine ausführliche, jedoch spärlich verfußnotete Beschreibung der Eroberung Siziliens findet sich bei Heinemann, Lothar von: Geschichte der Normannen in Unteritalien und Sizilien, Leipzig 1894 (Aalen 1969), speziell S. 190-228.

[64] Frenz, Thomas: „Italien im Mittelalter (950-1454)“, in: Altgeld, Wolfgang; Lill, Rudolf (Hrsg.): Kleine italienische Geschichte, Stuttgart 2004, S. 15-122, hier S. 46.

[65] Ebd.

[66] Jamison, Evelyn M.: The Norman Administration of Apulia and Capua – more especially under Roger II. and William I. (1127-1166), 1913 (1987) S. 223.

[67] Metcalfe, Alex: „The Muslims of Sicily under Christian Rule“, in: Loud, Graham A.; Metcalfe, Alex (Hrsg.): The Sciety of Norman Italy, Leiden 2002, S. 289-317, hier S. 290.

[68] Finley et al., Geschichte Siziliens, S. 81.

[69] Ebd.

[70] Becker, Roger I., S. 129. Roger II. soll besonders tüchtigen konvertierten Muslimen und Juden in seinen Diensten zur Belohnung wertvolle Geschenke gemacht haben. Vgl. Romualdi Salernitani Chronicon (= Rerum Italicarum Scriptores 2), hrsgg. v. Carlo Alberto Garufi, Città di Castello 1935, S. 235.

[71] Finley et al., Geschichte Siziliens, S. 83.

[72] Ebd., S. 84.

[73] Ebd.

[74] Lehmkuhl, „Sizilien“, S. 44.

[75] Finley et al., Geschichte Siziliens, S. 85.

[76] Metcalfe, Muslims of Sicily, S. 303.

[77] Houben, Roger II., Abb. 7 zw. S. 126/127.

[78] Zur Kritik vgl. Bauer, Rotraud: „Zur Geschichte der sizilischen Gewänder, später Krönungsgewänder der Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches“, in: Seipel, Wilfried (Hrsg.): Nobiles Officinae. Die königlichen Hofwerkstätten zu Palermo zur Zeit der Normannen und Staufer im 12. und 13. Jahrhundert, Milano 2004, S. 85-95. Vgl. außerdem Bauer, Rotraud: „Der Mantel Rogers II. und die siculo-normannischen Gewänder aus den königlichen Hofwerkstätten in Palermo“, in: Seipel, Wilfried (Hrsg.): Nobiles Officinae. Die königlichen Hofwerkstätten zu Palermo zur Zeit der Normannen und Staufer im 12. und 13. Jahrhundert, Milano 2004, S.115-123.

[79] Finley et al., Geschichte Siziliens, S. 86.

[80] Becker, Roger I., S. 123. Vgl. außerdem Tramontana, Salvatore: „Aspetti e problemi dell’insediamento normanno in Sicilia“, in: Atti del Congresso Internazionale di studi sulla Sicilia normanna, Palermo 1973, S. 310-359, hier S. 317f.; Falkenhausen, Vera von: „I ceti dirigenti prenormanni al tempo della costituzione degli stati normanni nell'Italia meridionale e in Sicilia“, in: Rossetti, Gabriella (Hrsg.): Forme di potere e struttura sociale in Italia nel Medioevo, Rom 1977, S. 321-377, hier speziell S. 325f. und 349.

[81] Zur Biographie vgl. Oman, Giovanni: „Al-Idrisi“, in: Encyclopaedia of Islam, 3 (1971), S. 1032-1035.

[82] Zur Biographie vgl. Dekmejian, Hrair; Thabit, Adel: „Machiavelli’s Arab Precursor. Ibn Ẓafar al-Ṣiquillī“, in: British Journal of Middle Eastern Studies, 27 (2000), S. 125-137.

[83] Finley et al., Geschichte Siziliens, S. 87.

[84] Zur Diplomatik Wilhelms I. vgl. Enzensberger, Horst (Hrsg.): Guillelmi I regis diplomata (= Codex diplomaticus Regni Siciliae. Series prima, tomus III), Köln/Wien 1996.

[85] Enzensberger, Horst: „Il documento regio come strumento del potere“, in: Potere, società e popolo nell’età dei dui Guglielmi (Atti. Centro di Studi Normanni-Svevi 4), Bari 1981, S. 103-138, hier S. 126f.

[86] „32. König Wilhelm weist dem Kloster S. Maria al-Ġadīr im Gebiet von Petralia auf Bitten des Ökonoms Johannes de Vitalva Land zur Bearbeitung zu“, in: Enzensberger, Guillelmi I., S. 85-87, hier S. 85.

[87] Ebd.

[88] Wörtlich etwa: Büro für Verifikation. Andere gehen von einer Gründung erst im Jahr 1148 aus, vgl. Metcalfe, Muslims of Sicily, S. 301.

[89] Takayama, Hiroshi: The Administration of the Norman Kingdom of Sicily, Leiden et al. 1993, S. 81.

[90] Takayama subsummiert die Aufgaben wie folgt: „(1) inspection of transferred lands, whether royal lands or fiefs, and fixing of boundaries of transferred land; (2) preparation of documents which record the boundaries of transferred lands; (3) preservation of dafātir; (4) issuance of jarāˁid.“ Vgl. ebd., S. 83.

[91] Metcalfe, Muslims of Sicily, S. 301.

[92] Ebd., S. 82.

[93] Vgl. „D 91: König Wilhelm bestellt das Wittum für die Königin Johanna“, in: Enzensberger, Horst (Hrsg.): Wilhelmi II regis Siciliae diplomata, Bamberg 2008 [bisher unveröffentlichtes Dokument, URL: http://www.hist-hh.uni-bamberg.de/WilhelmII/pdf/D.W.II.091.pdf (eingesehen am 2.5.2015)], S. 2-8, hier S. 4: „admiratus regii fortunati stolii“.

[94] Die Begrifflichkeiten dürfen an dieser Stelle kein anachronistisches, orientalisierendes Bild aus der Zeit des Osmanischen Reiches (1299-1923) erzeugen. Vgl. Metcalfe, Muslims of Sicily, S. 299. Falcandus bezeichnete den Palast entweder als „Eunuchenpalast“ oder „Sarazenenpalast“. Vgl. La Historia o Liber de regno Sicilie e la Epistola ad Petrum Panoramitane Ecclesia Thesaurium di Ugo Falcando (= Fonti per la storia d’Italia), hrsg. v. G. B. Siragusa, Rom 1897, S. 45, 56, 115-117, 119.

[95] Finley et al., Geschichte Siziliens, S. 89.

[96] Ebd.

[97] Zur Metaphorik vgl. den Aufsatz von Enzensberger, Horst: „Der ‚böse‘ und der ‚gute‘ Wilhelm. Zur Kirchenpolitik der Könige von Sizilien nach dem Konkordat von Benevent (1156)“, in: Deutsches Archiv, 36 (1980), S. 385-432.

[98] Finley et al., Geschichte Siziliens, S. 89.

[99] Chalandon, Ferdinand: Histoire de la Domination Normande en Italie et en Sicile, Paris 1907, S. I.

[100] Die sich wiederholenden Auswanderungsbewegungen nach Spanien, Ägypten und Nordafrika dokumentierte auch Ibn al-Athīr. Vgl. Amari, Biblioteca arabo-sicula, S. 114.

[101] Finley et al., Geschichte Siziliens, S. 90.

[102] Ebd., S. 92.

[103] Die Sekundärliteratur spricht hier stets von „Baronen“. Hierbei handelt es sich jedoch um einen Adelstitel, der im Heiligen Römischen Reich nicht für deutsche Adlige vorkam. Dem Französischen entlehnt, sprach man deutsche Freiherren oft mit der Anrede „Herr Baron“ an, was jedoch im europäischen Ausland für Argwohn sorgte, da der französische oder auch österreichische Baron hierarchisch zwischen dem Freiherren und dem Grafen firmierte.

[104] Finley et al., Geschichte Siziliens, S. 92.

[105] Ebd.

[106] Lehmkuhl, Sizilien, S. 50.

[107] Finley et al., Geschichte Siziliens, S. 93.

[108] Lehmkuhl, Sizilien, S. 50.

[109] Zur Etymologie vgl. Muccioli, Antonio: Le strade di Palermo. Storia, curiosità e personaggi di una città attraverso la guida alfabetica complete delle sue vie, Rom 1998, S. 160.

[110] Ohne auf den Pfad der Populärwissenschaftlichkeit abdriften zu wollen, sei es an dieser Stelle gestattet, eine eigene Wahrnehmung zu dokumentieren. In kampanischen Dörfern der Apenninen spricht man die Erdbeere heute teilweise nicht hochitalienisch „fragola“, sondern dialektal „*fraula“ aus. Die Ähnlichkeit zum arabischen فَرَاوْلَة (af-Faraula) legt zumindest die Vermutung nahe, es könne eine gegenseitige Wechselbeziehung auf sprachlicher Ebene stattgefunden haben. Einen Anstoß zu dieser Interpretation verdanke ich meinem Arabischlehrer Omar Hamlili, M.A. Natürlich bleibt diese Annahme rein spekulativ, ehe sich kein sprachwissenschaftlicher Beweis finden lässt.

Details

Seiten
25
Jahr
2015
ISBN (Buch)
9783668116160
Dateigröße
668 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312649
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Institut für Geschichte
Note
1,0
Schlagworte
Roger I. Roger II. Ibn Ḥamdīs Robert Guiskard Tankred von Hauteville Tankred von Lecce Adelheid von Savona Wilhelm I. Wilhelm II. Margarete von Navarra Heinrich VI. Friedrich II. Süditalien Unteritalien Islam Sizilien Mittelalter Normannen

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Titel: Die muslimische Kultur Süditaliens unter den Normannen