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Neubesetzung einer Mitarbeiterstelle nach dem Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell (4CID)

Hausarbeit 2015 20 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis und Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zielsetzung
1.2 Das 4CID Modell
1.3 Szenario
1.4 Überblick

2 Theoretischer Exkurs
2.1 Pfadabhängigkeit
2.2 Unterschied Didaktik und Instruktionsdesign
2.3 Bezugstheorien des 4CID

3 Hierarchische Kompetenzanalyse
3.1 Hierarchiefunktion
3.2 Hierarchieerstellung
3.3 (Non-)Rekkurente Fertigkeiten

4 Bildung von Aufgabenklassen
4.1 Funktion
4.2 Vereinfachende Annahmen und Aufgabenklassen

5 Entwicklung von Lernaufgaben
5.1 Lernaufgaben
5.2 Variabilität
5.3 Mediale Unterstützung

6 Prozeduale und unterstützende Informationen
6.1 Unterstützende Informationen
6.2 Prozeduale Informationen

7 Part-task Practice

8 Didaktische Szenarien zur Integration in das 4C/ID-Modell
8.1 Fallmethode und Famulatur
8.2 Fidelity

9 Fazit
9.1 Verortung im ADDDIE-Phasenmodell
9.2 Stärken-Schwächen-Abschätzung

Literaturverzeichnis

Tabellen- und Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Aufgabenklassen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Das 4CID Modell

Abbildung 2: Fertigkeitenhierarchie

1. Einleitung

1.1 Zielsetzun g: Die Aufgaben von Leiterinnen1 in Bildungseinrich- tungen sind vielfältig. Es müssen sehr komplexe Tätigkeiten aus den unterschiedlichsten Bereichen beherrscht werden. Auf die meisten Anforderungen wird die angehende Schulleitung in der Regel im Rahmen ihres Studium vorbereitet. Dennoch ist nicht davon auszu- gehen, dass die Einstellung neuer Mitarbeiter dazu gehört und die dafür notwendigen Kompetenzen erworben wurden. Durch das me- thodische Vorgehen des Vier-Komponenten-Instruktionsdesign- Modells (4CID) kann man diesem Problem begegnen. Die vorliegen- de Hausarbeit versucht anhand des Instructional Designs (kurz ID) einen Schulungsentwurf zu konzipieren, um die Kompetenz als Leite- rin einer Berufsschule eine Mitarbeiterstelle neu besetzen in anderer Art zu vermitteln. Anwendung findet hierbei das von van Merriënboer und Kirschner in den 90igern entwickelte 4CID, welches durch die „Ten Steps to Complex Learning“ zu einem Blueprint für die jeweilige Lernumgebung führt.

1.2 4CID-Modell: Das 4CID besteht darin, die vier notwendigen Be- standteile für komplexes Lernen 1. Lernaufgaben (learning tasks), 2. unterstützende Informationen (supportive information), 3. Just-in-Time Informationen (JiT information) und 4. Üben von Teilaufgaben (Part- task practice) gemeinsam in einem Lehrplan-Entwurf miteinander in Verbindung zu setzen (van Merriënboer, Clark & de Croock, 2002, S.39), um so praxisnahe und authentische Lernumgebungen gestal- ten zu können. Die vier Basiskompetenzen stehen in Wechselbezie- hung zueinander und strukturieren den Lernprozess. Die Zielgruppe, in diesem Fall Leiterinnen von verschiedenen Bildungseinrichtungen, wird so in die Lage versetzt, mit den erworbenen Kompetenzen die Aufgabe eine Mitarbeiterstelle neu besetzen meistern zu können. Nach van Merriënboer ist es möglich, neuerworbenes Wissen auf unterschiedliche Anforderungen im Alltag anzuwenden.

1.3 Szenario: Dieser Schulungsentwurf geht davon aus, dass an ei- ner staatlichen Berufsschule eine Stelle für eine Lehrkraft zum Schul- jahresende frei wird. Diese gilt es bis zum Beginn des neuen Schul- jahres zu besetzen. Die Schulleiterin hat nur wenig Erfahrung mit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Schematische Darstellung der vier Komponenten (Kirschner & van Merriënboer, 2007, S.14)

Neueinstellungen, so bittet sie beim zuständigen Schulamt um Unter- stützung. Da immer wieder ähnliche Anfragen gestellt werden, ent- schließt sich die Behörde zu einem Pilotprojekt: es lädt alle interes- sierte Leitungen aus dem Zuständigkeitsbereich zu einer internen Schulung für Mitarbeiterinnen in Leitungspositionen ein, um genau diese Kompetenz zu erarbeiten. Es melden sich verbindlich 14 Mitar- beiterinnen zu diesem Workshop an. Die Personalchefin der überge- ordneten Behörde leitet die Schulung, die an zwei aufeinanderfolgen- den Tagen stattfindet. Danach besteht für ein weiteres halbes Jahr die Möglichkeit über ein Onlineportal weiter zu trainieren. Die Perso- nalchefin ist darüber hinaus - ebenfalls online - bereit, für etwaige Nachfragen zur Verfügung zu stehen. Alle 14 Teilnehmerinnen verfü- gen über gute EDV-Kenntnisse und sind es gewohnt, mit Internet und Office-Programmen zu arbeiten.

1.4überblick: Die vorliegende Hausarbeit beginnt mit einem theoreti- schen Exkurs. Sie zeigt zu diesem Szenario Teile für den Entwurf einer Lernumgebung nach dem 4CID-Modell als Leiterin einer Be- rufsschule eine Mitarbeiterstelle neu besetzen. Sie beinhaltet die hie- rarchische Kompetenzanalyse, verschiedene Aufgabenklassen und Lernaufgaben und im weiteren Verlauf Beispiele für prozeduale und unterstützende Informationen, sowie für Part-task practice. Nach diesen Ausführungen wird die mögliche Umsetzung der Lernaufgaben in das Szenario diskutiert. Letztendlich wird die Verortung des 4CID- Modells im ADDIE Modell aufgezeigt und schließt mit einem Fazit zu den Stärken und Schwächen des Modells.

2. Theoretischer Exkurs

2.1 Pfadabhängigkeit: Im deutschsprachigen Raum sind didaktische Modelle federführend, während sich in Nordamerika, aber auch in einigen anderen europäischen Ländern, ID-Modelle durchgesetzt haben (Bastiaens, Deimann, Schrader & Orth, 2014, S. 55). Dieser Umstand lässt sich mit der Pfadabhängigkeit begründen. Damit ist gemeint, dass in der Vergangenheit getroffene Entscheidungen so- wohl auf die Gegenwart, als auch auf die Zukunft wirken (Klebl, 2014, S. 71). Drei Faktoren tragen zur Stabilisierung der Pfade bei: der ökonomische Nutzen, das Momentum und das stabile Stadium. Im Kontext mit der Pfadabhängigkeit versteht man unter dem ökonomi- schen Nutzen, dass eine intensive Nutzung der bereits entwickelten Techniken, genauso wie die Weiterentwicklung der selben günstiger ist, als eine komplette Neuentwicklung. So ist sicher der ökonomische Nutzen mit ausschlaggebend dafür, dass die allgemeine Didaktik in Deutschland stärker im Vordergrund steht als ID-Modelle. Das Fun- dament für die Gestaltung des Unterrichts entstand vor über 200 Jah- ren. Comenius (1592-1670) hat mit seinem Werk „Didactica magna“ (Comenius 1992) im 17. Jahrhundert den Grundstein gelegt, das In- structional Design wurde dagegen erst in der Zeit des zweiten Welt- krieges entwickelt und ist somit relativ neu (Bastians et al., 2014, S. 32+44). Daher ist die ganze Konzeption des Lernens seit mehr als zwei Jahrhunderten auf didaktische Modelle angelegt. Ein Rich- tungswechsel erscheint unwirtschaftlich und deswegen nicht ange- zeigt.

2.2 Unterschied Didaktik und Instruktionsdesign: Wie erwähnt, hat die Didaktik in Deutschland eine lange Geschichte, sie wird auch als Wissenschaft vom Lernen und Lehren bezeichnet (Gudjohns, 2012, S. 241). Aber nicht nur wegen des Zeitpunkts der Entstehung unter- scheiden sich Didaktik und Instruktionsdesign, auch der Fokus bezie- hungsweise die Zielgruppe ist unterschiedlich. Die allgemeine Didak- tik hat seit jeher ihr Augenmerk auf das schulische Lehren und Ler- nen gelegt, berufliche Aus-, und Weiterbildung dagegen vernachläs- sigt. Didaktische Modelle orientieren sich stark an der Person „Lehre- rin“. ID-Modelle sind breiter gefasst, sie finden sowohl in der Schule, als auch in der Aus-, und Weiterbildung Anwendung. Bereits bei der Etablierung von Instruktionsdesign-Modellen war das Ziel, systema- tisch viele Menschen in komplexen Tätigkeiten auszubilden. ID- Modelle fokussieren den Lernenden und dessen Lernumgebung.

2.3 Bezugstheorie des 4CID-Modells: Der Behaviorismus, darunter versteht man die Lehre vom Verhalten, ist historisch gesehen der älteste theoretische Versuch, lernpsychologische Phänomene zu er- klären (Bastiaens et al., 2014, S. 11). John B. Watson begründete den Behaviorismus 1913, was er unter anderem in seinem Werk „Be- haviorismus“ beschrieb. Charakteristisch ist, dass komplexe kognitive Lernprozesse auf beobachtbare Eingabe-Ausgabe-Relationen (input- output-relations) reduziert werden. Der Organismus wird als Black- Box gesehen, der auf einen ankommenden Reiz (stimulus) mit einem bestimmten Verhalten (response) reagiert. Im 4CID-Modell findet sich der behavioristische Denkansatz in der Komponente Part-task prac- tise wieder, die zum Beispiel ihre Umsetzung in Lernsoftware zum Erlernen von Fachbegriffen (Einstellungswesen) nach dem Drill-and- practice-Prinzip finden kann.

3. Hierarchische Komponenten

3.1 Hierarchiefunktion: Die Hierarchie dient dazu, vorab alle Fertigkei- ten zu identifizieren, die nötig sind, um die zu schulende Kompetenz eine freie Mitarbeiterstelle besetzen zu erreichen. Sie zeigt Zusam- menhänge zwischen einzelnen Teilfertigkeiten auf und hilft darüber hinaus wiederkehrende von nicht wiederkehrenden Fertigkeiten zu unterscheiden. Ist die Hierarchie erstellt, lassen sich darauf aufbau- end die Aufgabenklassen festlegen und im weiteren Verlauf den Auf- bau des Blueprints planen (Bastiaens et al., 2014, S. 95). Außerdem lassen sich die nächsten Schritte je nach Kenntnisstand und Fähig- keit klären: ob zum Beispiel wiederkehrende Fertigkeiten bereits au- tomatisiert beherrscht werden oder in eigenen Übungen trainiert wer- den müssen.

3.2 Hierarchieerstellung: Der erste Schritt zur Erstellung des Schu- lungsentwurfes ist die Analyse der gewünschten Kompetenz, die zum Ende der Maßnahme bei den Schulleiterinnen vorliegen soll und hat sowohl vorbereitenden, als auch informationsgewinnenden Charakter. Die Analyse für das vorliegenden Szenario wurde mit Hilfe des Exper- tenwissens einer erfahrenen Schulleiterin, die einer Berufsschule vorsteht, durchgeführt. Weiter wurde das Fachbuch „Personalwahl, schnell und sicher Top Mitarbeiter finden“ mit einbezogen (Lorenz & Rohrschneider, 2002, S. 13ff). Hier ist die gewünschte Kompetenz eine freie Mitarbeiterstelle besetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, werden ganzheitliche komplexe Fähigkeit in konstituierende Teile zerlegt und ihre Zusammenhänge in einer Fertigkeitenhierarchie dar- gestellt (Bastiaens et al., 2014, S.95). An oberster Stelle dieser Hie- rarchie steht die komplexe Fähigkeit als Leiterin einer Berufsschule eine neue Mitarbeiterstelle besetzen, also die gewünschte End- kompetenz. Darunter erfolgt die Zerlegung in die zu erlernenden Teil- fertigkeiten, die in horizontalen und vertikalen Zusammenhängen ab- gebildet werden. Dabei repräsentieren die horizontalen Relationen den temporären Ablauf der konstituierenden Teilkompetenzen von links nach rechts. Diese können sowohl sequentiell als auch simultan ausgeübt werden (Bastiaens et al., 2014, S.95). Der Prozess eine neue Mitarbeiterstelle besetzen gliedert sich in verschiedene Phasen. So steht beispielsweise vor der Anforderung Vorstellungsgespräche führen im zeitlichen Ablauf die Bewerberinnen für das Vorstellungs- gespräch auswählen. Folgerichtig können die Bewerberinnen erst zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, wenn geklärt ist, wer in die enger Wahl kommt. Erst die Gesamtheit aller Fertigkeiten der horizontalen Ebene ergibt eine authentische und ganzheitliche Fertigkeit auf Expertenniveau. Die zweite Abhängigkeit der Fertigkei- ten in der Hierarchie stellt die vertikale Ebene, auch als konditionale Relationen bekannt, dar. Diese beziehen sich auf die senkrecht ver- laufenden Teilkompetenzen und führen von unten nach oben aufbau- end zum Lernziel. Deren zusammenhängende Darstellungsweise zeigt, dass die in der Hierarchie niedriger angesetzte konstituierende Fertigkeit erst das Erlernen der jeweils höher angeordneten Fertigkeit ermöglicht (van Merriënboer et al., 2002, S.41). Die Komplexität nimmt also von unten nach oben hin zu. Erst wird festgelegt, wie die Bewerbungsart sein soll, bevor die Ausschreibung verfasst wird, heißt die Kompetenz Bewerbungsart festlegen ist eine Erlernbarkeitsvo- raussetzung für die darüber liegende Teilfertigkeit Ausschreibung verfassen (Bastiaens et al., 2014, S. 95).

[...]


1 Um eine bessere Lesbarkeit zu gewähren und weil die Verfasserin eine Frau ist, wird im Folgenden in der Schreibweise nur die weibliche Form verwendet. Es sind jedoch immer beide Geschlechter gemeint.

Details

Seiten
20
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668118270
ISBN (Buch)
9783668118287
Dateigröße
791 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v312880
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Bildungswissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
van Merriënboer 4 CID Modell (Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell)

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