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Leasing als Alternative zur klassischen Kreditfinanzierung. Eine Analyse der Unterschiede mit Beispielrechnungen

Projektarbeit 2015 47 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Zielsetzung
1.2. Vorgehensweise
1.3. Marktüberblick

2. Leasing und klassische Kreditfinanzierung im Überblick
2.1. Leasing
2.1.1. Definition und Abgrenzung
2.1.2. Leasingobjekt
2.1.3. Direktes und indirektes Leasing
2.1.4. Vertragsarten
2.1.4.1. Operate-Leasing
2.1.4.2. Financial-Leasing
2.1.4.3. Mietkauf
2.1.4.4. Sonderform Sale-and-lease-back
2.1.5. Voll- und Teilamortisation
2.1.6. Bilanzierung
2.2. Klassische Kreditfinanzierung
2.2.1. Definition
2.2.2. Kreditformen
2.2.3. Darlehensarten
2.2.4. Bilanzierung

3. Analyse von Unterschieden zwischen Leasing und klassischer Kreditfinanzierung
3.1. Quantitative Analyse
3.1.1. Gesamtkostenbetrachtung
3.1.2. Liquiditätsvergleich nach Steuern
3.1.2.1. Berechnung Leasing
3.1.2.2. Berechnung Darlehen
3.1.2.3. Zwischenfazit
3.1.3. Barwertvergleich
3.2. Qualitative Analyse

4. Fazit

Anhangsverzeichnis

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Leasingquoten von 1970 bis 2014

Abbildung 2: Leasinganteil an den außenfinanzierten Investitionen

Abbildung 3: Konstellation eines direkten Leasings mit Kreditinstitut

Abbildung 4: Konstellation eines indirekten Leasings mit Kreditinstitut

Abbildung 5: Direktes und indirektes Leasing im Überblick

Abbildung 6: Darstellung der Teil- und Vollamortisation

Abbildung 7: Leasingangebot

Abbildung 8: Darlehensangebot

Abbildung 9: Tilgungsplan ausführlich - Seite 1 von 2

Abbildung 10: Tilgungsplan ausführlich - Seite 2 von 2

Abbildung 11: Tilgungsplan kumuliert

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Basisdaten Praxisfall CNC-Maschine

Tabelle 2: Gesamtkostenvergleich

Tabelle 3: Leasing - Liquiditätsveränderung nach Steuerersparnis

Tabelle 4: Darlehen - Liquiditätsveränderung nach Steuerersparnis

Tabelle 5: Barwertvergleich

Tabelle 6: Nutzwertanalyse

Tabelle 7: Steuerliche Basisdaten

1. Einleitung

1.1. Problemstellung und Zielsetzung

In der aktuellen Wirtschaftslage steht der Unternehmer unter einem immer mehr zunehmenden Druck. Geprägt vom täglichen Wettbewerb erscheint die heutige Wirtschaft einem Wettlauf um das beste Endprodukt unterworfen, den Konkur- renten durch das Fenster Internet auf Schritt und Tritt im Blick habend. Schnel- ler, günstiger und effizienter soll produziert werden. Dies stellt das Management eines Unternehmens Tag für Tag vor neue Herausforderungen rund um die Frage, wie das genannte Ziel optimal erreicht werden kann. In diesem Zusam- menhang ist schnell von neueren, moderneren oder zusätzlichen Maschinen die Rede. Einhergehend mit der Investitionsentscheidung bietet auch die Frage nach der Finanzierung Stoff für zusätzliche Überlegung. Welche Finanzierungs- form gestaltet sich als Optimum? Wo liegen die Schwachstellen der konkurrie- renden Optionen? Wie wirken sich unterschiedliche Finanzierungstypen auf die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens aus? Fragen, die die zentrale Problematik der vorliegenden Projektarbeit bilden sollen.

„Warum sollte man den Wunsch haben, eine Technik oder ein Produkt zu besitzen, wenn sie wahrscheinlich veralten, noch bevor sie bezahlt sind.“1

So gewinnt das Zitat von Jeremy Rifkin in der heutigen Zeit immer mehr an Be- deutung. Es zielt einerseits auf eine ständige Modernisierung der Produktion ab und versinnbildlicht die rapiden Fortschritte einer nach Leistung und Verbesse- rung drängenden Gesellschaft, während zugleich die Frage nach Bezahlung und der günstigsten Kostenfinanzierung aufgeworfen wird. Lohnt sich ein Kre- dit? Oder stellt Leasing eine adäquate Alternative da? In der Bearbeitung dieser Fragen gilt es, die vorliegenden Finanzierungsinstrumente hinsichtlich der Ge- samtkosten, Liquiditätswirkung und Barwerte zu vergleichen. Letztlich soll die quantitative Analyse durch eine Nutzwertanalyse erweitert werden. Dabei wer- den die qualitativen Elemente genauer betrachtet. Ferner soll diese Analyse als ein Exempel dienen. Nutzen sowie Probleme der Modelle werden thematisiert. Der Ablauf dieser Arbeit gestaltet sich wie folgt.

1.2. Vorgehensweise

Vor Legung der Grundlagen soll zunächst ein aktueller Marktüberblick über das Leasing gegeben werden, womit die Praxisrelevanz hervorgehoben wird. Der zweite Teil dieser Arbeit befasst sich mit einem Überblick über das eben genannte Finanzierungsinstrument. Dabei werden zunächst auf den Terminus „Leasing“, die Abgrenzung zu Miete und Kauf, die verschiedenen möglichen rechtlichen Grundkonstellationen eingegangen. Desweiteren werden die ver- schiedenen Vertragsarten Operate-Leasing, Financial-Leasing sowie Sale-and- lease-back erläutert. An dieser Stelle beleuchtet die Arbeit zusätzlich die Teil- und Vollamortisationsvertrag, bevor ein Blick auf die Bilanzierung von Leasing geworfen wird.

Im darauffolgenden Teil schließt sich die klassische Kreditfinanzierung mit einer Definition, den verschiedenen Kreditformen und der Bilanzierung an. Daran anknüpfend legt der Hauptteil zuerst einen Grundstein für die folgende Analyse, die aus dem Aufbau einer Vergleichsbasis bestehen wird. Es werden verschiedene Aspekte der beiden Finanzierungswerkzeuge betrachtet und da- nach daraufhin analysiert, wie der Unternehmer bei vorliegenden Angeboten von Leasing und klassischer Kreditfinanzierung eine Entscheidung treffen kann. Im weiteren Verlauf werden Beispielrechnungen vorgenommen, welche in eine Untersuchung des Liquiditätsverhaltens durch beide Instrumente Einblicke ge- ben sollen. Auf Grundlage dessen wird der steuerliche Aspekt benannt und auf seine Wirkungsweise hin untersucht. Im letzten Abschnitt des Hauptteils werden die wichtigsten qualitativen Merkmale in einer Nutzwertanalyse beleuchtet und bewertet.

Den Abschluss dieser Arbeit bildet die Zusammenfassung von Ergebnissen unter der Aufzeigung der Nutzen der beiden Finanzierungsapparate.

1.3. Marktüberblick

Die Investitionen durch Leasing haben 2014 in Deutschland einen Wert von über 50 Mrd. Euro überschritten. Es wurde im Gegensatz zum Vorjahr ein kräftiges Absatzplus von mehr als 6 % erzielt. Im Vergleich zu den gesamtwirtschaftlichen Investitionen ist dies ein um 2 %-Punkte höherer Wert. Somit konnte die Leasingquote um 0,2 %-Punkte auf rd. 15 % erhöhen.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Leasingquoten von 1970 bis 20143

Tendenziell bewegt sich Leasing in Relation zur gesamtwirtschaftlichen Investi- tion in den letzten Jahren auf einem Niveau von ca. 15 %. Wie in Abbildung 1 ersichtlich, ist die Mobilien-Leasingquote stagnierend bis leicht steigend. Im Vergleich dazu bewegt sich dieser Anteil bei einem Niveau um die 23 %. Diese Zahl symbolisiert die Wichtigkeit des Leasings und speziell jene des Mobilien- Leasings. Auch das nachfolgende Schaubild spielt hierauf an, indem es die an- teilsmäßigen Investitionen von Kredit und Leasing ins Verhältnis setzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Leasinganteil an den außenfinanzierten Investitionen4

Bei genauerer Betrachtung wirft Abbildung 2 die Frage auf, wieso ein nahezu ausgewogenes Verhältnis existiert. Gründe hierfür werden in Kapitel 3 analysiert und ausgewertet. Im Folgenden wird zuerst ein Überblick über die grundlegende Natur von Leasing und klassischem Kreditkauf gegeben.

2. Leasing und klassische Kreditfinanzierung im Überblick

2.1. Leasing

2.1.1. Definition und Abgrenzung

Der Begriff „Leasing“ ist eine Ableitung vom englischen Verb „to lease“, was so viel bedeutet wie „(ver-)mieten“ beziehungsweise „(ver-)pachten“.5 In der Litera- tur ist die Definition des genannten Untersuchungsgegenstands aufgrund der vielen unterschiedlichen Erscheinungsformen nicht einheitlich und eindeutig festgelegt.6 Ein Blick ins Gesetz zeigt zudem, dass Leasing nicht ausdrücklich geregelt ist. Meist wird es im Sinne von § 535 f. BGB als eine Sonderform von Miet- bzw. Pachtverträgen angesehen.7 Das Wesen eines Leasingvertrags be- ruht auf einer zeitlich begrenzten Gebrauchsüberlassung einer Mobile oder Im- mobilie, für die der Leasingnehmer dem Leasinggeber eine regelmäßige Rate bezahlt.8 Dies deutet darauf hin, dass es sich beim Leasing um eine Art Miet- vertrag handelt. Im Unterschied zur Miete werden beim Leasing jedoch die Kos- ten für Dienstleistungen wie Wartung und Instandhaltung vom Leasinggeber übernommen. Im Gegensatz zum Kauf geht das Eigentum an der Sache nach § 433 BGB auf den Käufer über, bleibt beim Leasing jedoch der Leasinggeber Eigentümer.9 Der Leasingnehmer ist lediglich der Besitzer. Folglich kann der Untersuchungsgegenstand zwischen Kauf und Miete angesiedelt werden. Auf- grund der zeitlichen Begrenzung des Leasingvertrags stellt sich am Ende der Grundmietzeit die Frage, welche Optionen für den Leasingnehmer bestehen. Vom Leasinggeber können dem Leasingnehmer verschiedene Entscheidungs- möglichkeiten vorgeschlagen werden, die sich im Normalfall auf den Kauf oder einen Anschlussvertrags über den Leasinggegenstand belaufen.

In Sonderfällen wird dem Leasingnehmer die Möglichkeit eingeräumt, bei einem Verkauf an Dritte am eventuell entstehenden Mehrheitserlös beteiligt zu werden. Im Folgenden werden weitere, verschiedene Gliederungsmöglichkeiten von Leasing behandelt.

2.1.2. Leasingobjekt

Ein geleaster Gegenstand zeichnet sich rechtlich gesehen durch seine Bewert- barkeit und Verwendbarkeit aus. Dies bedeutet, falls ein Leasinggegenstand ein wesentlicher Bestandteil einer anderen Sache ist, geht das Eigentum aufgrund der rechtlichen Unselbstständigkeit verloren.10 Ferner ist eine weitere Einteilung hinsichtlich der Objekt- bzw. Sachart möglich, die in mobile und immobile Inves- titionsgüter, Konsumgüter und Güter, welche speziell für einen Kunden angefer- tigt werden, gegliedert werden kann. Die zuletzt genannte Leasingobjektart wird auch als Spezialleasing bezeichnet.11 Es gibt jedoch auch andere Gliede- rungsmöglichkeiten.

2.1.3. Direktes und indirektes Leasing

So leiten sich in der Praxis zwei verschiedene Vertriebswege des Leasings ab. Zum einen gibt es das indirekte Leasing, zum anderen das direkte Leasing, welches in Abbildung 3 gezeigt wird. Bei diesem stehen sich in erster Linie zwei Parteien, der Hersteller und der Leasingnehmer, gegenüber.12 Der Hersteller ist auch gleichzeitig der Leasinggeber, welcher mit dem Leasingnehmer einen (Leasing-)Vertrag über die zu leasende Sache schließt. Dabei verpflichtet sich der Hersteller zur Lieferung des vereinbarten Gegenstands. Im Gegenzug steht diesem ein Recht auf den Erhalt der regelmäßigen Zahlung, der Leasingrate, zu. Diese Art wird Herstellerleasing genannt. Existiert neben der Vertragsbezie- hung des Herstellers und des Leasingnehmers für den Leasinggeber ein weite- res Abkommen mit einer dritten Partei, dem Kreditinstitut, wird von Mietfinanzie- rung gesprochen. Hier refinanziert sich der Hersteller für die Produktion des Leasinggegenstandes bei genanntem Dritten. Im Austausch dafür stellt der Leasinggeber dem Kreditgewährenden Sicherheiten zur Verfügung, welche meist als stille Zession der regelmäßigen Leasingraten gestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Konstellation eines direkten Leasings mit Kreditinstitut13

Im Vergleich zum direkten Leasing, bei dem die Grundkonstruktion aus einer „Paar-Beziehung“ besteht, handelt es beim indirekten Leasing eine Dreiecks- konstellation14. Hierbei schließen nicht Hersteller und Leasingnehmer einen Leasingvertrag, sondern die Leasinggesellschaft bildet anstelle des Produzen- ten als Leasinggebers ein neues Glied. Sie befindet sich zwischen den Parteien und erhält vom Leasingnehmer die regelmäßigen Raten. Dafür schließt der Leasinggeber mit dem Verkäufer der Leasingsache einen Kaufvertrag ab und bezahlt anschließend den Kaufpreis. Im Gegenzug verschafft der Hersteller dem Leasingnehmer Besitz am geleasten Gegenstand. Wie aus Abbildung 4 erkennbar, refinanziert sich die Leasinggesellschaft gegebenenfalls bei einem Kreditinstitut, falls sie die Leasingsache nicht vollständig aus eigenen Mitteln finanzieren kann oder möchte.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Konstellation eines indirekten Leasings mit Kreditinstitut15

Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, dass sich insgesamt vier Varianten des indirekten Leasings abzeichnen. Dem zuvor beschriebenen Leasingge- schäft durch (institutionelle) Leasinggesellschaften stehen gegenüber: das Leasingangebot durch eine Bank, das Konzernleasing sowie das Sale-and- lease-back. Im Unterschied zum Leasinggeschäft durch Leasinggesellschaften kann bei einem Angebot durch eine Bank diese mit anderen Leasingunternehmen zusammenarbeiten oder auch selbst Leistungen anbieten. Wie es beim Konzernleasing bereits anklingt, ist ein Hersteller für Leasinggegenstände sowie eine Leasinggesellschaft in die Konzernstruktur integriert. Als vierte Form des indirekten Leasing gibt es das Sale-and-lease- back, welches in Kapitel 2.1.4.4. thematisiert wird. Daraus abgeleitet kann zu diesem Unterkapitel folgender Überblick erstellt werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Direktes und indirektes Leasing im Überblick16

2.1.4. Vertragsarten

In diesem Kapitel werden die verschiedenen Vertragsarten thematisiert. Operate- und Financial-Leasing bilden hierbei den Schwerpunkt. Da auch Mietkauf und Sale-and-lease-back immer wieder Begriff und Thema von Leasinggesellschaften sind, werden diese an dieser Stelle ebenfalls bezüglich Wesen und Abgrenzung kurz erläutert.

2.1.4.1. Operate-Leasing

Das Operate-Leasing entspricht ungefähr dem Mietvertrag wie er im BGB unter § 535 ff. geregelt ist.17 Eine Kündigung ist von beiden Seiten jederzeit möglich und für den Leasingnehmer aufgrund der ausbleibenden Vertragsstrafe unkom- pliziert und günstig. Das Motiv dieser Vertragsform stellt die Nutzung des Ob- jekts dar. Vor diesem Hintergrund ist es in der Praxis nicht ungewöhnlich, dass Vereinbarungen schon vor Erreichen der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer von 40 % aufgelöst werden. Dabei gilt es für den Leasinggeber, das Investiti- onsrisiko zu berücksichtigen. Der Eigentümer sieht sich gezwungen, nach wei- teren Leasingnehmern für das Leasingobjekt zu suchen, um dieses voll zu amortisieren. Daneben stellen Gefahren, wie beispielsweise Veruntreuung, Schäden am Objekt sowie eine frühzeitige Abnutzung, große Risiken dar. Diese sind vom Leasinggeber zu beachten und in die Leasingrate mit einzupreisen. Aufgrund solcher Gefährdungen kommen in der Praxis meist nur Leasingobjek- te zum Einsatz, welche einerseits zwecks Weitervermietung stark nachgefragt werden und andererseits versicherbar sind. Solche Gegenstände sind zum Bei- spiel Kraftfahrzeuge. In der Literatur wird Operate-Leasing auch als Investiti- onsalternative bezeichnet.18 Im Folgenden wird das Gegenstück zu dieser Art thematisiert, in dessen Name auch schon Finanzierung als solche steckt. Es handelt sich um das Financial-Leasing.

2.1.4.2. Financial-Leasing

In Gegenüberstellung zum Operate-Leasing gibt es beim Financial-Leasing di- verse Unterschiede. Der Vertrag kann während der Grundlaufzeit bzw. -mietzeit nicht aufgelöst werden und bleibt auf mittel- bis langfristigen Zeitraum ausge- legt. Auf diese Weise wird eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer, welche vom Bundesministerium für Finanzen über die AfA-Tabelle herausgegeben wird, zu einem größeren Teil genutzt. Aufgrund dieser Eigenschaft kann ein Financial-Leasing als Voll- oder Teilamortisationsvertrag19 ausgestaltet werden. Daneben ist bei der Verteilung des wirtschaftlichen Investitionsrisikos eine Dis- krepanz feststellbar.

Anders als beim Operate-Leasing trägt der Leasingnehmer hier das zuvor ge- nannte Risiko, was für diesen bedeutet, dass er die Anschaffungskosten sowie alle weiteren Kosten, die der Vertrag mit sich bringt, wie beispielsweise Versi- cherung, Wartung und Reparatur, in Form der Leasingrate bezahlt. Folglich ist durch die Übernahme der Kosten inklusive Gewinnmarge die Leasinggesell- schaft eine Art Kreditgeber. Dieser erhält regelmäßige Zahlungen, für die am Anfang eine Auszahlung in Form des Kaufpreises geleistet wurde.20 Aufgrund der Artverwandtschaft Nähe zum Leasing, soll im nächsten Abschnitt der Miet- kauf kurz thematisiert werden.

2.1.4.3. Mietkauf

Beim Mietkauf handelt es sich um eine 100 %-Finanzierung, die als alternatives Produktangebot von Leasinggesellschaften konzipiert ist. Die Konditionen zwi- schen der Variante Leasing und Mietkauf sind meist identisch, jedoch unter- scheiden sie sich in der Frage nach dem rechtlichen Eigentum. Dieses geht am Ende der Laufzeit bei zuletzt genannter Vertragsart an den vorherigen Raten- zahler über. Folglich besteht das Motiv der Finanzierungsart in der Weiternut- zung des Objekts. Steuerlich existiert zwischen den beiden Instrumenten eben- falls eine Nuance. Im Vergleich zum Leasing wird der Gegenstand beim Miet- kauf immer in der Bilanz des Mieters aufgeführt.21 Daraus hervorgehend erfol- gen Abschreibungen in der eigenen Gewinn- und Verlustrechnung. Weiterhin wird die Mehrwertsteuer beim Mietkauf zu Beginn fällig. Diese kann sofort als Vorsteuer angesetzt werden, falls das jeweilige Unternehmen vorsteuerabzugs- berechtigt ist.

2.1.4.4. Sonderform Sale-and-lease-back

Diese Vertragsart stellt eine Sonderform von Leasing dar. Aus dem Englischen übersetzt bedeutet Sale-and-lease-back: „verkaufen und zurück leasen“.22 Da- bei einigen sich die Vertragspartner auf den Übergang des rechtlichen Eigen- tums von Objekten, welche sich meist im Anlagevermögen befinden. So wird ein Verkauf signalisiert. Gleichzeitig vereinbaren die Parteien aber auch einen Leasingvertrag.23

Der Käufer wird zum Leasinggeber und der Verkäufer entsprechend zum Lea- singnehmer. Daraus hervorgehend steht dem Leasingnehmer die Kaufsumme als Liquidität zur Verfügung. Somit ist dieses Modell dann vorteilhaft, wenn Li- quiditätsprobleme das Unternehmen belasten. Suboptimal ist die Vertragsform bei einer bestehenden Unterbewertung des Objekts in der Steuerbilanz. Beim Verkauf wäre eine steuerliche Gewinnrealisation und somit Gewinnsteuern die Folge.24

2.1.5. Voll- und Teilamortisation

Leasingverträge lassen sich in einer weiteren Hinsicht unterteilen, nämlich in Voll- und Teilamortisationsverträge. Dabei ist, wie auch bei Betrachtung der Worte erkenntlich, die kumulierte Höhe der Leasingraten das Entscheidungskri- terium. Das folgende Schaubild verdeutlicht diese Unterteilung, außerdem zeigt es die insgesamt geleisteten Zahlungen des Leasingnehmers an den Leasing- geber.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6: Darstellung der Teil- und Vollamortisation25

Aus Abbildung 6 wird ersichtlich, wann von einer Teilamortisation gesprochen wird, falls bei Vertragsende die kumulierten Leasingraten nicht ausreichen, um Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten des Leasinggebers zu decken. Auf- grund dessen verbleibt am Ende der Laufzeit ein Restwert. Demzufolge stehen Leasinggeber gegenüber dem Leasingnehmer oder Dritten verschiedene Mög- lichkeiten offen. So kann der Eigentümer einerseits die Sache zum Buchwert inklusive einem Gewinnaufschlag zum Verkauf anbieten;26 andererseits besteht die Option der Mehrerlösbeteiligung.

Dabei wird bei Vertragsschluss festgelegt, zu welchem Preis der Gegenstand nach Vertragsende mindestens verkauft werden sollte. Daraus ergeben sich eine Chance und ein Risiko für den Leasingnehmer. Falls ein Dritter die Lea- singsache über den zuvor fixierten Wert kauft, wird der vorherige Nutzer am Verkaufserlös beteiligt.27 Angenommen, der Verkaufspreis liegt darunter, ist der Leasingnehmer zur Zahlung des daraus resultierenden Differenzbetrages ver- pflichtet. Bei Teilamortisationsverträgen, auch non-full-pay-out-Verträge ge- nannt, ergeben sich im Zusammenhang mit Kündigungsrechten weitere Gestal- tungsmöglichkeiten. So kann unter Berücksichtigung der Mindestlaufzeit ein ordentliches Kündigungsrecht einschließlich Kündigungsfrist eingeräumt28 oder aber auch feste Kündigungstermine im Vertrag benannt werden.29 Die Kombi- nationsmöglichkeit ist zudem mit einer Mehrerlösbeteiligung nach Kündigung vorstellbar, welche in der Praxis jedoch unüblich ist. Meist wird der Leasingge- ber eine Abschlagszahlung bei vorzeitiger Beendigung im Vertrag vereinbaren wollen. Bei einer Mehrerlösbeteiligung ist ferner auch denkbar, dass im Falle einer Unterschreitung des vereinbarten Verkaufsbetrags, der Leasingnehmer ein Andienungsrecht erhält, wodurch in diesem Fall dieser das Objekt zum ver- traglich fixierten Preis erwerben kann.

Neben der Teilamortisation zeigt Abbildung 6 die Vollamortisation, die als deren Gegenstück gilt. Bei dieser Art, so wird aus dem Schaubild 6 erkennbar, sind die Anschaffungs- und Herstellungskosten sowie zusätzlich die Nebenkosten vollständig enthalten. Darüber hinaus besteht für den Leasinggeber sogar die Möglichkeit, innerhalb der Vertragslaufzeit eine Gewinnspanne zu realisieren. Im Vergleich zu zuvor genanntem Vertragstyp sind hier die Ratenzahlungen höher, da der verbleibende buchmäßige Restwert geringer ist. Im Vergleich da- zu bieten Vollamortisations- bzw. full-pay-out-Verträge aufgrund niedrigerer Restwerte günstigere Optionen hinsichtlich des Kaufs des Objekts oder der Fortführung des Leasings. Daneben ist dieser Typ zusätzlich mit einer unkünd- baren Grundmietzeit30 ausgestattet, wodurch die Kalkulationssicherheit für den Leasinggeber erhöht wird.31

[...]


1 Gabele, E. / Kroll, M. (1992), S. 11.

2 Vgl. Städler, A. (2008), S. 3.

3 O.V. (2014), Online im Internet.

4 Vgl. Städler, A. (2014), S. 27-29.

5 Vgl. Hartmann-Wendels, T. / Klein, S. / Suchy, P. C. (2003), S. 74.

6 Vgl. ebd., S. 75.

7 Vgl. Schattenkirchner, S. (2012), S. 197.

8 Vgl. Perridon, L. / Steiner, M. / Rathgeber, A. W. (2012), S. 445.

9 Weitere Ausführungen hierzu finden sich in Kapitel 2.2. 4

10 Vgl. Kratzer, J. / Kreuzmair, B. (2002), S. 36.

11 Vgl. Wöhe, G. / Bilstein, J. (2002), S. 280.

12 Vgl. Gabele, E. / Kroll, M. (1992), S. 18.

13 Wöhe, G. / Bilstein, J. (2002), S. 280.

14 Vgl. Gabele, E. / Kroll, M. (1992), S. 18.

15 Wöhe, G. / Bilstein, J. (2002), S. 280.

16 Eigene Darstellung.

17 Vgl. Maus, G. (1996), S. 32.

18 Vgl. Engel, J. (1997), S. 55.

19 Weitere Ausführungen hierzu finden sich in Kapitel 2.1.5. 8

20 Vgl. Olfert, K. (2011), S. 358.

21 Weitere Ausführungen hierzu finden sich in Kapitel 2.1.6.

22 Vgl. Gräfer, H. / Schiller, B. / Rösner, S. (2010), S.188.

23 Vgl. ebd., S.189.

24 Vgl. Zantow, R. (2004), S. 233.

25 Maus, G. (1996), S. 32.

26 Vgl. Herzog, H. (2000), S. 57.

27 Vgl. Herzog, H. (2000), S. 141.

28 Vgl. ebd., S. 141.

29 Vgl. ebd., S. 141.

30 Vgl. Büschgen, H. E. (1998), S. 37.

31 Vgl. Haunschild, L. (2004), S. 13.

Details

Seiten
47
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668370050
ISBN (Buch)
9783668370067
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313074
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden Württemberg Mosbach
Note
2,4
Schlagworte
leasing alternative kreditfinanzierung eine analyse unterschiede beispielrechnungen

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