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Der Einfluss von Großeltern auf die Bildungserfolge ihrer Enkelkinder

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 17 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Theoretische Erklärungsansätze
2.1.1 Soziales Netzwerk
2.1.2 Sozialisation
2.1.3 Lebensperspektive
2.1.4 Mentoring
2.1.5 Hilfsleistungen
2.1.6 Selbstverständnis
2.1.7 Pflege
2.1.8 Familiäre Konflikte
2.2 Ergebnisse
2.3 Diskussion

3 Zusammenfassung

4 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Eins der 1 Gebiete der soziologischen Ungleichheitsforschung ist die Reproduktion sozialer Ungleichheit in der und durch die Familie. Die Familie ist für die Ungleichheitsforschung besonders bedeutsam, da „ihr Status für das Individuum, das aus ihr hervorgeht, ein Kapital von höchster Wichtigkeit darstellt und einen sehr zuverlässigen Indikator seiner gegenwärtigen und seiner zukünftigen Stellung im Schichtungssystem“ (Boudon & Bourricaud 1992: 147).

Von besonderem Interesse ist die Rolle, die die Familie bei der sozialen Mobilität spielt: Inwieweit werden Bildung, sozioökonomische Positionen und sozialer Status vererbt und führt dies zu sozialer Ungleichheit? Dieser Frage gehen unzählige Studien zur sozialen Mobilität nach: Ein Zusammenhang zwischen der sozioökonomischen Stellung der Eltern und der ihrer Kinder ist in der Wissenschaft unumstritten (vgl. Blau & Duncan 1978; Erikson & Goldthorpe 1992).

Die soziale Ungleichheit des Bildungserfolges äußert sich darin, dass bei gleichem Leistungspotenzial Kinder aus sozial niedrigen Schichten weniger erfolgreich sind als Kinder aus sozial hohen Schichten. Die Familie spielt in diesem Zusammenhang eine große Rolle, da aus der Gemeinschaftsbeziehung der Eltern und ihrer Kinder ein „informeller Bildungsort“ (Büchner & Wahl 2005) entsteht, der die Kinder im Laufe der Entfaltung ihrer Fähigkeiten beeinflusst und formt (vgl. Volker 2007: 623). Aus diesem Grund konzentriert sich die Forschung sozialer Ungleichheit auf die Familie, jedoch mit Schwerpunkt Eltern-Kind-Interaktionen, obwohl

„intergenerationale Interaktionen ein wichtiger Teil der alltäglichen Interaktionen sind und Familienmitglieder bedeutsame „signifikante Andere“. Zudem werden intergenerationale Beziehungen zunehmend als gesellschaftlich bedeutsam wahrgenommen, da die Verlängerung der Lebenszeit dazu geführt hat, dass im Durchschnitt Eltern für mehr als ein halbes Jahrhundert gleichzeitig mit ihren Kindern leben (Lauterbach 1995a) und Großeltern und ihre Enkel eine gemeinsame Lebenszeit von mehr als 20 Jahren haben (Lauterbach 1995b; Lauterbach & Klein 1997)“ (Klärner & Keim 2011: 124).

Gesellschaftliche Veränderungen haben dazu geführt, dass die Großelterngeneration in den letzten Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen hat. Der Rückgang der Mortalität hat herbeigeführt, dass durch die erhöhte Lebenszeit die Wahrscheinlichkeit, Großeltern zu sein (oder welche zu haben), gestiegen ist. Der Rückgang der Fertilität dagegen erlaubt den Großeltern, ihre Ressourcen nicht unter vielen Enkelkindern aufteilen zu müssen, sondern sich auf wenige Enkelkinder zu konzentrieren und demzufolge einen größeren Einfluss auf sie zu haben. Somit dürfte klar geworden sein, dass auch nicht-elterliche familiäre Akteure einen Einfluss auf die Entwicklung des Kindes und seine daraus folgenden Bildungserfolge haben können und dass für die Forschung der Reproduktion sozialer Ungleichheit die Einbeziehung der Großelterngeneration unabdingbar ist.

2 Hauptteil

Die Ungleichheitsforschung bietet zwar viele Studien zu intergenerationalen Beziehungen und ihren Auswirkungen, jedoch betreffen diese meistens Eltern-Kind-Beziehungen und berücksichtigen nicht andere familiäre Akteure, so dass möglicherweise der Einfluss nicht-elterlicher Familienmitglieder auf die Reproduktion sozialer Ungleichheit nicht erfasst wird. Diese Arbeit beschäftigt sich mit Großeltern, die trotz halbherziger Erwägung in der Fachliteratur eine große Rolle bei der Entwicklung ihrer Enkelkinder spielen, und ihrem Einfluss auf den Schulerfolg der Enkelkinder.

2.1 Theoretische Erklärungsansätze

Klärner und Keim unterscheiden zwischen vier Formen sozialer Unterstützungsleistungen, die intergenerational weitergegeben werden: materielle, praktische, kognitive und emotionale (2011: 129). Zur ersten Form gehörten Sachleistungen wie Geldtransfer und Schenkungen; zur zweiten Kinderbetreuung und Haushaltshilfe sowie Beratungen; zur kognitiven Form Orientierung und Motivation; zur emotionalen Form Vertrauen und Liebe. Obwohl die Unterteilung für die Erforschung des intergenerationalen Austausches per se sinnvoll ist, da sie alle dynamischen Prozesse der Familienmitglieder untereinander abdeckt, ist sie für die Bestimmung des Einflusses von Großeltern auf ihre Enkelkinder nur bedingt nutzbar2. Hier sollen die Auswirkungen verschiedener Faktoren erforscht werden, die sich direkt oder indirekt auf die Leistung der Enkelkinder auswirken, was eine andere Spezifität in Bezug auf den Fokus erfordert. Deswegen lehnen sich die im folgenden ausgeführten Mechanismen nicht an die theoretischen Überlegungen von Klärner und Keim an, sondern vielmehr an die von Pong und Chen3 (2007; 2010).

2.1.1 Soziales Netzwerk

Kinder, die in einem Drei-Generationen-Haushalt leben, kommen mit einer Vielzahl an Erwachsenen wie ihren Großeltern, aber auch Freunden oder Bekannten von ihnen, in Kontakt, die ihnen neue verschiedene Perspektiven auf die Gesellschaft und auch konkret auf für die Kinder alltäglichen Situationen bieten können. Dadurch erwerben die Kinder neue Konflikt- und Problemlösungsstrategien, die sie bei Bedarf anwenden können (vgl. Kröger & Wälte 1995). Kinder, die nicht zusammen mit ihren Großeltern leben, sind weniger solchen Begegnungen ausgesetzt; dementsprechend können Kinder, die gar keinen Kontakt zu ihren Großeltern haben, nur auf ein begrenztes Instrumentarium für Problemlösungen – im Vergleich zu Gleichaltrigen, die mit Großeltern leben – zugreifen und das macht sich im Schulerfolg negativ bemerkbar.

2.1.2 Sozialisation

Je mehr Erwachsene sich um die Erziehung der Kindern kümmern, desto höher ist das soziale Kapital, dass den Kindern zur Verfügung steht, und die Leistungsfähigkeit der Kinder (vgl. Coleman 1988). Großeltern können auf Grund ihrer Lebenserfahrung erfolgreiche Verhaltensmuster verinnerlicht haben, die die Kindern nachahmen und aufnehmen. Zum Beispiel kann ein solches Verhalten die Einhaltung von herrschenden Normen und Werten sein; die Kinder können dann Reibungen und Probleme vermeiden, die auf die Nicht-Einhaltung dieser Normen zurückzuführen sind, wenn sie ein solches Verhalten bei ihren Großeltern schon beobachtet haben. Kinder lernen außerdem, wie sie sich gegenüber Erwachsenen, die nicht ihre Eltern sind, zu verhalten haben und, wie Jackson in seinem Werk zum Verhalten von Grundschülern (1990) gezeigt hat, führt gutes Benehmen gegenüber Lehrern zu besseren Noten im Vergleich zu auffälligem Verhalten.

[...]


1 Es werden die maskulinen Formen im Sinne des herkömmlichen Sprachgebrauchs auch da verwendet, wo beide Geschlechter gemeint sind. Ebenso wie „Person“ und „Persönlichkeit“ auch dann als weibliche Nomina verwendet werden, wenn die damit angesprochene allgemeine Vorstellung Männer oder andere Geschlechter- oder Gender- Kategorien mit einschließt.

2 Es ist zum Beispiel für das Kind nicht von Bedeutung, wer die Einkäufe erledigt oder Hausarbeiten erledigt, aber der indirekte Effekt – die Entlastung der Eltern im Falle der Unterstützung seitens der Großeltern –, der sich daraus ergibt, wirkt sich positiv auf das Kind aus. Das Einkommen allgemein spielt eine weitaus geringere Rolle als der background der Familie (Blau 1999: 261).

3 Obwohl beide Autoren sich für das Zusammenleben von Großeltern und Enkelkindern interessieren, sind ihre Überlegungen auch im Falle von getrennten Haushalten valide. Lediglich die Stärke der Zusammenhänge dürfte sich ändern.

Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668120174
ISBN (Buch)
9783668120181
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313292
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Soziologie Familie soziologische Theorien Großeltern Kinder Bildungschancen Erfolg soziale Ungleichheit soziale Netzwerke Sozialisation Lebensperspektive Mentoring Hilfsleistungen Selbstverständnis Pflege Familiäre Konflikte

Autor

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