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Jesu Gang auf dem Wasser. Exegese zu Mt 14, 22-33

Hausarbeit 2015 23 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Übersetzung
2.1 Grundtext aus dem Novum Testamentum Graece
2.2 Eigenständige Übersetzung
2.3 Erläuterung der Zwischenschritte und Überlegungen bei der Übersetzung

3. Textkritik

4. Klärung der Realien

5. Kohärenz- und Kontextkritik

6. Literarkritik: Synoptischer Vergleich Mt 14,22-33 & Mk 6,45-52

7. Formgeschichte

8. Redaktionskritik

9. Hermeneutische Reflexion

10. Literaturverzeichnis
10.1 Kommentare
10.2 Monographien
10.3 Aufsätze
10.4 Wörterbücher
10.5 Internetquellen

1. Einleitung

„… kam er [Jesus] zu ihnen hin gelaufen, indem er auf dem See wandelte.“

Die Geschichte von dem seewandelnden Jesus gehört zu den bekanntesten Erzählungen der Bibel und wurde wohl von jedem Christen zumindest in seinen Grundzügen schon einmal gehört. In dieser Exegese werde ich mich dem Text Mt 14,22-33 anhand mehrerer Teilschritte tiefergehender nähern. Ich erhoffe mir hierbei die Klärung einiger sich mir stellender Fragen. War Jesus wirklich auf dem Wasser gelaufen? Wer hat diese Geschichte geschrieben? War der Verfasser tatsächlich dabei oder wurde es ihm nur überliefert? Was soll mir mit dieser Geschichte für das heutige Leben als Christ mit auf den Weg gegeben werden? Zu Beginn werde ich die Erzählung selbständig aus dem griechischen übersetzen um mögliche Deutungen anderer Übersetzer zu umgehen. Anschließend werde ich einige Erklärungen hierzu aufführen und mögliche Variationen aus anderen Textzeugen in einer Textkritik aufführen. Um den Text noch besser verstehen zu können werden anschließend die Realien geklärt. Nun folgt eine Kohärenz- und Kontextkritik sowie ein synoptischer Vergleich mit der parallelen Perikope Mk 6,45-52. Abschließend werde ich die Form der Perikope bestimmen und eine Redaktionskritik durchführen. In der hermeneutischen Reflexion werde ich meine zuletzt gestellte Frage nach den Schlüssen für uns als Christen in der heutigen Zeit beantworten und diese versuchen in einem groben Unterrichtsverlauf für Schüler zugänglich zu machen.

Ich habe mich für diese Perikope entschieden, da mir diese Geschichte seit meiner Kindheit bekannt ist und mich immer sehr faszinierte. Leider lernte man in der Schule nur sehr oberflächliches von so einem Text kennen und ich erhoffe mir in dieser Arbeit einen tieferen Einblick und ein besseres Verständnis.

Schwerpunkt dieser Arbeit wird die Kohärenz- und Kontextkritik sowie der synoptische Vergleich mit Mk 6,45-42 sein. Ich erhoffe mir hieraus, mögliche Intentionen des Verfassers zu erkennen und Hinzufügungen sowie Veränderungen ausfindig zu machen. So möchte ich etwas mehr hinter den Text blicken und seiner Ausgangsform etwas näher kommen.

2. Übersetzung

2.1 Grundtext aus dem Novum Testamentum Graece

22 Καὶ εὐθέως ἠνάγκασεν τοὺς μαθητὰς ἐμβῆναι εἰς τὸ πλοῖον καὶ προάγειν αὐτὸν εἰς τὸ πέραν, ἕως οὗ ἀπολύσῃ τοὺς ὄχλους.

23 καὶ ἀπολύσας τοὺς ὄχλους ἀνέβη εἰς τὸ ὄρος κατ’ ἰδίαν προσεύξασθαι. ὀψίας δὲ γενομένης μόνος ἦν ἐκεῖ.

24 Τὸ δὲ πλοῖον ἤδη σταδίους πολλοὺς ἀπὸ τῆς γῆς ἀπεῖχεν βασανιζόμενον ὑπὸ τῶν κυμάτων, ἦν γὰρ ἐναντίος ὁ ἄνεμος.

25 τετάρτῃ δὲ φυλακῇ τῆς νυκτὸς ἦλθεν πρὸς αὐτοὺς περιπατῶν ἐπὶ τὴν θάλασσαν.

26 οἱ δὲ μαθηταὶ ἰδόντες αὐτὸν ἐπὶ τῆς θαλάσσης περιπατοῦντα ἐταράχθησαν λέγοντες ὅτι φάντασμά ἐστιν, καὶ ἀπὸ τοῦ φόβου ἔκραξαν.

27 εὐθὺς δὲ ἐλάλησεν [ὁ Ἰησοῦς] αὐτοῖς λέγων· θαρσεῖτε, ἐγώ εἰμι· μὴ φοβεῖσθε.

28 Ἀποκριθεὶς δὲ αὐτῷ ὁ Πέτρος εἶπεν· κύριε, εἰ σὺ εἶ, κέλευσόν με ἐλθεῖν πρός σε ἐπὶ τὰ ὕδατα.

29 ὁ δὲ εἶπεν· ἐλθέ. καὶ καταβὰς ἀπὸ τοῦ πλοίου [ὁ] Πέτρος περιεπάτησεν ἐπὶ τὰ ὕδατα καὶ ἦλθεν πρὸς τὸν Ἰησοῦν.

30 βλέπων δὲ τὸν ἄνεμον [ἰσχυρὸν] ἐφοβήθη, καὶ ἀρξάμενος καταποντίζεσθαι ἔκραξεν λέγων· κύριε, σῶσόν με.

31 εὐθέως δὲ ὁ Ἰησοῦς ἐκτείνας τὴν χεῖρα ἐπελάβετο αὐτοῦ καὶ λέγει αὐτῷ· ὀλιγόπιστε, εἰς τί ἐδίστασας;

32 καὶ ἀναβάντων αὐτῶν εἰς τὸ πλοῖον ἐκόπασεν ὁ ἄνεμος.

33 οἱ δὲ ἐν τῷ πλοίῳ προσεκύνησαν αὐτῷ λέγοντες· ἀληθῶς θεοῦ υἱὸς εἶ.

2.2 Eigenständige Übersetzung

22 Und unverzüglich forderte er die Jünger auf, in das Schiff zu steigen und vorwärts zu fahren zu der anderen Seite, bis er die Volksmengen fortgeschickt habe.

23 Und als er die Volksmengen fortgeschickt hatte, stieg er für sich allein hinauf auf den Berg, um zu beten. Nachdem es aber Abend geworden war, war er dort allein.

24 Das Schiff aber war bereits viele Stadien von dem Land weg, und ihm wurde stark zugesetzt von den Wellen, denn der Wind war [ihnen] entgegen.

25 Aber in der vierten Nachtwache kam er zu ihnen hin gelaufen, indem er auf dem See wandelte.

26 Als die Jünger ihn aber auf dem See wandeln sahen erschraken sie und sagten: „Das ist eine Erscheinung.“ Und sie schrien aus Angst.

27 Sogleich aber redete Jesus zu ihnen und sprach: „Seid guter Zuversicht, ich bin es. Habt keine Angst.“

28 Petrus aber antwortete ihm und sagte: „Herr, wenn du es bist, gebiete mir zu dir zu kommen, auf dem Wasser.

29 Er aber sagte: „Komm!“ Und Petrus stieg aus dem Schiff und wandelte auf dem Wasser und kam auf Jesus zu.

30 Als er aber den [starken] Wind sah, fürchtete er sich, und als er zu sinken begann schrie er und sagte: „Herr, rette mich.“

31 Sogleich aber streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und sagt zu ihm: „Kleingläubiger, warum zweifeltest du?“

32 Und als sie in das Schiff hinaufgestiegen waren, ließ der Wind nach.

33 Aber die, die in dem Schiff waren, knieten nieder vor ihm und sagten: „Wahrhaftig, du bist Sohn Gottes.“

2.3 Erläuterung der Zwischenschritte und Überlegungen bei der Übersetzung

In Vers 22 wird das Wort προάγω verwendet, welches im Deutschen mit „ vorwärtsgehen“ übersetzt wird. In meiner Übersetzung habe ich mich für das deutsche Verb „ fahren“ anstelle von „ gehen“ entschieden, da es sich auf das Schiff bezieht.

In Vers 24 wurde das deutsche Wort „ ihnen“ zum besseren Verständnis von mir hinzugefügt.

Am Ende des Kapitels steht die bekennende Aussage der Jünger über die Gottessohnschaft Jesu. Hier findet sich keine Form des griechischen Artikels ὁ. Dieser würde Jesus Christus deutlich als einzigen Sohn Gottes beschreiben. Somit habe ich es hier lediglich mit „Sohn Gottes“ übersetzt.

Des Weiteren fiel mir bei der Übersetzung auf, dass in den Versen 22-27 das griechische Wort θαλάσσης, im Deutschen mit der See übersetzt, verwandt wird, ab Vers 28 jedoch von ὕδατα, das Wasser, gesprochen wird.

3. Textkritik

Im Folgenden wird auf für die Übersetzung relevante Textstellen eingegangen, zu denen es Anmerkungen im kritischen Apparat des Novum Testamentum Graece gibt. Hierbei werden jedoch lediglich jene Anmerkungen bearbeitet, die einen wesentlichen Einfluss auf das Textverständnis haben. Leichte Variationen in der Wortstellung oder auch Zeitänderungen ohne tiefere Bedeutung werden außer Acht gelassen.

Vers 22: Das Adverb εὐθέως wurde erst später hinzugefügt. Im Kodex Sinaiticus und weiteren Textzeugen war es ursprünglich nicht enthalten. Außerdem wird im Codex Vaticanus (4. Jh.) und anderen Zeugen hinter μαθητὰς ein αύτού eingefügt. Dies verdeutlicht nur noch einmal den Bezug der Jünger auf Jesus.

Vers 24: Die Angaben zur Entfernung des Bootes zum Land schwanken in den unterschiedlichen Textzeugen. Hierbei dürfte die Lesart σταδίους πολλοὺς ἀπὸ τῆς γῆς ἀπεῖχεν des Codex Vaticanus und der Minuskelgruppe 13 die wohl ursprünglichste sein. Diese Formulierung findet sich auch im Novum Testamentum Graece so übernommen.

Vers 25: An Stelle von ἦλθεν (Sinaiticus, Vaticanus u.a.) steht im Codex Ephraemi, Mehrheitstext und anderen Textzeugen der Ausdruck άπήλθεν.

Vers 27: In der ursprünglichen Lesart des Kodex Sinaiticus fehlt die Erwähnung des Jesusnamens.

Vers 29: Der Artikel ὁ vor Petrus wird im Codex Sinaiticus, Vaticanus und weiteren Textzeugen weggelassen.

Vers 30: Das Adjektiv stark wurde erst später hinzugefügt. Es findet sich unter anderem in den Lesarten des Kodex Vaticanus und Ephraemi. Vermutlich diente es dazu, die Angst des Petrus zu erklären.1

Vers 33: Hinter dem Wort πλοίῳ wird in einigen Textzeugen eine Einfügung gemacht. Diese unterscheiden sich untereinander wiederum auch voneinander. Keine Einfügung findet sich im Codex Sinaiticus, Vaticanus, Ephraemi und weiteren.

4. Klärung der Realien

Vers 22: „ Jünger“

Wörtlich übersetzt bedeutet μαθητὰς „Schüler/Lernender“. Nicht nur Jesus hatte Jünger. Die Pharisäer hatten Jünger, welche ihnen das Fasten lehrten, und auch Johannes der Täufer hatte Jünger die fasteten. Die Jünger des Herrn Jesus wurden Apostel genannt und wurden von ihm selbst auserwählt um ihm zu folgen.2

Vers 22: „Schiff“

Das Wort πλοῖον wird im deutschen mit „das Schiff“ übersetzt. Die Schiffe auf dem See von Galiläa, von denen in den Evangelien so oft gesprochen wird, sind mit den heutigen Fischerbooten zu vergleichen.3 Diese Dimensionen scheinen auch hier eher wahrscheinlich. Viele deutsche Übersetzungen verwenden in diesem Abschnitt durchgehend das Wort „Boot“,4 was diese These ebenfalls unterstützt.

[...]


1 Vgl. Kuss / Wikenhauser, Das Evangelium nach Matthäus 307.

2 Gesamter Absatz vgl. https://www.bibelkommentare.de/index.php?page=dict&article_id=2373 (letzter Zugriff 18.08.2015)

3 https://www.bibelkommentare.de/index.php?page=dict&article_id=2373 (letzter Zugriff 18.08.2015).

4 U.a. Einheitsübersetzung, Elberfelder Bibel, Lutherbibel

Details

Seiten
23
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668129221
ISBN (Buch)
9783668129238
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313821
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Ev. Theologie
Note
2,3
Schlagworte
jesu gang wasser exegese
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Titel: Jesu Gang auf dem Wasser. Exegese zu Mt 14, 22-33