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Kölner Karneval. Wie unterscheidet sich der Kölner Karneval des 21. Jahrhunderts von seinen Anfängen?

Seminararbeit 2010 17 Seiten

Kulturwissenschaften - Empirische Kulturwissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung ...1

II. Grundlagen zum Verständnis des Kölner Karnevals ... 2
2.1 Bedeutung von den „sechs tollen Tagen“ und deren Ende ...2
2.2 Ursprungsklärung ...4

III. Der Kölner Karneval in seiner Entwicklung ...5
3.1 Anfänge des Kölner Karnevals im 14. und 15. Jahrhundert ...5
3.2 Fortführungen des Kölner Karnevals im 16. und 17. Jahrhundert ...6
3.3 Etablierung des Kölner Karnevals im 18. und 19. Jahrhundert ...8
3.4 Der Kölner Karneval im 20. und 21. Jahrhundert ...10

IV. Wichtige Figuren im Kölner Karneval ...11
4.1 Das Dreigestirn ...11
4.2 Der Narr ...12

V. Schlussbetrachtung ...13

Literaturverzeichnis ...15

I. Einleitung

Kölle Alaaf ist der Schlachtruf zum Auftakt der Kölner Karnevalssession. Im Jahre 1733 taucht Köllen Alaaf erstmals als Lob- und Trinkspruch auf und bedeutet Köln allein.1 In dieser Arbeit werde ich den historischen Bezug vom Kölner Karneval in seinen Anfängen zum heutigen Karneval im Jahre 2010 herstellen. Dazu werde ich eingangs auf die Karnevalsperiode an sich zu sprechen kommen und herausstellen, was es mit den sechs Karnevalstagen auf sich hat. Da ist der Donnerstag kein gewöhnlicher Wochentag mehr, sondern Beginn einer Woche, wo Köln sich im Ausnahmezustand befindet. Des Weiteren werde ich die Ursprungsfrage des Kölner Karnevals klären, die lange Zeit und auch heute noch, falsch hergeleitet wird. Um die Anfänge des Kölner Karnevals mit dem heutigen vergleichen zu können, bedarf es einer geschichtlichen Betrachtungsweise. Insofern habe ich die Geschichte des Kölner Karnevals eingehend studiert und die wichtigsten und für diese Arbeit bedeutenden Geschehnisse herausgestellt. Mein Hauptaugenmerk ist dabei auf das menschliche Verhalten im Karneval, den ausgeübten Bräuchen und die Weiterentwicklung der Kölner Traditionen gerichtet. Gegen Ende meiner Arbeit stelle ich noch wichtige Figuren im Kölner Karneval heraus, ohne die der heutige Karneval nicht das wäre, was er ist. Was der heutige Karneval genau bedeutet, soll Ihnen diese Arbeit beantworten. Hierbei ist der Fokus auf meine Leitfrage gesetzt: „Wie unterscheidet sich der Kölner Karneval des 21. Jahrhunderts von seinen Anfängen?“ Während Sie diese Arbeit etappenweise durch die Karnevalsgeschichte führt, soll verständlich werden, wie die Formen im Kölner Karneval entsprungen sind und sich weiterentwickelten. Die Schlussbetrachtung wird Ihnen einen prägnanten Überblick meiner bereits herausgearbeiteten Erkenntnisse liefern. Als e echt kölsch mädche bin ich selbstverständlich mit dem Volksfest Karneval, dessen Bedeutung und ausgeübten Bräuchen vertraut. Daher war es für mich bis vor einigen Jahren undenkbar, dass jemand den Kölner Karneval und dessen närrisches Treibens nicht kennen könnte. Ist die Stadt Köln doch weltbekannt und das Fastnachtstreiben im Zeitalter von Internet und Fernsehen für jedermann zugänglich. Eine Austauschschülerin aus Australien hat mich jedoch eines Besseren belehrt: Sie bekam einen Kulturschock, als sie das närrische Straßentreiben aus dem „sicheren“ Zug beobachtete. Deswegen habe ich es mir in dieser Arbeit auch zur Aufgabe gemacht, ein möglichst breites Wissen über den Kölner Karneval zu vermitteln. Diese Arbeit soll nicht nur Laien, sondern auch Involvierten des Kölner Karnevals neue Erkenntnisse über Kölns wichtigstes Volksfest bringen.

II. Grundlagen zum Verständnis des Kölner Karnevals

2.1 Bedeutung von den „sechs tollen Tagen“ und deren Ende

Der Begriff Karneval bezeichnet die Session von Weiberfastnacht bis Fastnachtsdienstag. Das lateinische Stammwort für Karneval ist caro, die deutsche Transkription hierzu lautet Fleisch. Aus der Ableitung von caro entstand im Spätmittelalter über die Zwischenform carnevale das Wort carneval. Seit dem Jahre 1699 ist das Wort Karneval im deutschen Sprachraum als Festbezeichnung verbreitet. Die Ableitungen bedeuten die Aufhebung des Fleisches, also das Ende des Fleischgenusses.2

Den Kölner Straßenkarneval leitet immer donnerstags die Weiberfastnacht, (zu kölsch Wieverfastelovend) ein. Die Namensbedeutung ist auf einen alten Brauch zurückzuführen; dem Mötzenbestoht. Frauen und Mädchen rissen sich bei der Mützebestapelung untereinander die Hauben vom Kopf. Dieser Brach stammt von Nonnen, die sich ebenfalls zu Pfaffenfastnacht (ursprünglicher Begriff für Weiberfastnacht) im Kloster amüsierten.

„Wir haben die Fastnacht in aller Lust passiert, und seindt alle Geistliche verkleidet gewesen und uns recht lustig gemacht. In den Tag hinein haben wir getanzt und gesprungen.“, schreibt 1729 eine Nonne aus dem Kloster St. Mauritius in Köln.3

Auf den Kölner Straßen leitete der Bellegeck, ein Karnevalsnarr mit Schellen behängt, durch lautstarke Reimsprüche den Karnevalsanfang ein.[4] Heute ist die Weiberfastnacht in Köln der Auftakt zum Straßenkarneval, wo noch keine Umzüge stattfinden. Heutiges Ritual ist es, dass Frauen den Männern die Krawatten abschneiden. Die Krawatte symbolisiert die männliche Macht. Schon während der Französischen Revolution galt die Krawatte als politisches Symbol und Erkennungsmerkmal. Der Adel trug weiße Seidenkrawatten und die Proletarier bunte Baumwolltücher. Die Kölner haben sich zu Zeiten der Französischen Revolution stark an der Pariser Mode orientiert, deren Folgen im nächsten Kapitel ausgeführt werden. Somit ist das Abschneiden der Krawatte wohl ein Symbol für die Unabhängigkeit der Stadt Köln, frei von jeglicher ausländischer Besatzung.

Weiter geht das Fest an Karnevalsfreitag, an dem erst seit einigen Jahren reges Karnevalstreiben in Köln herrscht. Grund für diesen karnevalsfreien Tag war „(...) ein päpstliches Edikt von 1748 [welches] eine Brauchübung an diesem Tag untersagte (…)“.5

Karnevalssamstag finden Sitzungen und Kostümbälle statt. Alljährliches Ritual ist der alternative Karnevalsumzug Geisterzug, der im Jahre 1992 ins Leben gerufen wurde, da der Rosenmontagszug im Jahre 1991 aufgrund des 2. Golfkriegs nicht stattfand.

Der heute in Köln bekannte Karnevalssonntag, frühere Bezeichnung Laetare, hieß nach dem 11. Jahrhundert Rosensonntag. Grund dafür war der römische Papst, welcher an Laetare mit einer goldenen Rose den Altar des Lateranpalastes betrat, um auf die am darauffolgenden Sonntag anfangende Leidenswoche voraus zuweisen. Die Rose symbolisiert hier das Sinnbild Christi in seiner Passion.6

Der Name Rosenmontag (zu kölsch: Rusemondaach), welcher auf den ursprünglichen Namen Rosensonntag folgt, stammt daher, dass das Komitee, welches seit 1824 die Umzüge des Kölner Karnevals verbreitete, am Montag nach Laetare eine Rosenmontagsgesellschaft bildete.7 Die ältere Bezeichnung für Rosenmontag lautet Geiler Montag. Geil bedeutete ursprünglich fröhlich und übermütig.8 Der Rosenmontag bildet mit seinem Rosenmontagsumzug den Höhepunkt des Karnevals.

Der Fastnachtsdienstagist der letzte Tag an dem Karneval gefeiert werden darf. Das Ende der Fastnacht wird mit dem Ritual der Nubbelverbrennung eingeleitet. Hier wird eine Strohpuppe; der Nubbel (zu kölsch: irgendwer) um Mitternacht verbrannt.

Dieses Übergangsritual steht für das Sündigen an Karneval und nur durch den Tod des Nubbels können die sündhaften Karnevalisten vom fastnächtlichen Teufelsstaat in den fastenden Gottesstaat übertreten.9

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, sang der Kölner Künstler Jupp Schmitz erst 1953, doch diese Regelung wurde schon weitaus früher verankert:

„Das Konzil von Benevent hielt am 31. März 1091 ausdrücklich fest, daß es »kein Laie nach dem Aschermittwoch wagen solle, Fleisch zu essen«. Vielmehr sollten alle (...) an diesem Tage die Asche auf ihren Häuptern empfangen.“10

Schon in der Antike war Asche ein Symbol der Reinigung; sie war die Grundlage zur Seifenherstellung und wurde als Waschmittel benutzt. Der Brauch, das Haupt mit Asche zu bestreuen, ist ein Zeichen der Buße und soll an die Vergänglichkeit des Menschen erinnern und ihn zur Umkehr bewegen. Heutzutage ersetzt das Aschenkreuz die Hauptbestreuung. Somit leitet der Aschermittwoch die Zeit der Besinnung und Vorbereitung auf das vierzig Tage später folgende Osterfest ein. Heute ist es in Köln Brauch, am Aschermittwoch Fisch zu konsumieren: Die Anfangsbuchstaben des griechischen „Jesus Christus, Gottes Sohn und Retter“ ergeben das Wort ΙΧΘϓΣ (Ichthys), welches Fisch bedeutet.11 Deshalb wurde der Fisch schon in frühchristlicher Zeit zum Sinnbild Christi. Das Fischessen am Aschermittwoch bedeutete eine Aneignung des neuen Lebens. Somit markieren Aschenkreuz und Fischessen den Anfang einer neuen Zeit; das Ende des Karnevals und den Anfang der vierzigtägigen Fastenperiode, welche an Jesus vierzigtägiges Fasten in der Wüste erinnern soll.

[...]


1 Vgl. dazu Fuchs, Peter/ Schwering, Max-Leo: Romantische Reform des Kölner Karnevals, in: Fuchs, Peter (Hg.): Kölner Karneval: Seine Geschichte, seine Eigenart, seine Akteure, Köln 1984, S. 32-57, hier S. 47.

2 Vgl. dazu Moser, Dietz-Rüdiger: Fastnacht, Fasching, Karneval, in: Moser, Dietz-Rüdiger (Hg.): Fastnacht, Fasching, Karneval, Graz; Wien; Köln 1986, S.10-17, hier S. 11.

3 Zit. nach Fuchs, Peter/ Schwering, Max-Leo: Mittelalterliche Sinneslust, in: Fuchs, Peter (Hg.): Kölner Karneval: Seine Geschichte, seine Eigenart, seine Akteure, Köln 1984, S.19-27, hier S. 24.

4 Vgl. dazu Euler-Schmidt, Michael: Der Hanswurst, in: Schäfke, Werner (Hg.): Kölner Maskenzüge 1823-1914, Köln 1991, S. 47.

5 Zit. nach Moser, Dietz-Rüdiger: Vom schmutzigen Donnerstag zur rechten Fastnacht, in: Moser, Dietz-Rüdiger (Hg.): Fastnacht, Fasching, Karneval, Graz; Wien; Köln 1986, S.18-27, hier S. 20.

6 Vgl. dazu Moser: Vom schmutzigen Donnerstag zur rechten Fastnacht (wie Anm. 5), S. 21.

7 Vgl. ebd., S.20.

8 Vgl. ebd., S.20.

9 Vgl. dazu Moser, Dietz-Rüdiger: Am Ende sind die Beutel leer, in: Moser, Dietz-Rüdiger (Hg.): Fastnacht, Fasching, Karneval, Graz; Wien; Köln 1986, S. 326-337, hier S. 329
„Es lag deshalb nahe, auch die in der Fastnacht institutionalisierten Verstöße gegen das Gesetz Gottes auf diese Weise zu ahnden (...). Jedenfalls läßt sich so erklären, warum man beispielsweise vor 1565 in Münster am Schluß der Fastnacht eine Art Inquisitionsgericht über den »Gecken« abhielt, eine Puppe aus Leintuch, der man mit Hilfe von Heu und Stroh menschliche Gestalt gegeben hatte und die das Fest selbst beherrschte. Dieser »Geck« wurde beklagt, an allen Ausschreitungen der Fastnacht schuldig gewesen zu sein (...)“.

10 Zit. nach Moser: Vom schmutzigen Donnerstag zur rechten Fastnacht (wie Anm. 5), S. 22.

11 Zit. nach Moser, Dietz-Rüdiger: Am Aschermittwoch ist alles vorbei, in: Moser, Dietz-Rüdiger (Hg.): Fastnacht, Fasching, Karneval, Graz; Wien; Köln 1986, S. 338-345, hier S. 344.

Details

Seiten
17
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668126138
ISBN (Buch)
9783668126145
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313848
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Institut für Archäologie und Kulturanthropologie
Note
2,0
Schlagworte
Karneval Köln Kulturanthropologie Feste Feiern Saufen Masken Kirche Antisemitismus Rassismus Migration Flüchtlinge Ausländer Kölner Uni Bonn

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Titel: Kölner Karneval. Wie unterscheidet sich der Kölner Karneval  des 21. Jahrhunderts von seinen Anfängen?