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Die Varusschlacht. Untersuchung der Schlacht anhand von historischen Texten von der Antike bis zur Moderne

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 14 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Die Kulturen der Varusschlacht
2.1 Wer waren die Römer?
2.2 Wer waren die Germanen?

3. Besondere Charaktere der Varusschlacht
3.1 Publius Quinctilius Varus
3.2 Arminius

4. Schriftliche Überlieferungen zur Varusschlacht

5. Die Suche nach dem Ort der Varuskatastrophe

6. Die Suchgrabungen auf dem Oberesch und der systematischen Ausgrabungen mit Schnitt 7

7. Schlussteil

8. Literaturquellenverzeichnis

9. Internetquellenverzeichnis

1.Einleitung

Im Jahre 2009 jährte sich zum zweitausendsten Mal die Varusschlacht, ein historisches Ereignis der römischen Expansionspolitik, welches langfristig den Verlauf der Geschichte maßgeblich beeinflusste.1 Jedoch liegt die Lokalisierung des Schlachtfeldes erst wenige Jahre zurück. Jahrhunderte blieb der genau Standort ungeklärt, da das Wissen über die „Varuskatastrophe", ihren Beteiligten, ihrem Verlauf sowie dem ungefähren Ort und schließlich von ihrer Wirkung auf die Zeitgenossen, ausschließlich von den römischen und griechischen Autoren überliefert wurden.2 Der römische Geschichtsschreiber Publius Cornelius Tacitus schildert in seinem Werk „Germania" aus dem Jahre 98 n. Chr. über das germanische Land, so wie die Sitten und Kulturen der Menschen dir dort beheimatet waren. Ebenfalls gibt er in Auszügen wieder, dass die Varusschlacht im Teutoburger Wald in den Landen der Germanen stattfand. Jedoch fehlen Informationen über den genaueren Ort , da sich der Teutoburger Wald nach Auffassung antiker Gelehrter durch ein breites Areal in Germanien durchzog.3 Diese Andeutungen reichten für Jahrhunderte nicht aus, um das Schlachtfeld zu ermitteln, bis ein Hobbyarchäologe im Jahre 1987 einen römischen Münzschatz in Kalkriese entdeckte.4

Diese Arbeit soll den Verlauf der Varusschlacht in Ansätzen wiedergeben und die Forschungsgeschichte der Varusschlacht bis zum Zeitpunkt der Archäologischen Ausgrabungen analysieren. Dazu gehören die Berichte der Autoren zum Thema, wie auch die ersten Theorien über den Austrageort der Schlacht.

Zu Beginn der Untersuchung werden die Römer und die Germanen hinsichtlich der Varusschlacht vorgestellt. Daraufhin wird auf die entscheidenden Charaktere der Schlacht bezuggenommen, um ihre Bedeutung näher zu beleuchten. Im weiterem Schritt folgt die Auseinandersetzung mit schriftlichen Überlieferungen und der historischen Forschung nach der Lokalisierung des Schlachtfeldes. Zum Ende werden die Archäologische Arbeitsschritte zu den Ausgrabungen betont und die daraus resultierende Funde kurz aufgelistet und bewertet. Im Schlussteil folgt das Fazit mit eigener Meinung zum Thema.

2. Die Kulturen der Varusschlacht

Die Berichte über die Varusschlacht sprechen über den Konflikt zwischen Römern und Germanen. Diese Oberbegriffe geben jedoch nicht explizit Völker wieder, sondern Kulturgemeinschaften die sich mit ihrer Lebensweise und Weltvorstellung miteinander konfrontiert sahen.5

2.1 Wer waren die Römer?

753 v. Chr. wurde Rom als Bauerndorf am Tiber gegründet.6 Von hier aus begannen die Eroberungszüge, die das Gesicht Europas in der Spätantike formen sollten. Durch die territoriale Erweiterung sicherte sich Rom die Vormachtstellung am Mittelmeer. Zu den wirkungsvollsten Instrumenten der römischen Außenpolitik gehörten die Diplomatie und das Militär. Die militärischen Erfolge beruhten einer ausgefeilten Heeresorganisation, strategischer Kriegsführung, dem Einsatz modernster Waffen, strengster Disziplin und dem eisernen Durchhaltewillen der römischen Legionen im Einsatz.7 Zu Zeiten des römischen Kaisers Augustus ( 27 v.- 14 n. Chr.) bestand die römische Armee aus 28 Legionen, von denen sechs, nach der Varusschlacht acht am Rhein stationiert waren.8 Sie bildeten die Kernstücke der Armee und umfassten in ihrer Sollstärke 6000 Mann, welche jedoch nicht immer erreicht wurde.9 Im Jahre 7 n. Chr. wurde Publius Quinctilius Varus von Kaiser Augustus als Statthalter nach Germanien entsandt, um das Gebiet rechts des Rheins auf seine Zukunft als römische Provinz vorzubereiten.10 Zu seinen Aufgaben gehörte es neue Verwaltungsstrukturen, Steuergesetze und Rechtsnormen in Germanien einzuführen. Jedoch geriet Varus mit seinen drei Legionen beim Marsch zum Winterquartier im Jahre 9 n. Chr. in einen germanischen Hinterhalt und wurde vernichtend geschlagen.11 Nach der folgenreichen Niederlage führten die Römer in den nächsten Jahre weitere Offensivkriege in Germanien, um den germanischen Widerstand zu brechen12. Trotz erfolgreicher Feldzüge wurden in den Folgejahren sämtliche Stützpunkte rechts des Rheins aufgegeben.13

Die wenigen Berichte über die Varusschlacht wurden von römischen Geschichtsschreiber nach römischer Auffassung und Perspektive erstellt und dienten der eigenen Interpretation der Schlacht. In ihren Berichten zur Niederlage des Varus, steht Arminius, ein germanischer Fürst und ehemaliger Verbündeter der Römer, als Verräter und Hauptschuldiger des verlustreichen Ereignisses.

2.2 Wer waren die Germanen?

Die Erforschung der germanischen Geschichte stellt Historiker vor ein großes historisches Problem. Zahlreiche Berichte über die Germanen stammen aus den Federn der römischen Autoren. Zwar feierten die Germanen ihre mythisch verklärte Herkunft in Gesängen, doch wurde diese nicht schriftlich festgehalten und überliefert. Folglich sind keine Schriftquellen vorhanden, in denen die Germanen Auskunft über ihre eigene Kultur wiedergeben.14 Als Germanen wurden die Bevölkerung rechts des Rheins bezeichnet, welche in verschiedenen Gruppen und Verbände zwischen Rhein, Donau und Weichsel siedelten. Ausschlaggebend für die Zuordnung der Gruppen, ergab sich aus der Sprache, der Kultur oder der Zugehörigkeit zu einem germanischen Adligen. Der römische Feldherr und Staatsmann Gaius Julius Caesar prägte in seinen Berichten über den Gallischen Krieg das Bild der Germanen.15 Dort werden die Germanen subjektiv als wilde, großgewachsene, subkulturelle, impulsive und kräftige Ungeheuer bezeichnet, welche die kulturelle römische Zivilisation gefährden.16 Diese Klischees von den wilden Völkern des Nordens erhielt ihren Impuls durch die Ereignisse des Keltensturms ( 385 v. Chr.), die Bedrohung durch die Kimbern und Teutonen ( 105 v. Chr.) und sollte auf die existenzielle Gefährdung hinweisen.17 Durch die zahlreichen archäologischen Funde ist die paradoxe Situation eingetreten, dass Forscher heutzutage besser über die Germanen informiert sind , als die zeitgenössischen antiken Schriftsteller. Im Unterschied zu den Römer, kannten die Germanen keine Städte, sondern siedelten sich in Gehöften und kleineren Dörfern, die einige Dutzend Gebäude umfassten. Mehrere Siedlungen bildeten das Territorium eines Stammes. Vornehmlich lebten die Germanen von der Landwirtschaft und der Viehzucht.18 Aber auch handwerklich waren die Germanen tätig. Anders als der römische Geschichtsschreiber Tacitus annahm, verfügten die Germanen über reichhaltige Eisenerzvorkommen, welche sie vorwiegend im Tagebau aus den Böden gewannen.19 Desweiteren war der Handel mit germanischen Stoffen und Töpfen populär, sodass auch hier ein Wirtschaftszweig der Germanen zu erkennen ist. Die Stämme der Germanen bildeten kleinere politische Gebilde, welche in der Regel nur wenige tausend Mann umfassten. Nach römischen Schilderungen ist bekannt, dass die Gemeinschaft in Friedenszeiten zum Einen begrenzt von regionalen Fürsten regiert und zum anderen der Lebensalltag von den germanischen Priestern gelenkt wurde. In Kriegszeiten wählten die germanischen Stammesangehörigen einen Feldheeren aus, welcher die Führung in Angriffs- oder Verteidigungsfällen inne hatte.20 Einer von ihnen war der Cheruskerfürst Arminius, der die Germanen in die Varusschlacht führte und drei römische Legionen im Hinterhalt vernichtete.

[...]


1 Vgl. Landesverband Lippe, [hrsg.] Berke Stephan, 2000 Jahre Varusschlacht, Teil: Mythos, Stuttgart 2009, Imperium Konflikt Mythos, S. 16.

2 Vgl. Wolters Reinhard, Die Schlacht im Teutoburger Wald, München 2008, 5. Die Schriftlichen Überlieferungen zur Varuskatastrophe, S. 100.

3 Die Informationen zu dem Werk von Tacitus stammen ab von: Wolters Reinhard, Die Schlacht im Teutoburger Wald, München 2008, 5. Die Schriftlichen Überlieferungen zur Varuskatastrophe, S. 108.

4 Vgl. Varusschlacht im Osnabrücker Land, Museum und Park Karlkriese, Information für Lehrer, S. 1.

5 Vgl. Landesverband Lippe, [hrsg.] Berke Stephan, 2000 Jahre Varusschlacht, Teil: Mythos, Stuttgart 2009, Namenlose Stämme, S. 43.

6 Vgl. Zeittafel zur römischen Geschichte: http://www.judithmathes.de/rom/geschichte/zeittafel_zur_roemischen_geschichte.htm, Stand 13.01.2015.

7 Vgl. Varusschlacht im Osnabrücker Land, Museum und Park Karlkriese, Information für Lehrer, S. 9.

8 Vgl. Geschichtliche Ausgangslage der römischen Truppen am Rhein: http://www.cladesvariana.com/die_geschichtliche_ausgangslage.htm. Stand 13.01.2015.

9 Vgl. Die römische Legion im Detail: http://reiniswelten.de/regensburg/dieroemerinregensburg/eineroemischelegionimdetail/index.html. Stand 13.01.2015.

10 Vgl. Varusschlacht im Osnabrücker Land, Museum und Park Karlkriese, Information für Lehrer, S 2.

11 Vgl. Landesverband Lippe, [hrsg.] Berke Stephan, 2000 Jahre Varusschlacht, Teil: Mythos, Stuttgart 2009, Imperium Konflikt Mythos, S. 16.

12 Vgl. Wolters Reinhard, Die Schlacht im Teutoburger Wald, München 2008, 6.1 Die Feldzüge des Germancius, S. 127-133.

13 Vgl. Wolters Reinhard, Die Schlacht im Teutoburger Wald, München 2008, 6.3 Das Ende der Quinctilier.

14 Vgl. Ausbüttel Frank, Die Germanen, Darmstadt 2010, Name und Herkunft der Germanen, S. 3-4.

15 Vgl. Landesverband Lippe, [hrsg.] Berke Stephan, 2000 Jahre Varusschlacht, Teil: Mythos, Stuttgart 2009, Zum Germanenbild der Römer aus literarischer Perspektive, S. 30.

16 Vgl. Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH, Varusschlacht im Osnabrücker Land, Museum und Park, Mainz 2009, Kann man von einem Germanenbild der Römer sprechen?, S. 50.

17 Vgl. Landesverband Lippe, [hrsg.] Berke Stephan, 2000 Jahre Varusschlacht, Teil: Mythos, Stuttgart 2009, Das Klischee von den wilden Völker des Nordens.

18 Vgl. Ausbüttel Frank, Die GermanenDarmstadt 2010,Lebensweise, S. 43.

19 Vgl. Ausbüttel Frank, Die GermanenDarmstadt 2010, Wirtschaft und Handel, S. 45.

20 Die Informationen zur Gemeinschaft der Germanen stammen ab von: Ausbüttel Frank, Die Germanen, Darmstadt 2010, Gesellschaft und Verfassung der Stämme, S. 49.

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668132023
ISBN (Buch)
9783668132030
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v313890
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1.3
Schlagworte
Römer Germanen Varus Arminius Kalkriese Feldzüge Ausgrabungen Legion

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Titel: Die Varusschlacht. Untersuchung der Schlacht anhand von historischen Texten von der Antike bis zur Moderne